Neues aus dem Zionisten-Manual: Israel verteidigen

Kurz und knackig eine präzise Zusammenfassung der auf zionistischer Seite aktuell besonders gern benutzen Argumente, wie sie nicht nur in den social media erscheinen, sondern auch in diversen Berichten, Kommentaren und Interviews in den internationalen Medien (english original version,  which is an excellent summary of the actual zionist arguments, at the end of this post).

Sie werden derzeit dermaßen konstant und oft angeführt, dass es angemessen ist, sie in einem ‚Manual‘ aufzulisten.

  1. Nenne die Personen Antisemiten, selbst wenn sie Juden sind.Break glass &% shout antisemitism
  2. Streite ab, dass Palästina existiert. (Wenn sie argumentieren: „Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien seien vor ihrer Unabhängigkeit auch keine Staaten gewesen und dennoch würde niemand denken, es sei gerechtfertigt, ihre Häuser, Höfe und Unternehmen zu konfiszieren“ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  3. Lenk die Schuld ab auf Hamas. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde längst im Gange war, bevor Hamas sich gründete > gehe zurück zu Nr. 1)
  4. Behaupte, die Palästinenser hätten die Brutalität verdient, mit der Israel sie schlägt, weil sie für Hamas gestimmt hätten. (Wenn sie entgegnen, das sei die gleiche Entschuldigung, die Bin Laden dafür gebraucht habe, dass er das WTC in die Luft sprengen und amerikanische Zivilisten töten ließ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  5. Fordere ein Rückkehrrecht für die Juden, weil sie dort vor Tausenden Jahren gelebt hätten. (Wenn sie entgegnen, die palästinensischen Flüchtlinge hätten ebenso ein Rückkehrrecht, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > gehe zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähne, Sharon habe Gaza den Palästinensern gegeben, es stünde nicht länger unter Besatzung, dennoch würde Hamas Raketen auf Israel abfeuern. (Wenn sie anführen, dass Israel immer noch Gazas Luftraum, Gazas territoriale Gewässer und Gazas Grenzen kontrolliere > kehre zurück zu Nr. 1.)
  7. Gib die Schuld anderen Arabern, weil sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkommen hießen. (Wenn sie argumentieren, die Palästinenser hätten das Recht auf Selbstbestimmung und andere arabische Staaten seien nicht dazu da, die Schweinerei auf zu kehren, die Europa, die USA und Israel veranstaltet hätten > kehre zurück zu Nr. 1.)

Zionist manual

Eine der letzten Kolonien

Ali Jarbawi ist Politologie-Professor an der Birzeit-Universität bei Ramallah / Palästina und zudem ehemaliger Minister der palästinensischen Autonomie-Behörden. Am 04. August 2014 veröffentlichte die New York Times seinen Artikel „Israels Kolonialismus muss enden„, der präzise darstellt, worum es im Palästina-Konflikt tatsächlich geht (Zitate kursiv).

Er schreibt:
Jahrhunderte europäischen Kolonialismus haben der Welt bestimmte grundlegende Lehren über das Unterwerfen kolonisierter Völker gebracht: je länger eine koloniale Besetzung währt, desto größer neigen Rassismus und Extremismus der Siedler zu wachsen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Besatzer auf Widerstand stoßen; an diesem Punkt wird die besetzte Bevölkerung zu einem Hindernis, das entweder zur Unterwerfung gezwungen oder durch Vertreibung oder Ermordung eliminiert werden müsse.

In den Augen der Besatzungsmacht hängt die Menschlichkeit derer unter ihrem Daumen vom Grad ihrer Unterwerfung oder ihrer Zusammenarbeit mit der Besatzung ab. Wenn die besetzte Bevölkerung sich entscheidet, sich den Zielen der Besatzer in den Weg zu stellen, dann werden sie verteufelt, was den Besatzern die vermeintliche moralische Entschuldigung liefert, ihnen mit allen möglichen Mitteln entgegen zu treten, egal wie hart.

Die israelische Besetzung von Palästina ist eine der wenigen verbliebenen Besetzungen durch koloniale Siedler in der heutigen Welt.

Und sie ist nicht auf Ost-Jerusalem und die Westbank beschränkt: auch wenn Israel seine Siedler und seine Armee im Jahr 2005 aus Gaza zurück zog, ist es dort immer noch von den Vereinten Nationen als Besatzungsmacht anerkannt wegen seiner vollständige Kontrolle über Gazas Luftraum,  des Zugangs zur See und fast aller seiner Landgrenzen.

Israel hat seine Story, meint Jarbawi – man kann auch sagen Märchen oder Legende – dem Westen erzählt, der sie ihm all die Jahre abgenommen hat. Hier stellt sich m.E. die Frage, inwiefern das Ergebnis dieses Gaza-Krieges nicht ist, dass die vertraute Legende an der brutalen Wirklichkeit zerbrochen ist. Und zum Status Quo der israelischen Gesellschaft und Politik berichtet er:

Palästinenser anzugreifen ist offiziell sanktionierte Politik geworden, eingebettet in das israelische öffentliche Bewusstsein und höflich ignoriert in westlichen politischen Kreisen.

Es gibt nun eine extremistische, rassistische ideologische Strömung in Israel, die nicht nur den letzten Angriff auf den Gaza-Streifen rechtfertigt, sondern tatsächlich dazu ermutigt, die enorme und unverhältnismäßige Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zu gebrauchen, die zur Vernichtung ganzer Familien geführt hat.

Beispielhaft verweist Jarbawi auf Moshe Feiglins Äußerungen, die ich bereits hier übersetzt habe und meint zu Recht, dies könne nicht anders denn als Aufruf zur ethnischen Säuberung verstanden werden. Aber er führt auch die Knesset-Abgeordnete Ayelet Shaked als Beispiel an, die dazu aufrief, nicht nur die Häuser der „terroristischen Schlangen“ zu zerstören, sondern auch die Mütter zu töten, damit sie keine neuen „kleinen Schlangen“ in die Welt setzen könnten. Und schließlich Mordechai Kedar, Professor an der Bar Ilan Universität, der öffentlich die These aufstellte, die Mütter und Schwestern der „Terroristen“ zu vergewaltigen könnte diese von weiterem Terrorismus abhalten.

Die von ihm erwähnten Äußerungen sind in Palästina weithin bekannt, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Sie sind längst keine isolierten Ereignisse mehr in einem Land, in dem „Tötet die Araber“ ein gängiger Ruf geworden ist. Was ihn lediglich wundert, ist, dass solche Aussagen auf keine Art von Verurteilung in den offiziellen westlichen Kreisen treffen, die doch beanspruchen, sich Rassismus und Extremismus zu widersetzen.

Der Aufstieg des israelischen Rassismus und Extremismus gegen die Palästinenser wäre ohne die bedingungslose Unterstützung, die Israel von seinen Verbündeten erhält, am deutlichsten von den Vereinigten Staaten, nie geschehen.

Hier wäre natürlich auf die Legende von den Holocaust-Opfern zu verweisen (der entgegen steht, dass es kaum noch steinalte Überlebende gibt, so wenig, wie auf der anderen Seite überlebende Täter), der anscheinend jedem Juden ein geradezu engelhaftes Wesen verleihen und ihn aus der Menschheit heraus heben soll – wobei inzwischen die meisten Einwanderer aus fernen Gegenden Osteuropas oder des Orients stammen und überhaupt, eingeschlossen der derzeitige Ministerprädident Netanyahu, erst nach 1945 geboren wurden. Doch damit ist es nicht genug. Aufgrund ihrer oft recht skrupellosen Machtpolitik und ihres sehr lockeren Umgangs mit dem Recht haben die USA seit langem schon einen denkbar schlechten Ruf in der Welt und das bisschen Vertrauen, das die USA durch ihr Engagement für den Arabischen Frühling gewonnen haben, drohen sie nun durch Israels Gaza-Krieg wieder zu verlieren; Putin wird’s freuen. Aber übersehen wir Europa nicht, dessen Selbstbild, und das trifft zunehmend auch auf Deutschland zu, so gar nicht dem Bild entspricht, das andere von ihm gewonnen haben. Die schönen moralischen Sonntagspredigten interessieren nämlich niemanden, wenn man sich im Alltag so ganz gegenteilig verhält. Dann nennt man das Bigotterie und genau deswegen ist Europa längst berüchtigt, wobei Bigotterie auch immer als Schwäche ausgelegt wird. Nicht nur wirtschaftlicher Egoismus, sondern vor allem Europas jahrelange Flüchtlingspolitik auf dem Mittelmeer hat seinen Ruf nachhaltig beschädigt. Aber eben auch seine Position im  Palästina-Konflikt, denn „keine Art von Verurteilung in den offiziellen westlichen Kreisen treffen, die doch beanspruchen, sich Rassismus und Extremismus zu widersetzen“ ist natürlich der Vorwurf eben der Bigotterie.

Israel kann nicht weiterhin die Ausnahme von der Regel des Völkerrechts und der Menschenrechte sein. Die internationale Gemeinschaft muss es für seine Rhetorik und seine Taten zur  Verantwortung ziehen und beginnen, es wie alle anderen Länder zu behandeln. Es sollte ihm nicht erlaubt werden, weiterhin seinen Sonderweg zu genießen und diesen Zustand zu nutzen, um weitere Zerstörungen bei der palästinensischen Bevölkerung anzurichten.

Gaza Spiel 2
Das von Google nunmehr nach Protesten gelöschte Spiel

Leitfaden zur Verteidigung Israels / How to defend Israel

Don’t understand German? Scroll down and you find the original I translated.

Es gibt einen neuen Leitfaden für Zionisten – den alten hatte ich hier vorgestellt – den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, hat er doch für jeden, der sich gerade auch wegen des Gaza-Krieges mit Israels Politik auseinander setzt, lustigen Wiedererkennungswert.
Dem mir unbekannten Autor sei hiermit der Dank der Palästina-Solidarität ausgesprochen.

Empfohlen sei dieser Leitfaden hiermit auch den Teilnehmern pro-israelischer Demonstrationen und ihrer medialen Begleiter, denn eine solche kurze Anleitung ist vielleicht einfacher und schneller zu lesen, als die doch etwas geschraubteren, die sie andernorts finden.

 

Zionisten-Manual: wie Israel zu verteidigen ist

  1. Nennen Sie die betreffenden Personen Antisemiten, auch wenn sie Juden sind.
  2. Bestreiten Sie, dass es Palästina gibt. (Wenn sie argumentieren, Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien hatten auch nie Staaten vor ihrer Unabhängigkeit und dennoch würde niemand glauben, es sei gerechtfertigt, Häuser, Farmen und Unternehmen ihrer Bürger zu konfiszieren > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  3. Leiten Sie darauf um, die Schuld Hamas zuzuschreiben. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde tobte, lange bevor Hamas überhaupt gegründet wurde > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  4. Weisen Sie darauf hin, dass die Palästinenser die Brutalität, die Israel ihnen aufzwingt, verdient haben, weil sie für Hamas gestimmt haben. (Wenn sie sagen, das sei die selbe Entschuldigung, die Bin Laden gebrauchte, als er das World Trade Center in die Luft jagte und amerikanische Zivilisten tötete > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  5. Verlangen Sie, dass das jüdische Volk das Recht zur Räckkehr habe, weil es dort vor Tausenden von Jahren gelebt habe. (Wenn sie argumentieren, dass die palästinensischen Flüchtlinge auch ein Recht auf Rückkehr haben, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > kehren Sie  zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähnen Sie, dass Sharon Gaza den Palästinensern gab und dass es seither nicht mehr unter Besatzung steht, dass Hamas aber trotzdem immer noch mit Raketen schießt. (Wenn sie darauf aufmerksam machen, dass Israel auch weiterhin Gazas Luftraum, seine territorialen Gewässer und seine Grenzen kontrolliert >kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  7. Beschuldigen Sie die anderen Araber dafür, dass sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkkommen geheißen haben. (Wenn sie damit argumentieren, dass die Palästinenser das Recht auf Selbstbestimmung haben und dass andere arabische Staaten nicht das Chaos aufzuräumen haben, das Europa, die USA und Israel produziert haben > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)

 

IDF-Manual

 

Kidnapping-Fall in Israel

Wer diese recht umfassende Zusammenfassung des Guardian nicht lesen mag:

Die drei Jungen im Alter 16-19 aus Siedler-Familien wollten am 12. Juni nachts in der illegal besetzten West Bank nach Hause trampen. Ein Auto nahm sie mit, drehte jedoch alsbald. Daraufhin ließ einer der Jungs heimlich einen Notruf an eine entsprechende Notrufnummer los, auf den jedoch niemand reagierte. Das wurde möglicherweise von den Entführern entdeckt, die Jungen daraufhin erschossen und unter einem Steinhaufen begraben, das Auto ein kleines Stückchen weiter weg gefahren und in  Brand gesetzt.

Heute wurde hierzu ein Teil des aufgezeichneten Telefonanrufs veröffentlicht, u.a. von Jerusalem Post. Nach der dort gegebenen Beschreibung erscheint es doch als ziemliche Ungeheuerlichkeit, dass auf diesen Notruf erst fünf Stunden später reagiert wurde; da waren die Jungen vermutlich schon tot.

Israels Regierung machte umgehend die Hamas verantwortlich.
Zu bedenken ist, dieser Fall geschah kurz nach der politischen Wiedervereinigung der Hamas-Regierung von Gaza mit den Palästinensischen Autonomiebehörden in der West Bank, was Israel scharf ablehnte. Dies, der ignorierte Notruf sowie ein Bericht in Haaretz vom 15. Juni  (jetzt erst in der durchaus zweifelhaften, bis hin zu echter Judenfeindschaft und VT reichenden  Veterans Today veröffentlicht), wonach der Mossad-Chef 10 Tage zuvor in Anlehnung an Boko Harams Entführungen fragte: „Was würden Sie tun, wenn nächste Woche drei 14.-jährige Mädchen aus einer der Siedlungen gekidnapped werden?“ führten seitens der Palästinenser alsbald zu Spekulationen, ob es sich bei dieser Entführung nicht um eine false flag operation handeln könne; man zweifelte dabei allerdings, ob es den entsprechenden Stellen zuzutrauen sei, ihre eigenen Kinder umzubringen.

Da die Jungen spurlos verschwunden waren, die Hamas jegliche Verantwortung durchaus glaubwürdig ablehnte und sich auch sonst niemand zur Entführung bekannte, bis auf eine angeblich ISIS-nahe Gruppe, von der freilich noch nie jemand etwas gehört hatte, die also wahrscheinlich Trittbrettfahrer waren, ging man in Palästina schon seit einigen Tagen davon aus, dass die Jungen tot sind. Was von niemandem begrüßt wurde; man entführt keine Sechzehnjährigen, um sie dann kaltblütig umzubringen. Aber selbstverständlich verwies man beständig auf die inhaftierten, verletzten, getöteten Kinder und Jugendlichen der Palästinenser; wer sich denn um die schere.

Israel behauptet weiterhin, die Entführung und Ermordung sei eine Aktion der Hamas, die zum Ziel gehabt habe, Geiseln für den Gefangenenaustausch zu  beschaffen. Das ist zwar nicht gänzlich abwegig, aber eben auch nicht unbedingt im Interesse der Hamas. Von daher verlangt eine solche Behauptung wenigstens nach dem Anschein eines Beweises; der jedoch wurde nie erbracht. Es kann selbstverständlich nicht angehen, dass eine Regierung irgend etwas behauptet, nach dieser Behauptung handelt und jede Nachfrage mit dem Verweis auf Geheimschutz ablehnt. so viel Vertrauen sollte man nun wirklich in keine Regierung haben, dies zu akzeptieren.

Die Suche nach den Jungs wurde bereits mit großer Brutalität geführt; 7 Palästinenser, darunter auch solche, die nicht älter waren als die entführten Israelis,kamen dabei ums Leben. Zusätzlich zu nächtlichen Durchsuchungen mit Demolierung des Mobiliars, Absperrungen ganzer Ortschaften, Behinderung von Kindern auf dem Schulweg, Gefangennahme und Internierung auch von Schulkindern usw. kamen auch noch freche Aktionen von Siedlern, die die Gelegenheit nutzten, noch unverfrorener die Aneignung von landwirtschaftlich genutzten palästinensischen Land zu reklamieren, Bäume abzuholzen bzw. abzubrennen und Moscheen und Häuserwände mit Nazi-Parolen, wie „Gas the Arabs“ zu beschmieren. Das Ganze wird fast zwangsläufig zu einer 3. Intifada führen , also einem dritten umfassenden Aufstand der Palästinenser, wenn mittelalterlich anmutende Rachsucht noch wesentlich länger jede Vernunft überdeckt , wobei mir nicht ganz klar ist, ob der nun seitens Israel gefürchtet oder herbei gesehnt wird; möglicherweise ist dies Israels Regierung selber nicht klar.

Es ist auch nicht klar, wie weit die gegenwärtigen Militäraktionen gehen sollen; schon gibt es Stimmen im Kabinett, die die Wiederbesetzung des Gaza-Streifens verlangen. Tatsächlich wurden gestern Nacht Verwaltungsgebäude dort bombardiert. Die Frage ist allerdings, was das bringen soll; insofern sehen die bombengewohnten Palästinenser die Sache relativ gelassen. Israels Wunsch, Ägypten möge doch Gaza nehmen, wurde offenkundig abgelehnt, das nämlich ist die Übersetzung der Schließung des Grenzübergangs Rafah. Seine gern aus der Bevölkerung Palästinas heraus gerechneten 1,7 Mio Einwohner müssen also wieder hinein gerechnet werden. Welchen Status sie dann in Israel haben sollen, ist problematisch. Hinzu kommt die West Bank, die immer offenkundiger ganz annektiert wird, mitsamt der Bevölkerung von ca. 2,3 Mio.  Dazu noch mal ca. 2 Mio Nichtjuden in Israel selbst gegenüber ca. 6 Mio Israelis – den jüdischen Staat kann sich Israel in dem Falle abschminken.

Man wird die weitere Entwicklung abwarten müssen. Tatsache ist jedoch, mit einer Abkehr vom UN-Teilungsplan und den Grenzen von 1967 kann Israel mittelfristig nur verlieren und Palästina nur gewinnen, was den Palästinensern durchaus bewusst ist. Die Hamas ist auch nicht unbedingt etwas, woran des Palästinensers Herz hängt, ebensowenig übrigens wie die PLO. Moderne Palästinenser, ob in Gaza oder der West Bank, stellen sich offenbar was anderes vor,  weder altmodisch-selbstherrlich-korrupt noch fromm-islamistisch; das allerdings dürfte Israel eher mehr als weniger zu schaffen machen.

Es fragt sich, wann Israel seine eigene Lage bewusst wird. Obamas ‚Streik‘ mit der Begründung, er habe schließlich noch anderes zu tun, als  sich um Israel und Palästina zu kümmern, wer was von ihm wolle, könne ja mit einem eigenen Konzept kommen, könnte darauf hin deuten, dass auch er darauf wartet.

28.04.2014: Palästina – der Ausblick

Seit meinem Abriss über den Stand der Palästina-Verhandlungen vom 23.04.2014 kristallisiert sich nun überraschend schnell die Richtung heraus, die in Sachen Palästina-Konflikt  sowohl von den USA als auch von Europa eingeschlagen wird.

Laut Ha’aretz von heute hat nunmehr der US-Sondergesandte und Unterhändler Martin Indyk Israel verlassen, wo er sich in den letzten Monaten meist aufgehalten hatte; Rückkehr unbekannt. Damit dürfte das Kapitel Verhandlungen aus Sicht der USA, speziell von Kerry, abgeschlossen sein. Der begibt sich dann auch zum avisierten Termin eines möglichen Rahmenabkommens, dem 29. April 2014, auf Reise nach Afrika.

Derweil arbeitet Palästina an einer „Technokraten-Regierung“, die die international gestellten Bedingungen für Unterstützung im Friedensprozess erfüllt: Anerkennung Israels, Absage an Gewalt und Anerkennng vorheriger Abmachungen, damit dürften insbesondere die der UNO gemeint sein, bei denen freilich eher deren Anerkennung durch Israel das Problem ist.  Hier rechne ich damit, dass sich die Barghouti-Linie durchsetzt, die, da Marwan Barghouti immer noch in israelischem Gefängnis sitzt, von Mustafa Barghouti vertreten wird. Sein Widerstand ist jung, modern und friedlich. Er ist nicht, wie es bewaffneter Widerstand üblicherweise ist, konspirativ, muss sich also nicht verstecken und kann entsprechend für Publizität sorgen. Es haben sich also auch die Palästinenser auf das Internet-Zeitalter eingestellt.  Dieser Widerstand findet sich beispielhaft in der Wiederbesiedlung des alten, entvölkerten Kirchendorfes Ein Hijleh, aber auch in den wöchentlichen Demonstrationen von Nabi Saleh. Eine sehr erfolgreiche Art des Widerstandes, denn Israel, insbesondere sowohl die IDF als auch die Siedler, sehen dabei gar nicht gut aus.

Auf der anderen Seite gehört Mustafa Barghouti auch mit zu den Architekten des erwarteten Abkommens mit Gaza, quasi der Wiedervereinigung, das in ca. 4 Wochen geschlossen werden soll. Auch das ist etwas, was Israel überhaupt nicht in den Kram passt und was es mit Hinweis auf die Hamas zu torpedieren trachtete; sieht allerdings nicht danach aus, als ob ihm das gelingt, es könnte vielmehr zu einem Rohrkrepierer werden. Denn zu Palästina gehört Gaza und seine Bevölkerung selbstverständlich hinzu und das sind immerhin gut 1,7 Millionen Menschen, die Israel wohl lieber samt Gaza-Streifen an Ägypten los geworden wäre. Im Gegensatz zu vielen Palästinensern gehe ich weiterhin davon aus, dass mit der Sperrung des Grenzüberganges Rafah vom Gaza-Streifen nach Ägypten und der Zerstörung der Tunnel zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen wurden: es diente nicht nur der Absage an die Verwandtschaft von Ägyptens Moslembruderschaft, der Hamas, sondern gleichzeitig der Absage an Israel, die Verantwortung für den durch hermetische Abriegelung besetzten Gaza-Streifen  stiekum Ägypten zu überlassen.

Ich würde mal davon ausgehen, dass diese Linie, gewaltfreier Widerstand und Wiedervereinigung  mit Gaza, von der überwiegenden Mehrheit der Palästinenser unterstützt wird. Gerade auch  von der Bevölkerung von Gaza: ihre Feier der Ankündigung eines solchen Abkommens zeigte das recht deutlich. Hamas-Land Gaza ist längst zu einem unglaubwürdigen Popanz geworden. Dass die Mehrheit der Bevölkerung mit dem Islamismus genau so wenig im Sinn hat, wie die Mehrheit überall im islamischen Raum, pfeifen die Spatzen von den Dächern und dass es in einem Landstrich mit dermaßen unterdrückter und gefangen gehaltener Bevölkerung immer genug Leute geben wird, die immer wieder mal eine selbst gebastelte Rakete über die Sperrmauer schicken, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Dazu bedarf es keiner zentralen militanten Organisation.
Und die Wiedervereinigung wird eine Vereinigung unter Regierungschef Abbas sein. Ich wage zu behaupten, dass die alte Hamas-Linie damit tot sein wird.

Es ist ziemlich sicher, dass Abbas die oben erwähnten Bedingungen erfüllen wird. Die Anerkennung des Holocausts als schwerstes Verbrechen der Neuzeit pünktlich zum Holocaust-Gedenktag ist dafür ein klares Signal. Das reißt allerdings keinen Palästinenser vom Hocker. Die weit überwiegende Mehrheit hat das  Verbrechen Holocaust lange schon anerkannt, fragt allerdings, was sie, die Palästinenser damit zu tun hätten, dass sie es nun ausbaden müssten.

Da dies also ziemlich sicher ist, ist auch die Ankündigung ernst zu nehmen, dass der Spieß nunmehr umgedreht wird: er ist zu erwarten, dass Israel dann sowohl von den USA als auch von der EU unter heftigen Druck kommt. Ashton hat bereits die Bildung einer Einheitsregierung für ganz Palästina, einschließlich Gaza, begrüßt und angekündigt, dass die EU von Israel Kooperation mit dieser Regierung verlangt. Eine Kooperation, die mit den Rechtsradikalen in Israel nicht zu machen sein wird. So verkündete ihr Wirtschaftsminister Bennett bereits, er trete dafür ein, Zone C der West Bank, die 60 % des palästinensischen Staatsgebietes umfasst, zu annektieren, und dem Rest verstärkte Autonomie zuzubilligen. Autonomie wohlgemerkt. Von Staat spricht er nicht, verfolgt also ganz klar die Idee von Homelands à la Südafrika.

Herausgegeben wurde diese große politische Linie wohl von Kerry letzten Freitag in einem Treffen mit ungenannten „Führenden in den Welt“ hinter verschlossenen Türen, über das Daily Beast gestern berichtete. Es ist eine klare Absage an die Pläne der Rechtsradikalen: entweder saubere Zweistaaten-Lösung, oder Israel wird ein Apartheidstaat werden (was die Weltgemeinschaft nicht akzeptieren wird) mit dem Ergebnis des Scheiterns der Idee Staat Israel.

Angesichts der Tatsache, dass das, was für Israel zum endgültigen Scheitern der Gespräche führte, nämlich das avisierte Wiedervereinigungsabkommen mit Gaza, von Ashton begrüßt wurde und außer der doch recht weit her geholten Beschwerde über Abbas Anträge auf Mitgliedschaft in 15 UNO-Organisationen (wer könnte ernsthaft Einwände erheben, wenn jemand solche Mitgliedschaft beantragt, über die die UNO entscheidet) keine konkreten Beschwerden über die palästinensische Seite zu vernehmen sind, muss es als diplomatische Floskel angesehen werden, wenn auch Palästina Schuld am Scheitern der Gespräche zugeschrieben wird.  Das lässt aufmerken bei Kerrys Überlegung, ein Führungswechsel bei den Palästinensern oder den Israelis könnte einem Friedensabkommen förderlich sein. Der Führungswechsel bei den Palästinensern wäre wohl hin zu  Marwan Barghouti, dessen Nichtfreilassung das Scheitern der Verhandlungen einleitete. Und Israel? Nun, es ist jedem nüchtern-kritischen Beobachter klar, dass Rechtsradikale nichts in Regierungen zu suchen haben und Bennett und Lieberman werden sowohl außerhalb  als auch innerhalb Israels immer wieder als rechtsradikal bezeichnet; zu Recht. Ebenso wie die derzeit nicht mehr kontrollierbaren Siedler, die frech und öffentlich nicht nur die Annektion Palästinas, sondern auch noch Jewish Supremacy vertreten, also genau das, was man einst den Juden perfiderweise in diversen  Verschwörungstheorien unterstellte. Muss man sehen. Es sind selbstverständlich nicht die Juden, sondern nur ein Haufen Rechtsradikaler, die freilich wie alle Rechtsradikalen beanspruchen, für alle zu sprechen, so in Richtung mythische Volksseele. Mit dem ebenfalls für Rechtsradikale typischen Tyrannisieren der eigenen Leute als als ‚Volksschädlinge‘, ‚Entartete‘ und was für nette Worte es da noch gibt, haben sie ja bereits angefangen, etwa, wenn sie Frauen angreifen, die sich vorne in den Bus setzen wollen oder auch jüdische Kritiker schon mal als Antisemiten verprügeln. Insofern ist es in der Tat dringend Sache der Israelis zu überlegen, wo sie in Zukunft hin wollen – und welchen Wert sie auf den Erhalt des Staates Israel legen.

Ein Hijleh (English)

Let’s start with this map of the West Bank. That’s part of Palestine.

Blue is the Oslo Zone C. This is also partKarte of Palestine. The West Bank was occupied in 1967. At that time Ein Hijleh was ethnically cleansed and closed, the inhabitants driven out

It was plan to negotiate more in details on the Zone C, according to Oslo II, signed in 1995because that time around 130,000 Israeli settlers lived there, who had gathered since 1967 there and because Israel as usual argued with security aspects. But a partial withdrawal should have been done until 1999. Of course Israel did not do that and now there are about 300,000 Israeli settlers in the West Bank. There was another settlement freeze in between, namely 2001, in connection with the agreement of the so-called roadmap. At that time there were about 200.000 settlers in the West Bank. So you see, these agreements were in fact not worth the paper, and because EU had noticed that as well, there is now a boycott of the economy in these illegal settlements.

Who looks at the map will note that Palestine is cut off from the entire river Jordan. And therefore off the area with its most important resources, which of course includes the Jordan water. This is surely a great way to undermine the existence of farmers, because where there is no water, there’s nothing to do with agriculture. Where there are no Israeli settlements, then there are military zones, and when that looks a bit too funny, it’s just declared as a nature reserve. Quasi in stock. So it is not surprising that the Palestinian towns there, the purple dots, in no small degree live of international support.

The extreme right in Israel, which is now probably pretty much expected to be mainstream, say, the West Bank belongs to them , because it should be Judea and Samaria. Well. This is religion , so it’s them at liberty to believe that. But there are a lot of religions in the world, Judaism is certainly not the most significant , and therefore no religion may require to be recognized as the only true ( which finally any religion claims to be) , but it has to hold on the secular international law . Also the Christians have ever claimed that Palestine belongs to them , and also they ‚ justified ‚ this with their religious beliefs , according to which the Jews were not entitled to it because since Jesus there would be a new covenant with God and a new people of God , the Christians . The old Palestinians , Canaanites , Philistines, and as their ancestors were all called , are used to such claims more than 3,000 years and no one can blame them that they do not care much about; they are experienced with that.

Today the civilized world adheres to the secular international law and under that law the West Bank belongs to Palestine. Basta. Something else does not apply. Certainly the international community regards for all the people who live there, including the illegal settlers, but that does not change the territorial conditions. Shall mean, the territory of a state and the individuals who live in it are two different sites.

That the Palestinians once said it’s enough, we now turn the tables, we fetch back our traditional territory, and this quite peaceful and civil, is close – because the illegal Israeli settlers operated quite similar, only that they generally are not restrained from their purpose and are also less peaceful. Salt of the Earth“ is the program of the Palestinians, Arabic alArd Melh„. Ein Hijleh was not the first recall campaign and it will not be the last, but she was the one with the biggest attention.

The Israelis had noticed that something0102 Morgen was coming and reinforced the military patrols. But it did not help. The Palestinians were carefully planned, plunged suddenly into Ein Hijleh and within 10 minutes it was occupied by about 300 Palestinians. Not by any strangers, but mostly by people who came from the region and knew well about accordingly. That was on 31st January and the next morning it looked like this: >

That was of course nothing the Israelis did Pferdlike. At first they cordoned off the entrances, particularly the main road, Route 90 west of Jericho,  Ein Hijleh is situated near the east side of this road. In particular, water and food should not get there and of course no journalists. Confiscated water initially could peacefully be taken back and visitors, who carried something with them, too: with a big hello a whole group of Bedouins from Hebron met on horseback and they had load plenty of food for the obligatory evening party.

And there were plenty of visits. Many of the villages and towns around wanted to stop by or even spend at least one night. The Israelis could not prevent them; when they wanted to stop the buses and trucks, the cars were just driving past it.

A particular annoyance was this sign:StraßeState of Palestine  village Ein Hijleh – Welcome“, it says, and here it is held on Route 90. It annoyed the Israeli soldiers to be seen in the back on the road that much, that they tried to evacuate the village at once. With tear gas and physical effort in which the arm of a Palestinian went to break, who, after the arm at the hospital in Jericho had been splinted and supplied, undaunted returned.

Obviously, the Israelis had not to do with Bewohner u Soldatmilitants, as they usually claim, but with all  normal, peaceful citizens who were even from the region and were familiar with it the best and, as you can see here, had no special respect  in front of Israeli soldiers . On the contrary, they gave out the motto, we do all that without any violence, but we are not going away and confront with them face to face. Well, the too few soldiers could not do much  against that and went off again. Not without smearing at the carefully painted welcome screen on a wall.

There were more visitors . Perhaps mostErzbischof important Archbishop Atallah Hanna. Because the old Canaanite Ein Hijleh was a Christian- Orthodox village , therefor it actually belongs to the church. Of course, the Israelis would not let Archbishop Hanna pass by ; did not matter, he went the last kilometers to Ein Hijleh by foot, as well as a delegation of EU diplomats who also expressed their sympathy with their visit . Archbishop Hanna had nothing to say against the re-colonisation of a Hijleh and said that the churches of Palestine stood behind all this action.

Ein Hijleh was now cheerfully and colorfully Dorflebenadorned and there was a lot of activity . Old houses were repaired , trees planted, paths cleared of rubble , even a solar system was installed. Much work had to be done with the water pipe , for that was  capped four times by the Israeli army – and repaired four times by the Palestinians . Method Gaddafi , because also he capped gas, electricity and water off the Libyan cities which he besieged. Dinner was cooked and eaten together , they played music and heard lectures . It will remind you of some squatters in Western countries , only that Ein Hijleh was more colorful , cheerful, peaceful and nearer to family life .

On the night of 6 February a new chicaneKindergeburtstag came with a rather malicious look: the military circled the village in military vehicles with sirens blaring. It makes you think to a popular‘ torture method by which they seek to cave in political prisoners: systematic sleep deprivation. The residents of Nabi Saleh took this as an opportunity to cancel their Friday demonstration and instead to pull with all hands after Ein Hijleh, to spend the night there. In the evening the already pending children’s birthday was celebrated.

„We have come to stay,“ for the soldiers it was Soldatenclear that with few chicanes nothing was aligned against the Palestinians. Especially since Palestinians are likely to be against it pretty tough . Prison camps, torture, beatings , that’s what one expects anyhow. So in the night of 7th February the Israelis pulled  some 1,000 soldiers and border policemen together, like thieves in the night, and broke off. One should look into this video in order to get an idea. About 500 Palestinians, men, women and children were violently arrested, the soldiers took theMilitär children out from the ambulances , in which the adults had brought them quickly for safety ,  forced them into buses and transported them to Jericho. The hospital had of course work , because it were about 40 injured , mostly by blows with rifle butts . Some women came almost in a panic , because the Israelis had driven them  so close to the open fire, that they feared to fall into it . And yet , it took a relatively long time until the Israelis had cleared the village completely. For these civilians could not be driven out so easily  , they had almost to be carried away.

The Israelis did a ‚great‘ job: they came with bulldozers at once and you can feel the hatred that sits behind it, slowed down only by the fact that the Palestinians resisted non-violently: no beat, stones or even fireworks in a fix, as our young hooligans do so much if it goes against the Bull pigs“ (police). Just with that name our young people would probably have called the Israeli soldiers and border police, with some justification but Palestine is not a rampage game. Since this is something essential, one’s own and inherited land from which they were cooked, systematically distributed in many years, decades. Ethnic Cleansing“ it is called.

We’ll be back“ yes, that is probably true. For Ein Hijleh is still there in the occupied West Bank, as a memorial to so many other places which their ancestral inhabitants had to leave forced, but now cleaned up and dressed and with the vivid memory of happy human life that existed there for a week and that too will return again – but then probably forever.

Jede Spur beseitigt

Ein Hijleh (Deutsch)

Fangen wir an mit dieser Karte aus Westjordanland. Das gehört Palästina.

KarteDas Blaue ist die Oslo Zone C. Die gehört auch Palästina. Besetzt wurde die Westbank 1967. Damals wurde auch Ein Hijleh ethnisch gesäubert und dicht gemacht, die Bewohner vertrieben.

Über die Zone C sollte lt. Oslo II, das 1995 unterzeichnet wurde, noch detaillierter verhandelt werden, wegen der damals ca. 130.000 israelischen Siedler, die sich seit 1967 dort eingefunden hatten und weil Israel, wie üblich, Sicherheitsaspekte geltend machte; aber ein Teilrückzug sollte schon mal bis 1999 erfolgen. Hat Israel natürlich nicht gemacht und inzwischen leben ca. 300.000 Siedler dort. Dazwischen gab’s noch einen Siedlungsstopp, nämlich 2001 bei der Vereinbarung der sog. Roadmap. Damals gab es in der Westbank ca. 200.000 Siedler. Man sieht also, diese Abkommen waren tatsächlich ihr Papier nicht wert, und weil das auch die EU gemerkt hat, gibt es nun einen Boykott gegen die Wirtschaft in diesen illegalen Siedlungen.

Wer sich die Karte anschaut stellt fest, dass Palästina vom gesamten Jordan abgeschnitten ist. Und damit vom Gebiet mit seinen wichtigsten Ressourcen, wozu natürlich auch das Jordanwasser gehört. Was natürlich eine prima Methode ist, den Landwirten die Existenz abzugraben, denn wo kein Wasser, da ist auch nichts mit Ackerbau. Wo keine Siedlungen sind, gibt’s militärische Sperrgebiete, und wo das doch zu komisch aussieht, erklärt man es eben zum Naturschutzgebiet. Quasi auf Vorrat. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die palästinensischen Städte dort, die lila Punkte, zum nicht geringen Teil von internationaler Stütze leben.

Die Rechtsradikalen in Israel, die inzwischen wohl so ziemlich den Mainstream ausmachen dürften, behaupten, das Westjordanland gehöre ihnen, denn das sei Judäa und Samaria. Schön. Das ist Religion, also ist es ihnen unbenommen, das zu glauben. Es gibt aber eine Menge Religionen in der Welt, das Judentum ist beileibe nicht die Bedeutendste, und deswegen kann keine Religion verlangen, als die einzig wahre anerkannt zu werden (das beansprucht schließlich jede zu sein), sondern sie hat sich an das profane internationale Recht zu halten. Schließlich haben auch die Christen schon mal behauptet, Palästina gehöre ihnen und auch das ‚gerechtfertigt‘ mit ihrem religiösen Glauben, nach dem die Juden keinen Anspruch darauf hatten, weil, seit Jesus gäbe es einen neuen Bund mit Gott und ein neues Volk Gottes, nämlich die Christen. Die alten Palästinenser, Kanaaniter, Philister und wie ihre Vorfahren alle hießen, sind das seit über 3.000 Jahren gewöhnt und niemand kann ihnen verdenken, dass sie solche religiös gerechtfertigten Ansprüche nicht kümmert; kennt man schließlich.

Heute hält die zivilisierte Welt sich an das säkulare internationale Recht und nach diesem Recht gehört die Westbank Palästina. Basta. Etwas anderes gilt nicht. Gewiss nimmt die internationale Gemeinschaft Rücksicht auf alle Menschen, die dort leben, also auch auf die illegalen Siedler, ändert aber nichts an den territorialen Verhältnissen: das Staatsgebiet eines Staates und die Individuen, die darin leben, sind zwei verschiedene Baustellen.

Dass die Palästinenser irgend wann sagten, es reicht, wir drehen jetzt den Spieß um, wir holen uns unser angestammtes Revier zurück, und zwar ganz friedlich und zivil, liegt nahe – denn genau so agieren schließlich die illegalen israelischen Siedler; nur dass sie in der Regel nicht an ihrem Vorhaben gehindert werden und auch weniger friedlich sind. „Salz der Erde“ heißt das Programm der Palästinenser, arabisch „Melh al-Ard“. Ein Hijleh war nicht die erste derartige Rückholaktion und es wird auch nicht die letzte sein, aber sie war diejenige mit der bisher größten Aufmerksamkeit.

Dass etwas im Busch war, hatten die Israelis gemerkt und die militärischen Patrouillen verstärkt. Nützte aber nichts. Die Palästinenser gingen planvoll vor, tauchten urplötzlich in Ein Hijleh auf und innerhalb von 10 Minuten war es von ca. 300 Palästinensern besetzt. Nicht von irgend welchen Fremden, sondern überwiegend von Leuten, die aus der Region stammten und sich entsprechend gut auskannten. Das war am 31. Januar und am nächsten Morgen sah das dann so aus: 0102 Morgen

Das hat den Israelis natürlich nicht gepasst; sie haben erst mal die Zugänge abgeriegelt, vor allem die Hauptstraße, Route 90 westlich von Jericho, an deren Ostseite Ein Hijleh liegt. Insbesondere Wasser und Lebensmittel sollten nicht dorthin gelangen und natürlich auch keine Journalisten. Konfisziertes Wasser konnte man sich zunächst friedlich zurück erobern und Besuch, der so einiges mit brachte, bekam man auch: mit großem Hallo traf eine ganze Gruppe Beduinen aus Hebron ein – zu Pferde. Pferd  Reichlich bepackt mit Lebensmitteln für die obligatorische abendliche Party.

Auch sonst gab es reichlich Besuch. Viele aus den Dörfern und Städten der Umgebung wollten mal vorbei schauen oder gar wenigstens eine Nacht dort verbringen. Von den Israelis ließen sie sich nicht hindern; die mochten Busse und LKW’s aufhalten, die PKW’s fuhren dann eben daran vorbei.

Ein besonderes Ärgernis war dieses Transparent: Staat Palästina – Dorf Ein Hijleh – Willkommen, besagt es, und hier wird es an der Route 90 gehalten. Es hat die Straßehinten zu sehenden Isralischen Soldaten dermaßen geärgert, dass sie gleich versuchten, das Dorf zu räumen. Mit Tränengas und Körpereinsatz, bei dem der Arm eines Palästinensers zu Bruch ging, der jedoch, nachdem der Arm im Krankenhaus in Jericho geschient und versorgt worden war, unverdrossen zurück kehrte.

Offensichtlich hatten die Israelis es nicht,  wie immer wieder behauptet, mit Militanten zu tun, sondern mit ganzBewohner u Soldat normalen, friedlichen Bürgern, dazu auch noch solchen aus der Region, die sich bestens auskannten und, wie man hier sieht, vor israelischen Soldaten keinen besonderen Respekt hatten. Im Gegenteil: sie gaben das Motto heraus, wir machen das ganz ohne jede Gewalt, aber wir gehen nicht weg und stellen uns ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Nun, da konnten die paar Soldaten nicht viel machen und zogen wieder ab. Nicht, ohne vorher das sorgfältig an eine Wand gemalte Willkommensbild zu beschmieren.

Es kamen mehr Besucher. Am wichtigsten Erzbischofvielleicht Erzbischof Atallah Hanna. Denn das alte kanaanitische Ein Hijleh war ein christlich-orthodoxes Dorf, der Grund gehört also eigentlich der Kirche. Natürlich ließen die Israelis Erzbischof Hanna nicht durch; machte nichts, ging er eben die letzten Kilometer nach Ein Hijleh zu Fuß, ebenso, wie eine Delegation EU-Diplomaten, die mit ihrem Besuch auch ihre Sympathie bekundeten. Erzbischof Hanna hatte nichts gegen die Wiederbesiedelung von Ein Hijleh und erklärte, die Kirchen Palästinas stünden allesamt hinter dieser Aktion.

Ein Hijleh war inzwischen fröhlich bunt Dorflebengeschmückt und es herrschte reges Treiben. Alte Häuser wurden repariert, Bäume gepflanzt, Wege von Geröll geräumt, sogar eine Solaranlage wurde installiert. Viel beschäftigt war man auch mit der Wasserleitung, die nämlich wurde vier Mal von der israelischen Armee gekappt – und vier mal von den Palästinensern wieder repariert. Methode Gaddafi, denn auch der kappte den libyschen Städten, die er belagerte, Gas, Strom und Wasser. Abends wurde gemeinsam gekocht und gegessen, musiziert und Vorträge gehalten. Es dürfte manchen an Hausbesetzungen in westlichen Staaten erinnern, nur, dass Ein Hijleh bunter,Kindergeburtstag fröhlicher, familiärer und auch friedlicher war.

In der Nacht zum 6. Februar kam eine neue Schikane mit einem ziemlich bösartigen Anstrich: das Militär umkreiste das Dorf in Militärwagen mit Sirenengeheul. Da denkt man unwilllkürlich an eine ‚beliebte‘ Foltermethode, mit der man politische Gefangene klein zu kriegen trachtet: systematischer Schlafentzug. Die Bewohner von Nabi Saleh nahmen das zum Anlass, ihre Freitagsdemonstration abzusagen und statt dessen mit Mann und Maus nach Ein Hijleh zu ziehen, um dort auch die Nacht zu verbringen. Dort wurde am Abend auch der ohnehin anstehende Kindergeburtstag gefeiert.

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“,Soldaten es war klar, dass mit paar Schikanen nichts gegen diese Palästinenser auszurichten war. Zumal Palästinenser dagegen ziemlich abgehärtet sein dürften. Gefängnis, Lager, Folter, Schläge, damit rechnet man inzwischen. Also zogen die Israelis gleich Dieben in der Nacht zum 7. Februar rund 1.000 Soldaten und Grenzpolizisten zusammen und brachen los. Man sollte mal in dieses Video hinein schauen, um eine Vorstellung davon zu erhalten. ca. 500 Männer, Frauen und Kinder, die Soldaten aus den MilitärKrankenwagen heraus holten, in die die Erwachsenen sie schnell in Sicherheit gebracht hatten, wurden gewaltsam festgenommen, in Busse verfrachtet und nach Jericho transportiert, dessen Krankenhaus natürlich auch zu tun bekam, denn es gab ca. 40 Verletzte, meist durch Schläge mit Gewehrkolben. Einige Frauen gerieten fast in Panik, denn die Israelis hatten sie so nahe ans offene Feuer getrieben, dass sie fürchteten, hinein zu fallen. Und doch dauerte es noch relativ lange, bis die Israelis das Dorf vollständig geräumt hatten, denn so leicht ließen sich diese Zivilisten nicht vertreiben; man musste sie quasi weg tragen.

Die Israelis leisteten ganze Arbeit: sie kamen gleich mit Bulldozern und man spürt den Hass, der dahinter sitzt, gebremst einzig dadurch, dass die Palästinenser gewaltlos Widerstand leisteten, sich nicht prügelten, Steine oder gar Feuerwerkskörper schmissen, wie es unsere jugendlichen Hooligans so gern tun, wenn es gegen die „Bullenschweine“ geht. Genau so hätten unsere Jugendlichen wohl auch die israelische Soldateska genannt, mit einigem Recht – aber Palästina ist kein Randale-Spiel. Da geht es um etwas Essentielles, das eigene, angestammte Land, von dem sie in langen Jahren, Jahrzehnten gar, systematisch vertrieben wurden. „Ethnic Cleansing“ nennt man das.

„Wir kommen wieder “ – ja, das wird wohl so sein. Denn Ein Hijleh steht auch weiterhin dort im besetzten Westjordanland, als Mahnmal für so viele andere Orte, die ihre angestammten Bewohner gezwungenermaßen verlassen mussten, nun aufgeräumt und geputzt und mit der lebendigen Erinnerung an fröhliches Menschenleben, das es dort für eine Woche gab und das auch wieder kehren wird – dann aber wohl für immer.

Jede Spur beseitigt