Israel hat ein Problem: BDS

Demo 8Am 25. August rief BDS Berlin wieder einmal zum Boykott israelischer Produkte auf, mit ca. 50 Teilnehmern vor der Galeria Kaufhof. Denn speziell ging es gegen Soda Stream, das es sich auch noch in der illegal besiedelten Westbank gemütlich gemacht hatte.

Auch der Versuch einer kleinen Gegendemonstration fand sich ein, darunter der ehemalige oder Noch-Pirat (wer behält da noch die Übersicht?) Jan Zimmermann und Jannis Hutt; letzterer ist Trainee bei der Abgeordneten der Piratenpartei Julia Reda im Europäischen Parlament in Brüssel.

Demo_7Offenbar gab es Schwierigkeiten mit der Polizei, die die Ansicht nicht teilte, wer für Israel demonstriere, stehe damit automatisch über dem Gesetz. Also mussten sie gezwungenermaßen ihr Vorhaben abbrechen und sich in gebührende Entfernung zurück ziehen. Von da aus marschierten sie dann einzeln zum Kaufhof, um dort demonstrativ Soda-Stream Produkte zu erstehen und zu behaupten, nicht sie selbst, sondern Bürger würden das tun.

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So jämmerlich diese Gegenaktion unter Leitung einer bis dato unbekannten Gruppierung namens „Aktionsforum Israel“ = AFIL sich auch darstellte, Benjamin Weinthal griff danach, um diesem Haufen einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen, Titel: „Israelis helfen, in Deutschland eine Anti-BDS-Gruppe aufzuziehen. Es lohnt sich, da etwas näher hinzuschauen.

BDS israelische Juden 270816Tatsächlich handelt es sich bei dieser Gruppe – um eine Facebookgruppe. Sie umfasst ca. 1.500 Mitglieder, darunter die üblichen Verdächtigen, wie Volker Beck, Martina Engelmann und Ex-Pirat Oliver Höfinghoff, was allerdings nicht sehr viel heißen muss. Denn zu solchen Gruppen kann man einfach Leute zufügen, in der Regel sagen die dann aus Höflichkeit Ja und kümmern sich nicht weiter um die Gruppe.

Zu den Aktivisten gehören aber offenbar die im Impressum genannte Gabi Spronz, die dort eine israelische Adresse angibt, lt. Weinthal jedoch in Deutschland arbeitet. Aber auch der antideutsche Ex-Pirat Jan Zimmermann.

Die Gründung dieser Gruppe erfolgte offenbar vermittels Installation einer Webseite. Die ist ein wenig sparsam. DieFlyer Home-Seite kommt eher als etwas schlichter Witz, die „Medienbewertung“ erschöpft sich in der Zusammenfassung der hier beschriebenen Proteste um den Bericht der Tagesschau über Wasserprobleme in Palästina und unter „Organisationen“ ist das ergötzliche Flugblatt abgedruckt, das – ohne ViSdP-Hinweis und in recht urtümlicher Gestaltung  – bei der versuchten Gegendemonstration verteilt wurde.

Für die aberwitzige Falschheit der Darstellung im Flugblatt gibt es einen recht zuverlässigen Indikator: Facebook. Denn Mark Zuckerberg, Gründer und Inhaber von Facebook, ist Jude. Allerdings zuvörderst ein typischer US-amerikanischer Bürger, der sich auf die Werte der USA bezieht, während Israel ihm einigermaßen gleichgültig zu sein scheint. Jedenfalls führen Israelis gerade einen Prozess gegen sein Unternehmen, weil er ihrer Meinung nach auf Facebook zu wenige Palästinenserbeiträge und -accounts löscht. Same procedure as usual, wie bei jedem anderen, ob Palästinenser oder nicht, der sich Israels Wünschen nicht beugen mag. Aus welchem Grunde also sollte BDS zum Boykott von Facebook aufrufen? BDS ist ja gerade KEIN Boykott gegen Juden und jüdische Produkte, sondern gegen den rechtsbrecherischen Staat Israel – weswegen etliche Juden auch fröhlich dabei mitmachen. Mit diesem zionistischen Staat hat Zuckerberg nicht allzu viel im Sinn – was insbesondere den arabischen Usern durchaus bewusst ist.

Das verweist auf den Grund, warum diese nicht sonderlich ernst zu nehmende Facebookgruppe zur Ehre eines Weinthal-Artikels in der Jerusalem Post kam: eine Alternative ist offenbar nicht gegeben.

Laut Jüdischer Allgemeine, die sich auf israelische Statistiken beruft, gab es in Deutschland 2014 ca. 200.000 Juden, allerdings hatte nur rund die Hälfte Bezug zu jüdischen Gemeinden. An die 20.000 könnten alleine in Berlin leben. Diese Zahlen muss man sich vor Augen halten, um Weinthals Artikel, wonach Israelis (nämlich eine) Deutschen helfen, eine Anti-BDS-Bewegung zu gründen, richtig zu interpretieren: trotz aller Bemühungen der Israel-Lobby ist das Interesse der Juden in Deutschland, sich für Israel einzusetzen, offenbar nur mäßig ausgeprägt, so dass Israel vorwiegend auf die Antideutschen zurück greifen muss.

Ähnlich, wie in den USA die unverzichtbaren Unterstützer des Zionismus die Armageddon-gläubigen Evangelikalen sind, die hoffen, dass mit dem großen Krieg um Jerusalem Jesus wiederkehrt und das tausendjährige Reich errichtet, wie es der Rachetraum des Johannes im Neuen Testament offenbart.

So dürfte sich auch in Deutschland eine Tendenz heraus kristallisieren, die insbesondere in den USA längst besteht: man rechnet damit, dass die Hälfte der US-Juden gar keinen Bezug zu Israel hat, vielmehr das, was dort geschieht, als Verrat an ihren amerikanischen Werten betrachtet.

Damit kehrt eine alte Bewegung wieder, die bis zum 3. Reich die weitaus stärkste im Judentum war und den Zionismus zu einer seltsamen Randexistenz verbannt hatte: die Assimilationsbewegung. Juden kämpften für ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger in ihrem eigenen Land – und das waren z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, aber nicht Palästina (Israel gab es damals noch gar nicht).

Einen großen Vertreter dieser einst starken Bewegung gab es noch nach dem 3. Reich: Bruno Kreisky. Der nannte schon in den siebziger Jahren den Likud faschistisch, Begin einen Terroristen und erklärte, er selbst sei der einzige europäische Politiker, den Golda Meir nicht erpressen könne.
Dafür erwarb dieser große alte Sozialdemokrat sich bei den Zionisten als einer der ersten den Ehrentitel „jüdischer Antisemit“.

 

Act 3: a tiny rally

Gegendemo
An impression of the tiny menifestation

After all the incitement in Berlin newspapers for a whole week and an announced broad support of whole Berlin against the 13th Conference of Palestinians in Europe, the support of all parties in Berlin parliament, the whole engagement of Berlin citizens mounted in – about 100 participants. Ok, let’s be generous, there might have been a top of about 120 (whereas I don’t know how many of them were Pegidians)  – but not longer than for 15 minutes!

Speaker at the opening of manifestation claimed Berlin to be a city open to the world. Well, obviously his world did not include Palestinians, Arabs and Muslims – estimated more than 1,5 billions. His world might also not include the broad majority of nations in UN – seems his world consists of the city of Berlin and Israel, ok, far over the sea may be also USA, but that’s all.

The 2nd speaker, a zionist who claimed to be authorized from Simon-Wiesenthal-Center to give a greeting, declared how extremely dangerous the participants of this conference should be. So dangerous that a holocaust surviver did not dare to demonstrate! What a courage the counter-demonstrators had!

Ok, some from the press might look a bit dangerous, strolling around with cameras and big long sticks – but you should imagine that Palestinians came here with whole families, Mom and Dad and Granny and Granpa and small and big children – all threatning the jewish life in Germany. There is a row of tents with food, dresses and art exhibitions. So viewing this peaceful athmosphere his speach was comedy pure. Several times I had to turn my back to the anti-demostration because I was shaken from laughing about this mini-counter-demonstration. As we say in Germany: the mountain was in labour and gave birth to a mouse.

He especially spoke against the right of return. This should be single in the world as well as inherited refugee status of Palestinians. Well, but what about the Zionists? They even claim a right of return since about 50 to 100, when the Romans destroyed temple and state. The argument is a squib load.

The next speaker was Mussawi from Green Party of Iran.  Unfortunately after that amusing speech before he was extremely boring and it seems that everybody was grateful to some Palestinian youths marching some 50m away with Palestinian flags shouting „Free, free Palestine“. Which was answered from a group less than half with some Israel pennants with „Free Gaza from Hamas“. Some entertainment.

At 11:00 Volker Beck, announced as good friend and supporter of Israel, gave his speech. He claimed the two state solution and also right of return, but not to Israel. Which was answered with boos from Palestinian side. The right of return should not be inherited, but he called for assimilation of Palestinian refugees in the Arab guest countries and accused these states of not being willing to do that. He claimed that he himself is descent of a family of Czech expellee and that he himself did not inherit that status; after war Czecoslovakia expelled the Germans living there. What also he never asked: whether Palestinians want that. Everybody of them claims to know what is good for the Palestinians. Oliver Höfinghoff, the last speaker, former pirate party member in Berlin Parliament, knows that a Monte Carlo in Gaza would be good for the Palestinians. Of course he did not ask whether the Palestinians want a casino with a state around in Gaza,

gegen Deutschland
A typical anti-german banner: „Against Islamism, anti-semitism and homophobia. Down with Germany, for the communism“ (typically written with „c“ and not with „k“ as in correct German

Hakan Tas from Die Linke Berlin gave his own special version of Palestine conflict: the problem is not the border to Israel. The problem is Hamas. Well …
And he accused provokations. Unfortunately there was nobody there to provoke. The participants of the conference had other interests and only police, press and two, three organisators were watching it quietly.

The last speaker, Oliver Höfinghoff, tried to tune up the spirit a bit by agitating  paroles against Hamas – but the counter-demonstration, now about only 80 left, were not in the mood to answer.

So all in all that counter demonstration was a very harmless tiny manifestation that did not interest the Palestinians at congress and obviously also not the citizens of Berlin.

Ein Dialog mit Volker Beck / A Dialog with Volker Beck

Dieser Twitter-Dialog ist so exemplarisch, dass ich ihn in Deutsch und Englisch verblogge.

Zwar tauchen auch hier die immer wieder gleichen Argumente der Zionisten auf, die Individualität vermissen lassen, doch ist es ganz praktisch, hierüber mal wieder einen komprimierten Überblick zu haben.

Starring Volker Beck
Starring Volker Beck

Volker Beck, Grüne, geboren 1960 bei Stuttgart, ist seit 1994 Mitglied des deutschen Bundestags für Köln (zu meinem Bedauern, muss ich sagen). Dazu für seine Fraktion innenpolitischer Sprecher und Sprecher für Religionspolitik. Aber auch noch Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages.

Volker Beck ist schwul. Bekennend schwul. Und für Schwulenrechte hat er sich stets tapfer eingesetzt und dabei durchaus schon mal einen Stein an den Kopf oder kurzfristig Haft abbekommen.

Portrait
Starring Otla Pinnow

Der Kontrahent bin ich selbst, Otla Pinnow.

This dialog on Twitter is such a show case that I put it on my blog, both in German and English.

Even here always the same arguments of the Zionists pop up over and over again; a lack of individuality, but it comes in handy to get once again a condensed overview.

Volker Beck, Grüne (Green party), born in 1960 in Stuttgart, since 1994 member of the German Bundestag for Cologne (to my regret, I must say).  Also home affairs spokesman and spokesman for religious policy for his group. But also Chairman of the German-Israeli Parliamentary Group of the German Bundestag.

Volker Beck is gay. Confessing gay. And he has done well bravely for gay rights , even when he had gotten a stone on the head or short-term detention.

The counterpart is me, Otla Pinnow.

So let’s start.

T1

Beck: Demonstration 12.4. 13:00 through Berlin-Neukölln against homophobia. We have the right to live how we are.

T2

Stephan Lubs: Is it not that you can live how you are? You want a law obligating everyone to see gays/lesbians/shemales great?

Beck: Hostility towards human beings related to their peer group shall not be tolerated, neither from far right wingers nor from islamists or haters from the center.

T3

T4

Pinnow: The worst baiting I ever met in life was from anti-germans („Antideutsche“) and far right zionists. For such people, I only have naked contempt.

T5

Beck: Is this also true for Hamas? #naked contempt

T6

Pinnow: We have nothing to do with Hamas. The continuous efforts to refer to Hamas as an excuse, are just laughable.

T7

Pinnow: Belongs to set ritual by the way. When „nazi“ (as roorback) becomes non-credible, they take Hamas instead.

T8

Beck: Who is „You“? („We“)

T9

Pinnow: Modern Arab democrats. There is Arab Spring also in Palestine.

T10

Beck: What has this to do with forced marriage in Neukölln (cause of demonstration)

T11

Pinnow: You were the one to mention far right, islamists and haters from the center.

T12

Beck: Hamas are not islamists?

Pinnow: Surely they are. But here subject is haters.

Beck: Just that, Hamas are also haters. Objects of their hatred are democrats, the PLO, jews, LGBT (lesbian, gay, bisexual and transgender people), emancipated women.

T15

Pinnow: „But, but, but look, what he did“ is kindergarden level. By the way, you forgot the zionists. Hamas holds off very. I was not yet flamed by them.

T14

Beck: Send me the link to Hamas Human Rights violations on imemc.org – I did not find anything about that.

T27

Pinnow: Since when is it up to you to order with what IMEMC has to deal with?

T16

Beck: Who defames zionism (home of the jews) as such has a rafter loose or is an anti-semite.

Pinnow: That’s a legal question. And not of some books holy for somebody, but of law of nations. My family are Libyans. Also Libya was once claimed by Italy as their property referring to ancient Rome

T17

Beck: According to the law of nations the borders from 1967 are not questionable. Member of UN – but Hamas doesn’t care about it.

T18

Pinnow: #AskHamas, not me, I don’t belong to Hamas. Of course Israel in the borders of 1967 has to be questioned. At the moment, when she annexes whole Palestine. Then this is no more valid. So depends from Israel. Doesn’t say Hamas, by the way, Kerry said.

T19

Beck: They are also to be questioned when you buckle a dynamite belt on. #stupidArgumentation

T20

Pinnow: I hope the father of your thought was not the wish 🙂 I for sure will not buckle a dynamite belt on.
#stupidArgumentation well, when you just say it yourself – no objections.

T21

Beck: And Israel did not annex West Bank and Gaza.

T22

Pinnow: The far right zionists should recant the belief that one can change facts with words. The West Bank is officially acknowledged occupied. Who wants to speak against that, is doing like in the old car driver joke: watch there is a wrong-way-driver on the highway. – One? Ten, twenty, fifty, hundred! – Gaza is called the biggest open air prison. Since when are prisoner camps autonomic?

T23

Beck: You know the difference between occupied and annexed?

T24

Surely. But to abrogate facts is like some German right wingers (group Reichsdeutsche) and similar figures do. They say there is no German state because there is no peace treaty. And homelands are against law of nations as well.

T25

What is called how from whom is irrelevant.

T26

That’s it. Who builds settlements and establishes homelands, annexes and wants to stay. And East Jerusalem  is even very officially claimed as annexed.