Verlogene Nazijäger

Jetzt, nach dem Marsch rechtsradikaler Randalierer und Hooligans vom Hauptbahnhof zum Ebertplatz und zurück in Köln .- nein, das war kein Marsch durch Köln – schreien sie herum, die Antideutschen und Israel-Lobbyisten, dass man sie nicht genug Nazis habe jagen lassen. Es schreien die Böcke, dass man sie nicht genug habe Gärtnern lassen. Es schreien die, die sorgfältig den Boden mit beackert haben, auf dem diese Saat nun aufging. Es schreien die, die ein Riesentheater abzogen ob des angeblichen Antisemitismus der Migranten und Pro-Palästinenser, die sich in weiß Gott verständlichem Zorn auf Demonstrationen gegen das israelische Massaker in Gaza wandten. Eine einzige zweifelhafte Aussage auf einer Demonstration genügte ihnen, um kaum verhüllt ein Verbot aller solcher Demonstrationen zu verlangen.

Break glass &% shout antisemitism (2)„In Ihre sachliche Zuständigkeit, Herr Senator, fallen die Genehmigung der Demonstration, deren Umstände und Inhalt vorhersehbar waren, und die Untätigkeit der Polizei. Sie sind damit für einen solchen Exzess politisch verantwortlich. Aber nicht ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung, der Bitte um Vergebung gegenüber dem Botschafter Israels in Berlin, gegenüber den Juden in Deutschland und in aller Welt … Sie haben durch Nichtstun und Schweigen dem Ansehen Deutschlands einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die Strafanzeige des American Jewish Committee zeigt, dass der Vorfall längst internationale Dimensionen angenommen hat. „ ,

schrieb Dr. Jürgen Sudhoff, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes a.D. in einem offenen Brief im Berliner Tagesspiegel (es gibt so Leute in Deutschland die meinen, wenn irgend eine noch so obskure zionistische Organisation jammert, müsse man sich gleich in den Staub werfen).

Nein, dies war keineswegs eine Demonstration nur gegen Salafisten. Es war eine Demonstration gegen Muslime, ja, teilweise gegen Ausländer generell. Das bezeugt nicht nur, dass der Anmelder ein Funktionär der notorisch islamophoben rechtsradikalen Pro’ler war, sondern auch Jagdszenen auf Ausländer in den abfahrenden Zügen, von denen der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete.

Foley Netanyahu (2)
Nach internationalen Protesten gelöschter Tweet von Netanyahus offiziellem Account, der die Enthauptung Foleys für israelische Propaganda missbraucht

Es gibt genügend Beispiele für antiislamische Hetze durch Israel-Lobby, Antideutsche und evangelikale US-Fundamentalisten, dass man in die Vollen greifen und jeden Tag was Neues vorstellen kann, welches das längst Bekannte repräsentiert. Hier pars pro toto ein Beispiel von Netanyahu selbst, in dem vorbildlich das getan wird, was auch die Hooligans von Köln taten. Die gewalttätige Terrororganisation IS wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Muslime,  eingeschlossen ihrer obersten theologischen Autoritäten, der Professoren von el-Azhar, nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft. Was sehr wörtlich zu nehmen ist, nicht nur in Syrien. Nichts desto trotz setzt die israelische Propaganda sie mal eben gleich mit Hamas; die sind weiß Gott keine Chorknaben, aber Muslimbruderschaft und die ist stockkonservativ, aber eben nicht IS. Wie man sie kennt, wohl ein Versuch der israelischen Propaganda, ob sich damit nicht das Bombenmassaker von Gaza rechtfertigen ließe: wenn die USA IS mit Bomben platt mache, dann dürfte das Israel mit der Zivilbevölkerung in Gaza ja wohl auch.

Israelnazis (2)
Israelische Nazis auf einer Demonstration gegen israellische Linke im Sommer2014

Aber dabei bleibt’s ja noch nicht mal. Wer Gazas Bevölkerung gegen Israel verteidigt, muss sich auch noch  gefallen lassen, selbst als Hamas-Anhänger bezeichnet zu werden.  Auch ich – und zwar ausgerechnet vom eigentlich als seriös geltenden FAZ-Blogger Don Alphonso. Wenn es um Israel geht, setzt anscheinend bei einigen der Verstand aus. Dass ohnehin so gut wie jeder, der in diesem Konflikt auf der Seite Palästinas steht, schon mal Antisemit tituliert wurde, darf als bekannt voraus gesetzt werden. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt.

Kind im Fadenkreuz (2)
Solche T-Shirts wurden in Israel immer wieder gesehen, auch mit Schwangerer im Fadenkreuz, Aufschrift: „Ein Schuss, zwei Treffer“.

Antisemitismus ist böse, Islamophobie ist gut, so die einfache Logik für schlichte rechtsradikale Gemüter, eine Saat, die schon bei Breivik aufgegangen ist. Man muss sich nur mit aller Entschiedenheit zu Israel bekennen, dann darf man seinem rechtsextremen Fremdenhass freien Lauf lassen und Ausländer prügeln, denn darum geht’s letztendlich. IS = Hamas = Pro-Palästina = Islam, also druff. Auch, wenn es die eigenen Leute sind. Von der alten Parole „Unsere Polizisten schützen die Faschisten“ bis zu „Unsere Polizisten schützen die Islamisten“ ist der Weg nicht weit, also ist es auch ein gutes Werk, sich zum Wohle des deutschen Volkes mit seiner Polizei zu prügeln.

Kach Fußballclub (2)
Hooligans in einem israelischen Fußballstadion mit dem Symbol der rechtsextremen Kahanisten, das auch die Jewish Defense League in Deutschland unbeanstandet verwendet

Ist es Blauäugigkeit oder Perfidie, die die antideutsche Linksextreme bewegt, demonstrativ gegen den antiislamischen Rechtsextremismus zu protestieren, den ihr heiliges Israel  entfacht hat, woran sie selbst sich fleißig beteiligten? Und sich dann womöglich noch wegen des angeblichen notorischen deutschen Hanges zum Nationalsozialimus echauffieren, aber die rechtsextremen Brüder der Hooligans in Israel ignorieren? Gar auch noch Verständnis für sie zeigen, wie das ehemalige Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Julia Schramm, die als Folge der Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg wegen des „unerhörten Antisemitismus“ die in den USA und Israel als militante Terrororganisation eingestufte JDL für legitim hielt?

Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Und ich würde es auch vorziehen, bei Demonstrationen gegen islamophobe Rechtsradikale keine Israel-Fahnen mehr zu sehen. Zu weit sollte man Heuchelei nicht treiben.
Sie sollten erst mal vor ihrer eigenen Tür kehren.

Ein sattes Rot-Braun – über Nazis und Zionisten

Dass diese Verbindung tatsächlich nicht so abwegig ist, Bild wie sie erscheint, hatte ich ja schon mal bei der Dickhoff-Affäre dargelegt. Auch auf meinen Artikel zum Antideutschen-Häuptling Grigat möchte ich verweisen.

Den Vogel aber schießt nun das „deutsch-israelische Online-Magazin Haolam“ ab. Im Grunde ist schon der Name eine Lüge, denn weltweit als „HaOlam haZeh „ bekannt ist ein ehemaliges linkssozialistisches antizionistisches Magazin, das zuletzt von Uri Averny heraus gegeben wurde. Das genaue Gegenteil, denn dieses deutsch-israelische Haolam ist zionistisch und rechts – stramm rechts.

Fangen wir mal mit der Geschichte dieser merkwürdigen Beziehung zwischen Nazis speziell aus der Autonomen Szene bzw. den Freien Netzen an. Da haben Bildwir zuerst einmal die „Nationalen Sozialisten für Israel“, auch „Nasofi“ genannt. Diese Gruppierung machte 2008 vor allem im Internet Furore und brachte es nicht nur zu Artikeln bei Heise und im Tagesspiegel, sondern sogar in die Haaretz. Während Rechtsradikale diese Gruppe für einen Fake hielten, scheinen doch Gründe dafür zu sprechen, dass das nicht der Fall war; denn im Internet findet sich auch der Hinweis auf ein – inzwischen gelöschtes – Video auf YouTube, das ein Interview mit  Vertretern der Nasofi enthielt. Gehen wir also davon aus, dass es sie tatsächlich gibt bzw. gab, denn das liegt nahe; längst haben Westeuropas Rechtsradikale Türken, Araber, Muslime überhaupt als ihren Hauptfeind ausgemacht und nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, den Schulterschluss mit ebenso rechtsradikalen Zionisten gesucht. So hatte auch die rechtsradikale ProNRW 2011 eine „islamkritische deutsch israelische Konferenz„, zu der, wen wundert’s, rechtsradikale Zionisten aus den illegalen Siedlungen eingeladen waren .- denen die Stadt Köln einen offiziellen Empfang verweigerte.

Zu den radikal-zionistischen Publikationen, die Jüdischsein vorgeben, ohne es zu sein, gehört der Heplev–Blog, der tatsächlich vom evangelikalen leverkusener Grundschullehrer Herbert Eiteneier stammt. Sein Motiv liegt klar auf der Hand: er ist in der Wolle gefärbter Islamophober, Fan des berüchtigten US-Islamophoben Daniel Pipes,  der auch schon mal zur Verbesserung präsidialer Umfragewerte die Bombadierung des Iran empfahl (der deutsche Wikipedia-Artikel ist etwas schönfärberisch; neutraler und auch umfassender ist der englische). Pipes ist übrigens ein Musterbeispiel für die Affinität etlicher ursprünglich osteuropäischer Juden zum rechtsradikalen Zweig des Zionismus.

Nun also Haolam. Mit dem hat sich schon 2010 Ramona Ambs auf Hagalil befasst und, siehe da, der Hauptbetreiber dieses sich ebenso jüdisch gebenden Magazins ist tatsächlich ein Deutscher – Naziaussteiger Jörg Fischer, der sich auch nach Trennung  von seinem jüdischen Lebensgefährten Fischer-Aharon nennt und offenbar sehr wandlungsfähig ist, denn zur Erleichterung der Kölner PDS stieg er auch dort aus; sie war ihm nicht links genug. Dafür engagierte er sich bei Hakadima (der in ADC Bildungswerk umbekannt wurde), ein Verein vor allem für Aussteiger aus der rechten Szene, also vor allem Neonazis, die zum Zionismus bekehrt werden sollen, in erster Linie wohl Homosexuelle. Denn Israels Propagandamaschine engagiert sich sehr für Homosexuelle, lockt sie mit Aktfotos schicker IDF-Soldaten, preist seine Strände als ideale Urlaubsorte an – für ausländische Homosexuelle. Denn im israelischen Inland halten sich die zahlreichen Orthodoxen unter den Rechtsradikalen doch lieber an die Tora und betrachten Homosexualität als „ein Greuel“.

Der Autor dieses Blogs behauptet, persönlich mit Fischer-Aharon bekannt zu sein und teilt mit:

Ich kenne Joerg Fischer-Aharon aus vielen Diskussion in Facebook. Er ist kein gewoehnlicher “Israel-Verteidiger”, sondern ein Hardcore-Verteidiger der rechtsgerichteten Politik a la Avigdor Lieberman und der rechtsnationalen Siedlerbewegung. Juden, die sich z.B. gegen die Siedlungspolitik der jetzigen Regierung Israels stellen, und/oder sich fuer ein friedliches Zusammenleben mit den Palaestinensern einsetzen, sind nicht seine Welt. Daher hatte ich den Eindruck, als ob Joerg Fischer-Aharon seine rechte Gesinnung nie so richtig abgelegt, sondern sich nur auf ein anderes Feindbild konzentriert hat: Die Palaestinenser, und ihre Sympathisanten.

Aus all diesen Aktivitäten kann man wohl mit Fug und Recht den Schluss ziehen, dass Hakadima die Funktion erfüllt, insbesondere junge Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Konstitution anfällig sind für das neonazistische Gedankengut, für den rechtsradikalen Zionismus zu rekrutieren.

Stellvertretender Vorsitzender bei Hakadima war Daniel Fallenstein. Er ist über die Jüdische Allgemeine vom Blogger zum Journalisten mutiert und schreibt jetzt u.a. auf Ruhrbarone, nachdem er bis 2013 für AfD-Beatrix von Storch’s „Freie Welt“ geschrieben hat. Er hat aber auch das Magazin „blink“ heraus gegeben – gemeinsam mit dem islamophoben Ex-Piraten, als solcher Ex-Vorstandsmitglied Stefan Aaron König. Aus dem Impressum geht bereits hervor, dass sie  beide zur Clique von Hendryk Broder gehören, der für die Welt die Berichterstattung über die Piratenpartei übernahm.
Man trifft sie eben immer wieder.