Olympische Peinlichkeiten

Israels Teilnahme bei der Olympiade in Rio, das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen.

Nicht nur, dass die Medaillenausbeute recht mager war; Israel landete mit zwei Bronzemedaillen auf Rang 77. Im Gegensatz zum verhassten Iran, der mit drei goldenen, einer silbernen und vier bronzenen auf Rang 25 landete.

Noch vor der Eröffnung gab es die erste Ohrfeige – von der Mannschaft des Libanon. Die saß nämlich im Bus zum Maracana-Stadion, als die israelische Mannschaft zusteigen wollte.

Nö. Kommt überhaupt nicht in Frage.

Aber die israelische Mannschaft bestand offenbar darauf, trotz der ausdrücklichen Abwehr der Libanesen genau in diesen Bus zu steigen, koste es, was es wolle, so dass der libanesische Teamchef sich in die Tür stellte, um eine  Schlägerei zu verhindern. Ergebnis: die Organisatoren schickten die israelische Mannschaft mit einem anderen Bus los.
„Grausam“, nannte dies die Jüdische Allgemeine.

Nun ja. Araber im Allgemeinen und Palästinenser im Besonderen betrachten natürlich eher z.B, das Verbrennen einer ganzen Familie durch Israelis als grausam. Aber die Maßstäbe sind da offenbar sehr verschieden.

Dann die Judoka Joud Fahmy aus Saudi-Arabien. Als sie erfuhr, dass die israelische Judoka ihren Erstrundenkampf gewonnen hatte und sie gegen diese antreten müsse, falls sie gewinne, verzichtete sie lieber auf die Teilnahme und gab an, verletzt zu sein. Was ihr freilich niemand abnahm.

Im Gegensatz zum Ägypter Islam El Shehaby. Der trat zwar an, aber den obligatorischen Handschlag nach dem Kampf verweigerte er kopfschüttelnd: was zu viel ist, ist zu viel. Das brachte ihm zwar Ärger mit dem Israel-Vasallen Sisi ein, doch das war’s ihm offenbar wert.

ägyptische VolleyballspielerinEinen besonderen Strauß hatte die ägyptische Beach-Volleyball-Spielerin Doaa Elghobashy auszufechten. Elghobashy spielt im Hijab. Also quasi im Burkini. Die Deutsche – das ägyptische Team musste gleich in der ersten Runde gegen den späteren Olympiasieger antreten – spielte hingegen im traditionellen Bikini. Was für das Match völlig egal war und auch für das Engagement, wie dieses Foto zeigt, das um die Welt ging.

Weiß der Teufel, was einen israelischen Zaungast ritt, als sie sich heimlich mit Israel-Flagge hinter Elghobashy stellte, während diese gerade für ein Foto posierte. Elghobashy fand das überhaupt ägyptische Volleyballspielerin mit Israelin nicht lustig, als sie es erfuhr.

Ich schwöre bei Gott, ich hatte keine Ahnung von der Flagge. Mein Lebtag wird es niemals Frieden zwischen mir und diesen Leuten geben. Diese Leute sind in einem solchen Maß dreckig, dass sie mich die Flagge nicht sehen ließen,

schrieb sie auf Facebook. Das war also nichts mit der versuchten Verbrüderung wider Willen. Das ägyptische Volk ist eben nicht Sisi, da hilft alles nichts.

Doch es kommt noch besser. Keine Goldmedaille errungen zu haben wurmte manchen Israeli offenbar so sehr, dass er gedachte, sie sich ebenso anzueignen wie Palästina. Zum Beispiel Avi Mayer, ehemaliger Sprecher der IDF und nun Mayer über GoldmedailleSprecher der Jewish Agency und (Möchtegern-) Spezialist für die Nutzung sozialer Medien zum Behufe der Propaganda für Israel.

Ahmad Abughaush hatte nämlich eine Goldmedaille im Taekwondo gewonnen, die erste Goldmedaille überhaupt für Jordanien. Tatsächlich jedoch ist Abughaush Palästinenser. Da sein Dorf aber inzwischen Teil einer „israelisch-arabischen“ Stadt ist, nämlich Abu Ghosh, gedachte Mayer, die Medaille schlicht und einfach für Israel anzueignen.
Da geriet er freilich an den Falschen. Denn Abughaushs Vater berichtete Journalisten postwendend von seiner Vertreibung aus seinem Dorf und dessen Zerstörung in der Folge des Sechs-Tage-Krieges 1967 und fragte:

Wenn die Israelis die Häuser zerstört, die Menschen getötet und die Bäume gerodet haben, wie können sie sich dann den Erfolg von Abughaush aneignen?

Tja. Frechheit siegt eben nicht immer.

Im Zweifel endet sie in Peinlichkeit.

Man nennt es: einem das Wasser abgraben

Wir haben in Palästina auf unseren Dächern Wasserbehälter, da können wir Wasser speichern. Oft fangen die Israelis an, uns in Bir Zeit ab Mai das Wasser für eine Woche abzustellen, je wärmer es wird, um so weniger wird das Wasser und die Behälter werden oft nicht voll. Wir haben das Duschwasser in einer Kinderbadewanne aufgefangen und für die Toilette benutzt. Da der Wasserdruck nicht stark ist, kann man die Waschmaschine nicht nutzen. Mein Mann ist noch in Palästina und wir telefonieren täglich. Seit einer Woche gibt es in Bir Zeit wieder große Probleme mit dem Wasser. Er schaut täglich nach, ob das Wasser kommt. Die Behälter werden nicht mehr richtig voll, so reicht das Wasser nicht eine ganze Woche. Wir haben dann immer Wasser aus den Tankwagen gekauft, was 5 mal soviel kostet. Hier in Deutschland mache ich die Wasserleitung auf und erschrecke jedes Mal, wie das Wasser angeschossen kommt.

Soweit die gelebte Wirklichkeit in Palästina in einem Facebook-Kommentar; als Gegensatz zum propagandistischen Herumtheoretisieren derer, für die fließend Wasser aus der Leitung eine Selbstverständlichkeit ist.

Die Wirklichkeit der Palästinenser wird geformt durch dreiste Rechtsbrüche Israels. Die bestehen. International festgestellt und völlig unbestreitbar. Israel ist jedoch weit entfernt, diese Rechtsbrüche anzuerkennen, geschweige denn, sie abzustellen. Offenbar ist es der Ansicht, jedes Recht eines Palästinensers sei eine israelische Gnade für Wohlverhalten = Unterwerfung unter seine Oberhoheit, das jederzeit nach Belieben von ihm gewährt und auch wieder weggenommen werden könne. Wer das anprangert, wird eben Antisemit genannt, hätt sich dä Fall.

Wer sich mit der Wasserversorgung in Palästina befassen will, kommt am Hydrologen Clemens Messerschmid nicht vorbei. Er wohnt in Ramallah, arbeitet seit 1997 bei zahlreichen Projekten renommierter internationaler Organisationen mit und ist bestens vertraut mit der geologischen Lage in der gesamten Region. Er ist ein Linker, ein Anti-Imperialist, was freilich seinen fachlichen Qualifikationen keinen Abbruch tut; Zionisten, die grundsätzlich alles, auch die Wissenschaft, unter das Primat der Gesinnungskontrolle stellen, sehen das natürlich anders, stehen damit aber alleine da.

Einen guten Überblick über die Lage bietet der Bericht über das Seminar „Wasser in Israel und Palästina: zwischen Konflikt und Kooperation„,  zu dem die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Forum Deutschland-Israel-Palästina, deren Partner die Friedrich-Ebert-Stiftung ist, eingeladen hatte. Auch Messerschmid als fachkundigen Referenten.

Danach ist Israel/Palästina keineswegs ein trockenes Land. Das sei ein Mythos.  Wenn man bedenke, dass in Israel ca. doppelt so viel Wasser pro Tag/Kopf verbraucht werde, wie in Deutschland, könne man auch nicht von Wasserknappheit reden. Allerdings gäbe es eine Überentnahme aus dem Jordan mit dem Ergebnis, dass das von ihm gespeiste Tote Meer langsam trocken fiele.

Problematisch sei allerdings die Verteilung des Wassers.Schulz irrte nicht bei Proportionen

Israel hat mit dem 6-Tage-Krieg „die vollständige Kontrolle über sämtliche Wasserressourcen sowie über Wasserverteilung und Verwaltung“ übernommen. Damit sicherte es sich unbeschränkten Ressourcenzugang, während Palästina mit dem vorlieb nehmen muss, was übrig bleibt. Ab Mai wird das dann immer weniger – vermutlich, weil dann die Pools in den illegalen israelischen Siedlungen gefüllt werden. So jedenfalls kann man es auf Google Earth sehen, auch Fasayel, wenn man die Karte etwas nach Süden verschiebt. An sich ist es also recht lächerlich, den Wassermangel in den West Bank abstreiten zu wollen.

 

Das palästinensische Dorf Fayacel
Das palästinensische Dorf Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fayasel

Nach israelischer Sicht sei Wasser in erster Linie eine Sicherheitsfrage, weswegen es sogar Zisternen zerstört, weil, darin könnten ja auch Waffen gelagert werden. Die Palästinenser bekämen genug Wasser; gingen sie vernünftig damit um, würde es auch reichen.

Wie das en Detail aussieht, erläutert Sahm auf Honestly Concerned: seiner Ansicht nach brauchen Palästinenser offenbar weder Waschmaschinen noch Pools, die stehen nur Israelis zu. Der kolonialisierte Bimbo soll also ein armer Schlucker sein und bleiben. Eine uns durchaus bekannte Einstellung: sie liegt auch den Beschwerden etlicher Deutscher darüber zugrunde, dass Flüchtlinge Smart-Phones besitzen.

Nötig ist der Bau etlicher neuer Brunnen im Westjordanland zur Wasserförderung, denn durch Reparatur der undichten alten Leitungen allein ist das Problem nicht zu lösen.

Mit dieser Frage befasst sich Jessica Perkiss für den Middle East Monitor. Nicht nur, dass sämtliche Wasservorkommen bereits von Israel annektiert und unter die Herrschaft des israelischen Konzerns Mekorot gestellt wurden. Auch die bestehende alte Wasserversorgung wird offenbar nach und nach demoliert, z.B, indem durch den Siedlungsbau die Leitungen schon mal schlicht und einfach gekappt werden. Dass Palästinenser wenig Lust haben, für das Wasser, das ihnen gestohlen wurde, auch noch zu bezahlen, dürfte einleuchten.

Amnesty InternationalBaugenehmigungen für Palästinenser sind von Israel generell schwer zu erhalten; das gilt selbstverständlich auch für den Bau neuer Brunnen und die Reparatur von Leitungen. Wird trotzdem gebaut, zerstört Israel es wieder mit seinen Bulldozern, auch, wenn die EU es gebaut haben sollte. Denn auch das lebensnotwendige Wasser betrachtet Israel als Erpressungsmittel, das es nur für ‚Wohlverhalten‘ gibt, also für die Akzeptanz des Diebstahls.

Diese Erpressung hat der rechtsradikale israelische Verteidigungsminister Liberman nun in die Form eines systematischen Plans gegossen, in dem er von einer ‚Politik‘ von Stock und Karotten spricht, Palästinenser also mit Eseln vergleicht, die zum nützlichen Haustier zu dressieren sind. Gegen Wohlverhalten gibt’s zur Belohnung dann auch mal ein Krankenhaus oder einen Fußballplatz.

Was übrigens die Waschmaschinen betrifft, über die Sahm sich so nachhaltig aufregt:

Die Waschmaschine wird mit der Hand von vorne,wo das Waschpulver rein kommt,gefüllt,da der Wasserdruck nicht ausreicht.Man wird erfinderisch, um sich das Leben etwas angenehm zu machen.

 

Vertiefende Informationen:
Wassernöte – Bericht von Amnesty International. pdf zum Download

Präsentation zum Thema: „Von heute und in Zukunft © Clemens Messerschmid. was wäre nötig? was tun die Geber?“

 

 

 

 

 

 

Was erlauben sich ZDF?

Am 05. Juli 2016 um 23:00 Uhr sendete ZDF + den Beitrag Erzogen zum Hass – Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten.
„und zu töten“, hieß es ursprünglich, das jedoch wurde nach Protest abgeändert.

Nun, neu ist es nicht, dass beider Schulbücher kritisiert werden, obgleich beide nur sehr selten über die Grenze zu blankem Hass hinaus schießen. So berichtet der Guardian 2013 darüber. Freilich ist es der schiere Wunsch nach Auslöschung, der Israel ignoriert und das gesamte ehemalige UN-Mandatsgebiet nur Palästina benennt. Umgekehrt ist es natürlich völlig in Ordnung, wenn in israelischen Schulbüchern die grüne Grenzlinie weggelassen wird und Palästina nicht erwähnt wird – ODER?
„Bösartige Verleumdung“, soll es laut Econonomist aus Netanyahus Umfeld zu dieser immerhin von der US-Regierung finanzierten Studie getönt haben und der Economist kommentierte:

Was soll Israel mit einem Bericht machen, der behauptet, dass Israel und Palästina sich in ihren jeweiligen Schulen gegenseitig die Legitimität absprechen? Sprich dem Bericht die Legitimität ab, ist die Antwort von israelischer Seite.

Diesmal durften die Unteroffiziere der deutschen Israel-Lobby ins Feld ziehen, als Anführer Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, der möglicherweise die Gabe hat, junge Männer aus gewissen Kreisen für sein intellektuell ansprechendes Medium zu begeistern. Volker Beck sprang ihm natürlich umgehend zur Seite und drohte schließlich mit dem ZDF Fernsehrat und dem Presserat wegen der Unverschämtheit, Israel und Palästina gleichzusetzen. Er dürfte schließlich auch der Ansicht sein, Israel stünde per se über allen anderen Ländern, Deutschland eingeschlossen. Sich selbst scheint er jedenfalls schon zum getreuen Vasallen gemacht zu haben.

Die Sache war Reichelt einen langen Artikel auf Bild.de wert:

EKLAT UM „HEUTE-BEITRAG –  ZDF wirft Israel Kinderverhetzung vor

Das mit dem Eklat dürfte ein wenig übertrieben sein, denn ich wette, das hat im Lande so gut wie keiner gemerkt, außer unserer bekannten Israel-Lobby natürlich, die sich gegenseitig darauf aufmerksam macht, um dann, wie Beck, den anderen als angeblich unabhängig agierenden Zeugen heran ziehen zu können, aber das kennen wir ja von Bild.

Erstaunlich jedoch, wieviele Freunde diese traditionell nicht so gut beleumdete Medium Bild inzwischen gewonnen hat. Reichelts Artikel haben sie alle begeistert verbreitet, u.a. nicht nur – das ist normal – der American Jewish Congress Berlin AJC, sondern auch Martin Niewendick, Redakteur des angeblich linken Mediums der Israel-Lobby, Ruhrbarone.

Da es offenbar an Informationen mangelt, möchte ich den Schreihälsen mal ein wenig anliefern. Es geht ja nicht nur um Schulbücher, auch wenn am Schluss der zu Anfang verlinkten Reportage eine Dame, die nun mal zu diesem Thema forschte, interviewt wird. Wenn es um Erziehung zum Hass in Israel geht, sollte man seine ‚Schule der Nation‘ nicht vernachlässigen, die sich schon sehr früh um die lieben Kleinen kümmert.

Hier haben wir ein sehenswertes Video von einem Besuch etlicher Kinder in einer Gedenkstätte der bewaffneten Streitkräfte, wo sie schon mal in den Gebrauch diversen Tötungswerkzeugs eingewiesen werden. Echte. Nicht so nachgemachtes Spielzeug, wie es die Hamas in Gaza den Schulkindern in die Hand gibt.
Die Kinder reden Klartext: „Ich stelle mir einen toten Araber vor und das macht mich glücklich.“ Einer anderen verhilft gleich die Vorstellung einer ganzen Batterie toter Araber zum Glück. Für einen Jungen ist die Besatzung quasi schon erledigt; er möchte im Libanon kämpfen. Er hofft, dass es mal wieder dazu kommt.

Hübsche Kinderbilder veröffentlichte electronic intifada im letzten Jahr in einem Bericht:Kinder 1

Kinder 2

 

 

 

 

 

Zu solchen und ähnlichen Bildern sagte der Ha’aretz-Kolumnist Gideon Levy:

Wo sonst bringt man kleine Kinder dazu, mit einem Rucksack auf dem Rücken herum zu kriechen? Wenn Hamas seine Kinder so behandelt, buhen israelische Eltern voller Abscheu: „Schaut euch diese Tiere an!“

Kind 4Unvergessen sind auch die Fotos aus dem Libanonkrieg 2006 – unvergessen offenbar auch in Israel, wenn der Junge aus dem Video da unbedingt mal wieder hin möchte – die zeigen, wie nette Schulmädchen Botschaften auf die Raketen schreiben, die dann auf den Libanon gefeuert werden sollten.

Also, wenn Reichelt sich beschwert, dass Hamas die Kinder in Gaza mit imaginären Raketen feuern lässt – die israelischen Raketen waren echt.

Und wenn Beck meinte, der ZDF-Bericht, wonach auch in Israel die Kinder zum Hass erzogen würden, entbehre jeglicher Grundlage, voilá, hier sind se.

Kind 3

 

Update 14.07.2016

Es ist schier unglaublich, was das ZDF sich alles erlaubt.
Da hat es doch tatsächlich in einem dreieinhalb Minuten langen Beitrag Witze über die  Amadeu-Antonio-Stiftung gemacht!

schweinophober DrecksackWie man weiß, ist die Amadeu-Antonio-Stiftung mit ihrer von Ex-Stasi-Chefin Kahane so liebevoll geförderten Pseudo-Antisemiten-Jagd  integraler Bestandteil der Israel-Lobby in Deutschland. Die aber steht wie alles Israelische und Zionistische über dem Gesetz, sie ist heilig. Meinen so einige.

Zum Beispiel die betuliche Zeit. Eilfertig widmete sie den hoch brisanten dreieinhalb Minuten einen ordentlichen Artikel, Thema: ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich.

So ganz stimmt das nicht. Eigentlich gilt Winters Spott der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die darüber aufklärt, wie man Hasskommentare erkennt. Was ja schon etwas merkwürdig ist, denn eigentlich sollte man wissen, dass Hasskommentare etwas anderes sind als unliebsame Polemik oder schlicht die andere Meinung und den Verdacht nahe legt, dass hier gar keine Hass-Kommentare gemeint sind.

Immerhin, die Amadeu-Antonio-Stiftung sah sich veranlasst, den Erdogan zu machen. Nun, wenn es denn ihr Wunsch ist, ihre Dummheiten möglichst weit zu verbreiten, dann helfe ich auch mal mit. Hier der Link zu der Broschüre mit den weisen Ratschlägen für die potentielle Meldehure, der die gesetzlichen Definitionen nicht ausreichen, um ihre Gelüste zu befriedigen.

Kotfresse usw Höfinghoff 030716
Sowas steht übrigens mit ziemlicher Sicherheit nicht auf Amadeu-Antonios Meldeliste

Wenn Netanyahu für Meinungsfreiheit demonstriert …

… dann ist dem, der sich auskennt, klar, dass diese Meinungsfreiheit nicht die  Freiheit umfasst, Israel zu kritisieren, besonders per Karikatur.

FRANCE-ATTACKS-CHARLIE-HEBDO-DEMOMit Irritation wurde von vielen registriert, dass in der ersten Reihe der Demonstranten beim unvergleichlichen gestrigen Trauermarsch in Paris nun ausgerechnet auch Netanyahu zu sehen war, der sich u.a. im Gaza-Krieg nicht gerade als Freund der Pressefreiheit ausgezeichnet hatte. Wer das bestreiten möchte, der möge in dieser kleinen Chronik fündig werden. Schon gestern Abend kam u.a. über Haaretz heraus, dass Netanyahu sich selbst eingeladen hatte, aus wahltaktischen Gründen den rechtsradikalen Lieberman und Bennett folgend. Dagegen konnte Frankreichs Hollande nichts machen, ohne gröblichst unhöflich zu werden, denn seiner Bitte, den Palästina-Konflikt, der ja nicht unerheblich zur Militanz der Islamisten beigetragen hat, durch Abwesenheit der ‚Kriegsparteien‘ aus dem Trauermarsch heraus zu lassen, war Netanyahu nicht nachgekommen. Also lud Hollande auch Abbas zur Demonstration ein, um den Eindruck der Einseitigkeit zu vermeiden, und verließ die Synagoge vorzeitig, nämlich, als Netanyahu die dort versammelten Juden aufforderte, doch Frankreich zu verlassen und nach Israel auszuwandern – Hollande hatte genau das Gegenteil verkündet, nämlich, dass Frankreichs Juden selbstverständlich auch zu Frankreich gehören und von ihm ebenso geschützt und verteidigt werden, wie jeder andere Bürger auch.

Netanyahu Cartoon
Umstrittene Karikatur in der Sunday Times

Dass Israel sich einen feuchten Kehricht um die Meinungsfreiheit schert, sofern man sich die Freiheit nimmt, Israel zu kritisieren, wurde ja hier schon dargelegt. Von daher kann man die erzwungene Teilnahme israelischer Regierungsmitglieder an dieser Demonstration nur dreist nennen. So beschwerte sich Israel 2013 hoch offiziell, nämlich über seinen Botschafter in London, über die ehrwürdige Sunday Times wegen einer angeblich antisemitischen Karikatur. Wieder einmal wurde die „rote Linie“ beansprucht, die überschritten worden sei – und selbstverständlich wiederum unter Beteiligung von Israels Pitbull, dem Simon-Wiesenthal-Zentrum, und der vielleicht bedeutendsten Israel-Lobby-Organisation, der ADL. Es folgt eben immer dem gleichen Schema. Die Israel Times berichtete darüber, auch, dass die Sunday Times hier gar keinen Antisemitismus erkennen könne, denn die Karikatur kritisiere einzig Netanyahu, noch nicht mal Israel und mit dem Judentum habe sie nun überhaupt nichts zu tun.

Sa'aneh
„Die Welt und die Flüchtlinge“ Karikatur von Saba’aneh, Januar 2015

Mit solchen Protesten gibt man sich im Falle palästinensischer Karikaturisten in Israel gar nicht erst ab. So verbrachte der palästinensische Karikaturist Mohammad Saba’aneh letztes Jahr fünf Monate in Israels Gefängnis. Dabei ist er weder Israeli, noch war er in Israel; er wurde schlicht und einfach beim Grenzübertritt von Jordanien nach Palästina festgenommen – von israelischen Kontrollen. Müßig zu fragen, was israelische Grenzer an der Grenze zwischen Jordanien und Palästina zu suchen haben.
Nachdem sie allerdings nichts Brauchbares bei ihm fanden, wurde er der Kontakte zu Hammas beschuldigt. Die ihn freilich nicht sonderlich schätzt, weil er auch über sie seine Witze gemacht hatte. Nichts desto trotz, Hammas geht bei Israel ja immer und Saba’aneh hat einen Bruder. Der ist bei der Hammas. Der hat ein Buch heraus gegeben und die Illustrationen dazu hatte Mohammad Saba’aneh beigesteuert. Familiäre Bande reichen in Israel offenbar für Knast.

header4Aber es gibt auch die härtere Version. Schon 1987 wurde der palästinensische Karikaturist Nadschi al-Ali (hier der entsprechende Wikipedia-Artikel) in London ermordet, mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Mossad, woraufhin die damalige Premierministerin Margaret Thatcher verärgert das Londoner Mossad-Büro schließen ließ.

Al-Ali ist Schöpfer des beliebten palästinensischen Flüchtlingsjungen Handala, den die palästinensische BDS-Bewegung zu ihrem Symbol genommen hat.

 

Update 15.01.2015

Israels Regierungspropaganda macht langsam einen hysterischen Eindruck. Gestern publizierte der britische Guardian einen Artikel über Israels Protest gegen einen Tweet des britischen Parlamentariers David Ward, der während des Pariser Trauermarschs tweetete: „#Netanyahu beim Pariser Marsch – wie??? Mir wird schlecht“ und „Je suis #Palestinian“. Eingeschaltet wurde sogar der Israelische Botschafter, der meinte, dieser Tweet würde Israel delegitimisieren und den Terror unterstützen (merke: wer Netanyahu angreift, ist auch Antisemit, denn Netanyahu ist Israel und Israel ist das Judentum).

Neues aus dem Zionisten-Manual: Israel verteidigen

Kurz und knackig eine präzise Zusammenfassung der auf zionistischer Seite aktuell besonders gern benutzen Argumente, wie sie nicht nur in den social media erscheinen, sondern auch in diversen Berichten, Kommentaren und Interviews in den internationalen Medien (english original version,  which is an excellent summary of the actual zionist arguments, at the end of this post).

Sie werden derzeit dermaßen konstant und oft angeführt, dass es angemessen ist, sie in einem ‚Manual‘ aufzulisten.

  1. Nenne die Personen Antisemiten, selbst wenn sie Juden sind.Break glass &% shout antisemitism
  2. Streite ab, dass Palästina existiert. (Wenn sie argumentieren: „Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien seien vor ihrer Unabhängigkeit auch keine Staaten gewesen und dennoch würde niemand denken, es sei gerechtfertigt, ihre Häuser, Höfe und Unternehmen zu konfiszieren“ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  3. Lenk die Schuld ab auf Hamas. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde längst im Gange war, bevor Hamas sich gründete > gehe zurück zu Nr. 1)
  4. Behaupte, die Palästinenser hätten die Brutalität verdient, mit der Israel sie schlägt, weil sie für Hamas gestimmt hätten. (Wenn sie entgegnen, das sei die gleiche Entschuldigung, die Bin Laden dafür gebraucht habe, dass er das WTC in die Luft sprengen und amerikanische Zivilisten töten ließ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  5. Fordere ein Rückkehrrecht für die Juden, weil sie dort vor Tausenden Jahren gelebt hätten. (Wenn sie entgegnen, die palästinensischen Flüchtlinge hätten ebenso ein Rückkehrrecht, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > gehe zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähne, Sharon habe Gaza den Palästinensern gegeben, es stünde nicht länger unter Besatzung, dennoch würde Hamas Raketen auf Israel abfeuern. (Wenn sie anführen, dass Israel immer noch Gazas Luftraum, Gazas territoriale Gewässer und Gazas Grenzen kontrolliere > kehre zurück zu Nr. 1.)
  7. Gib die Schuld anderen Arabern, weil sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkommen hießen. (Wenn sie argumentieren, die Palästinenser hätten das Recht auf Selbstbestimmung und andere arabische Staaten seien nicht dazu da, die Schweinerei auf zu kehren, die Europa, die USA und Israel veranstaltet hätten > kehre zurück zu Nr. 1.)

Zionist manual

Verlogene Nazijäger

Jetzt, nach dem Marsch rechtsradikaler Randalierer und Hooligans vom Hauptbahnhof zum Ebertplatz und zurück in Köln .- nein, das war kein Marsch durch Köln – schreien sie herum, die Antideutschen und Israel-Lobbyisten, dass man sie nicht genug Nazis habe jagen lassen. Es schreien die Böcke, dass man sie nicht genug habe Gärtnern lassen. Es schreien die, die sorgfältig den Boden mit beackert haben, auf dem diese Saat nun aufging. Es schreien die, die ein Riesentheater abzogen ob des angeblichen Antisemitismus der Migranten und Pro-Palästinenser, die sich in weiß Gott verständlichem Zorn auf Demonstrationen gegen das israelische Massaker in Gaza wandten. Eine einzige zweifelhafte Aussage auf einer Demonstration genügte ihnen, um kaum verhüllt ein Verbot aller solcher Demonstrationen zu verlangen.

Break glass &% shout antisemitism (2)„In Ihre sachliche Zuständigkeit, Herr Senator, fallen die Genehmigung der Demonstration, deren Umstände und Inhalt vorhersehbar waren, und die Untätigkeit der Polizei. Sie sind damit für einen solchen Exzess politisch verantwortlich. Aber nicht ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung, der Bitte um Vergebung gegenüber dem Botschafter Israels in Berlin, gegenüber den Juden in Deutschland und in aller Welt … Sie haben durch Nichtstun und Schweigen dem Ansehen Deutschlands einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die Strafanzeige des American Jewish Committee zeigt, dass der Vorfall längst internationale Dimensionen angenommen hat. „ ,

schrieb Dr. Jürgen Sudhoff, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes a.D. in einem offenen Brief im Berliner Tagesspiegel (es gibt so Leute in Deutschland die meinen, wenn irgend eine noch so obskure zionistische Organisation jammert, müsse man sich gleich in den Staub werfen).

Nein, dies war keineswegs eine Demonstration nur gegen Salafisten. Es war eine Demonstration gegen Muslime, ja, teilweise gegen Ausländer generell. Das bezeugt nicht nur, dass der Anmelder ein Funktionär der notorisch islamophoben rechtsradikalen Pro’ler war, sondern auch Jagdszenen auf Ausländer in den abfahrenden Zügen, von denen der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete.

Foley Netanyahu (2)
Nach internationalen Protesten gelöschter Tweet von Netanyahus offiziellem Account, der die Enthauptung Foleys für israelische Propaganda missbraucht

Es gibt genügend Beispiele für antiislamische Hetze durch Israel-Lobby, Antideutsche und evangelikale US-Fundamentalisten, dass man in die Vollen greifen und jeden Tag was Neues vorstellen kann, welches das längst Bekannte repräsentiert. Hier pars pro toto ein Beispiel von Netanyahu selbst, in dem vorbildlich das getan wird, was auch die Hooligans von Köln taten. Die gewalttätige Terrororganisation IS wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Muslime,  eingeschlossen ihrer obersten theologischen Autoritäten, der Professoren von el-Azhar, nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft. Was sehr wörtlich zu nehmen ist, nicht nur in Syrien. Nichts desto trotz setzt die israelische Propaganda sie mal eben gleich mit Hamas; die sind weiß Gott keine Chorknaben, aber Muslimbruderschaft und die ist stockkonservativ, aber eben nicht IS. Wie man sie kennt, wohl ein Versuch der israelischen Propaganda, ob sich damit nicht das Bombenmassaker von Gaza rechtfertigen ließe: wenn die USA IS mit Bomben platt mache, dann dürfte das Israel mit der Zivilbevölkerung in Gaza ja wohl auch.

Israelnazis (2)
Israelische Nazis auf einer Demonstration gegen israellische Linke im Sommer2014

Aber dabei bleibt’s ja noch nicht mal. Wer Gazas Bevölkerung gegen Israel verteidigt, muss sich auch noch  gefallen lassen, selbst als Hamas-Anhänger bezeichnet zu werden.  Auch ich – und zwar ausgerechnet vom eigentlich als seriös geltenden FAZ-Blogger Don Alphonso. Wenn es um Israel geht, setzt anscheinend bei einigen der Verstand aus. Dass ohnehin so gut wie jeder, der in diesem Konflikt auf der Seite Palästinas steht, schon mal Antisemit tituliert wurde, darf als bekannt voraus gesetzt werden. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt.

Kind im Fadenkreuz (2)
Solche T-Shirts wurden in Israel immer wieder gesehen, auch mit Schwangerer im Fadenkreuz, Aufschrift: „Ein Schuss, zwei Treffer“.

Antisemitismus ist böse, Islamophobie ist gut, so die einfache Logik für schlichte rechtsradikale Gemüter, eine Saat, die schon bei Breivik aufgegangen ist. Man muss sich nur mit aller Entschiedenheit zu Israel bekennen, dann darf man seinem rechtsextremen Fremdenhass freien Lauf lassen und Ausländer prügeln, denn darum geht’s letztendlich. IS = Hamas = Pro-Palästina = Islam, also druff. Auch, wenn es die eigenen Leute sind. Von der alten Parole „Unsere Polizisten schützen die Faschisten“ bis zu „Unsere Polizisten schützen die Islamisten“ ist der Weg nicht weit, also ist es auch ein gutes Werk, sich zum Wohle des deutschen Volkes mit seiner Polizei zu prügeln.

Kach Fußballclub (2)
Hooligans in einem israelischen Fußballstadion mit dem Symbol der rechtsextremen Kahanisten, das auch die Jewish Defense League in Deutschland unbeanstandet verwendet

Ist es Blauäugigkeit oder Perfidie, die die antideutsche Linksextreme bewegt, demonstrativ gegen den antiislamischen Rechtsextremismus zu protestieren, den ihr heiliges Israel  entfacht hat, woran sie selbst sich fleißig beteiligten? Und sich dann womöglich noch wegen des angeblichen notorischen deutschen Hanges zum Nationalsozialimus echauffieren, aber die rechtsextremen Brüder der Hooligans in Israel ignorieren? Gar auch noch Verständnis für sie zeigen, wie das ehemalige Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Julia Schramm, die als Folge der Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg wegen des „unerhörten Antisemitismus“ die in den USA und Israel als militante Terrororganisation eingestufte JDL für legitim hielt?

Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Und ich würde es auch vorziehen, bei Demonstrationen gegen islamophobe Rechtsradikale keine Israel-Fahnen mehr zu sehen. Zu weit sollte man Heuchelei nicht treiben.
Sie sollten erst mal vor ihrer eigenen Tür kehren.

BDS

BDS,  das für Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen steht,    – hier das seltsam tendenziöse deutsche Wikipedia dazu , im Vergleich der erheblich umfangreichere und neutralere Artikel aus dem englischen Wikipedia – dürfte inzwischen zur bedeutendsten nationalen wie internationalen Bewegung des palästinensischen Widerstandes gegen die israelische Besatzung heran Latuffgewachsen sein. Und auch zur mächtigsten. Sie verkörpert die moderne Politik Palästinas, unabhängig von der nicht unbedingt mit dem besten Ruf ausgestatteten PLO. Eine Politik, die auf wirksame Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft setzt, sowohl in wirtschaftlicher als auch in kultureller Hinsicht, und zwar ausdrücklich als die bessere Alternative zum alt hergebrachten bewaffneten Widerstand.  Abbas war zumindest am Anfang ihr Gegner; vermutlich erkannte er schnell, dass diese Bewegung seine Machtansprüche ernsthaft heraus fordert. Ohnehin geht man davon aus, dass er als Präsident eine „lame duck“ ist, denn Neuwahlen würde wahrscheinlich Marwan Barghouti gewinnen, der freilich in einem israelischen Gefängnis sitzt; im Zuge der Kerry-Verhandlungen hatte man auf seine Freilassung gehofft, doch hat Israel gewiss kein Verlangen danach, den „palästinensischen Mandela“ statt des bequemen Abbas als Vertreter der Palästinenser zu bekommen.
Einer derer, die 2005 die BDS-Bewegung begründeten, gehört übrigens auch zur bekannten palästinensischen Aktivistenfamilie Barghouti: Omar Barghouti.

Es gilt fest zu halten, dass die gerade auch von Israel präsentierten Alternativen PLO oder Hamas die bedeutendste einfach weglassen: BDS, der gegenüber die Hamas wohl auch im Gaza-Streifen Vertreterin einer kleinen besonders konservativen Minderheit wäre. Schön, durch den Krieg hat Hamas im Gaza-Streifen erheblichen Auftrieb bekommen.  Doch wenn ich mir die Menge der entsprechenden  Äußerungen anschaue, so geht es den Palästinensern darum, dass jemand stur, tapfer und durchaus nicht dumm bewaffneten Widerstand gegen die Besatzungsarmee leistet; wer, scheint ihnen relativ egal zu sein.

Was die Ziele von BDS betrifft, zitiere ich der Bequemlichkeit halber Wikipedia:

„BDS fordert das Ende der „Besatzung und Kolonialisierung allen besetzten arabischen Landes seit Juni 1967 einschließlich Ost-Jerusalems“, die Aufgabe aller israelischer Siedlungen und der israelischen Sperranlagen sowie die Durchsetzung des „Rückkehrrechts“ der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen. Außerdem solle das „Grundrecht der arabisch-palästinensischen BürgerInnen Israels auf völlige Gleichheit“ anerkannt werden.[2][3] Zur Durchsetzung dieser Ziele wird zu einem umfassenden Boykott Israels aufgerufen.“

Diese Kampagne hat ein  Vorbild: Südafrika, das ja auch tatsächlich durch den Wirtschaftsboykott in die Knie gezwungen wurde und mit seinem Apartheidsstaat Schluss machen musste. Israel, das längst ein ebensolcher Apartheidstaat, wenn nicht schlimmer geworden ist, fürchtet das natürlich. Kerrys entsprechende Warnungen, ein umfassender Boykott könne Folge des Scheiterns der Friedensverhandlungen von diesem Jahr sein, teilte die israelische Justizministerin Livni. Und in der Tat hat BDS gerade auch infolge des Gaza-Krieges eine bemerkenswerte Dynamik entwickelt.

Beispielhaft Artikel der Jerusalem Post vom 09.08.2014.
GarnierSchon seit dem 31. Juli Tagen kursierte ein Foto im Netz, das israelische Soldatinnen zeigt, die sich über eine Kosmetik-Lieferung der Firma Garnier freuten.  Das sorgte für erhebliche Misstimmung, besonders auch noch die Hautreinigungsprodukte in Verbindung gesetzt zu den zahllosen Todesopfern in Gaza, darunter hunderte Frauen und Kinder. Die Assoziation von der nicht durch Cleanser abzuwaschenden Blutschuld kam auf – und selbstverständlich wanderte Garnier umgehend auf die Toplist der zu boykottierenden Unternehmen.
Nun bekam Mutterfirma L’Oreal offenbar doch kalte Füße und teilte offiziell mit, es habe sich nur um eine einmalige Aktion eines lokalen Vertreters gehandelt. Ob das das Netz beruhigen wird, erscheint zweifelhaft.

Geradezu amüsant die Grotekse um den französischen jüdischen Sängers Patrick Bruel, der verdächtigt wurde, beste Verbindungen zum israelischen Militär IDF zu halten. Was er letzte Woche auf seiner Facebook-Seite entschieden dementierte: er habe immer nur wohltätige NGO’s unterstützt, der IDF nie auch nur einen Penny zukommen lassen und sich auch für die ScAuch haffung eines palästinensischen Staates eingesetzt.
Das freilich rief die Jewish Defense League (JDL) auf den Plan:  Bruel sei ein Lügner und Feigling, er habe sehr wohl Wohltätigkeitskonzerte in Israel für Organisationen gegeben, die die IDF materiell unterstützen, das wüssten sie genau, weil sie nämlich da waren, von Bruel als Security engagiert. Er solle doch lieber stolz darauf sein.
Nun ja. Man darf gespannt sein, was Bruel dazu sagt. Immerhin, eine rechtsradikale terrorverdächtige Organisation als Security zu engagieren ist schon ein starkes Stück.

Es sind natürlich nicht die einzigen Unternehmen, die reagiert haben. Auch Starbucks,  das auf der BDS-Liste an prominenter Stelle steht, hat inzwischen erklärt, es würde Israel gar nicht finanziell unterstützen. Nun, ich bin mir recht sicher, man wird das überprüfen.

BDS wirkt also und die Betroffenen haben offenkundig eine Heidenangst davor. Grund genug, sich daran zu beteiligen; es ist nicht umsonst. Bequem und einfach per App, denn auch das gibt es inzwischen.

Eine der letzten Kolonien

Ali Jarbawi ist Politologie-Professor an der Birzeit-Universität bei Ramallah / Palästina und zudem ehemaliger Minister der palästinensischen Autonomie-Behörden. Am 04. August 2014 veröffentlichte die New York Times seinen Artikel „Israels Kolonialismus muss enden„, der präzise darstellt, worum es im Palästina-Konflikt tatsächlich geht (Zitate kursiv).

Er schreibt:
Jahrhunderte europäischen Kolonialismus haben der Welt bestimmte grundlegende Lehren über das Unterwerfen kolonisierter Völker gebracht: je länger eine koloniale Besetzung währt, desto größer neigen Rassismus und Extremismus der Siedler zu wachsen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Besatzer auf Widerstand stoßen; an diesem Punkt wird die besetzte Bevölkerung zu einem Hindernis, das entweder zur Unterwerfung gezwungen oder durch Vertreibung oder Ermordung eliminiert werden müsse.

In den Augen der Besatzungsmacht hängt die Menschlichkeit derer unter ihrem Daumen vom Grad ihrer Unterwerfung oder ihrer Zusammenarbeit mit der Besatzung ab. Wenn die besetzte Bevölkerung sich entscheidet, sich den Zielen der Besatzer in den Weg zu stellen, dann werden sie verteufelt, was den Besatzern die vermeintliche moralische Entschuldigung liefert, ihnen mit allen möglichen Mitteln entgegen zu treten, egal wie hart.

Die israelische Besetzung von Palästina ist eine der wenigen verbliebenen Besetzungen durch koloniale Siedler in der heutigen Welt.

Und sie ist nicht auf Ost-Jerusalem und die Westbank beschränkt: auch wenn Israel seine Siedler und seine Armee im Jahr 2005 aus Gaza zurück zog, ist es dort immer noch von den Vereinten Nationen als Besatzungsmacht anerkannt wegen seiner vollständige Kontrolle über Gazas Luftraum,  des Zugangs zur See und fast aller seiner Landgrenzen.

Israel hat seine Story, meint Jarbawi – man kann auch sagen Märchen oder Legende – dem Westen erzählt, der sie ihm all die Jahre abgenommen hat. Hier stellt sich m.E. die Frage, inwiefern das Ergebnis dieses Gaza-Krieges nicht ist, dass die vertraute Legende an der brutalen Wirklichkeit zerbrochen ist. Und zum Status Quo der israelischen Gesellschaft und Politik berichtet er:

Palästinenser anzugreifen ist offiziell sanktionierte Politik geworden, eingebettet in das israelische öffentliche Bewusstsein und höflich ignoriert in westlichen politischen Kreisen.

Es gibt nun eine extremistische, rassistische ideologische Strömung in Israel, die nicht nur den letzten Angriff auf den Gaza-Streifen rechtfertigt, sondern tatsächlich dazu ermutigt, die enorme und unverhältnismäßige Gewalt gegen die Zivilbevölkerung zu gebrauchen, die zur Vernichtung ganzer Familien geführt hat.

Beispielhaft verweist Jarbawi auf Moshe Feiglins Äußerungen, die ich bereits hier übersetzt habe und meint zu Recht, dies könne nicht anders denn als Aufruf zur ethnischen Säuberung verstanden werden. Aber er führt auch die Knesset-Abgeordnete Ayelet Shaked als Beispiel an, die dazu aufrief, nicht nur die Häuser der „terroristischen Schlangen“ zu zerstören, sondern auch die Mütter zu töten, damit sie keine neuen „kleinen Schlangen“ in die Welt setzen könnten. Und schließlich Mordechai Kedar, Professor an der Bar Ilan Universität, der öffentlich die These aufstellte, die Mütter und Schwestern der „Terroristen“ zu vergewaltigen könnte diese von weiterem Terrorismus abhalten.

Die von ihm erwähnten Äußerungen sind in Palästina weithin bekannt, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Sie sind längst keine isolierten Ereignisse mehr in einem Land, in dem „Tötet die Araber“ ein gängiger Ruf geworden ist. Was ihn lediglich wundert, ist, dass solche Aussagen auf keine Art von Verurteilung in den offiziellen westlichen Kreisen treffen, die doch beanspruchen, sich Rassismus und Extremismus zu widersetzen.

Der Aufstieg des israelischen Rassismus und Extremismus gegen die Palästinenser wäre ohne die bedingungslose Unterstützung, die Israel von seinen Verbündeten erhält, am deutlichsten von den Vereinigten Staaten, nie geschehen.

Hier wäre natürlich auf die Legende von den Holocaust-Opfern zu verweisen (der entgegen steht, dass es kaum noch steinalte Überlebende gibt, so wenig, wie auf der anderen Seite überlebende Täter), der anscheinend jedem Juden ein geradezu engelhaftes Wesen verleihen und ihn aus der Menschheit heraus heben soll – wobei inzwischen die meisten Einwanderer aus fernen Gegenden Osteuropas oder des Orients stammen und überhaupt, eingeschlossen der derzeitige Ministerprädident Netanyahu, erst nach 1945 geboren wurden. Doch damit ist es nicht genug. Aufgrund ihrer oft recht skrupellosen Machtpolitik und ihres sehr lockeren Umgangs mit dem Recht haben die USA seit langem schon einen denkbar schlechten Ruf in der Welt und das bisschen Vertrauen, das die USA durch ihr Engagement für den Arabischen Frühling gewonnen haben, drohen sie nun durch Israels Gaza-Krieg wieder zu verlieren; Putin wird’s freuen. Aber übersehen wir Europa nicht, dessen Selbstbild, und das trifft zunehmend auch auf Deutschland zu, so gar nicht dem Bild entspricht, das andere von ihm gewonnen haben. Die schönen moralischen Sonntagspredigten interessieren nämlich niemanden, wenn man sich im Alltag so ganz gegenteilig verhält. Dann nennt man das Bigotterie und genau deswegen ist Europa längst berüchtigt, wobei Bigotterie auch immer als Schwäche ausgelegt wird. Nicht nur wirtschaftlicher Egoismus, sondern vor allem Europas jahrelange Flüchtlingspolitik auf dem Mittelmeer hat seinen Ruf nachhaltig beschädigt. Aber eben auch seine Position im  Palästina-Konflikt, denn „keine Art von Verurteilung in den offiziellen westlichen Kreisen treffen, die doch beanspruchen, sich Rassismus und Extremismus zu widersetzen“ ist natürlich der Vorwurf eben der Bigotterie.

Israel kann nicht weiterhin die Ausnahme von der Regel des Völkerrechts und der Menschenrechte sein. Die internationale Gemeinschaft muss es für seine Rhetorik und seine Taten zur  Verantwortung ziehen und beginnen, es wie alle anderen Länder zu behandeln. Es sollte ihm nicht erlaubt werden, weiterhin seinen Sonderweg zu genießen und diesen Zustand zu nutzen, um weitere Zerstörungen bei der palästinensischen Bevölkerung anzurichten.

Gaza Spiel 2
Das von Google nunmehr nach Protesten gelöschte Spiel

Leitfaden zur Verteidigung Israels / How to defend Israel

Don’t understand German? Scroll down and you find the original I translated.

Es gibt einen neuen Leitfaden für Zionisten – den alten hatte ich hier vorgestellt – den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, hat er doch für jeden, der sich gerade auch wegen des Gaza-Krieges mit Israels Politik auseinander setzt, lustigen Wiedererkennungswert.
Dem mir unbekannten Autor sei hiermit der Dank der Palästina-Solidarität ausgesprochen.

Empfohlen sei dieser Leitfaden hiermit auch den Teilnehmern pro-israelischer Demonstrationen und ihrer medialen Begleiter, denn eine solche kurze Anleitung ist vielleicht einfacher und schneller zu lesen, als die doch etwas geschraubteren, die sie andernorts finden.

 

Zionisten-Manual: wie Israel zu verteidigen ist

  1. Nennen Sie die betreffenden Personen Antisemiten, auch wenn sie Juden sind.
  2. Bestreiten Sie, dass es Palästina gibt. (Wenn sie argumentieren, Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien hatten auch nie Staaten vor ihrer Unabhängigkeit und dennoch würde niemand glauben, es sei gerechtfertigt, Häuser, Farmen und Unternehmen ihrer Bürger zu konfiszieren > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  3. Leiten Sie darauf um, die Schuld Hamas zuzuschreiben. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde tobte, lange bevor Hamas überhaupt gegründet wurde > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  4. Weisen Sie darauf hin, dass die Palästinenser die Brutalität, die Israel ihnen aufzwingt, verdient haben, weil sie für Hamas gestimmt haben. (Wenn sie sagen, das sei die selbe Entschuldigung, die Bin Laden gebrauchte, als er das World Trade Center in die Luft jagte und amerikanische Zivilisten tötete > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  5. Verlangen Sie, dass das jüdische Volk das Recht zur Räckkehr habe, weil es dort vor Tausenden von Jahren gelebt habe. (Wenn sie argumentieren, dass die palästinensischen Flüchtlinge auch ein Recht auf Rückkehr haben, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > kehren Sie  zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähnen Sie, dass Sharon Gaza den Palästinensern gab und dass es seither nicht mehr unter Besatzung steht, dass Hamas aber trotzdem immer noch mit Raketen schießt. (Wenn sie darauf aufmerksam machen, dass Israel auch weiterhin Gazas Luftraum, seine territorialen Gewässer und seine Grenzen kontrolliert >kehren Sie zurück zu Nr. 1.)
  7. Beschuldigen Sie die anderen Araber dafür, dass sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkkommen geheißen haben. (Wenn sie damit argumentieren, dass die Palästinenser das Recht auf Selbstbestimmung haben und dass andere arabische Staaten nicht das Chaos aufzuräumen haben, das Europa, die USA und Israel produziert haben > kehren Sie zurück zu Nr. 1.)

 

IDF-Manual

 

Wie, antisemitisch?

Dies ist ein Rant.

Er gilt nicht den Plattformpiraten. Dieser deutsch-nationalistische Haufen, der die Richtungen verwechselt und meint, man sei progressiv, wenn man sich nicht nach dem letzten, sondern nach dem vorletzten Jahrhundert orientiert, meint, er müsse nun zum neuen ideologischen Volksführer werden, da die Gesellschaft so was brauche, ist keinen Rant wert. Die haben längst das Fangseil zum Raumschiff Gesellschaft gekappt und treiben nun frei im Raum davon – so lange der Sauerstoff in ihrer Filterbubble reicht. Dann gehen sie hopps und vielleicht wird irgend wann mal ein Historiker fragen, welchem Ereigniss denn diese schauerliche Mumie zum Opfer gefallen ist.

Nein, er gilt dem anderen Haufen. Dem, bei dem – eventuell – noch was zu retten ist. Durch Chemotherapie. Wenn der Krebsknoten sich davon gemacht hat.

Zwei große Ereignisse zeigen, dass es Quark ist zu behaupten, Außenpolitik brauche man nicht, weil, interessiere ja keinen. Denn derzeit interessiert überhaupt nur Außenpolitik: der Abschuss der Passagiermaschine über der Ukraine mit seinem ganzen verwirrend komplizierten politischen Umfeld und seinen allseitigen Propagandakanonaden und – Gaza. Also der Nahostkonflikt. Mal wieder. Das alte Krebsgeschwür, das ständig die halbe Welt in Atem hält und immer wieder mal, wie jetzt, die ganze.

2Nase voll. Obama hat Kerry doch wieder zu Verhandlungen in die Region geschickt, da kreuzt er jetzt mit Ban Ky Moon auf. Weil das, was Israel in Gaza veranstaltet, nicht mehr erträglich ist. Weil die sich verhalten, wie tollwütige Hunde. Weil es jedem, der sich ernsthaft damit befasst, klar ist, dass dieser Staat von Rechtsradikalen dominiert wird, die „Araber ins Gas“ und „Jesus ist ein Hurensohn“ an Häuserwände schreiben, von einem angeblich biblisch versprochenen Herrschaftsbereich von Ägypten bis zum Euphrat träumen, sich jewish supremacy einbilden und „good night left power“ auf ihren T-Shirts tragen, schon mal junge Palästinenser bei lebendigem Leib verbrennen oder dermaßen zusammen schlagen, dass ihre eigene Mutter sie nicht mehr erkennt und deren Parlamentssprecher, Parteigenosse des Ministerpräsidenten, verkündet, man müsse nun die Bewohner von Gaza nach Ägypten vertreiben und den Gaza-Streifen Israel zuschlagen. Und nach dem, was die israelische Armee in Gaza veranstaltet, 4Zerstörung der gesamten Infrastruktur, platt machen der Häuser, sieht es ganz danach aus, als ob sie tatsächlich mal probiert, ob das nicht möglich wäre. Ägypten wird das nicht anders sehen, denn Sisi redet wieder mit der Hamas. Obgleich sie zur ihm verhassten Muslimbruderschaft gehört. Gratulation an Israel  zu diesem Ergebnis, das ebenso voraussehbar war wie, dass die Bevökerung von Gaza nunmehr die Qassam-Brigaden hoch leben lässt und für jeden toten israelischen Soldaten ’ne Kerbe ins Handy ritzt.

6Am Donnerstag., dem 17 Juli, begann die israelische Bodenoffensive gegen Gaza und in der Nacht zum 20. Juli begann das, was man nunmehr international das Massaker von Shejaiya nennt. Ich denke, das hat so ziemlich jeder mit bekommen; ansonsten verweise ich hierauf. Man sollte meinen, dass eine Partei, die sich auf das Netz beruft, in dem der Deuvel los ist , etwas dazu zu sagen hätte.  Dass eine Partei, die sogar starke pazifistische Tendenzen zeigte, ja wohl irgendwie mal sagen müsste, dass sie so gewisse Bedenken hat, wenn eine Armee mit hoch modernen Waffen, Boden-, Luft- und Seestreitkräften eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde angreift, das überhaupt gar keine Streitkräfte hat, wenn von dort ein paar Feuerwerkskörper über die 8 m hohe Mauer fliegen, auf die noch nicht mal der Iron Dome reagiert, der bisher noch alles, was hätte gefährlich werden können, abgefangen hat. Da kann man jetzt Empörung walten lassen, dat es mr ejal. Zwei israelische tote Zivilisten gegen inzwischen weit über 500 in Gaza sprechen eine eindeutige Sprache. Und im übrigen ist der vermehrte Raketenbeschuss aus Gaza auch nicht ohne Grund erfolgt – voher gab es 11 tote Palästinenser und hunderte Inhaftierungen, darunter so ziemlich alle, die nach internationalen Vereinbarungen frei gelassen worden waren.

Doch weit gefehlt. Wer auf der Webseite der Piratenpartei suchet, der findet all das, was im Moment wirklich keinen Schwanz interessiert. Nichts zu einem der derzeitigen Hauptthemen, Gaza? Gar nichts? Ich verrate mal ein Geheimnis: der „Lesetipp“: „Antisemitismus darf in NRW keinen Platz haben.“ Und? Was sagen sie zu Gaza? Da redet der Landesvorsitzende Patrick Schiffer doch tatsächlich von „jüngsten Eskalationen in Israel und dem Gazastreifen“ Am 20. Juli. Da haben schon Menschenrechtsorganisationen, wie z.B. Amnesty International, angekündigt, Israel wegen Kriegsverbrechen verklagen zu wollen. Da ging schon morgens durch die Nachrichten, dass in Shejaiya die Menschen barfuß fliehen,vorbei an auf der Straße liegenden Leichen. „Ein schwarzer Tag … – Ich bin bestürzt, beschämt und angewidert“ schreibt Schiffer fett. Für Gaza? Für Israel? Für die internationale Staatengemeinschaft? Für die Menschheit?

Ne. Für Essen.

Es wirkt also fröhlich weiter, das antideutsche und  zionistische Gift, gezüchtet auf dem Kultursubstrat der politischen Feigheit (man könnte ja von irgend wem schief angeguckt werden und sich verteidigen müssen)., das die Piratenpartei für jeden Internationalisten und auch für jeden Migranten unwählbar macht. Oder wem will man im Ernst verkaufen, eine Partei stehe für Bürgerrechte ein, der ein paar Flaschenwürfe auf pro-israelische Demonstranten wichtiger sind als hunderte Tote und Verletzte in Gaza?  Die wegen einer wütenden Minderheit – der man ihre Wut noch nicht mal verdenken kann – wohl am liebsten alle anti-israelischen Demonstrationen verbieten würde und ihre Teilnehmer als „Mob“ bezeichnet? Wer so offen das Geschäft Israels betreibt, ist hörig und damit ungeeignet, deutsche Interessen zu vertreten. Denn es ist das Bestreben der rechten Zionisten, wenigsten in Deutschland, das sie immer noch am ehesten unter ihrer Fuchtel haben, die anti-israelischen Demonstrationen verbieten zu lassen, indem sie die Teilnehmer wegen einer Minderheit, die im Grunde gar nicht dazu gehört, verleumden und diffamieren. Selbstverständlich sind diese Demonstrationen anti-israelisch. Und selbstverständlich sind sie wütend, Was denn sonst, wenn Israel dort Kriegsverbrechen begeht? Dass Israel ein Kriegsverbrecher ist, ist nicht antisemitisch, sondern wahr, ebenso, dass Israel ein Kindermörder ist.  Man muss in der Politik nicht auf ein Urteil des internationalen Strafgerichtshofs warten, um einen Staat mit gutem Grund dessen bezichtigen zu können. Das gehört zur Meinungsfreiheit, die die Piraten eigentlich verteidigen wollten, tatsächlich aber übler verletzen, als alle etablierten Parteien zusammen.

International wollen diese Piraten sein?
Wären sie international, dann wüssten sie, was international im Netz los ist. Gestern kam ein großartiger Artikel dazu heraus. Ich empfehle ihn jedem, denn darin geht es um weit mehr als um Gaza.  Es geht um die internationale Gemeinschaft der Netzbewohner, die ihre Themen selbst bestimmt, statt sie von Medien (oder gar eitlen Möchtegern-Volksführern und -ideologen) vorgeben zu lassen, die nicht nur jede Menge Informationen in Echtzeit sammelt, sondern längst ihre eigenen Mechanismen entwickelt hat, Wahrheit und Lüge voneinander zu trennen und ihre eigenen, schwarm-intelligenten Entscheidungen trifft. Das Netz, eine internationale Bürgermacht, auf die sich die Außenpolitik der Piraten längst hätte stützen müssen, von Anfang an hätte stützen müssen – warum taten sie es nicht? Warum wurde fast alles getan, um diese internationale Bürgermacht in Deutschland nicht in die Politik zu lassen? Fragen über Fragen.

5Wer im Netz lebt, weiß, wie lächerlich es ist, in Sachen Gaza und überhaupt Palästina mit Antisemitismus und Judenfeindlichkeit zu kommen. Denn nirgendwo sind Juden und NIchtjuden engagierter, fruchtbarer und freundlicher im gemeinsamen Ziel vereint, als bei der Palästina-Solidarität. Von den rechten Zionisten werden sie beharrlich tot geschwiegen oder selbst als Antisemiten bezeichnet – aber in der internationalen Palästina-Solidarität sind sie hoch geachtet und unverzichtbar. Das gilt nicht nur für 3die Prominenz. Das gilt für die vielen unbekannten Israelis und Juden, die tagtäglich ihre Humanität und ihre Moral in praktischem Handeln beweisen. Die auch nicht selten Prügel bezogen haben, wie die Palästinenser, und die nun ihrerseits Todesdrohungen empfangen haben – und Empfehlungen der israelischen Polizei, besser unterzutauchen.  Welcher Pirat redet davon? Wer weiß überhaupt davon?

Internationale Netzbewohner? Dass ich nicht lache.