Olympische Peinlichkeiten

Israels Teilnahme bei der Olympiade in Rio, das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen.

Nicht nur, dass die Medaillenausbeute recht mager war; Israel landete mit zwei Bronzemedaillen auf Rang 77. Im Gegensatz zum verhassten Iran, der mit drei goldenen, einer silbernen und vier bronzenen auf Rang 25 landete.

Noch vor der Eröffnung gab es die erste Ohrfeige – von der Mannschaft des Libanon. Die saß nämlich im Bus zum Maracana-Stadion, als die israelische Mannschaft zusteigen wollte.

Nö. Kommt überhaupt nicht in Frage.

Aber die israelische Mannschaft bestand offenbar darauf, trotz der ausdrücklichen Abwehr der Libanesen genau in diesen Bus zu steigen, koste es, was es wolle, so dass der libanesische Teamchef sich in die Tür stellte, um eine  Schlägerei zu verhindern. Ergebnis: die Organisatoren schickten die israelische Mannschaft mit einem anderen Bus los.
„Grausam“, nannte dies die Jüdische Allgemeine.

Nun ja. Araber im Allgemeinen und Palästinenser im Besonderen betrachten natürlich eher z.B, das Verbrennen einer ganzen Familie durch Israelis als grausam. Aber die Maßstäbe sind da offenbar sehr verschieden.

Dann die Judoka Joud Fahmy aus Saudi-Arabien. Als sie erfuhr, dass die israelische Judoka ihren Erstrundenkampf gewonnen hatte und sie gegen diese antreten müsse, falls sie gewinne, verzichtete sie lieber auf die Teilnahme und gab an, verletzt zu sein. Was ihr freilich niemand abnahm.

Im Gegensatz zum Ägypter Islam El Shehaby. Der trat zwar an, aber den obligatorischen Handschlag nach dem Kampf verweigerte er kopfschüttelnd: was zu viel ist, ist zu viel. Das brachte ihm zwar Ärger mit dem Israel-Vasallen Sisi ein, doch das war’s ihm offenbar wert.

ägyptische VolleyballspielerinEinen besonderen Strauß hatte die ägyptische Beach-Volleyball-Spielerin Doaa Elghobashy auszufechten. Elghobashy spielt im Hijab. Also quasi im Burkini. Die Deutsche – das ägyptische Team musste gleich in der ersten Runde gegen den späteren Olympiasieger antreten – spielte hingegen im traditionellen Bikini. Was für das Match völlig egal war und auch für das Engagement, wie dieses Foto zeigt, das um die Welt ging.

Weiß der Teufel, was einen israelischen Zaungast ritt, als sie sich heimlich mit Israel-Flagge hinter Elghobashy stellte, während diese gerade für ein Foto posierte. Elghobashy fand das überhaupt ägyptische Volleyballspielerin mit Israelin nicht lustig, als sie es erfuhr.

Ich schwöre bei Gott, ich hatte keine Ahnung von der Flagge. Mein Lebtag wird es niemals Frieden zwischen mir und diesen Leuten geben. Diese Leute sind in einem solchen Maß dreckig, dass sie mich die Flagge nicht sehen ließen,

schrieb sie auf Facebook. Das war also nichts mit der versuchten Verbrüderung wider Willen. Das ägyptische Volk ist eben nicht Sisi, da hilft alles nichts.

Doch es kommt noch besser. Keine Goldmedaille errungen zu haben wurmte manchen Israeli offenbar so sehr, dass er gedachte, sie sich ebenso anzueignen wie Palästina. Zum Beispiel Avi Mayer, ehemaliger Sprecher der IDF und nun Mayer über GoldmedailleSprecher der Jewish Agency und (Möchtegern-) Spezialist für die Nutzung sozialer Medien zum Behufe der Propaganda für Israel.

Ahmad Abughaush hatte nämlich eine Goldmedaille im Taekwondo gewonnen, die erste Goldmedaille überhaupt für Jordanien. Tatsächlich jedoch ist Abughaush Palästinenser. Da sein Dorf aber inzwischen Teil einer „israelisch-arabischen“ Stadt ist, nämlich Abu Ghosh, gedachte Mayer, die Medaille schlicht und einfach für Israel anzueignen.
Da geriet er freilich an den Falschen. Denn Abughaushs Vater berichtete Journalisten postwendend von seiner Vertreibung aus seinem Dorf und dessen Zerstörung in der Folge des Sechs-Tage-Krieges 1967 und fragte:

Wenn die Israelis die Häuser zerstört, die Menschen getötet und die Bäume gerodet haben, wie können sie sich dann den Erfolg von Abughaush aneignen?

Tja. Frechheit siegt eben nicht immer.

Im Zweifel endet sie in Peinlichkeit.