P010: letzter Versuch oder Business as usual?

Die Piratenpartei ist zumindest seit 2012 einseitig pro-zionistisch ausgerichtet und könnte dies auch bleiben, obwohl Wer gg Israel, ist kein Journalistinzwischen die übelsten Antideutschen die Partei verlassen haben; allerdings beschäftigt sich deren Umfeld immer noch mit ihr, und sei es möglicherweise nur aus Wut über den schwindenden Einfluss. Ich empfehle, sich in diesem Zusammenhang mal Gedanken zu diesem Satz zu machen, der auf der Webseite der kahanistischen, also rechtsradikalen Jewish Defense League (JDL) unter „Ziele“ zu finden ist:

Aufbau einer maßgeblichen, politischen Partei auf deutscher Ebene, um politisch das umzusetzen, was juristisch ausgefochten wurde.

Es gab und gibt durchaus Sympathisanten der JDL in der Piratenpartei selbst und in ihrem treuen Umfeld.

Abgesehen davon, dass eine solch einseitige Ausrichtung dem behaupteten internationalen Charaker der Piratenpartei propalästinensisch sein darf man nicht 2widerspricht, ist sie nicht nur für die Kontakte in Deutschland, sondern auch zur Netzwelt äußerst schädlich. In Deutschland stößt diese Haltung natürlich die größte Gruppe der hiesigen Ausländer und Migranten ab, nämlich die Türken, die weit überwiegend auf der Seite Palästinas stehen; die Araber sowieso und die hinzu ziehenden syrischen Flüchtlinge machen die Lage nicht besser. So wird dann die angeblich internationale Partei zur deutschesten neben den Rechtsradikalen.

Doch auch innerhalb der Netzwelt isoliert sie sich, denn deren Helden und Koryphäen stehen Israel weitgehend äußerst kritsch Snowden Antisemitgegenüber; angefangen mit dem „Snowden-Journalisten“ Glenn Greenwald mit seinem Online-Medium „The Intercept“. Es ist kaum anzunehmen, dass Snowden selbst auf zionistischer Seite steht und wer ab und an mal die Äußerungen der hiesigen Israel-Lobby verfolgt, wird unschwer feststellen, dass sie um negative Darstellung Snowdens durchaus bemüht ist. Er sei „von Antisemiten Martin wg Snowdonumgeben“ und schon aus diesem Grund distanziert zu betrachten. Natürlich schießen sie auch gegen Assange mit Wikileaks; so wird den jüngsten Ankündigungen neuer Wikileaks-Veröffentlichungen Assanges Geltungssucht unterstellt.

Für eine Netzpartei, die die Piratenpartei ja ursprünglich einmal war, ist dies alles natürlich höchst unbekömmlich.

Boris Turovskiy, ein offenbar eher rechtslastiger Zionist, bemühte sich nun mit einer gewissen Verbissenheit, genau diese Unbekömmlichkeiten qua Positionspapier P010 „gegen Antisemitismus und Antizionismus“ in der Piratenpartei zu verankern. Von der Überschrift abgesehen ist besonders aufschlussreich der letzte Satz:

Die Piratenpartei lehnt entschieden jegliche Form von Antisemitismus ab und schließt jede Zusammenarbeit und Unterstützung von antisemitischen und antizionistischen Gruppierungen aus.

wikipedia antisemitischDas umfasst – nach Lesart überzeugter Zionisten, die bekanntlich auch jeden Widerspruch umgehend als „antisemitisch!“ beschreien – nicht etwa nur mit wenigen Ausnahmen alles, was aus Nah-/Mittelost hier in Deutschland herum läuft, sondern auch Organisationen, wie Oxfam, Amnesty International, die UNO, die genannten Koryphäen der Netzszene, dickheadje nachdem sogar – das gute alte Wikipedia. Im Zweifel alles Antisemitismus „unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit“, was sich natürlich jederzeit behaupten lässt, wenn man für sich selbst die alleinige Definitionsmacht beansprucht. Die freilich nicht zuerkannt ist. So hat auch die EU schon 2013 die angebliche „Arbeitsdefinition“ Antisemitismus entfernen lassen, weil immer wieder erlogen wurde, es sei eine offizielle Definition der EU.
das paläst vieh lebt doch noch 2Schon an dieser angeblichen Arbeitsdefinition hatte eine jüdische Friedensorganisation kritisiert, sie sei so schwammig, dass man damit je nach Gusto jede Kritik und jeden Protest unterdrücken könne. Diese Schwammigkeit ist natürlich auch in P010 zu finden.

Die behauptete Identität der politischen Ideologie Zionismus mit dem Judentum ist auch mitnichten akzeptiert. In Großbritannien wurde das sogar schon gerichtlich ausgefochten, nämlich im „Fraser-Prozess„. Dort heißt es im Urteil:

Der Glaube an das zionistische Projekt oder Israel anzuhängen oder ein ähnliches Gefühl kann nicht auf ein geschütztes Merkmal hinaus laufen. Es ist nicht per se Teil des Judentums.

Antizionismus ist also nicht Antisemitismus. Basta. Und wer sich darauf einlässt, dass sie doch identisch seien, fährt nun mal eine einseitig pro-israelische und damit anti-arabische und vor allem anti-palästinensische Linie. Und muss dann auch dafür bezahlen.

wish dead pal children was trueAnsonsten sollte man sich auf Seiten der Zionisten nicht allzu sehr auf den Vorwurf Hetze kaprizieren, denn nicht nur ich kann aus langer Erfahrung mit pro-israelischen Netzaktivisten versichern, an deren Hetze reicht kein Palästinenser und schon gar niemand von der internationalen Palästina-Solidarität heran. So wurde der Leiterin des internationalen IMEMC-Projekts entgegen gehalten: „Wie schade, dass dein Bruder, das palästinensische Vieh, noch lebt um zu leiden“, es wird inständig gewünscht, es möchten möglichst viele Palästinenser massakriert werden, Frauen wird gerne Gangbanging und Oralverkehr versprochen und einer der ausgetretenen Zitrone in Dehms AugenPiratenmitglieder träumt davon, eine Zitrone in Dieter Dehms Augen ausquetschen zu können. Also vom Feinsten.

Wer hier die Hater sind, sollte damit eigentlich klar sein.

Update

Und wie es klar wird.
Und immer wieder bin ich überrascht, dass die hoch aggressiven, ja, menschenfeindlichen und/oder abstoßend vugären Äußerungen keineswegs Einzelfälle sind.

Von daher noch ein paar aktuelle Kostproben:

wg Unfall

wg Genick brechenUnd in diesem Zusammenhang:

wg abknallenUnd noch ein Update, Kommentar erübrigt sich da wohl:

A71

A72

Und auch dies ist, wie schon gesagt, nichts einmaliges. Gleichartige Hetze hört man im Netz in allen Sprachen von fanatischen Zionisten:

A74

Wenn Netanyahu für Meinungsfreiheit demonstriert …

… dann ist dem, der sich auskennt, klar, dass diese Meinungsfreiheit nicht die  Freiheit umfasst, Israel zu kritisieren, besonders per Karikatur.

FRANCE-ATTACKS-CHARLIE-HEBDO-DEMOMit Irritation wurde von vielen registriert, dass in der ersten Reihe der Demonstranten beim unvergleichlichen gestrigen Trauermarsch in Paris nun ausgerechnet auch Netanyahu zu sehen war, der sich u.a. im Gaza-Krieg nicht gerade als Freund der Pressefreiheit ausgezeichnet hatte. Wer das bestreiten möchte, der möge in dieser kleinen Chronik fündig werden. Schon gestern Abend kam u.a. über Haaretz heraus, dass Netanyahu sich selbst eingeladen hatte, aus wahltaktischen Gründen den rechtsradikalen Lieberman und Bennett folgend. Dagegen konnte Frankreichs Hollande nichts machen, ohne gröblichst unhöflich zu werden, denn seiner Bitte, den Palästina-Konflikt, der ja nicht unerheblich zur Militanz der Islamisten beigetragen hat, durch Abwesenheit der ‚Kriegsparteien‘ aus dem Trauermarsch heraus zu lassen, war Netanyahu nicht nachgekommen. Also lud Hollande auch Abbas zur Demonstration ein, um den Eindruck der Einseitigkeit zu vermeiden, und verließ die Synagoge vorzeitig, nämlich, als Netanyahu die dort versammelten Juden aufforderte, doch Frankreich zu verlassen und nach Israel auszuwandern – Hollande hatte genau das Gegenteil verkündet, nämlich, dass Frankreichs Juden selbstverständlich auch zu Frankreich gehören und von ihm ebenso geschützt und verteidigt werden, wie jeder andere Bürger auch.

Netanyahu Cartoon
Umstrittene Karikatur in der Sunday Times

Dass Israel sich einen feuchten Kehricht um die Meinungsfreiheit schert, sofern man sich die Freiheit nimmt, Israel zu kritisieren, wurde ja hier schon dargelegt. Von daher kann man die erzwungene Teilnahme israelischer Regierungsmitglieder an dieser Demonstration nur dreist nennen. So beschwerte sich Israel 2013 hoch offiziell, nämlich über seinen Botschafter in London, über die ehrwürdige Sunday Times wegen einer angeblich antisemitischen Karikatur. Wieder einmal wurde die „rote Linie“ beansprucht, die überschritten worden sei – und selbstverständlich wiederum unter Beteiligung von Israels Pitbull, dem Simon-Wiesenthal-Zentrum, und der vielleicht bedeutendsten Israel-Lobby-Organisation, der ADL. Es folgt eben immer dem gleichen Schema. Die Israel Times berichtete darüber, auch, dass die Sunday Times hier gar keinen Antisemitismus erkennen könne, denn die Karikatur kritisiere einzig Netanyahu, noch nicht mal Israel und mit dem Judentum habe sie nun überhaupt nichts zu tun.

Sa'aneh
„Die Welt und die Flüchtlinge“ Karikatur von Saba’aneh, Januar 2015

Mit solchen Protesten gibt man sich im Falle palästinensischer Karikaturisten in Israel gar nicht erst ab. So verbrachte der palästinensische Karikaturist Mohammad Saba’aneh letztes Jahr fünf Monate in Israels Gefängnis. Dabei ist er weder Israeli, noch war er in Israel; er wurde schlicht und einfach beim Grenzübertritt von Jordanien nach Palästina festgenommen – von israelischen Kontrollen. Müßig zu fragen, was israelische Grenzer an der Grenze zwischen Jordanien und Palästina zu suchen haben.
Nachdem sie allerdings nichts Brauchbares bei ihm fanden, wurde er der Kontakte zu Hammas beschuldigt. Die ihn freilich nicht sonderlich schätzt, weil er auch über sie seine Witze gemacht hatte. Nichts desto trotz, Hammas geht bei Israel ja immer und Saba’aneh hat einen Bruder. Der ist bei der Hammas. Der hat ein Buch heraus gegeben und die Illustrationen dazu hatte Mohammad Saba’aneh beigesteuert. Familiäre Bande reichen in Israel offenbar für Knast.

header4Aber es gibt auch die härtere Version. Schon 1987 wurde der palästinensische Karikaturist Nadschi al-Ali (hier der entsprechende Wikipedia-Artikel) in London ermordet, mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Mossad, woraufhin die damalige Premierministerin Margaret Thatcher verärgert das Londoner Mossad-Büro schließen ließ.

Al-Ali ist Schöpfer des beliebten palästinensischen Flüchtlingsjungen Handala, den die palästinensische BDS-Bewegung zu ihrem Symbol genommen hat.

 

Update 15.01.2015

Israels Regierungspropaganda macht langsam einen hysterischen Eindruck. Gestern publizierte der britische Guardian einen Artikel über Israels Protest gegen einen Tweet des britischen Parlamentariers David Ward, der während des Pariser Trauermarschs tweetete: „#Netanyahu beim Pariser Marsch – wie??? Mir wird schlecht“ und „Je suis #Palestinian“. Eingeschaltet wurde sogar der Israelische Botschafter, der meinte, dieser Tweet würde Israel delegitimisieren und den Terror unterstützen (merke: wer Netanyahu angreift, ist auch Antisemit, denn Netanyahu ist Israel und Israel ist das Judentum).

Die Reaktionen der anderen Seite

Drawing Muslim JewsDie andere Seite – das sind die Nicht-Europäer, vor allem die Menschen in Nah-/Mittelost und Afrika.

Nein, die andere Seite sind nicht IS oder el-Qaeda. Es ist absolut lächerlich, das auch nur zu denken. Denn man kennt die bestens in Nah-/Mittelost und auch in Afrika. Will man hier wirklich annehmen, den Menschen in dieser Region sei es egal, wenn man ihre Mütter, Väter, Brüder und Schwestern, ihre Kinder auf dem Markt in die Luft sprengt? Ihre Mädchen entführt und zwangsverheiratet, ihren jungen, fleißigen, bestens ausgebildeten Frauen Berufsverbot erteilt? Ihre Söhne in’s Gefängnis wirft, auspeitscht, köpft? Das gar noch gut findet und unterstützt? Was ist es für ein Affront, Muslime, die in erster Linie Opfer dieser militanten Islamisten sind, unter den Verdacht zu stellen, sie würden ihren Mördern Handreichungen leisten!

Sending love
„Sending love“

Gerade sie verstehen sehr gut, was es heißt, von Attentaten unmittelbar betroffen zu sein, von Toten, von dem Angriff auf eine freiheitswillige Gesellschaft und ihren Staat. Es dauerte nur wenige Stunden, da ging diese Zeichnung als Reaktion um die Welt und der palästinensische Abgeordnete Mustafa Barghouti verbreitete noch am 7. Januar, dem Tag des Attentats, „Die Palästinenser sind geschockt, wütend und verdammen den schrecklichen Angriff auf französische Journalisten, die Gedanken sind bei ihren Familien.“

Doch die Stimmung hat sich geändert. Nicht, was Attentat und Attentäter und auch das Mitgefühl mit den Familien betrifft. Wohl aber, was die wieder allzu offenbar gewordene schreiende Ungerechtigkeit Europas betrifft, seine schon die Grenze zur Lüge überschreitende Bigotterie, seine Selbstgefälligkeit. Europa verteidigt die Menschenrechte? Auch die derjenigen, die im Mittelmeer ertrinken? Auch die der Kinder, die, während der Schneesturm am südlichen Rand des Mittelmeers tobte, in diesen Zelten leben müssen? Die die Kinder in Gaza dank Israels Verweigerung, die Grenzen zu öffnen, oft  noch nicht mal haben?

SZ Karikatur
Mohr erklärte, er habe „eine überspitzte Zeichnung Mark Zuckerbergs in Kombination mit der Krake aus dem Film ‚Fluch der Karibik‘ dargestellt“.

Am meisten empörte jedoch das bigotte Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. Dass es damit tatsächlich nicht weit her ist, weiß jeder, der sich irgend wann einmal wissentlich oder unwissentlich über Juden lustig gemacht oder gar Israel kritisiert hatte. Beispielhaft hierfür die angeblich antisemitischen Karikaturen der Süddeutschen Zeitung. Ein absurder Vorwurf, wie auch SPON berichtete. Die Angriffe, vor allem von Seiten des berüchtigten Simon-Wiesenthal-Zentrums, führten dazu, dass die SZ umgehend zu Kreuze kroch – wenn von Selbstzensur und Schere im Kopf die Rede ist, sollte man vorrangig an so was denken. Manchen sich links nennenden Israel-Fanatikern gilt es sogar bereits als antisemitisch, wenn man das internationale Finanzkapital angreift; denn angeblich habe man dabei nichts anderes im Kopf, als eine Hand voll jüdischer Akteure. Wird Zeit, hier einmal Aluhüte zu  verteilen. Man kann davon ausgehen, dass Vertreter des internationalen Finanzkapitals gegen eine derartig absurde Immunisierung gegen Kritik nichts einzuwenden haben; wobei man freilich nicht übersehen sollte, dass hierzu vorrangig auch die der Deutschen Bank gehören.

Breivik
„Erinnert sich wer daran, wie die Medien eine große Sache daraus machten, dass er ein Christ ist? Nein? Ich auch nicht.“

„Der demonstrative Schrei für freie Rede ist edel, aber heuchlerisch“ titelt die londoner Schauspielerin und Fotografin Alexandra Chaloux in ihrem lesenswerten Blogpost auf der britischen Huffington Post. Mag es missverstandene Solidarität mit den Opfern des Attentats sein, aber die Stimmen, die sich gegen diese Heuchelei wenden, sind doch recht leise. Dass eine gewisse Unterwürfigkeit wohl die Ursache sein dürfte, eine Selbstzensur, freilich in anderer Richtung, zeigt die ebenso leise Reaktion auf die Weigerung der meisten renommierten internationalen Medien der USA, die Karikaturen aus Charlie Hebdo abzudrucken, hier in einem Reuters-Artikel erklärt. Was soll man dazu auch sagen? Selbstzensur aus Angst ist es ja nicht, wenn argumentiert wird, das Zeigen dieser Karikaturen sei respektlos und die Entscheidung, sie nicht abzudrucken, letztlich eine Frage von Manieren.

Journalisten in Gaza getötet
„Wo waren die ‚Freiheit der Rede‘-Leute, als 17 Journalisten 2014 in Gaza von Israel abgeschlachtet wurden?“

Das Netz reagierte auf diese Bigotterie mit Gegenüberstellungen: „Konservative Christen nennen extremistische Christen rechtsradikale Bekloppte. Aber ein muslimischer Extremist ist ein muslimischer Terrorist. Entweder beide gleich oder gar nicht“. In der Tat hatte auch Breivik sich selbst als einen christlichen Soldaten bezeichnet und dieser (übersetzte) Tweet zeigt genau das Problem: jeder Moslem, der sich schlecht benimmt oder gar straffällig wird, wird automatisch mit allen Muslimen gleich gesetzt. Und auch das hat eine Parallele in der Judenverfolgung: was immer an einem jüdischen Individuum negativ auffiel, ob Selbstsucht, Schmuddeligkeit, krimineller Wucher oder gar ein Attentat, wurde als Eigenschaft allen Juden zugeschrieben.  „Wenn John einen Menschen tötet, wird John die Schuld gegeben. Aber wenn Ali einen Menschen tötet, wird dem Islam die Schuld Greenwaldgegeben?“ Ja, es ist das alte Muster. Es wäre dringend an der Zeit, dass das Abendland das mal als eine weniger erfreuliche offenkundige Spezialität seiner Kultur untersucht. Denn dieses fast schon wie eine fixe Idee erscheinende Vorurteil kann Murdochwahrhaft absurde Blüten treiben, wie auch Glenn Greenwald feststellte. Denn da stieß CNN’s Nachrichten-Moderator Don Lemon den Menschenrechts-Aktivisten und Anwalt Arsalan Iftikhar, der zuvor ausführlich dargelegt hatte, dass und warum das Attentat von Paris auch aus Sicht des Islam nicht zu rechtfertigender Mord sei, mit der Frage vor den Kopf, ob Iftikhar ISIS unterstütze. Was ebenso auf ein weit verbreitetes Phänomen weist: Muslime können sich von extremistischen Terroristen so oft distanzieren, wie sie wollen – es wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Als ob die Islamophoben dafür taub wären. Jüngstes Beispiel: der Zeitungsmogul Ruppert Murdoch.

Titel 2
„Boko Harams Sexsklavinnen sind wütend: Hände weg von unserer Sozialkasse!“ (Anspielung auf Schwangerschaften, um Transferleistungen zu erhalten)

Man möge sich nicht vertun. Die Kritik an der Bigotterie des Abendlandes, speziell Europas, beschränkt sich nicht auf Palästina, Irak, Syrien. Schon der Umstand, dass einer der Attentäter aus dem am Südrand der Sahara gelegenen Mali stammt, weist auch auf andere Regionen. Aus Schwarzafrika kam die Kritik an dort als klar rassistisch empfundenen Karikaturen des Charlie Hebdo, woran auch teilweise schwer um die Ecke denkende Rechtfertigungsversuche nichts ändern können. Damit wird natürlich nicht das Attentat relativiert. Wohl aber die Selbstidentifizierung mit Charlie Hebdo mit dem Satz „Je suis Charlie“ – verständlich für die Franzosen, doch unterstelle ich, dass ein Großteil derer, die sich unter diesen Satz stellen, von Charlie Hebdo’s Publikationen nicht die geringste Ahnung haben. Das übrigens mit einer Auflage von nur 30.000 nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe war, denn auch der wegen angeblichen Antisemitismus gefeuerte Zeichner Sine hatte bei seiner Neugründung einiges an Lesern mit genommen. Man muss wohl nicht weiter erwähnen, dass Charlie Hebdo in diesem Falle Sines Berufung auf die Meinungsfreiheit nicht weiter  zur Kenntnis nahm.

Algerienkrieg
Französische Algerienkrieger präsentieren Köpfe getöteter Algerier

Algerier gruben alte Fotos aus dem Algerienkrieg (1954-1962) aus, und die sind durchaus nicht uninteressant, zeigen sie doch, dass die Greueltaten von IS keineswegs ein Rückfall in das Mittelalter sind, denn dieses hier liegt gerade mal gut 50 Jahre zurück und auch Abu Ghoreib und die Drohnenmorde ohne Rücksicht auf zivile Opfer zeigen, dass das Mittelalter, wenn wir denn davon sprechen wollen, auch im Abendland nicht so lange vergangen, wie man sich erträumt, vermutlich sogar hier genau so präsent ist, wie bei den islamistischen Extremisten.

Charlie Hebdo bezeichnete sich selbst als Anhänger des schlechten Geschmacks. Nun gut. Mit einer Satirezeitschrift, die schlechten Geschmack verbreitet, kann auch die große Mehrheit der Muslime leben; sie müssen es ja nicht lesen. Das ist nicht der Stein des Anstoßes. Es ist die Einseitigkeit, die empört. Dass Freiheit, Demokratie, Recht und Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit bis hin zum Recht auf Leben nur für eine Seite der Menschheit gelten, ganz in der Tradition des britischen puritanischen Diktators Oliver Cromwell, der die Demokratie entschieden verteidigte, allerdings nur die der Puritaner, denn nur die Puritaner galten den Puritanern als Heilige und nur Heilige konnten über die Welt entscheiden. Die katholischen Iren wussten, was das heißt, denn sie wurden von den heiligen Puritanern hingeschlachtet.

Deswegen mit dem Anspruch der Redefreiheit für die ganze Welt zum Abschluss zwei  gleichermaßen geschmacklose Karikaturen:

Koran ist Scheiße
„Der Koran / Charlie Hebdo ist Scheiße. Er hält die Kugeln nicht ab.“

Neues aus dem Zionisten-Manual: Israel verteidigen

Kurz und knackig eine präzise Zusammenfassung der auf zionistischer Seite aktuell besonders gern benutzen Argumente, wie sie nicht nur in den social media erscheinen, sondern auch in diversen Berichten, Kommentaren und Interviews in den internationalen Medien (english original version,  which is an excellent summary of the actual zionist arguments, at the end of this post).

Sie werden derzeit dermaßen konstant und oft angeführt, dass es angemessen ist, sie in einem ‚Manual‘ aufzulisten.

  1. Nenne die Personen Antisemiten, selbst wenn sie Juden sind.Break glass &% shout antisemitism
  2. Streite ab, dass Palästina existiert. (Wenn sie argumentieren: „Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien seien vor ihrer Unabhängigkeit auch keine Staaten gewesen und dennoch würde niemand denken, es sei gerechtfertigt, ihre Häuser, Höfe und Unternehmen zu konfiszieren“ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  3. Lenk die Schuld ab auf Hamas. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde längst im Gange war, bevor Hamas sich gründete > gehe zurück zu Nr. 1)
  4. Behaupte, die Palästinenser hätten die Brutalität verdient, mit der Israel sie schlägt, weil sie für Hamas gestimmt hätten. (Wenn sie entgegnen, das sei die gleiche Entschuldigung, die Bin Laden dafür gebraucht habe, dass er das WTC in die Luft sprengen und amerikanische Zivilisten töten ließ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  5. Fordere ein Rückkehrrecht für die Juden, weil sie dort vor Tausenden Jahren gelebt hätten. (Wenn sie entgegnen, die palästinensischen Flüchtlinge hätten ebenso ein Rückkehrrecht, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > gehe zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähne, Sharon habe Gaza den Palästinensern gegeben, es stünde nicht länger unter Besatzung, dennoch würde Hamas Raketen auf Israel abfeuern. (Wenn sie anführen, dass Israel immer noch Gazas Luftraum, Gazas territoriale Gewässer und Gazas Grenzen kontrolliere > kehre zurück zu Nr. 1.)
  7. Gib die Schuld anderen Arabern, weil sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkommen hießen. (Wenn sie argumentieren, die Palästinenser hätten das Recht auf Selbstbestimmung und andere arabische Staaten seien nicht dazu da, die Schweinerei auf zu kehren, die Europa, die USA und Israel veranstaltet hätten > kehre zurück zu Nr. 1.)

Zionist manual

Nachspiel zum #Toilettengate

Blumenthal
Max Blumenthal

Zur Affäre Blumenthal/Sheen/Gysi gibt es nun ein interessantes, wenn nicht gar amüsantes Nachspiel.
Die ehrwürdige New York Times, eigentlich als eher recht israelfreundlich bekannt, hat nämlich ein Verbrechen begangen: sie hat nicht dem über Blumenthal und Sheen von den Zionisten verhängten Bann gehorcht und einen kleinen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht.

Was die streng zionistische New Yorker „The Algemeiner“ am 08. Dezember zu einer Beschwerdetirade veranlasste: damit, dass sie einen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht habe, habe die New York Times eine rote Linie überschritten (mal wieder rote Linie. Als ob die Zionisten für andere Leute rote Linien festlegen könnten).
Es ist nicht der einzige Beschwerdeartikel von dieser Seite.

Tweet
„Gregor, komm raus aus dem Scheißhaus, du bist erwachsen!“

Zunächst nennt The Allgemeiner die Toilettenszene einen „versuchten gewaltsamen Anschlag auf Gysi“. Oha. Das sieht doch wieder mal danach aus, dass Einer behauptet, die Gedanken eines Menschen besser zu kennen, als dieser selbst. „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich Damun, den Dolch im Gewande…“ – dem Antizionisten ist eben alles zuzutrauen.
Die üblichen Beschimpfungen dürfen als Garnitur dieser Diffamierung natürlich auch nicht fehlen: Max Blumenthal sei ein „antisemitischer Propagandist“ und die New York Times habe die Untat begangen, ihm durch Aufnahme seines Artikels die Möglichkeit zu geben, seine „besudelte Reputation“ zu retten.

Es ist symptomatisch, dass The Algemeiner auf Rabbi Abraham Cooper vom berüchtigten Simon Wiesenthal Center verweist, eben das, dem der ebenso berüchtigte Henryk M. Broder so gerne zuarbeitet und das als Ergebnis lächerlicherweise Jakob Augstein auf seine Liste der 10 gefährlichsten Antisemiten setzte. Gemeinsam übrigens mit Max Blumenthal, was die Sache doch ganz erheblich relativiert. Cooper begrüßt eine Diskussion über das neue Gesetzesvorhaben, Israel zu einem jüdischen Staat zu erklären mit auf Tora und Talmud basierenden Gesetzen. Aber da dürften nur manche mit diskutieren, keine Leute wie Blumenthal, der die Zionisten für Rassisten hält.

Das kennen wir. Es gibt ja auch in Deutschland Leute zur Genüge, die verkünden, selbstverständlich dürfe man Israel kritisieren und das sei sogar erwünscht. Nur darf das eben nicht jeder, sondern nur jemand, der den Zionismus nicht kritisiert.

Ebenso wohl bekannt ist die von Zionisten gern geübte Sippenhaft, diesmal die echte Sippe in Form seines Vaters, des GoliathClinton-Beraters Sidney Blumenthal. Der besaß doch tatsächlich die Frechheit, eine Party zur Vorstellung des Buches seines Sohnes zu schmeißen!
The Algemeiner macht allerdings noch eine neue Dimension dieser Sippenhaft auf: Max Blumenthal habe sich nämlich mit den beiden berüchtigten US-Neonazis Dave Duke und Frasier Glenn Cross zusammen geschlossen. Begründung: die beiden hätten ihn lobend erwähnt. Da kann man ja für die Zionisten nur hoffen, die beiden kommen nicht auf die Idee sich mal dahingehend zu äußern, dass Netanyahu die Haare schön habe. Dem müssten unweigerlich Rücktritt und Staatskrise folgen. Wer sich über den Tenor dieses ‚Lobes‘ unterrichten will, kann dies hier tun: er „respektiere Blumenthal mehr als weiße christliche Zionisten“ und „Jude Max Blumenthal hat was Gutes über Palin zu sagen„, nämlich, dass sie Verbindungen zur Theorie der überlegenen weißen Rasse (White Supremacy) habe. Eine Theorie, die nicht nur Blumenthal und das nicht zu Unrecht mit der nationalreligiösen zionistischen Theorie der angeblichen Überlegenheit des jüdischen Volkes (?) vergleicht.

Kleine Perfidie am Rande: erwähnt wird auch, dass Frasier derzeit unter Mordanklage steht. Man darf dann phantasieren, was Blumenthal mit seinem „versuchten gewaltsamen Anschlag“ vorgehabt haben mag. Ja, diese Zionistenpropaganda ist eine ziemlich dreckige Angelegenheit, was aber wohl nur der vorbehaltlos unterschreibt, der sie täglich erlebt, denn man kann sich nicht alles denken. Und je mehr Israels Politik international unter Beschuss kommt, um so dreckiger wird sie.

P.S.: wer sich von Max Blumenthals journalistischen Qualitäten überzeugen möchte, sollte sich die Mühe machen, diesen langen und kenntnisreichen Artikel auf der renommierten Alternet (nicht zu verwechseln mit dem rechtsradikalen Altermedia) zu lesen. Er enthält eine Menge kluger Analysen zu geschichtlich begründeten deutschen Spezialitäten.

Verlogene Nazijäger

Jetzt, nach dem Marsch rechtsradikaler Randalierer und Hooligans vom Hauptbahnhof zum Ebertplatz und zurück in Köln .- nein, das war kein Marsch durch Köln – schreien sie herum, die Antideutschen und Israel-Lobbyisten, dass man sie nicht genug Nazis habe jagen lassen. Es schreien die Böcke, dass man sie nicht genug habe Gärtnern lassen. Es schreien die, die sorgfältig den Boden mit beackert haben, auf dem diese Saat nun aufging. Es schreien die, die ein Riesentheater abzogen ob des angeblichen Antisemitismus der Migranten und Pro-Palästinenser, die sich in weiß Gott verständlichem Zorn auf Demonstrationen gegen das israelische Massaker in Gaza wandten. Eine einzige zweifelhafte Aussage auf einer Demonstration genügte ihnen, um kaum verhüllt ein Verbot aller solcher Demonstrationen zu verlangen.

Break glass &% shout antisemitism (2)„In Ihre sachliche Zuständigkeit, Herr Senator, fallen die Genehmigung der Demonstration, deren Umstände und Inhalt vorhersehbar waren, und die Untätigkeit der Polizei. Sie sind damit für einen solchen Exzess politisch verantwortlich. Aber nicht ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung, der Bitte um Vergebung gegenüber dem Botschafter Israels in Berlin, gegenüber den Juden in Deutschland und in aller Welt … Sie haben durch Nichtstun und Schweigen dem Ansehen Deutschlands einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die Strafanzeige des American Jewish Committee zeigt, dass der Vorfall längst internationale Dimensionen angenommen hat. „ ,

schrieb Dr. Jürgen Sudhoff, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes a.D. in einem offenen Brief im Berliner Tagesspiegel (es gibt so Leute in Deutschland die meinen, wenn irgend eine noch so obskure zionistische Organisation jammert, müsse man sich gleich in den Staub werfen).

Nein, dies war keineswegs eine Demonstration nur gegen Salafisten. Es war eine Demonstration gegen Muslime, ja, teilweise gegen Ausländer generell. Das bezeugt nicht nur, dass der Anmelder ein Funktionär der notorisch islamophoben rechtsradikalen Pro’ler war, sondern auch Jagdszenen auf Ausländer in den abfahrenden Zügen, von denen der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete.

Foley Netanyahu (2)
Nach internationalen Protesten gelöschter Tweet von Netanyahus offiziellem Account, der die Enthauptung Foleys für israelische Propaganda missbraucht

Es gibt genügend Beispiele für antiislamische Hetze durch Israel-Lobby, Antideutsche und evangelikale US-Fundamentalisten, dass man in die Vollen greifen und jeden Tag was Neues vorstellen kann, welches das längst Bekannte repräsentiert. Hier pars pro toto ein Beispiel von Netanyahu selbst, in dem vorbildlich das getan wird, was auch die Hooligans von Köln taten. Die gewalttätige Terrororganisation IS wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Muslime,  eingeschlossen ihrer obersten theologischen Autoritäten, der Professoren von el-Azhar, nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft. Was sehr wörtlich zu nehmen ist, nicht nur in Syrien. Nichts desto trotz setzt die israelische Propaganda sie mal eben gleich mit Hamas; die sind weiß Gott keine Chorknaben, aber Muslimbruderschaft und die ist stockkonservativ, aber eben nicht IS. Wie man sie kennt, wohl ein Versuch der israelischen Propaganda, ob sich damit nicht das Bombenmassaker von Gaza rechtfertigen ließe: wenn die USA IS mit Bomben platt mache, dann dürfte das Israel mit der Zivilbevölkerung in Gaza ja wohl auch.

Israelnazis (2)
Israelische Nazis auf einer Demonstration gegen israellische Linke im Sommer2014

Aber dabei bleibt’s ja noch nicht mal. Wer Gazas Bevölkerung gegen Israel verteidigt, muss sich auch noch  gefallen lassen, selbst als Hamas-Anhänger bezeichnet zu werden.  Auch ich – und zwar ausgerechnet vom eigentlich als seriös geltenden FAZ-Blogger Don Alphonso. Wenn es um Israel geht, setzt anscheinend bei einigen der Verstand aus. Dass ohnehin so gut wie jeder, der in diesem Konflikt auf der Seite Palästinas steht, schon mal Antisemit tituliert wurde, darf als bekannt voraus gesetzt werden. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt.

Kind im Fadenkreuz (2)
Solche T-Shirts wurden in Israel immer wieder gesehen, auch mit Schwangerer im Fadenkreuz, Aufschrift: „Ein Schuss, zwei Treffer“.

Antisemitismus ist böse, Islamophobie ist gut, so die einfache Logik für schlichte rechtsradikale Gemüter, eine Saat, die schon bei Breivik aufgegangen ist. Man muss sich nur mit aller Entschiedenheit zu Israel bekennen, dann darf man seinem rechtsextremen Fremdenhass freien Lauf lassen und Ausländer prügeln, denn darum geht’s letztendlich. IS = Hamas = Pro-Palästina = Islam, also druff. Auch, wenn es die eigenen Leute sind. Von der alten Parole „Unsere Polizisten schützen die Faschisten“ bis zu „Unsere Polizisten schützen die Islamisten“ ist der Weg nicht weit, also ist es auch ein gutes Werk, sich zum Wohle des deutschen Volkes mit seiner Polizei zu prügeln.

Kach Fußballclub (2)
Hooligans in einem israelischen Fußballstadion mit dem Symbol der rechtsextremen Kahanisten, das auch die Jewish Defense League in Deutschland unbeanstandet verwendet

Ist es Blauäugigkeit oder Perfidie, die die antideutsche Linksextreme bewegt, demonstrativ gegen den antiislamischen Rechtsextremismus zu protestieren, den ihr heiliges Israel  entfacht hat, woran sie selbst sich fleißig beteiligten? Und sich dann womöglich noch wegen des angeblichen notorischen deutschen Hanges zum Nationalsozialimus echauffieren, aber die rechtsextremen Brüder der Hooligans in Israel ignorieren? Gar auch noch Verständnis für sie zeigen, wie das ehemalige Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Julia Schramm, die als Folge der Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg wegen des „unerhörten Antisemitismus“ die in den USA und Israel als militante Terrororganisation eingestufte JDL für legitim hielt?

Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Und ich würde es auch vorziehen, bei Demonstrationen gegen islamophobe Rechtsradikale keine Israel-Fahnen mehr zu sehen. Zu weit sollte man Heuchelei nicht treiben.
Sie sollten erst mal vor ihrer eigenen Tür kehren.

Wie, antisemitisch?

Dies ist ein Rant.

Er gilt nicht den Plattformpiraten. Dieser deutsch-nationalistische Haufen, der die Richtungen verwechselt und meint, man sei progressiv, wenn man sich nicht nach dem letzten, sondern nach dem vorletzten Jahrhundert orientiert, meint, er müsse nun zum neuen ideologischen Volksführer werden, da die Gesellschaft so was brauche, ist keinen Rant wert. Die haben längst das Fangseil zum Raumschiff Gesellschaft gekappt und treiben nun frei im Raum davon – so lange der Sauerstoff in ihrer Filterbubble reicht. Dann gehen sie hopps und vielleicht wird irgend wann mal ein Historiker fragen, welchem Ereigniss denn diese schauerliche Mumie zum Opfer gefallen ist.

Nein, er gilt dem anderen Haufen. Dem, bei dem – eventuell – noch was zu retten ist. Durch Chemotherapie. Wenn der Krebsknoten sich davon gemacht hat.

Zwei große Ereignisse zeigen, dass es Quark ist zu behaupten, Außenpolitik brauche man nicht, weil, interessiere ja keinen. Denn derzeit interessiert überhaupt nur Außenpolitik: der Abschuss der Passagiermaschine über der Ukraine mit seinem ganzen verwirrend komplizierten politischen Umfeld und seinen allseitigen Propagandakanonaden und – Gaza. Also der Nahostkonflikt. Mal wieder. Das alte Krebsgeschwür, das ständig die halbe Welt in Atem hält und immer wieder mal, wie jetzt, die ganze.

2Nase voll. Obama hat Kerry doch wieder zu Verhandlungen in die Region geschickt, da kreuzt er jetzt mit Ban Ky Moon auf. Weil das, was Israel in Gaza veranstaltet, nicht mehr erträglich ist. Weil die sich verhalten, wie tollwütige Hunde. Weil es jedem, der sich ernsthaft damit befasst, klar ist, dass dieser Staat von Rechtsradikalen dominiert wird, die „Araber ins Gas“ und „Jesus ist ein Hurensohn“ an Häuserwände schreiben, von einem angeblich biblisch versprochenen Herrschaftsbereich von Ägypten bis zum Euphrat träumen, sich jewish supremacy einbilden und „good night left power“ auf ihren T-Shirts tragen, schon mal junge Palästinenser bei lebendigem Leib verbrennen oder dermaßen zusammen schlagen, dass ihre eigene Mutter sie nicht mehr erkennt und deren Parlamentssprecher, Parteigenosse des Ministerpräsidenten, verkündet, man müsse nun die Bewohner von Gaza nach Ägypten vertreiben und den Gaza-Streifen Israel zuschlagen. Und nach dem, was die israelische Armee in Gaza veranstaltet, 4Zerstörung der gesamten Infrastruktur, platt machen der Häuser, sieht es ganz danach aus, als ob sie tatsächlich mal probiert, ob das nicht möglich wäre. Ägypten wird das nicht anders sehen, denn Sisi redet wieder mit der Hamas. Obgleich sie zur ihm verhassten Muslimbruderschaft gehört. Gratulation an Israel  zu diesem Ergebnis, das ebenso voraussehbar war wie, dass die Bevökerung von Gaza nunmehr die Qassam-Brigaden hoch leben lässt und für jeden toten israelischen Soldaten ’ne Kerbe ins Handy ritzt.

6Am Donnerstag., dem 17 Juli, begann die israelische Bodenoffensive gegen Gaza und in der Nacht zum 20. Juli begann das, was man nunmehr international das Massaker von Shejaiya nennt. Ich denke, das hat so ziemlich jeder mit bekommen; ansonsten verweise ich hierauf. Man sollte meinen, dass eine Partei, die sich auf das Netz beruft, in dem der Deuvel los ist , etwas dazu zu sagen hätte.  Dass eine Partei, die sogar starke pazifistische Tendenzen zeigte, ja wohl irgendwie mal sagen müsste, dass sie so gewisse Bedenken hat, wenn eine Armee mit hoch modernen Waffen, Boden-, Luft- und Seestreitkräften eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde angreift, das überhaupt gar keine Streitkräfte hat, wenn von dort ein paar Feuerwerkskörper über die 8 m hohe Mauer fliegen, auf die noch nicht mal der Iron Dome reagiert, der bisher noch alles, was hätte gefährlich werden können, abgefangen hat. Da kann man jetzt Empörung walten lassen, dat es mr ejal. Zwei israelische tote Zivilisten gegen inzwischen weit über 500 in Gaza sprechen eine eindeutige Sprache. Und im übrigen ist der vermehrte Raketenbeschuss aus Gaza auch nicht ohne Grund erfolgt – voher gab es 11 tote Palästinenser und hunderte Inhaftierungen, darunter so ziemlich alle, die nach internationalen Vereinbarungen frei gelassen worden waren.

Doch weit gefehlt. Wer auf der Webseite der Piratenpartei suchet, der findet all das, was im Moment wirklich keinen Schwanz interessiert. Nichts zu einem der derzeitigen Hauptthemen, Gaza? Gar nichts? Ich verrate mal ein Geheimnis: der „Lesetipp“: „Antisemitismus darf in NRW keinen Platz haben.“ Und? Was sagen sie zu Gaza? Da redet der Landesvorsitzende Patrick Schiffer doch tatsächlich von „jüngsten Eskalationen in Israel und dem Gazastreifen“ Am 20. Juli. Da haben schon Menschenrechtsorganisationen, wie z.B. Amnesty International, angekündigt, Israel wegen Kriegsverbrechen verklagen zu wollen. Da ging schon morgens durch die Nachrichten, dass in Shejaiya die Menschen barfuß fliehen,vorbei an auf der Straße liegenden Leichen. „Ein schwarzer Tag … – Ich bin bestürzt, beschämt und angewidert“ schreibt Schiffer fett. Für Gaza? Für Israel? Für die internationale Staatengemeinschaft? Für die Menschheit?

Ne. Für Essen.

Es wirkt also fröhlich weiter, das antideutsche und  zionistische Gift, gezüchtet auf dem Kultursubstrat der politischen Feigheit (man könnte ja von irgend wem schief angeguckt werden und sich verteidigen müssen)., das die Piratenpartei für jeden Internationalisten und auch für jeden Migranten unwählbar macht. Oder wem will man im Ernst verkaufen, eine Partei stehe für Bürgerrechte ein, der ein paar Flaschenwürfe auf pro-israelische Demonstranten wichtiger sind als hunderte Tote und Verletzte in Gaza?  Die wegen einer wütenden Minderheit – der man ihre Wut noch nicht mal verdenken kann – wohl am liebsten alle anti-israelischen Demonstrationen verbieten würde und ihre Teilnehmer als „Mob“ bezeichnet? Wer so offen das Geschäft Israels betreibt, ist hörig und damit ungeeignet, deutsche Interessen zu vertreten. Denn es ist das Bestreben der rechten Zionisten, wenigsten in Deutschland, das sie immer noch am ehesten unter ihrer Fuchtel haben, die anti-israelischen Demonstrationen verbieten zu lassen, indem sie die Teilnehmer wegen einer Minderheit, die im Grunde gar nicht dazu gehört, verleumden und diffamieren. Selbstverständlich sind diese Demonstrationen anti-israelisch. Und selbstverständlich sind sie wütend, Was denn sonst, wenn Israel dort Kriegsverbrechen begeht? Dass Israel ein Kriegsverbrecher ist, ist nicht antisemitisch, sondern wahr, ebenso, dass Israel ein Kindermörder ist.  Man muss in der Politik nicht auf ein Urteil des internationalen Strafgerichtshofs warten, um einen Staat mit gutem Grund dessen bezichtigen zu können. Das gehört zur Meinungsfreiheit, die die Piraten eigentlich verteidigen wollten, tatsächlich aber übler verletzen, als alle etablierten Parteien zusammen.

International wollen diese Piraten sein?
Wären sie international, dann wüssten sie, was international im Netz los ist. Gestern kam ein großartiger Artikel dazu heraus. Ich empfehle ihn jedem, denn darin geht es um weit mehr als um Gaza.  Es geht um die internationale Gemeinschaft der Netzbewohner, die ihre Themen selbst bestimmt, statt sie von Medien (oder gar eitlen Möchtegern-Volksführern und -ideologen) vorgeben zu lassen, die nicht nur jede Menge Informationen in Echtzeit sammelt, sondern längst ihre eigenen Mechanismen entwickelt hat, Wahrheit und Lüge voneinander zu trennen und ihre eigenen, schwarm-intelligenten Entscheidungen trifft. Das Netz, eine internationale Bürgermacht, auf die sich die Außenpolitik der Piraten längst hätte stützen müssen, von Anfang an hätte stützen müssen – warum taten sie es nicht? Warum wurde fast alles getan, um diese internationale Bürgermacht in Deutschland nicht in die Politik zu lassen? Fragen über Fragen.

5Wer im Netz lebt, weiß, wie lächerlich es ist, in Sachen Gaza und überhaupt Palästina mit Antisemitismus und Judenfeindlichkeit zu kommen. Denn nirgendwo sind Juden und NIchtjuden engagierter, fruchtbarer und freundlicher im gemeinsamen Ziel vereint, als bei der Palästina-Solidarität. Von den rechten Zionisten werden sie beharrlich tot geschwiegen oder selbst als Antisemiten bezeichnet – aber in der internationalen Palästina-Solidarität sind sie hoch geachtet und unverzichtbar. Das gilt nicht nur für 3die Prominenz. Das gilt für die vielen unbekannten Israelis und Juden, die tagtäglich ihre Humanität und ihre Moral in praktischem Handeln beweisen. Die auch nicht selten Prügel bezogen haben, wie die Palästinenser, und die nun ihrerseits Todesdrohungen empfangen haben – und Empfehlungen der israelischen Polizei, besser unterzutauchen.  Welcher Pirat redet davon? Wer weiß überhaupt davon?

Internationale Netzbewohner? Dass ich nicht lache.