Kanadas Grüne übernehmen BDS in ihr Grundsatzprogramm

Middle East Eye via IMEMC

Green Party Leader Elizabeth May talks to media at GLOBE 16, in Vancouver on March 2, 2016. / AFP PHOTO / Don MacKinnon
Parteiführerin der Grünen Elizabeth May  auf der Pressekonferenz zu GLOBE 16 in Vancouver am 02.03.2016.
AFP PHOTO / Don MacKinnon

Die Grünen sind die erste große kanadische politische Partei, die Boykott, Desinvestition und Sanktionen in ihr offizielles Grundsatzprogramm aufnimmt.

TORONTO, Kanada, 08.08.2016 – Kanadas Grüne haben nach einer hart umkämpften Resolution Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS) gegen Israel in ihr offizielles Grundsatzprogramm aufgenommen; eine entsprechende Resolution setzte sich nach hartem Kampf auf dem Jahresparteitag der Grünen am letzten Wochenende durch.

Trotz des Drucks seitens pro-israelischer Lobby-Gruppen erklärten die Unterstützer der BDS- Resolution in der Partei, sie hofften, dass damit das Stigma zerbrochen werden könne, das in Kanada auf BDS als Mittel für den palästinensischen Kampf um Menschenrechte liegt.

„Ich glaube, wir bieten Anlass zu ernsthaften Fragen in den Köpfen der Öffentlichkeit und wir brechen das Tabu“, sagte Dimitri Lascaris, Sprecher der Grünen für Recht und Gerechtigkeit und Unterstützer der Resolution.

Seit Gründung im Jahr 2005 haben mehr als 170 palästinensische Organisationen nach Unterstützung gerufen, Boykott, Desinvestition und Sanktionen zu nutzen, um gegen Israel Druck auszuüben mit dem Ziel, dass es sich dem internationalen Recht entsprechend verhält, diskriminierende Praktiken gegen seine palästinensischen Bürger beendet und die Besatzung stoppt

Die Resolution stellt fest, dass die Grünen BDS unterstützen werden, wenn es gegen Bereiche der israelischen Wirtschaft und Gesellschaft gerichtet ist, die von der Besatzung profitieren, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, da Israel den Bau von Siedlungen in den besetzten Gebieten stoppt und mit den Palästinensern für eine Lösung des Konflikts in Verhandlungen tritt.

Sie besagt auch, dass die Grünen sich Bemühungen entgegenstellen werden, BDS zu verbieten oder seine Unterstützung zu bestrafen.

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Im Kanada-Park 2010 (MEE/Jillian Kestler-D’Amours)

Lascaris sagte, die erfolgreich verabschiedete Resolution bilde „einen außergewöhnlichen Moment im Kampf um die Menschenrechte der Palästinenser“ in Kanada, vor allem angesichts der jüngsten Versuche, die BDS-Bewegung zu dämonisieren.

Kanadas Parlament verabschiedete zu Beginn dieses Jahres eine nicht bindende Resolution zur Verurteilung von BDS.

Dieser von der Liberalen Partei von Premierminister Justin Trudeau unterstützte Antrag beschrieb BDS als „anti-Israel“ und „eine Form der Diskriminierung“ und rief die Regierung dazu auf, alle Einzelpersonen oder Gruppen zu verurteilen, die BDS in Kanada fördern.

„Ich denke, die Menschen fangen an, aufstehen und aufzumerken“, sagte Lascaris Middle East Eye.

„Sie werden die Frage zu stellen: Warum hat diese Partei angesichts all dieser Angriffe und trotz der ablehnenden Haltung ihrer eigenen Führer diese Resolution angenommen?’… Das wird ein zusätzlicher Anstoß für die Bürger im Westen sein, danach zu fragen, was tatsächlich geschieht.“

Parteiführerin in Opposition

Grünen-Chefin Elizabeth May, die im Parlament den einzigen Sitz der Partei hält, sagte, sie sei „ziemlich am Boden zerstört“, dass die BDS Resolution verabschiedet wurde.

May hatte sich gegen die BDS Resolution gestellt, und sich ebenso gegen einen weiteren Antrag, der während des Parteitags der Grünen debattiert wurde, ausgesprochen, durch den der kanadischen Niederlassung des Jüdischen Nationalfonds (JNF) die Gemeinnützigkeit aberkannt werden sollte.

Aber während May persönlich Gegnerin der Initiativen war, sagte sie, sie verstehe die Beweggründe anderer Parteimitglieder, die sie vorwärts trugen. „Ich gestatte mir zu sagen, dass ich mit der Politik unserer Partei zu 99 Prozent überein stimme. Ich muss nicht mit 100 Prozent überein stimmen „, sagte sie.

Pro-Israel-Lobby-Gruppen in Kanada stellten sich energisch gegen die Grünen, vor dem Parteitag allein schon deswegen, dass die Anträge überhaupt in Erwägung gezogen wurden.

Shimon Koffler Fogel, CEO des Zentrums für Israel und jüdische Angelegenheiten, verurteilte die BDS Resolution, nachdem sie angenommen wurde und sagte, die Bewegung „versucht zu zensieren und Israel auf eine schwarze Liste zu setzen“ und sei „grundsätzlich diskriminierend und völlig im Widerspruch mit den kanadischen Werten“.

„Wir sind entsetzt, dass die Grünen BDS gegen die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten unterstützen, gegen ein Land, das weltweit führend in der Umwelttechnologie ist und Lösungen bietet“, ergänzte CEO Josh Cooper von JNF Kanada in einer gemeinsamen Erklärung.

In einem Brief jedoch, den letzte Woche die kanadische rechtsextreme National Post veröffentlichte, kritisierte May Cooper, die Grünen nur deswegen als anti-israelisch darzustellen, weil sie diese Ideen überhaupt debattieren.

Unser Parteitag am kommenden Wochenende wird das erste Mal seit Jahrzehnten sein, dass irgend eine kanadische politische Partei eine Diskussion über die israelische Außenpolitik gestattet hat. Das ist kein Zeichen dafür, dass wir gegen Israel sind. Vielmehr ist es ein Beweis dafür, dass wir an den respektvollen demokratischen Diskurs und an die freie Meinungsäußerung glauben„, schrieb May.

Was im kanadischen politischen Diskurs schmerzlich fehlt, ist die Anerkennung der Not des palästinensischen Volkes. Warum ist es ein Tabu für die Kanadier, Außenpolitik im Nahen Osten zu diskutieren, sofern sie nicht bestimmte Aspekte der israelischen Politik auslassen? Wir können die Entscheidungen eines jeden anderen Landes respektvoll und diplomatisch kritisieren, warum nicht die Israels? „

Resolution zum Jewish National Fund geändert

Die zweite Resolution, vorgeschlagen vom Grünen-Mitglied Corey Levine, suchte der kanadischen Niederlassung des JNF die Gemeinnützigkeit abzuerkennen „wegen des Verstoßes gegen die öffentlichen Anti-Diskriminierungs-Grundsätze und wegen ihres Versagens, internationale Menschenrechtsnormen zu erfüllen“.

Gegründet im Jahr 1901, vor der Staatsgründung Israels, bestand der Auftrag des JNF darin, im britischen Mandat Palästina Land für exklusive jüdische Nutzung zu sichern. Die Gruppe hat einen Hauptsitz in Israel, bekannt als Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) und Niederlassungen in verschiedenen Ländern im Ausland, darunter Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

„Der JNF war das zionistische Haupt-Werkzeug für die Kolonisierung Palästinas,“ schrieb der israelische Historiker Ilan Pappe in „Die ethnische Säuberung Palästinas“. „Er diente als die Agentur, die die zionistische Bewegung benutzte, um palästinensisches Land aufzukaufen, auf dem sie dann ausschließlich jüdische Einwanderer ansiedelte.“

Auf dem Parteitag wurde die Resolution erst verabschiedet, nachdem der ausdrückliche Bezug auf den JNF entfernt wurde. Die aktualisierte Version ruft die Canada Revenue Agency (CRA) auf, jeder gemeinnützigen Organisation, die kanadisches oder internationales Recht verletzt, den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen.

„Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht,“ sagte Levine Middle East Eye über die Änderung, „aber ich anerkenne, dass es letztlich ein Sieg auf der ganzen Linie war, weil dieses Thema in einem öffentlichen Forum überhaupt angesprochen, diskutiert und debattiert wurde.“

Levine sagte auch, dass Parteiführerin May öffentlich versprochen hat, mit der CRA einen Briefwechsel über den Status speziell des JNF zu führen, und sie beabsichtigt „von ihr Rechenschaft einzufordern“.

„Ich halte es letztlich einen absoluten Sieg“, sagte Levine.

Der JNF-KKL erfreut sich derzeit quasi-staatlichen Status in Israel. Es steuert rund 13 Prozent des Landes unter dem Dach der Israel Land Administration, die es weiterhin nur Juden überlässt. Ab 2014 hatte er Grundbesitz im Wert von etwa $ 2.000.000.000.

Durch die Verpachtung von Land nur an Juden sorgt die Politik des JNF-KKL dafür, dass palästinensischen Bürgern Israels, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, der Zugang zu 13 Prozent des Landes verweigert werden.

„Diese diskriminierende Politik trägt zur Institutionalisierung der Rassentrennung in Städten und Dörfern im ganzen Land bei“, schrieb Adalah, das Rechtszentrum für palästinensische Bürger Israels 2006 in einer Vorlage an die Vereinten Nationen.

Der JNF ist auch an Aufforstungsprojekten beteiligt, die laut Palästinenser darauf abzielen, israelische Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen .

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Tafeln am Eingang zum Kanada-Park mit den Namen der Spender (MEE/Jillian Kestler-D’Amours)

In den 1970er Jahren zum Beispiel wurde über Spenden des JNF Kanada ein Park über drei palästinensische Dörfer im Latrun Gebiet in der Nähe von Jerusalem (Imwas, Yalu und Beit Nuba) angepflanzt; die Bewohner dieser Dörfer waren von der israelischen Armee im Jahr 1967 gewaltsam vertrieben worden. Steintafeln nahe dem Eingang des Parks – bekannt als Ayalon Kanada Park – tragen die Namen der JNF-Kanada Spender aus Städten und Gemeinden in ganz Kanada.

Zur Zeit ist der JNF-KKL an der Zerstörung des Beduinendorf al-Araqib beteiligt. Es befindet sich in Israel in der südlichen Negev-Wüste. Al-Araqib wurde seit Juli 2010 über 100 Mal abgerissen, um Platz für einen JNF-KKL Wald zu machen.

„Der JNF benutzt Umweltschutz und die Tatsache, dass er Land aufforstet dazu, Menschenrechtsverletzungen und Enteignungen zu vertuschen. Und da das Fundament der Grünen die Umwelt ist, dachte ich, dass es für die Grünen angemessen ist, sich dessen anzunehmen“, sagte Levine.

Mit gutem Beispiel

Unterdessen sagte Lascaris, wenn sie BDS in ihre offizielle politische Linie übernehmen, könnten die Grünen andere kanadische politische Parteien animieren, ähnliche Entschlüsse anzunehmen, vor allem die linksgerichteten New Democrats (NDP).

Unter dem Einfluss von Parteiführer Thomas Mulcair hatte die NDP eine eher pro-israelische Haltung eingenommen, als sie traditionell unterstützt.

„Ich denke, dass die Führung der NDP nicht die Ansicht der Basis reflektiert und dass die Basis nun mit einigen sehr schwierigen Fragen an die Parteiführung herantreten wird“, sagte Lascaris.

„Das wird hoffentlich zur Annahme einer ähnlichen Resolution führen; von daher bauen wir auf den Schneeballeffekt.“

Jillian Kestler-D’Amours ist freie Journalistin in Toronto / Kanada. Sie berichtet über Menschenrechte, Kanadas Außenpolitik und Nah-/Mittelostpolitik

Israel hat ein Problem: BDS

Demo 8Am 25. August rief BDS Berlin wieder einmal zum Boykott israelischer Produkte auf, mit ca. 50 Teilnehmern vor der Galeria Kaufhof. Denn speziell ging es gegen Soda Stream, das es sich auch noch in der illegal besiedelten Westbank gemütlich gemacht hatte.

Auch der Versuch einer kleinen Gegendemonstration fand sich ein, darunter der ehemalige oder Noch-Pirat (wer behält da noch die Übersicht?) Jan Zimmermann und Jannis Hutt; letzterer ist Trainee bei der Abgeordneten der Piratenpartei Julia Reda im Europäischen Parlament in Brüssel.

Demo_7Offenbar gab es Schwierigkeiten mit der Polizei, die die Ansicht nicht teilte, wer für Israel demonstriere, stehe damit automatisch über dem Gesetz. Also mussten sie gezwungenermaßen ihr Vorhaben abbrechen und sich in gebührende Entfernung zurück ziehen. Von da aus marschierten sie dann einzeln zum Kaufhof, um dort demonstrativ Soda-Stream Produkte zu erstehen und zu behaupten, nicht sie selbst, sondern Bürger würden das tun.

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So jämmerlich diese Gegenaktion unter Leitung einer bis dato unbekannten Gruppierung namens „Aktionsforum Israel“ = AFIL sich auch darstellte, Benjamin Weinthal griff danach, um diesem Haufen einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen, Titel: „Israelis helfen, in Deutschland eine Anti-BDS-Gruppe aufzuziehen. Es lohnt sich, da etwas näher hinzuschauen.

BDS israelische Juden 270816Tatsächlich handelt es sich bei dieser Gruppe – um eine Facebookgruppe. Sie umfasst ca. 1.500 Mitglieder, darunter die üblichen Verdächtigen, wie Volker Beck, Martina Engelmann und Ex-Pirat Oliver Höfinghoff, was allerdings nicht sehr viel heißen muss. Denn zu solchen Gruppen kann man einfach Leute zufügen, in der Regel sagen die dann aus Höflichkeit Ja und kümmern sich nicht weiter um die Gruppe.

Zu den Aktivisten gehören aber offenbar die im Impressum genannte Gabi Spronz, die dort eine israelische Adresse angibt, lt. Weinthal jedoch in Deutschland arbeitet. Aber auch der antideutsche Ex-Pirat Jan Zimmermann.

Die Gründung dieser Gruppe erfolgte offenbar vermittels Installation einer Webseite. Die ist ein wenig sparsam. DieFlyer Home-Seite kommt eher als etwas schlichter Witz, die „Medienbewertung“ erschöpft sich in der Zusammenfassung der hier beschriebenen Proteste um den Bericht der Tagesschau über Wasserprobleme in Palästina und unter „Organisationen“ ist das ergötzliche Flugblatt abgedruckt, das – ohne ViSdP-Hinweis und in recht urtümlicher Gestaltung  – bei der versuchten Gegendemonstration verteilt wurde.

Für die aberwitzige Falschheit der Darstellung im Flugblatt gibt es einen recht zuverlässigen Indikator: Facebook. Denn Mark Zuckerberg, Gründer und Inhaber von Facebook, ist Jude. Allerdings zuvörderst ein typischer US-amerikanischer Bürger, der sich auf die Werte der USA bezieht, während Israel ihm einigermaßen gleichgültig zu sein scheint. Jedenfalls führen Israelis gerade einen Prozess gegen sein Unternehmen, weil er ihrer Meinung nach auf Facebook zu wenige Palästinenserbeiträge und -accounts löscht. Same procedure as usual, wie bei jedem anderen, ob Palästinenser oder nicht, der sich Israels Wünschen nicht beugen mag. Aus welchem Grunde also sollte BDS zum Boykott von Facebook aufrufen? BDS ist ja gerade KEIN Boykott gegen Juden und jüdische Produkte, sondern gegen den rechtsbrecherischen Staat Israel – weswegen etliche Juden auch fröhlich dabei mitmachen. Mit diesem zionistischen Staat hat Zuckerberg nicht allzu viel im Sinn – was insbesondere den arabischen Usern durchaus bewusst ist.

Das verweist auf den Grund, warum diese nicht sonderlich ernst zu nehmende Facebookgruppe zur Ehre eines Weinthal-Artikels in der Jerusalem Post kam: eine Alternative ist offenbar nicht gegeben.

Laut Jüdischer Allgemeine, die sich auf israelische Statistiken beruft, gab es in Deutschland 2014 ca. 200.000 Juden, allerdings hatte nur rund die Hälfte Bezug zu jüdischen Gemeinden. An die 20.000 könnten alleine in Berlin leben. Diese Zahlen muss man sich vor Augen halten, um Weinthals Artikel, wonach Israelis (nämlich eine) Deutschen helfen, eine Anti-BDS-Bewegung zu gründen, richtig zu interpretieren: trotz aller Bemühungen der Israel-Lobby ist das Interesse der Juden in Deutschland, sich für Israel einzusetzen, offenbar nur mäßig ausgeprägt, so dass Israel vorwiegend auf die Antideutschen zurück greifen muss.

Ähnlich, wie in den USA die unverzichtbaren Unterstützer des Zionismus die Armageddon-gläubigen Evangelikalen sind, die hoffen, dass mit dem großen Krieg um Jerusalem Jesus wiederkehrt und das tausendjährige Reich errichtet, wie es der Rachetraum des Johannes im Neuen Testament offenbart.

So dürfte sich auch in Deutschland eine Tendenz heraus kristallisieren, die insbesondere in den USA längst besteht: man rechnet damit, dass die Hälfte der US-Juden gar keinen Bezug zu Israel hat, vielmehr das, was dort geschieht, als Verrat an ihren amerikanischen Werten betrachtet.

Damit kehrt eine alte Bewegung wieder, die bis zum 3. Reich die weitaus stärkste im Judentum war und den Zionismus zu einer seltsamen Randexistenz verbannt hatte: die Assimilationsbewegung. Juden kämpften für ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger in ihrem eigenen Land – und das waren z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, aber nicht Palästina (Israel gab es damals noch gar nicht).

Einen großen Vertreter dieser einst starken Bewegung gab es noch nach dem 3. Reich: Bruno Kreisky. Der nannte schon in den siebziger Jahren den Likud faschistisch, Begin einen Terroristen und erklärte, er selbst sei der einzige europäische Politiker, den Golda Meir nicht erpressen könne.
Dafür erwarb dieser große alte Sozialdemokrat sich bei den Zionisten als einer der ersten den Ehrentitel „jüdischer Antisemit“.

 

Olympische Peinlichkeiten

Israels Teilnahme bei der Olympiade in Rio, das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen.

Nicht nur, dass die Medaillenausbeute recht mager war; Israel landete mit zwei Bronzemedaillen auf Rang 77. Im Gegensatz zum verhassten Iran, der mit drei goldenen, einer silbernen und vier bronzenen auf Rang 25 landete.

Noch vor der Eröffnung gab es die erste Ohrfeige – von der Mannschaft des Libanon. Die saß nämlich im Bus zum Maracana-Stadion, als die israelische Mannschaft zusteigen wollte.

Nö. Kommt überhaupt nicht in Frage.

Aber die israelische Mannschaft bestand offenbar darauf, trotz der ausdrücklichen Abwehr der Libanesen genau in diesen Bus zu steigen, koste es, was es wolle, so dass der libanesische Teamchef sich in die Tür stellte, um eine  Schlägerei zu verhindern. Ergebnis: die Organisatoren schickten die israelische Mannschaft mit einem anderen Bus los.
„Grausam“, nannte dies die Jüdische Allgemeine.

Nun ja. Araber im Allgemeinen und Palästinenser im Besonderen betrachten natürlich eher z.B, das Verbrennen einer ganzen Familie durch Israelis als grausam. Aber die Maßstäbe sind da offenbar sehr verschieden.

Dann die Judoka Joud Fahmy aus Saudi-Arabien. Als sie erfuhr, dass die israelische Judoka ihren Erstrundenkampf gewonnen hatte und sie gegen diese antreten müsse, falls sie gewinne, verzichtete sie lieber auf die Teilnahme und gab an, verletzt zu sein. Was ihr freilich niemand abnahm.

Im Gegensatz zum Ägypter Islam El Shehaby. Der trat zwar an, aber den obligatorischen Handschlag nach dem Kampf verweigerte er kopfschüttelnd: was zu viel ist, ist zu viel. Das brachte ihm zwar Ärger mit dem Israel-Vasallen Sisi ein, doch das war’s ihm offenbar wert.

ägyptische VolleyballspielerinEinen besonderen Strauß hatte die ägyptische Beach-Volleyball-Spielerin Doaa Elghobashy auszufechten. Elghobashy spielt im Hijab. Also quasi im Burkini. Die Deutsche – das ägyptische Team musste gleich in der ersten Runde gegen den späteren Olympiasieger antreten – spielte hingegen im traditionellen Bikini. Was für das Match völlig egal war und auch für das Engagement, wie dieses Foto zeigt, das um die Welt ging.

Weiß der Teufel, was einen israelischen Zaungast ritt, als sie sich heimlich mit Israel-Flagge hinter Elghobashy stellte, während diese gerade für ein Foto posierte. Elghobashy fand das überhaupt ägyptische Volleyballspielerin mit Israelin nicht lustig, als sie es erfuhr.

Ich schwöre bei Gott, ich hatte keine Ahnung von der Flagge. Mein Lebtag wird es niemals Frieden zwischen mir und diesen Leuten geben. Diese Leute sind in einem solchen Maß dreckig, dass sie mich die Flagge nicht sehen ließen,

schrieb sie auf Facebook. Das war also nichts mit der versuchten Verbrüderung wider Willen. Das ägyptische Volk ist eben nicht Sisi, da hilft alles nichts.

Doch es kommt noch besser. Keine Goldmedaille errungen zu haben wurmte manchen Israeli offenbar so sehr, dass er gedachte, sie sich ebenso anzueignen wie Palästina. Zum Beispiel Avi Mayer, ehemaliger Sprecher der IDF und nun Mayer über GoldmedailleSprecher der Jewish Agency und (Möchtegern-) Spezialist für die Nutzung sozialer Medien zum Behufe der Propaganda für Israel.

Ahmad Abughaush hatte nämlich eine Goldmedaille im Taekwondo gewonnen, die erste Goldmedaille überhaupt für Jordanien. Tatsächlich jedoch ist Abughaush Palästinenser. Da sein Dorf aber inzwischen Teil einer „israelisch-arabischen“ Stadt ist, nämlich Abu Ghosh, gedachte Mayer, die Medaille schlicht und einfach für Israel anzueignen.
Da geriet er freilich an den Falschen. Denn Abughaushs Vater berichtete Journalisten postwendend von seiner Vertreibung aus seinem Dorf und dessen Zerstörung in der Folge des Sechs-Tage-Krieges 1967 und fragte:

Wenn die Israelis die Häuser zerstört, die Menschen getötet und die Bäume gerodet haben, wie können sie sich dann den Erfolg von Abughaush aneignen?

Tja. Frechheit siegt eben nicht immer.

Im Zweifel endet sie in Peinlichkeit.

Man nennt es: einem das Wasser abgraben

Wir haben in Palästina auf unseren Dächern Wasserbehälter, da können wir Wasser speichern. Oft fangen die Israelis an, uns in Bir Zeit ab Mai das Wasser für eine Woche abzustellen, je wärmer es wird, um so weniger wird das Wasser und die Behälter werden oft nicht voll. Wir haben das Duschwasser in einer Kinderbadewanne aufgefangen und für die Toilette benutzt. Da der Wasserdruck nicht stark ist, kann man die Waschmaschine nicht nutzen. Mein Mann ist noch in Palästina und wir telefonieren täglich. Seit einer Woche gibt es in Bir Zeit wieder große Probleme mit dem Wasser. Er schaut täglich nach, ob das Wasser kommt. Die Behälter werden nicht mehr richtig voll, so reicht das Wasser nicht eine ganze Woche. Wir haben dann immer Wasser aus den Tankwagen gekauft, was 5 mal soviel kostet. Hier in Deutschland mache ich die Wasserleitung auf und erschrecke jedes Mal, wie das Wasser angeschossen kommt.

Soweit die gelebte Wirklichkeit in Palästina in einem Facebook-Kommentar; als Gegensatz zum propagandistischen Herumtheoretisieren derer, für die fließend Wasser aus der Leitung eine Selbstverständlichkeit ist.

Die Wirklichkeit der Palästinenser wird geformt durch dreiste Rechtsbrüche Israels. Die bestehen. International festgestellt und völlig unbestreitbar. Israel ist jedoch weit entfernt, diese Rechtsbrüche anzuerkennen, geschweige denn, sie abzustellen. Offenbar ist es der Ansicht, jedes Recht eines Palästinensers sei eine israelische Gnade für Wohlverhalten = Unterwerfung unter seine Oberhoheit, das jederzeit nach Belieben von ihm gewährt und auch wieder weggenommen werden könne. Wer das anprangert, wird eben Antisemit genannt, hätt sich dä Fall.

Wer sich mit der Wasserversorgung in Palästina befassen will, kommt am Hydrologen Clemens Messerschmid nicht vorbei. Er wohnt in Ramallah, arbeitet seit 1997 bei zahlreichen Projekten renommierter internationaler Organisationen mit und ist bestens vertraut mit der geologischen Lage in der gesamten Region. Er ist ein Linker, ein Anti-Imperialist, was freilich seinen fachlichen Qualifikationen keinen Abbruch tut; Zionisten, die grundsätzlich alles, auch die Wissenschaft, unter das Primat der Gesinnungskontrolle stellen, sehen das natürlich anders, stehen damit aber alleine da.

Einen guten Überblick über die Lage bietet der Bericht über das Seminar „Wasser in Israel und Palästina: zwischen Konflikt und Kooperation„,  zu dem die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Forum Deutschland-Israel-Palästina, deren Partner die Friedrich-Ebert-Stiftung ist, eingeladen hatte. Auch Messerschmid als fachkundigen Referenten.

Danach ist Israel/Palästina keineswegs ein trockenes Land. Das sei ein Mythos.  Wenn man bedenke, dass in Israel ca. doppelt so viel Wasser pro Tag/Kopf verbraucht werde, wie in Deutschland, könne man auch nicht von Wasserknappheit reden. Allerdings gäbe es eine Überentnahme aus dem Jordan mit dem Ergebnis, dass das von ihm gespeiste Tote Meer langsam trocken fiele.

Problematisch sei allerdings die Verteilung des Wassers.Schulz irrte nicht bei Proportionen

Israel hat mit dem 6-Tage-Krieg „die vollständige Kontrolle über sämtliche Wasserressourcen sowie über Wasserverteilung und Verwaltung“ übernommen. Damit sicherte es sich unbeschränkten Ressourcenzugang, während Palästina mit dem vorlieb nehmen muss, was übrig bleibt. Ab Mai wird das dann immer weniger – vermutlich, weil dann die Pools in den illegalen israelischen Siedlungen gefüllt werden. So jedenfalls kann man es auf Google Earth sehen, auch Fasayel, wenn man die Karte etwas nach Süden verschiebt. An sich ist es also recht lächerlich, den Wassermangel in den West Bank abstreiten zu wollen.

 

Das palästinensische Dorf Fayacel
Das palästinensische Dorf Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fayasel

Nach israelischer Sicht sei Wasser in erster Linie eine Sicherheitsfrage, weswegen es sogar Zisternen zerstört, weil, darin könnten ja auch Waffen gelagert werden. Die Palästinenser bekämen genug Wasser; gingen sie vernünftig damit um, würde es auch reichen.

Wie das en Detail aussieht, erläutert Sahm auf Honestly Concerned: seiner Ansicht nach brauchen Palästinenser offenbar weder Waschmaschinen noch Pools, die stehen nur Israelis zu. Der kolonialisierte Bimbo soll also ein armer Schlucker sein und bleiben. Eine uns durchaus bekannte Einstellung: sie liegt auch den Beschwerden etlicher Deutscher darüber zugrunde, dass Flüchtlinge Smart-Phones besitzen.

Nötig ist der Bau etlicher neuer Brunnen im Westjordanland zur Wasserförderung, denn durch Reparatur der undichten alten Leitungen allein ist das Problem nicht zu lösen.

Mit dieser Frage befasst sich Jessica Perkiss für den Middle East Monitor. Nicht nur, dass sämtliche Wasservorkommen bereits von Israel annektiert und unter die Herrschaft des israelischen Konzerns Mekorot gestellt wurden. Auch die bestehende alte Wasserversorgung wird offenbar nach und nach demoliert, z.B, indem durch den Siedlungsbau die Leitungen schon mal schlicht und einfach gekappt werden. Dass Palästinenser wenig Lust haben, für das Wasser, das ihnen gestohlen wurde, auch noch zu bezahlen, dürfte einleuchten.

Amnesty InternationalBaugenehmigungen für Palästinenser sind von Israel generell schwer zu erhalten; das gilt selbstverständlich auch für den Bau neuer Brunnen und die Reparatur von Leitungen. Wird trotzdem gebaut, zerstört Israel es wieder mit seinen Bulldozern, auch, wenn die EU es gebaut haben sollte. Denn auch das lebensnotwendige Wasser betrachtet Israel als Erpressungsmittel, das es nur für ‚Wohlverhalten‘ gibt, also für die Akzeptanz des Diebstahls.

Diese Erpressung hat der rechtsradikale israelische Verteidigungsminister Liberman nun in die Form eines systematischen Plans gegossen, in dem er von einer ‚Politik‘ von Stock und Karotten spricht, Palästinenser also mit Eseln vergleicht, die zum nützlichen Haustier zu dressieren sind. Gegen Wohlverhalten gibt’s zur Belohnung dann auch mal ein Krankenhaus oder einen Fußballplatz.

Was übrigens die Waschmaschinen betrifft, über die Sahm sich so nachhaltig aufregt:

Die Waschmaschine wird mit der Hand von vorne,wo das Waschpulver rein kommt,gefüllt,da der Wasserdruck nicht ausreicht.Man wird erfinderisch, um sich das Leben etwas angenehm zu machen.

 

Vertiefende Informationen:
Wassernöte – Bericht von Amnesty International. pdf zum Download

Präsentation zum Thema: „Von heute und in Zukunft © Clemens Messerschmid. was wäre nötig? was tun die Geber?“

 

 

 

 

 

 

Was erlauben sich ZDF?

Am 05. Juli 2016 um 23:00 Uhr sendete ZDF + den Beitrag Erzogen zum Hass – Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten.
„und zu töten“, hieß es ursprünglich, das jedoch wurde nach Protest abgeändert.

Nun, neu ist es nicht, dass beider Schulbücher kritisiert werden, obgleich beide nur sehr selten über die Grenze zu blankem Hass hinaus schießen. So berichtet der Guardian 2013 darüber. Freilich ist es der schiere Wunsch nach Auslöschung, der Israel ignoriert und das gesamte ehemalige UN-Mandatsgebiet nur Palästina benennt. Umgekehrt ist es natürlich völlig in Ordnung, wenn in israelischen Schulbüchern die grüne Grenzlinie weggelassen wird und Palästina nicht erwähnt wird – ODER?
„Bösartige Verleumdung“, soll es laut Econonomist aus Netanyahus Umfeld zu dieser immerhin von der US-Regierung finanzierten Studie getönt haben und der Economist kommentierte:

Was soll Israel mit einem Bericht machen, der behauptet, dass Israel und Palästina sich in ihren jeweiligen Schulen gegenseitig die Legitimität absprechen? Sprich dem Bericht die Legitimität ab, ist die Antwort von israelischer Seite.

Diesmal durften die Unteroffiziere der deutschen Israel-Lobby ins Feld ziehen, als Anführer Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, der möglicherweise die Gabe hat, junge Männer aus gewissen Kreisen für sein intellektuell ansprechendes Medium zu begeistern. Volker Beck sprang ihm natürlich umgehend zur Seite und drohte schließlich mit dem ZDF Fernsehrat und dem Presserat wegen der Unverschämtheit, Israel und Palästina gleichzusetzen. Er dürfte schließlich auch der Ansicht sein, Israel stünde per se über allen anderen Ländern, Deutschland eingeschlossen. Sich selbst scheint er jedenfalls schon zum getreuen Vasallen gemacht zu haben.

Die Sache war Reichelt einen langen Artikel auf Bild.de wert:

EKLAT UM „HEUTE-BEITRAG –  ZDF wirft Israel Kinderverhetzung vor

Das mit dem Eklat dürfte ein wenig übertrieben sein, denn ich wette, das hat im Lande so gut wie keiner gemerkt, außer unserer bekannten Israel-Lobby natürlich, die sich gegenseitig darauf aufmerksam macht, um dann, wie Beck, den anderen als angeblich unabhängig agierenden Zeugen heran ziehen zu können, aber das kennen wir ja von Bild.

Erstaunlich jedoch, wieviele Freunde diese traditionell nicht so gut beleumdete Medium Bild inzwischen gewonnen hat. Reichelts Artikel haben sie alle begeistert verbreitet, u.a. nicht nur – das ist normal – der American Jewish Congress Berlin AJC, sondern auch Martin Niewendick, Redakteur des angeblich linken Mediums der Israel-Lobby, Ruhrbarone.

Da es offenbar an Informationen mangelt, möchte ich den Schreihälsen mal ein wenig anliefern. Es geht ja nicht nur um Schulbücher, auch wenn am Schluss der zu Anfang verlinkten Reportage eine Dame, die nun mal zu diesem Thema forschte, interviewt wird. Wenn es um Erziehung zum Hass in Israel geht, sollte man seine ‚Schule der Nation‘ nicht vernachlässigen, die sich schon sehr früh um die lieben Kleinen kümmert.

Hier haben wir ein sehenswertes Video von einem Besuch etlicher Kinder in einer Gedenkstätte der bewaffneten Streitkräfte, wo sie schon mal in den Gebrauch diversen Tötungswerkzeugs eingewiesen werden. Echte. Nicht so nachgemachtes Spielzeug, wie es die Hamas in Gaza den Schulkindern in die Hand gibt.
Die Kinder reden Klartext: „Ich stelle mir einen toten Araber vor und das macht mich glücklich.“ Einer anderen verhilft gleich die Vorstellung einer ganzen Batterie toter Araber zum Glück. Für einen Jungen ist die Besatzung quasi schon erledigt; er möchte im Libanon kämpfen. Er hofft, dass es mal wieder dazu kommt.

Hübsche Kinderbilder veröffentlichte electronic intifada im letzten Jahr in einem Bericht:Kinder 1

Kinder 2

 

 

 

 

 

Zu solchen und ähnlichen Bildern sagte der Ha’aretz-Kolumnist Gideon Levy:

Wo sonst bringt man kleine Kinder dazu, mit einem Rucksack auf dem Rücken herum zu kriechen? Wenn Hamas seine Kinder so behandelt, buhen israelische Eltern voller Abscheu: „Schaut euch diese Tiere an!“

Kind 4Unvergessen sind auch die Fotos aus dem Libanonkrieg 2006 – unvergessen offenbar auch in Israel, wenn der Junge aus dem Video da unbedingt mal wieder hin möchte – die zeigen, wie nette Schulmädchen Botschaften auf die Raketen schreiben, die dann auf den Libanon gefeuert werden sollten.

Also, wenn Reichelt sich beschwert, dass Hamas die Kinder in Gaza mit imaginären Raketen feuern lässt – die israelischen Raketen waren echt.

Und wenn Beck meinte, der ZDF-Bericht, wonach auch in Israel die Kinder zum Hass erzogen würden, entbehre jeglicher Grundlage, voilá, hier sind se.

Kind 3

 

Update 14.07.2016

Es ist schier unglaublich, was das ZDF sich alles erlaubt.
Da hat es doch tatsächlich in einem dreieinhalb Minuten langen Beitrag Witze über die  Amadeu-Antonio-Stiftung gemacht!

schweinophober DrecksackWie man weiß, ist die Amadeu-Antonio-Stiftung mit ihrer von Ex-Stasi-Chefin Kahane so liebevoll geförderten Pseudo-Antisemiten-Jagd  integraler Bestandteil der Israel-Lobby in Deutschland. Die aber steht wie alles Israelische und Zionistische über dem Gesetz, sie ist heilig. Meinen so einige.

Zum Beispiel die betuliche Zeit. Eilfertig widmete sie den hoch brisanten dreieinhalb Minuten einen ordentlichen Artikel, Thema: ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich.

So ganz stimmt das nicht. Eigentlich gilt Winters Spott der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die darüber aufklärt, wie man Hasskommentare erkennt. Was ja schon etwas merkwürdig ist, denn eigentlich sollte man wissen, dass Hasskommentare etwas anderes sind als unliebsame Polemik oder schlicht die andere Meinung und den Verdacht nahe legt, dass hier gar keine Hass-Kommentare gemeint sind.

Immerhin, die Amadeu-Antonio-Stiftung sah sich veranlasst, den Erdogan zu machen. Nun, wenn es denn ihr Wunsch ist, ihre Dummheiten möglichst weit zu verbreiten, dann helfe ich auch mal mit. Hier der Link zu der Broschüre mit den weisen Ratschlägen für die potentielle Meldehure, der die gesetzlichen Definitionen nicht ausreichen, um ihre Gelüste zu befriedigen.

Kotfresse usw Höfinghoff 030716
Sowas steht übrigens mit ziemlicher Sicherheit nicht auf Amadeu-Antonios Meldeliste

Act 3: a tiny rally

Gegendemo
An impression of the tiny menifestation

After all the incitement in Berlin newspapers for a whole week and an announced broad support of whole Berlin against the 13th Conference of Palestinians in Europe, the support of all parties in Berlin parliament, the whole engagement of Berlin citizens mounted in – about 100 participants. Ok, let’s be generous, there might have been a top of about 120 (whereas I don’t know how many of them were Pegidians)  – but not longer than for 15 minutes!

Speaker at the opening of manifestation claimed Berlin to be a city open to the world. Well, obviously his world did not include Palestinians, Arabs and Muslims – estimated more than 1,5 billions. His world might also not include the broad majority of nations in UN – seems his world consists of the city of Berlin and Israel, ok, far over the sea may be also USA, but that’s all.

The 2nd speaker, a zionist who claimed to be authorized from Simon-Wiesenthal-Center to give a greeting, declared how extremely dangerous the participants of this conference should be. So dangerous that a holocaust surviver did not dare to demonstrate! What a courage the counter-demonstrators had!

Ok, some from the press might look a bit dangerous, strolling around with cameras and big long sticks – but you should imagine that Palestinians came here with whole families, Mom and Dad and Granny and Granpa and small and big children – all threatning the jewish life in Germany. There is a row of tents with food, dresses and art exhibitions. So viewing this peaceful athmosphere his speach was comedy pure. Several times I had to turn my back to the anti-demostration because I was shaken from laughing about this mini-counter-demonstration. As we say in Germany: the mountain was in labour and gave birth to a mouse.

He especially spoke against the right of return. This should be single in the world as well as inherited refugee status of Palestinians. Well, but what about the Zionists? They even claim a right of return since about 50 to 100, when the Romans destroyed temple and state. The argument is a squib load.

The next speaker was Mussawi from Green Party of Iran.  Unfortunately after that amusing speech before he was extremely boring and it seems that everybody was grateful to some Palestinian youths marching some 50m away with Palestinian flags shouting „Free, free Palestine“. Which was answered from a group less than half with some Israel pennants with „Free Gaza from Hamas“. Some entertainment.

At 11:00 Volker Beck, announced as good friend and supporter of Israel, gave his speech. He claimed the two state solution and also right of return, but not to Israel. Which was answered with boos from Palestinian side. The right of return should not be inherited, but he called for assimilation of Palestinian refugees in the Arab guest countries and accused these states of not being willing to do that. He claimed that he himself is descent of a family of Czech expellee and that he himself did not inherit that status; after war Czecoslovakia expelled the Germans living there. What also he never asked: whether Palestinians want that. Everybody of them claims to know what is good for the Palestinians. Oliver Höfinghoff, the last speaker, former pirate party member in Berlin Parliament, knows that a Monte Carlo in Gaza would be good for the Palestinians. Of course he did not ask whether the Palestinians want a casino with a state around in Gaza,

gegen Deutschland
A typical anti-german banner: „Against Islamism, anti-semitism and homophobia. Down with Germany, for the communism“ (typically written with „c“ and not with „k“ as in correct German

Hakan Tas from Die Linke Berlin gave his own special version of Palestine conflict: the problem is not the border to Israel. The problem is Hamas. Well …
And he accused provokations. Unfortunately there was nobody there to provoke. The participants of the conference had other interests and only police, press and two, three organisators were watching it quietly.

The last speaker, Oliver Höfinghoff, tried to tune up the spirit a bit by agitating  paroles against Hamas – but the counter-demonstration, now about only 80 left, were not in the mood to answer.

So all in all that counter demonstration was a very harmless tiny manifestation that did not interest the Palestinians at congress and obviously also not the citizens of Berlin.

Wenn Netanyahu für Meinungsfreiheit demonstriert …

… dann ist dem, der sich auskennt, klar, dass diese Meinungsfreiheit nicht die  Freiheit umfasst, Israel zu kritisieren, besonders per Karikatur.

FRANCE-ATTACKS-CHARLIE-HEBDO-DEMOMit Irritation wurde von vielen registriert, dass in der ersten Reihe der Demonstranten beim unvergleichlichen gestrigen Trauermarsch in Paris nun ausgerechnet auch Netanyahu zu sehen war, der sich u.a. im Gaza-Krieg nicht gerade als Freund der Pressefreiheit ausgezeichnet hatte. Wer das bestreiten möchte, der möge in dieser kleinen Chronik fündig werden. Schon gestern Abend kam u.a. über Haaretz heraus, dass Netanyahu sich selbst eingeladen hatte, aus wahltaktischen Gründen den rechtsradikalen Lieberman und Bennett folgend. Dagegen konnte Frankreichs Hollande nichts machen, ohne gröblichst unhöflich zu werden, denn seiner Bitte, den Palästina-Konflikt, der ja nicht unerheblich zur Militanz der Islamisten beigetragen hat, durch Abwesenheit der ‚Kriegsparteien‘ aus dem Trauermarsch heraus zu lassen, war Netanyahu nicht nachgekommen. Also lud Hollande auch Abbas zur Demonstration ein, um den Eindruck der Einseitigkeit zu vermeiden, und verließ die Synagoge vorzeitig, nämlich, als Netanyahu die dort versammelten Juden aufforderte, doch Frankreich zu verlassen und nach Israel auszuwandern – Hollande hatte genau das Gegenteil verkündet, nämlich, dass Frankreichs Juden selbstverständlich auch zu Frankreich gehören und von ihm ebenso geschützt und verteidigt werden, wie jeder andere Bürger auch.

Netanyahu Cartoon
Umstrittene Karikatur in der Sunday Times

Dass Israel sich einen feuchten Kehricht um die Meinungsfreiheit schert, sofern man sich die Freiheit nimmt, Israel zu kritisieren, wurde ja hier schon dargelegt. Von daher kann man die erzwungene Teilnahme israelischer Regierungsmitglieder an dieser Demonstration nur dreist nennen. So beschwerte sich Israel 2013 hoch offiziell, nämlich über seinen Botschafter in London, über die ehrwürdige Sunday Times wegen einer angeblich antisemitischen Karikatur. Wieder einmal wurde die „rote Linie“ beansprucht, die überschritten worden sei – und selbstverständlich wiederum unter Beteiligung von Israels Pitbull, dem Simon-Wiesenthal-Zentrum, und der vielleicht bedeutendsten Israel-Lobby-Organisation, der ADL. Es folgt eben immer dem gleichen Schema. Die Israel Times berichtete darüber, auch, dass die Sunday Times hier gar keinen Antisemitismus erkennen könne, denn die Karikatur kritisiere einzig Netanyahu, noch nicht mal Israel und mit dem Judentum habe sie nun überhaupt nichts zu tun.

Sa'aneh
„Die Welt und die Flüchtlinge“ Karikatur von Saba’aneh, Januar 2015

Mit solchen Protesten gibt man sich im Falle palästinensischer Karikaturisten in Israel gar nicht erst ab. So verbrachte der palästinensische Karikaturist Mohammad Saba’aneh letztes Jahr fünf Monate in Israels Gefängnis. Dabei ist er weder Israeli, noch war er in Israel; er wurde schlicht und einfach beim Grenzübertritt von Jordanien nach Palästina festgenommen – von israelischen Kontrollen. Müßig zu fragen, was israelische Grenzer an der Grenze zwischen Jordanien und Palästina zu suchen haben.
Nachdem sie allerdings nichts Brauchbares bei ihm fanden, wurde er der Kontakte zu Hammas beschuldigt. Die ihn freilich nicht sonderlich schätzt, weil er auch über sie seine Witze gemacht hatte. Nichts desto trotz, Hammas geht bei Israel ja immer und Saba’aneh hat einen Bruder. Der ist bei der Hammas. Der hat ein Buch heraus gegeben und die Illustrationen dazu hatte Mohammad Saba’aneh beigesteuert. Familiäre Bande reichen in Israel offenbar für Knast.

header4Aber es gibt auch die härtere Version. Schon 1987 wurde der palästinensische Karikaturist Nadschi al-Ali (hier der entsprechende Wikipedia-Artikel) in London ermordet, mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Mossad, woraufhin die damalige Premierministerin Margaret Thatcher verärgert das Londoner Mossad-Büro schließen ließ.

Al-Ali ist Schöpfer des beliebten palästinensischen Flüchtlingsjungen Handala, den die palästinensische BDS-Bewegung zu ihrem Symbol genommen hat.

 

Update 15.01.2015

Israels Regierungspropaganda macht langsam einen hysterischen Eindruck. Gestern publizierte der britische Guardian einen Artikel über Israels Protest gegen einen Tweet des britischen Parlamentariers David Ward, der während des Pariser Trauermarschs tweetete: „#Netanyahu beim Pariser Marsch – wie??? Mir wird schlecht“ und „Je suis #Palestinian“. Eingeschaltet wurde sogar der Israelische Botschafter, der meinte, dieser Tweet würde Israel delegitimisieren und den Terror unterstützen (merke: wer Netanyahu angreift, ist auch Antisemit, denn Netanyahu ist Israel und Israel ist das Judentum).

Neues aus dem Zionisten-Manual: Israel verteidigen

Kurz und knackig eine präzise Zusammenfassung der auf zionistischer Seite aktuell besonders gern benutzen Argumente, wie sie nicht nur in den social media erscheinen, sondern auch in diversen Berichten, Kommentaren und Interviews in den internationalen Medien (english original version,  which is an excellent summary of the actual zionist arguments, at the end of this post).

Sie werden derzeit dermaßen konstant und oft angeführt, dass es angemessen ist, sie in einem ‚Manual‘ aufzulisten.

  1. Nenne die Personen Antisemiten, selbst wenn sie Juden sind.Break glass &% shout antisemitism
  2. Streite ab, dass Palästina existiert. (Wenn sie argumentieren: „Salvador, Guatemala, Kongo und Algerien seien vor ihrer Unabhängigkeit auch keine Staaten gewesen und dennoch würde niemand denken, es sei gerechtfertigt, ihre Häuser, Höfe und Unternehmen zu konfiszieren“ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  3. Lenk die Schuld ab auf Hamas. (Wenn sie fragen, warum diese Fehde längst im Gange war, bevor Hamas sich gründete > gehe zurück zu Nr. 1)
  4. Behaupte, die Palästinenser hätten die Brutalität verdient, mit der Israel sie schlägt, weil sie für Hamas gestimmt hätten. (Wenn sie entgegnen, das sei die gleiche Entschuldigung, die Bin Laden dafür gebraucht habe, dass er das WTC in die Luft sprengen und amerikanische Zivilisten töten ließ > gehe zurück zu Nr. 1.)
  5. Fordere ein Rückkehrrecht für die Juden, weil sie dort vor Tausenden Jahren gelebt hätten. (Wenn sie entgegnen, die palästinensischen Flüchtlinge hätten ebenso ein Rückkehrrecht, weil die meisten von ihnen ethnisch gesäubert wurden und immer noch die Schlüssel zu ihren früheren Häusern haben > gehe zurück zu Nr. 1.)
  6. Erwähne, Sharon habe Gaza den Palästinensern gegeben, es stünde nicht länger unter Besatzung, dennoch würde Hamas Raketen auf Israel abfeuern. (Wenn sie anführen, dass Israel immer noch Gazas Luftraum, Gazas territoriale Gewässer und Gazas Grenzen kontrolliere > kehre zurück zu Nr. 1.)
  7. Gib die Schuld anderen Arabern, weil sie ihre palästinensischen arabischen Brüder nicht in ihrem Land willkommen hießen. (Wenn sie argumentieren, die Palästinenser hätten das Recht auf Selbstbestimmung und andere arabische Staaten seien nicht dazu da, die Schweinerei auf zu kehren, die Europa, die USA und Israel veranstaltet hätten > kehre zurück zu Nr. 1.)

Zionist manual

Nachspiel zum #Toilettengate

Blumenthal
Max Blumenthal

Zur Affäre Blumenthal/Sheen/Gysi gibt es nun ein interessantes, wenn nicht gar amüsantes Nachspiel.
Die ehrwürdige New York Times, eigentlich als eher recht israelfreundlich bekannt, hat nämlich ein Verbrechen begangen: sie hat nicht dem über Blumenthal und Sheen von den Zionisten verhängten Bann gehorcht und einen kleinen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht.

Was die streng zionistische New Yorker „The Algemeiner“ am 08. Dezember zu einer Beschwerdetirade veranlasste: damit, dass sie einen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht habe, habe die New York Times eine rote Linie überschritten (mal wieder rote Linie. Als ob die Zionisten für andere Leute rote Linien festlegen könnten).
Es ist nicht der einzige Beschwerdeartikel von dieser Seite.

Tweet
„Gregor, komm raus aus dem Scheißhaus, du bist erwachsen!“

Zunächst nennt The Allgemeiner die Toilettenszene einen „versuchten gewaltsamen Anschlag auf Gysi“. Oha. Das sieht doch wieder mal danach aus, dass Einer behauptet, die Gedanken eines Menschen besser zu kennen, als dieser selbst. „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich Damun, den Dolch im Gewande…“ – dem Antizionisten ist eben alles zuzutrauen.
Die üblichen Beschimpfungen dürfen als Garnitur dieser Diffamierung natürlich auch nicht fehlen: Max Blumenthal sei ein „antisemitischer Propagandist“ und die New York Times habe die Untat begangen, ihm durch Aufnahme seines Artikels die Möglichkeit zu geben, seine „besudelte Reputation“ zu retten.

Es ist symptomatisch, dass The Algemeiner auf Rabbi Abraham Cooper vom berüchtigten Simon Wiesenthal Center verweist, eben das, dem der ebenso berüchtigte Henryk M. Broder so gerne zuarbeitet und das als Ergebnis lächerlicherweise Jakob Augstein auf seine Liste der 10 gefährlichsten Antisemiten setzte. Gemeinsam übrigens mit Max Blumenthal, was die Sache doch ganz erheblich relativiert. Cooper begrüßt eine Diskussion über das neue Gesetzesvorhaben, Israel zu einem jüdischen Staat zu erklären mit auf Tora und Talmud basierenden Gesetzen. Aber da dürften nur manche mit diskutieren, keine Leute wie Blumenthal, der die Zionisten für Rassisten hält.

Das kennen wir. Es gibt ja auch in Deutschland Leute zur Genüge, die verkünden, selbstverständlich dürfe man Israel kritisieren und das sei sogar erwünscht. Nur darf das eben nicht jeder, sondern nur jemand, der den Zionismus nicht kritisiert.

Ebenso wohl bekannt ist die von Zionisten gern geübte Sippenhaft, diesmal die echte Sippe in Form seines Vaters, des GoliathClinton-Beraters Sidney Blumenthal. Der besaß doch tatsächlich die Frechheit, eine Party zur Vorstellung des Buches seines Sohnes zu schmeißen!
The Algemeiner macht allerdings noch eine neue Dimension dieser Sippenhaft auf: Max Blumenthal habe sich nämlich mit den beiden berüchtigten US-Neonazis Dave Duke und Frasier Glenn Cross zusammen geschlossen. Begründung: die beiden hätten ihn lobend erwähnt. Da kann man ja für die Zionisten nur hoffen, die beiden kommen nicht auf die Idee sich mal dahingehend zu äußern, dass Netanyahu die Haare schön habe. Dem müssten unweigerlich Rücktritt und Staatskrise folgen. Wer sich über den Tenor dieses ‚Lobes‘ unterrichten will, kann dies hier tun: er „respektiere Blumenthal mehr als weiße christliche Zionisten“ und „Jude Max Blumenthal hat was Gutes über Palin zu sagen„, nämlich, dass sie Verbindungen zur Theorie der überlegenen weißen Rasse (White Supremacy) habe. Eine Theorie, die nicht nur Blumenthal und das nicht zu Unrecht mit der nationalreligiösen zionistischen Theorie der angeblichen Überlegenheit des jüdischen Volkes (?) vergleicht.

Kleine Perfidie am Rande: erwähnt wird auch, dass Frasier derzeit unter Mordanklage steht. Man darf dann phantasieren, was Blumenthal mit seinem „versuchten gewaltsamen Anschlag“ vorgehabt haben mag. Ja, diese Zionistenpropaganda ist eine ziemlich dreckige Angelegenheit, was aber wohl nur der vorbehaltlos unterschreibt, der sie täglich erlebt, denn man kann sich nicht alles denken. Und je mehr Israels Politik international unter Beschuss kommt, um so dreckiger wird sie.

P.S.: wer sich von Max Blumenthals journalistischen Qualitäten überzeugen möchte, sollte sich die Mühe machen, diesen langen und kenntnisreichen Artikel auf der renommierten Alternet (nicht zu verwechseln mit dem rechtsradikalen Altermedia) zu lesen. Er enthält eine Menge kluger Analysen zu geschichtlich begründeten deutschen Spezialitäten.