Israel hat ein Problem: BDS

Demo 8Am 25. August rief BDS Berlin wieder einmal zum Boykott israelischer Produkte auf, mit ca. 50 Teilnehmern vor der Galeria Kaufhof. Denn speziell ging es gegen Soda Stream, das es sich auch noch in der illegal besiedelten Westbank gemütlich gemacht hatte.

Auch der Versuch einer kleinen Gegendemonstration fand sich ein, darunter der ehemalige oder Noch-Pirat (wer behält da noch die Übersicht?) Jan Zimmermann und Jannis Hutt; letzterer ist Trainee bei der Abgeordneten der Piratenpartei Julia Reda im Europäischen Parlament in Brüssel.

Demo_7Offenbar gab es Schwierigkeiten mit der Polizei, die die Ansicht nicht teilte, wer für Israel demonstriere, stehe damit automatisch über dem Gesetz. Also mussten sie gezwungenermaßen ihr Vorhaben abbrechen und sich in gebührende Entfernung zurück ziehen. Von da aus marschierten sie dann einzeln zum Kaufhof, um dort demonstrativ Soda-Stream Produkte zu erstehen und zu behaupten, nicht sie selbst, sondern Bürger würden das tun.

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So jämmerlich diese Gegenaktion unter Leitung einer bis dato unbekannten Gruppierung namens „Aktionsforum Israel“ = AFIL sich auch darstellte, Benjamin Weinthal griff danach, um diesem Haufen einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen, Titel: „Israelis helfen, in Deutschland eine Anti-BDS-Gruppe aufzuziehen. Es lohnt sich, da etwas näher hinzuschauen.

BDS israelische Juden 270816Tatsächlich handelt es sich bei dieser Gruppe – um eine Facebookgruppe. Sie umfasst ca. 1.500 Mitglieder, darunter die üblichen Verdächtigen, wie Volker Beck, Martina Engelmann und Ex-Pirat Oliver Höfinghoff, was allerdings nicht sehr viel heißen muss. Denn zu solchen Gruppen kann man einfach Leute zufügen, in der Regel sagen die dann aus Höflichkeit Ja und kümmern sich nicht weiter um die Gruppe.

Zu den Aktivisten gehören aber offenbar die im Impressum genannte Gabi Spronz, die dort eine israelische Adresse angibt, lt. Weinthal jedoch in Deutschland arbeitet. Aber auch der antideutsche Ex-Pirat Jan Zimmermann.

Die Gründung dieser Gruppe erfolgte offenbar vermittels Installation einer Webseite. Die ist ein wenig sparsam. DieFlyer Home-Seite kommt eher als etwas schlichter Witz, die „Medienbewertung“ erschöpft sich in der Zusammenfassung der hier beschriebenen Proteste um den Bericht der Tagesschau über Wasserprobleme in Palästina und unter „Organisationen“ ist das ergötzliche Flugblatt abgedruckt, das – ohne ViSdP-Hinweis und in recht urtümlicher Gestaltung  – bei der versuchten Gegendemonstration verteilt wurde.

Für die aberwitzige Falschheit der Darstellung im Flugblatt gibt es einen recht zuverlässigen Indikator: Facebook. Denn Mark Zuckerberg, Gründer und Inhaber von Facebook, ist Jude. Allerdings zuvörderst ein typischer US-amerikanischer Bürger, der sich auf die Werte der USA bezieht, während Israel ihm einigermaßen gleichgültig zu sein scheint. Jedenfalls führen Israelis gerade einen Prozess gegen sein Unternehmen, weil er ihrer Meinung nach auf Facebook zu wenige Palästinenserbeiträge und -accounts löscht. Same procedure as usual, wie bei jedem anderen, ob Palästinenser oder nicht, der sich Israels Wünschen nicht beugen mag. Aus welchem Grunde also sollte BDS zum Boykott von Facebook aufrufen? BDS ist ja gerade KEIN Boykott gegen Juden und jüdische Produkte, sondern gegen den rechtsbrecherischen Staat Israel – weswegen etliche Juden auch fröhlich dabei mitmachen. Mit diesem zionistischen Staat hat Zuckerberg nicht allzu viel im Sinn – was insbesondere den arabischen Usern durchaus bewusst ist.

Das verweist auf den Grund, warum diese nicht sonderlich ernst zu nehmende Facebookgruppe zur Ehre eines Weinthal-Artikels in der Jerusalem Post kam: eine Alternative ist offenbar nicht gegeben.

Laut Jüdischer Allgemeine, die sich auf israelische Statistiken beruft, gab es in Deutschland 2014 ca. 200.000 Juden, allerdings hatte nur rund die Hälfte Bezug zu jüdischen Gemeinden. An die 20.000 könnten alleine in Berlin leben. Diese Zahlen muss man sich vor Augen halten, um Weinthals Artikel, wonach Israelis (nämlich eine) Deutschen helfen, eine Anti-BDS-Bewegung zu gründen, richtig zu interpretieren: trotz aller Bemühungen der Israel-Lobby ist das Interesse der Juden in Deutschland, sich für Israel einzusetzen, offenbar nur mäßig ausgeprägt, so dass Israel vorwiegend auf die Antideutschen zurück greifen muss.

Ähnlich, wie in den USA die unverzichtbaren Unterstützer des Zionismus die Armageddon-gläubigen Evangelikalen sind, die hoffen, dass mit dem großen Krieg um Jerusalem Jesus wiederkehrt und das tausendjährige Reich errichtet, wie es der Rachetraum des Johannes im Neuen Testament offenbart.

So dürfte sich auch in Deutschland eine Tendenz heraus kristallisieren, die insbesondere in den USA längst besteht: man rechnet damit, dass die Hälfte der US-Juden gar keinen Bezug zu Israel hat, vielmehr das, was dort geschieht, als Verrat an ihren amerikanischen Werten betrachtet.

Damit kehrt eine alte Bewegung wieder, die bis zum 3. Reich die weitaus stärkste im Judentum war und den Zionismus zu einer seltsamen Randexistenz verbannt hatte: die Assimilationsbewegung. Juden kämpften für ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger in ihrem eigenen Land – und das waren z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, aber nicht Palästina (Israel gab es damals noch gar nicht).

Einen großen Vertreter dieser einst starken Bewegung gab es noch nach dem 3. Reich: Bruno Kreisky. Der nannte schon in den siebziger Jahren den Likud faschistisch, Begin einen Terroristen und erklärte, er selbst sei der einzige europäische Politiker, den Golda Meir nicht erpressen könne.
Dafür erwarb dieser große alte Sozialdemokrat sich bei den Zionisten als einer der ersten den Ehrentitel „jüdischer Antisemit“.

 

Was erlauben sich ZDF?

Am 05. Juli 2016 um 23:00 Uhr sendete ZDF + den Beitrag Erzogen zum Hass – Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten.
„und zu töten“, hieß es ursprünglich, das jedoch wurde nach Protest abgeändert.

Nun, neu ist es nicht, dass beider Schulbücher kritisiert werden, obgleich beide nur sehr selten über die Grenze zu blankem Hass hinaus schießen. So berichtet der Guardian 2013 darüber. Freilich ist es der schiere Wunsch nach Auslöschung, der Israel ignoriert und das gesamte ehemalige UN-Mandatsgebiet nur Palästina benennt. Umgekehrt ist es natürlich völlig in Ordnung, wenn in israelischen Schulbüchern die grüne Grenzlinie weggelassen wird und Palästina nicht erwähnt wird – ODER?
„Bösartige Verleumdung“, soll es laut Econonomist aus Netanyahus Umfeld zu dieser immerhin von der US-Regierung finanzierten Studie getönt haben und der Economist kommentierte:

Was soll Israel mit einem Bericht machen, der behauptet, dass Israel und Palästina sich in ihren jeweiligen Schulen gegenseitig die Legitimität absprechen? Sprich dem Bericht die Legitimität ab, ist die Antwort von israelischer Seite.

Diesmal durften die Unteroffiziere der deutschen Israel-Lobby ins Feld ziehen, als Anführer Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, der möglicherweise die Gabe hat, junge Männer aus gewissen Kreisen für sein intellektuell ansprechendes Medium zu begeistern. Volker Beck sprang ihm natürlich umgehend zur Seite und drohte schließlich mit dem ZDF Fernsehrat und dem Presserat wegen der Unverschämtheit, Israel und Palästina gleichzusetzen. Er dürfte schließlich auch der Ansicht sein, Israel stünde per se über allen anderen Ländern, Deutschland eingeschlossen. Sich selbst scheint er jedenfalls schon zum getreuen Vasallen gemacht zu haben.

Die Sache war Reichelt einen langen Artikel auf Bild.de wert:

EKLAT UM „HEUTE-BEITRAG –  ZDF wirft Israel Kinderverhetzung vor

Das mit dem Eklat dürfte ein wenig übertrieben sein, denn ich wette, das hat im Lande so gut wie keiner gemerkt, außer unserer bekannten Israel-Lobby natürlich, die sich gegenseitig darauf aufmerksam macht, um dann, wie Beck, den anderen als angeblich unabhängig agierenden Zeugen heran ziehen zu können, aber das kennen wir ja von Bild.

Erstaunlich jedoch, wieviele Freunde diese traditionell nicht so gut beleumdete Medium Bild inzwischen gewonnen hat. Reichelts Artikel haben sie alle begeistert verbreitet, u.a. nicht nur – das ist normal – der American Jewish Congress Berlin AJC, sondern auch Martin Niewendick, Redakteur des angeblich linken Mediums der Israel-Lobby, Ruhrbarone.

Da es offenbar an Informationen mangelt, möchte ich den Schreihälsen mal ein wenig anliefern. Es geht ja nicht nur um Schulbücher, auch wenn am Schluss der zu Anfang verlinkten Reportage eine Dame, die nun mal zu diesem Thema forschte, interviewt wird. Wenn es um Erziehung zum Hass in Israel geht, sollte man seine ‚Schule der Nation‘ nicht vernachlässigen, die sich schon sehr früh um die lieben Kleinen kümmert.

Hier haben wir ein sehenswertes Video von einem Besuch etlicher Kinder in einer Gedenkstätte der bewaffneten Streitkräfte, wo sie schon mal in den Gebrauch diversen Tötungswerkzeugs eingewiesen werden. Echte. Nicht so nachgemachtes Spielzeug, wie es die Hamas in Gaza den Schulkindern in die Hand gibt.
Die Kinder reden Klartext: „Ich stelle mir einen toten Araber vor und das macht mich glücklich.“ Einer anderen verhilft gleich die Vorstellung einer ganzen Batterie toter Araber zum Glück. Für einen Jungen ist die Besatzung quasi schon erledigt; er möchte im Libanon kämpfen. Er hofft, dass es mal wieder dazu kommt.

Hübsche Kinderbilder veröffentlichte electronic intifada im letzten Jahr in einem Bericht:Kinder 1

Kinder 2

 

 

 

 

 

Zu solchen und ähnlichen Bildern sagte der Ha’aretz-Kolumnist Gideon Levy:

Wo sonst bringt man kleine Kinder dazu, mit einem Rucksack auf dem Rücken herum zu kriechen? Wenn Hamas seine Kinder so behandelt, buhen israelische Eltern voller Abscheu: „Schaut euch diese Tiere an!“

Kind 4Unvergessen sind auch die Fotos aus dem Libanonkrieg 2006 – unvergessen offenbar auch in Israel, wenn der Junge aus dem Video da unbedingt mal wieder hin möchte – die zeigen, wie nette Schulmädchen Botschaften auf die Raketen schreiben, die dann auf den Libanon gefeuert werden sollten.

Also, wenn Reichelt sich beschwert, dass Hamas die Kinder in Gaza mit imaginären Raketen feuern lässt – die israelischen Raketen waren echt.

Und wenn Beck meinte, der ZDF-Bericht, wonach auch in Israel die Kinder zum Hass erzogen würden, entbehre jeglicher Grundlage, voilá, hier sind se.

Kind 3

 

Update 14.07.2016

Es ist schier unglaublich, was das ZDF sich alles erlaubt.
Da hat es doch tatsächlich in einem dreieinhalb Minuten langen Beitrag Witze über die  Amadeu-Antonio-Stiftung gemacht!

schweinophober DrecksackWie man weiß, ist die Amadeu-Antonio-Stiftung mit ihrer von Ex-Stasi-Chefin Kahane so liebevoll geförderten Pseudo-Antisemiten-Jagd  integraler Bestandteil der Israel-Lobby in Deutschland. Die aber steht wie alles Israelische und Zionistische über dem Gesetz, sie ist heilig. Meinen so einige.

Zum Beispiel die betuliche Zeit. Eilfertig widmete sie den hoch brisanten dreieinhalb Minuten einen ordentlichen Artikel, Thema: ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich.

So ganz stimmt das nicht. Eigentlich gilt Winters Spott der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die darüber aufklärt, wie man Hasskommentare erkennt. Was ja schon etwas merkwürdig ist, denn eigentlich sollte man wissen, dass Hasskommentare etwas anderes sind als unliebsame Polemik oder schlicht die andere Meinung und den Verdacht nahe legt, dass hier gar keine Hass-Kommentare gemeint sind.

Immerhin, die Amadeu-Antonio-Stiftung sah sich veranlasst, den Erdogan zu machen. Nun, wenn es denn ihr Wunsch ist, ihre Dummheiten möglichst weit zu verbreiten, dann helfe ich auch mal mit. Hier der Link zu der Broschüre mit den weisen Ratschlägen für die potentielle Meldehure, der die gesetzlichen Definitionen nicht ausreichen, um ihre Gelüste zu befriedigen.

Kotfresse usw Höfinghoff 030716
Sowas steht übrigens mit ziemlicher Sicherheit nicht auf Amadeu-Antonios Meldeliste

Von der Ethik der Israelkritik

Vom deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird heute die Buber-Rosenzweig-Medaille an den 68-jährigen Erziehungswissenschaftler und Publizisten Micha Brumlik verliehen. Zwar verließ er lt. Domradio Israel nach zwei Jahren Aufenthalt wegen seines Imperialismus als Antizionist, bezeichnet sich jedoch heute als Postzionist, was zu relativieren ist; trat er doch aus der Partei die Grünen aus, weil die sich gegen Waffenlieferungen an Israel aussprach.

Ich erwähne ihn allerdings deswegen, weil er eine relativ alte und deswegen kaum noch gehörte, nichts desto trotz im Denken wirkmächtige zionistische Argumentation vorbringt.

Als „Störpunkt“ im christlich-jüdischen Dialog bezeichnet er in einem heutigen Interview auf WDR 5 nämlich die Frage, inwieweit „die Auseinandersetzung über die israelische Siedlungs- und Palästinapolitik Gegenstand auch christlich-jüdischer Gespräche sein kann oder nicht„:

Und etwas ähnliches (eine gewisse Störquelle) wird man auch im Bereich menschenrechtlich und völkerrechtlich engagierter protestantischer Christen beobachten können, die in einer oftmals, lassen Sie es mich so sagen, gesinnungsethischen Art und Weise die israelische Politik glauben, kritisieren zu müssen, was natürlich ihr gutes Recht ist; was nur auffällt ist, dass dieser Konflikt, der im Vergleich mit alledem, was uns zur Zeit beschäftigt, Gott sei Dank doch eher gering ist, unverhältnismäßig stark in den Vordergrund tritt.

Gesinnungsethik, da dürfte Brumlik auf Max Weber anspielen, der sie in den Bereich der politischen Ideologie einordnete, die nicht nach den Folgen einer angeblich moralisch gebotenen Handlung fragt, sondern nur danach, ob sie der reinen ideologischen Lehre folgt. Er stellt sie in den Gegensatz zur Verantwortungsethik, die die Qualität einer Handlung an ihrem Erfolg misst.

Nun steht tatsächlich beides nur im Falle politischer Ideologien im Gegensatz zueinander. Gesinnungsethiker war ohne Zweifel Kant, wenn er einzig den guten Willen als gut ansah. Allerdings war für ihn für die moralische Qualität einer Handlung schon deren Konsequenz ausschlaggebend – nur eben nicht die positive Konsequenz für den Handelnden.

Wenn Brumlik von Gesinnungsethik spricht, dann suggeriert er also, die Protestanten würden Israel nur aufgrund ihrer christlichen (antijüdischen?) Ideologie kritisieren, ungeachtet der Folgen, die ein Handeln nach ihrer Kritik hätte.
Nur: welche Folgen wären das denn? Es wäre die Anerkennung der Gleichberechtigung der Palästinenser, ja, Araber und Muslime überhaupt, damit die Anerkennung ihres Selbstbestimmungsrechts – und auch die Anerkennung der Tatsache, dass Menschen allüberall auf der Welt auf Unterdrückung, Missachtung, Demütigung, Zerstörung ihres Lebensraumes gleich reagieren: nämlich mit sich zu tödlichem Hass steigernder Wut, die man mit Sicherheit nicht dadurch abbaut, dass man die zu diesem Verhalten führenden Reize verstärkt.
Gesinnungsethisch – sofern man da überhaupt von Ethik sprechen mag – wäre dann bestenfalls die israelische Seite, die ihre religiös begründeten höherwertigen Ansprüche gegenüber den Palästinensern durchzusetzen trachtet – ohne Rücksicht auf die sich zwangsläufig ergebenden menschen- und völkerrechtswidrigen Folgen.

Demgegenüber wäre die Folge des von den protestantischen Israelkritikern verlangten Handelns ein unabhängiger Staat Palästina und das ist nun allerdings ein Ziel, das seit Jahrzehnten von der Weltgemeinschaft UNO vertreten wird.

Und dann führt Brumlik noch ein altes Hasbara-Argument an: die angeblich geringe Bedeutung des Palästina-Konflikts für die Welt – weswegen jede Israelkritik grundsätzlich im Verdacht des Antisemitismus stehen soll. Das ist natürlich völliger Unsinn, denn tatsächlich ist der Palästina-Konflikt der älteste und wohl auch gefährlichste Konflikt, den wir überhaupt auf der Welt haben. Von ihm nämlich sind nicht nur alle Araber, sondern auch alle Muslime betroffen, handelt es sich doch um ihren geheiligten Boden, Dar-ul-Islam, und vor allem um ihre heiligen Stätten el-Aqsa-Moschee und Felsendom, die im Begriff sind, von Israel annektiert zu werden. Islamophobie, Flüchtlingsproblem, Terrorismus-Problem, gar die Gefahr nuklearer Auseinandersetzungen wegen Iran oder einer Konfrontation zwischen West und Ost, in all diese Probleme spielt der Palästina-Konflikt hinein oder ist das, was sie überhaupt ausgelöst hat – die Frage ist, welcher Konflikt denn wohl größere Bedeutung in der Welt habe und dringender zu lösen wäre?

Nun fragt sich: was hat dies alles mit christlich-jüdischem Dialog zu tun?
Nichts. Es sei denn man anerkennt, dass die Auffassungen von Gläubigen einer Religionsgemeinschaft Verbindlichkeit auch für alle anderen haben könnten, die dieser Religion nicht angehören. Dass also politische Ziele einer Religionsgemeinschaft Bestandteil dieser Religion seien und folglich auch unter dem Schutz der Religion stünden. Das ist natürlich völlig indiskutabel. Man stelle sich vor, wir sollten Köpfen von Andersgläubigen oder Dissidenten akzeptieren oder müssten Kontakte zu bestimmten Kasten untersagen. Oder anerkennen, dass fromme evangelikale Christen sich an die Bibel halten, wonach die schwarzen Nachkommen des gottverfluchten Ham auf ewig die Sklaven der anderen Nachkommen Noahs zu sein hätten. Undenkbar.

Unser Völkerrecht ist säkular. Nicht in dem Sinne, dass es sich nicht um Religionen schert und sie ablehnt, sondern in dem Sinne, dass es einbezieht, dass es verschiedene mächtige Religionen gibt und dass es keinen Frieden in der Welt geben kann, wenn man irgend einer dieser Religionen einen höheren Stellenwert einräumt, als den anderen. Dies war einst der Fall – es führte zur höchst unrühmlichen Geschichte eines erobernden, mordenden, versklavenden Christentums zur höheren Ehre Gottes.

Es gibt einen bestimmten Kanon  von Grundwerten, die humane Ethik, auf die sich letztlich alle selbständig menschlich Denkenden einigen können, sich darauf geeinigt haben, wir nennen diesen Kanon die Menschenrechte. Zuweilen stehen sie als westliche Werte unter Kritik. Nun, das braucht uns nicht weiter zu stören. Mag man sie hier und da ein klein wenig anders formulieren wollen, der Kern bleibt gleich, weil es nun mal die gleichen humanen Werte sind, die den Menschen zum Menschen machen und die auch von allen Religionen für heilig erklärt worden sind. Auf diesem Kanon basiert unser Völkerrecht. Das sollte uns bewusst sein. Es sollte uns bewusst sein, was wir in Wirklichkeit tun, wenn wir Völkerrecht mal eben außen vor lassen: wir scheren uns dann nicht um die humanen Werte, um das Menschliche schlechthin.

Und dann fragen wir nochmals nach Gesinnungs- und Verantwortungsethik: ist es verantwortbar, das Völkerrecht zu missachten, das im Falle des Palästina-Konflikts eine Zweistaatenlösung mit bereits definierten Grenzen vorsieht, weil man aus eigenem Schuldgefühl heraus (das sich freilich nicht auf z.B. ehemalige schwarzafrikanische Sklaven erstreckt) religiös begründeten Ansprüchen im Wesentlichen europäischer Juden einen höheren Rang einräumt, als den sachlich begründeten Ansprüchen eines nicht-europäischen Volkes?

So gesehen …

Die Definition, die es nie gab

Auf Drängen der USA im Gefolge von 9/11 fand im Juni 2003 in Wien eine Konferenz der OSZE mit dem Schwerpunkt Antisemitismus statt. Damit waren viele OSZE-Mitglieder nicht einverstanden. Ihrer Meinung nach gehörte Antisemitismus in die Rubrik Rassismus und Diskriminierung, es gebe keinen Grund für eine Sonderbehandlung.

Der European Jewish Congress EJC, weniger eine jüdische als vielmehr eine israelische bzw. zionistische Lobbyorganisation, machte bereits tüchtig Propaganda zur Feststellung und Verdammung eines angeblich „neuen“ Antisemitismus, der tatsächlich stets nichts anderes sein sollte als das Bemühen, Israel gegen jegliche Kritik zu immunisieren und insbesondere die Palästinenser und die internationale Palästina-Solidarität als antisemitisch zu brandmarken, mundtot zu machen und damit quasi aus dem Verkehr zu ziehen.
Allerdings machte das die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit EUMC (im Rahmen der OSZE-Konferenz zuständig für Europa, die inzwischen von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte FRA abgelöst wurde) nicht mit.
Was den EJC schwer empörte.

Wacker arbeitete die Israel-Lobby, vertreten vor allem durch das American Jewish Committee AJC, gerade auch mit seinem Berlin-Ableger, der wiederum vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin unterstützt wurde, weiter daran, insbesondere die EU zu verpflichten (sie nannten es Erziehung), mit Hilfe einer quasi-gesetzlichen Regelung die Bürger auf die zionistische  Auffassung von dem, was sie sagen dürfen sollen und was nicht, zu verpflichten.
Die Vorgeschichte stellte das Jerusalem Center for Public Affairs 2004 dar und lieferte auch die Begründung für die Bemühungen: eine Variante der berühmt-berüchtigten „Demographischen Bedrohung“, die ja immer als Rechtfertigung dafür genommen wird, dass Israel die Palästinenser nicht als gleichberechtigt ansehen muss und auch das von der UNO verbriefte Rückkehrrecht missachten kann. Es gäbe in Europa schon zu viele Muslime, jedenfalls um einiges mehr als Juden, und wenn die etwa auch als gleichberechtigt angesehen werden sollten – wo bliebe dann Israel mit seiner Auffassung, wer allein im Nahen Osten das Sagen haben solle?

Wie es nun genau dazu kam, verbleibt im Dunkeln, jedenfalls stand 2005 eine „Arbeitsdefinition Antisemitismus“ auf der Webseite der EUMC. Sicherlich weiß die Jüdische Allgemeine näheres über die Autoren:

Das American Jewish Committee und der European Jewish Congress arbeiteten eng mit wissenschaftlichen Experten in Israel, den USA und Europa zusammen an der Ausarbeitung dieser Arbeitsdefinition.

und bestätigt damit die von Seiten Palästina längst gehegte Vermutung, dass es sich im Wesentlichen um eine Definition der Israel-Lobby handelt.

Die EU kümmerte sich nicht weiter um diese „Arbeitsdefinition“ und so blieb sie auch so, wie sie war, ohne Kommentar und mit dem alten EUMC-Logo, stehen, auch nachdem die EUMC durch die FRA abgelöst worden war.

Bis Ende 2013. Da war sie auf einmal sang- und klanglos verschwunden.

Die Israel-Lobby tobte. Shimon Samuels vom berüchtigtigen Simon Wiesenthal Center protestierte bei der Hohen Kommissarin für  Auswärtige Angelegenheiten der EU, Frau Catherine Ashton, und verlangte ultimativ, die EU habe die Arbeitsdefinition gefälligst wieder umgehend dort einzustellen.
Das war unverschämt.
Die Antwort kam von der Generaldirektion Justiz der Europäischen Kommission: weder die Kommission im Besonderen, noch die Europäische Union habe eine Definition von Antisemitismus beschlossen und es bestehe auch nicht die Absicht, eine zu erstellen. Zudem wies sie darauf hin, daß die FRA eine unabhängige Agentur sei. Und Samuels zitiert aus dem Antwortschreiben:

Im Jahr 2005 hatte die Beobachtungsstelle der EU für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) ein Online-Dokument mit dem Titel Arbeitsdefinition von Antisemitismus angelegt Seitdem haben verschiedenen Akteure, vor allem Nichtregierungsorganisationen, dieses Dokument als Definition von Antisemitismus in der EU bezeichnet In ihrer Autonomie hielt die FRA dieses Dokument bis vor Kurzem online, dann entfernte sie es zusammen mit anderen nicht-offiziellen Dokumenten.

Nun, das ist eindeutig. Mit dieser Arbeitsdefinition wurden Bürger und Organisationen getäuscht. Es wurde ihnen vorgespielt, es handle sich um eine offizielle Definition der EU, an die sich die Europäer zu halten hätten. Kein Wunder, dass die Kommission so harsch reagierte, als das Simon Wiesenthal Center, das sich übrigens selbst auch als NGO bezeichnet, meinte, die Wiederherstellung anordnen zu können.

So ganz verschwinden lassen wollte die Israel-Lobby ihre schöne „Arbeitsdefinition“ freilich nicht. Sie ist immer noch auf der Webseite des European Forum on Antisemitism zu finden, das ganz zufällig die gleiche Adresse hat, wie der AJC Berlin. Daselbst ist es verbuddelt seit 2012, immer noch mit dem Anspruch:

Dieses Dokument soll als praktischer Leitfaden für die Erkennung und Dokumentation antisemitischer Vorfälle sowie für die Erarbeitung und Umsetzung gesetzgeberischer Maßnahmen gegen den Antisemitismus dienen.

Und das ist immer noch das gleiche, wie ursprünglich geplant. Nicht die paar übrig gebliebenen Altnazis sind Zielscheibe dieser Bemühungen, sondern die Palästinenser und die gesamte internationale Palästina-Solidarität.

Act 3: a tiny rally

Gegendemo
An impression of the tiny menifestation

After all the incitement in Berlin newspapers for a whole week and an announced broad support of whole Berlin against the 13th Conference of Palestinians in Europe, the support of all parties in Berlin parliament, the whole engagement of Berlin citizens mounted in – about 100 participants. Ok, let’s be generous, there might have been a top of about 120 (whereas I don’t know how many of them were Pegidians)  – but not longer than for 15 minutes!

Speaker at the opening of manifestation claimed Berlin to be a city open to the world. Well, obviously his world did not include Palestinians, Arabs and Muslims – estimated more than 1,5 billions. His world might also not include the broad majority of nations in UN – seems his world consists of the city of Berlin and Israel, ok, far over the sea may be also USA, but that’s all.

The 2nd speaker, a zionist who claimed to be authorized from Simon-Wiesenthal-Center to give a greeting, declared how extremely dangerous the participants of this conference should be. So dangerous that a holocaust surviver did not dare to demonstrate! What a courage the counter-demonstrators had!

Ok, some from the press might look a bit dangerous, strolling around with cameras and big long sticks – but you should imagine that Palestinians came here with whole families, Mom and Dad and Granny and Granpa and small and big children – all threatning the jewish life in Germany. There is a row of tents with food, dresses and art exhibitions. So viewing this peaceful athmosphere his speach was comedy pure. Several times I had to turn my back to the anti-demostration because I was shaken from laughing about this mini-counter-demonstration. As we say in Germany: the mountain was in labour and gave birth to a mouse.

He especially spoke against the right of return. This should be single in the world as well as inherited refugee status of Palestinians. Well, but what about the Zionists? They even claim a right of return since about 50 to 100, when the Romans destroyed temple and state. The argument is a squib load.

The next speaker was Mussawi from Green Party of Iran.  Unfortunately after that amusing speech before he was extremely boring and it seems that everybody was grateful to some Palestinian youths marching some 50m away with Palestinian flags shouting „Free, free Palestine“. Which was answered from a group less than half with some Israel pennants with „Free Gaza from Hamas“. Some entertainment.

At 11:00 Volker Beck, announced as good friend and supporter of Israel, gave his speech. He claimed the two state solution and also right of return, but not to Israel. Which was answered with boos from Palestinian side. The right of return should not be inherited, but he called for assimilation of Palestinian refugees in the Arab guest countries and accused these states of not being willing to do that. He claimed that he himself is descent of a family of Czech expellee and that he himself did not inherit that status; after war Czecoslovakia expelled the Germans living there. What also he never asked: whether Palestinians want that. Everybody of them claims to know what is good for the Palestinians. Oliver Höfinghoff, the last speaker, former pirate party member in Berlin Parliament, knows that a Monte Carlo in Gaza would be good for the Palestinians. Of course he did not ask whether the Palestinians want a casino with a state around in Gaza,

gegen Deutschland
A typical anti-german banner: „Against Islamism, anti-semitism and homophobia. Down with Germany, for the communism“ (typically written with „c“ and not with „k“ as in correct German

Hakan Tas from Die Linke Berlin gave his own special version of Palestine conflict: the problem is not the border to Israel. The problem is Hamas. Well …
And he accused provokations. Unfortunately there was nobody there to provoke. The participants of the conference had other interests and only police, press and two, three organisators were watching it quietly.

The last speaker, Oliver Höfinghoff, tried to tune up the spirit a bit by agitating  paroles against Hamas – but the counter-demonstration, now about only 80 left, were not in the mood to answer.

So all in all that counter demonstration was a very harmless tiny manifestation that did not interest the Palestinians at congress and obviously also not the citizens of Berlin.

Palästinenserkonferenz 2. Akt: das Logo

Nachdem der Israellobby klar geworden sein dürfte, dass Deutschland nicht Israel ist, wo eine Konferenz der Palästinenser in Europa einfach verboten werden kann, mobilisiert sie nunmehr für eine Gegendemonstration. U.a. über Facebook. Wo die Konferenz wahrheitswidrig gleich zur Pro-Hamas-Tagung erklärt wird.

LogoStein des Anstoßes ist das Logo der Konferenz. Denn irgend etwas muss man ja finden. Schon in einem Kommentar zum Blogpost „Israellobby will Palästinenserkonferenz verhindern“ wurde ja nachgefragt, warum keine Israelfahne dabei sei. Warum sollte sie? Was hätte sie bei einer Konferenz der Palästinenser in Europa, die in Deutschland stattfindet, zu suchen?

Nichts desto trotz twitterte der wohl bekannte Grünen-MdB Volker Beck zu dem Logo:
Beck wo liegt Israel auf Logo

Nun, dem geneigten Leser wird auffallen, dass auch die EU dort nichts zu suchen hätte, wenn es sich bei dem Logo denn um eine politische Landkarte handeln würde. Tut es aber nicht. Diese Karte zeigt Palästina, das Palästina, von dem die UNO in Resolution 181, die mit dem Teilungsplan, ausging, das Palästina, das die Grundlage des Teilungsplans war. Und teilen tut man ein Ganzes.

In diesem Palästina lebten überwiegend Palästinenser. Auch in dem Teil, der jetzt Israel ist. Und auch zu den Palästinensern in Europa gehören etliche, die Nachkommen derer sind, die während der Nakba 1948 kurz vor oder kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Israels aufgrund israelischer Greueltaten von dort flohen bzw. vertrieben wurden. Manche halten noch immer die Schlüssel zu ihren Häusern in Ehren, die sie besaßen und ihren Willen und Anspruch auf Rückkehr, einen Anspruch, den die UNO auch stets aufrecht erhalten hat. Es ist nun einmal so: Israel gibt es erst seit 1948, Palästina aber schon viel, viel länger, das wurde schon vom mittelalterlichen deutschen Dichter Walther von der Vogelweide besungen. Nichts dran zu machen. Und Zusammenhänge, die Zionisten konstruieren, um an den Haaren einen Grund herbei zu ziehen, warum man gegen etwas protestieren soll, was einem auch ohne jeden Grund nicht passt, können den nüchternen Verstand nicht interessieren.

2. Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany
2. Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany

Im Übrigen darf man wohl annehmen, dass die scheinheilige Empörung gegen den Kongress der Palästinenser in Europa zuvörderst von Sympathisanten derer ausgehen dürfte, die nicht nur gleich die Existenz von Palästinensern überhaupt ablehnen, sondern selbst ganz Palästina für sich allein beanspruchen – was sag ich, Palästina? Jordanien, den Sinai und Ostägypten und etliches mehr zählen sie gleich dazu. Entsprechend sind die Aussagen der Anti-Palästina-Fraktion einzuschätzen.

Reichlich blindwütig hetzt nun die Berliner Zeitung gegen die Konferenz: „Hamas erwartet tausende Anhänger in Berlin“ und erklärt die Hamas gleich zum Organisator der Konferenz. Ein wenig riecht das nach Verschwörungstheorie. Denn Tatsache ist nun mal, dass Hamas diese Konferenz nicht organisiert. Also wird frech behauptet, jaaa, das sei ja nur Tarnung, weil „zu offene Sympathiebekundungen für die Hamas ihrem Anliegen schaden könnten„, aber eigentlich … dafür führten sie an, dass ja auch der stellvertretende Parteivorsitzende der türkischen AKP dort spreche und in der Türkei, da unterhalte die Hamas ja ein Büro – geht man fehl in der Annahme, dass die Berliner Zeitung es wohl gerne hätte, wenn Deutschland mit diesem Argument gleich die diplomatischen Beziehungen zur Türkei abbräche?

Nichts desto trotz, die üblichen Verdächtigen von der Israel-Lobby und der Antideutschen Front mobilisieren natürlich für eine Kundgebung gegen den Palästinenserkongress. Nun, das ist nichts besonderes. Demonstrieren tun die jedes Wochenende, mindestens, mal gegen diesen, mal für jenen, andere gehen in den Sonntagsgottesdienst, die Antideutschen und jungen Israel-Lobbyisten (nicht selten sind sie beides in Personalunion) gehen eben demonstrieren. Es gehört zu ihrer Folklore.

Ein Dialog mit Volker Beck / A Dialog with Volker Beck

Dieser Twitter-Dialog ist so exemplarisch, dass ich ihn in Deutsch und Englisch verblogge.

Zwar tauchen auch hier die immer wieder gleichen Argumente der Zionisten auf, die Individualität vermissen lassen, doch ist es ganz praktisch, hierüber mal wieder einen komprimierten Überblick zu haben.

Starring Volker Beck
Starring Volker Beck

Volker Beck, Grüne, geboren 1960 bei Stuttgart, ist seit 1994 Mitglied des deutschen Bundestags für Köln (zu meinem Bedauern, muss ich sagen). Dazu für seine Fraktion innenpolitischer Sprecher und Sprecher für Religionspolitik. Aber auch noch Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages.

Volker Beck ist schwul. Bekennend schwul. Und für Schwulenrechte hat er sich stets tapfer eingesetzt und dabei durchaus schon mal einen Stein an den Kopf oder kurzfristig Haft abbekommen.

Portrait
Starring Otla Pinnow

Der Kontrahent bin ich selbst, Otla Pinnow.

This dialog on Twitter is such a show case that I put it on my blog, both in German and English.

Even here always the same arguments of the Zionists pop up over and over again; a lack of individuality, but it comes in handy to get once again a condensed overview.

Volker Beck, Grüne (Green party), born in 1960 in Stuttgart, since 1994 member of the German Bundestag for Cologne (to my regret, I must say).  Also home affairs spokesman and spokesman for religious policy for his group. But also Chairman of the German-Israeli Parliamentary Group of the German Bundestag.

Volker Beck is gay. Confessing gay. And he has done well bravely for gay rights , even when he had gotten a stone on the head or short-term detention.

The counterpart is me, Otla Pinnow.

So let’s start.

T1

Beck: Demonstration 12.4. 13:00 through Berlin-Neukölln against homophobia. We have the right to live how we are.

T2

Stephan Lubs: Is it not that you can live how you are? You want a law obligating everyone to see gays/lesbians/shemales great?

Beck: Hostility towards human beings related to their peer group shall not be tolerated, neither from far right wingers nor from islamists or haters from the center.

T3

T4

Pinnow: The worst baiting I ever met in life was from anti-germans („Antideutsche“) and far right zionists. For such people, I only have naked contempt.

T5

Beck: Is this also true for Hamas? #naked contempt

T6

Pinnow: We have nothing to do with Hamas. The continuous efforts to refer to Hamas as an excuse, are just laughable.

T7

Pinnow: Belongs to set ritual by the way. When „nazi“ (as roorback) becomes non-credible, they take Hamas instead.

T8

Beck: Who is „You“? („We“)

T9

Pinnow: Modern Arab democrats. There is Arab Spring also in Palestine.

T10

Beck: What has this to do with forced marriage in Neukölln (cause of demonstration)

T11

Pinnow: You were the one to mention far right, islamists and haters from the center.

T12

Beck: Hamas are not islamists?

Pinnow: Surely they are. But here subject is haters.

Beck: Just that, Hamas are also haters. Objects of their hatred are democrats, the PLO, jews, LGBT (lesbian, gay, bisexual and transgender people), emancipated women.

T15

Pinnow: „But, but, but look, what he did“ is kindergarden level. By the way, you forgot the zionists. Hamas holds off very. I was not yet flamed by them.

T14

Beck: Send me the link to Hamas Human Rights violations on imemc.org – I did not find anything about that.

T27

Pinnow: Since when is it up to you to order with what IMEMC has to deal with?

T16

Beck: Who defames zionism (home of the jews) as such has a rafter loose or is an anti-semite.

Pinnow: That’s a legal question. And not of some books holy for somebody, but of law of nations. My family are Libyans. Also Libya was once claimed by Italy as their property referring to ancient Rome

T17

Beck: According to the law of nations the borders from 1967 are not questionable. Member of UN – but Hamas doesn’t care about it.

T18

Pinnow: #AskHamas, not me, I don’t belong to Hamas. Of course Israel in the borders of 1967 has to be questioned. At the moment, when she annexes whole Palestine. Then this is no more valid. So depends from Israel. Doesn’t say Hamas, by the way, Kerry said.

T19

Beck: They are also to be questioned when you buckle a dynamite belt on. #stupidArgumentation

T20

Pinnow: I hope the father of your thought was not the wish 🙂 I for sure will not buckle a dynamite belt on.
#stupidArgumentation well, when you just say it yourself – no objections.

T21

Beck: And Israel did not annex West Bank and Gaza.

T22

Pinnow: The far right zionists should recant the belief that one can change facts with words. The West Bank is officially acknowledged occupied. Who wants to speak against that, is doing like in the old car driver joke: watch there is a wrong-way-driver on the highway. – One? Ten, twenty, fifty, hundred! – Gaza is called the biggest open air prison. Since when are prisoner camps autonomic?

T23

Beck: You know the difference between occupied and annexed?

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Surely. But to abrogate facts is like some German right wingers (group Reichsdeutsche) and similar figures do. They say there is no German state because there is no peace treaty. And homelands are against law of nations as well.

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What is called how from whom is irrelevant.

T26

That’s it. Who builds settlements and establishes homelands, annexes and wants to stay. And East Jerusalem  is even very officially claimed as annexed.

Wenn Netanyahu für Meinungsfreiheit demonstriert …

… dann ist dem, der sich auskennt, klar, dass diese Meinungsfreiheit nicht die  Freiheit umfasst, Israel zu kritisieren, besonders per Karikatur.

FRANCE-ATTACKS-CHARLIE-HEBDO-DEMOMit Irritation wurde von vielen registriert, dass in der ersten Reihe der Demonstranten beim unvergleichlichen gestrigen Trauermarsch in Paris nun ausgerechnet auch Netanyahu zu sehen war, der sich u.a. im Gaza-Krieg nicht gerade als Freund der Pressefreiheit ausgezeichnet hatte. Wer das bestreiten möchte, der möge in dieser kleinen Chronik fündig werden. Schon gestern Abend kam u.a. über Haaretz heraus, dass Netanyahu sich selbst eingeladen hatte, aus wahltaktischen Gründen den rechtsradikalen Lieberman und Bennett folgend. Dagegen konnte Frankreichs Hollande nichts machen, ohne gröblichst unhöflich zu werden, denn seiner Bitte, den Palästina-Konflikt, der ja nicht unerheblich zur Militanz der Islamisten beigetragen hat, durch Abwesenheit der ‚Kriegsparteien‘ aus dem Trauermarsch heraus zu lassen, war Netanyahu nicht nachgekommen. Also lud Hollande auch Abbas zur Demonstration ein, um den Eindruck der Einseitigkeit zu vermeiden, und verließ die Synagoge vorzeitig, nämlich, als Netanyahu die dort versammelten Juden aufforderte, doch Frankreich zu verlassen und nach Israel auszuwandern – Hollande hatte genau das Gegenteil verkündet, nämlich, dass Frankreichs Juden selbstverständlich auch zu Frankreich gehören und von ihm ebenso geschützt und verteidigt werden, wie jeder andere Bürger auch.

Netanyahu Cartoon
Umstrittene Karikatur in der Sunday Times

Dass Israel sich einen feuchten Kehricht um die Meinungsfreiheit schert, sofern man sich die Freiheit nimmt, Israel zu kritisieren, wurde ja hier schon dargelegt. Von daher kann man die erzwungene Teilnahme israelischer Regierungsmitglieder an dieser Demonstration nur dreist nennen. So beschwerte sich Israel 2013 hoch offiziell, nämlich über seinen Botschafter in London, über die ehrwürdige Sunday Times wegen einer angeblich antisemitischen Karikatur. Wieder einmal wurde die „rote Linie“ beansprucht, die überschritten worden sei – und selbstverständlich wiederum unter Beteiligung von Israels Pitbull, dem Simon-Wiesenthal-Zentrum, und der vielleicht bedeutendsten Israel-Lobby-Organisation, der ADL. Es folgt eben immer dem gleichen Schema. Die Israel Times berichtete darüber, auch, dass die Sunday Times hier gar keinen Antisemitismus erkennen könne, denn die Karikatur kritisiere einzig Netanyahu, noch nicht mal Israel und mit dem Judentum habe sie nun überhaupt nichts zu tun.

Sa'aneh
„Die Welt und die Flüchtlinge“ Karikatur von Saba’aneh, Januar 2015

Mit solchen Protesten gibt man sich im Falle palästinensischer Karikaturisten in Israel gar nicht erst ab. So verbrachte der palästinensische Karikaturist Mohammad Saba’aneh letztes Jahr fünf Monate in Israels Gefängnis. Dabei ist er weder Israeli, noch war er in Israel; er wurde schlicht und einfach beim Grenzübertritt von Jordanien nach Palästina festgenommen – von israelischen Kontrollen. Müßig zu fragen, was israelische Grenzer an der Grenze zwischen Jordanien und Palästina zu suchen haben.
Nachdem sie allerdings nichts Brauchbares bei ihm fanden, wurde er der Kontakte zu Hammas beschuldigt. Die ihn freilich nicht sonderlich schätzt, weil er auch über sie seine Witze gemacht hatte. Nichts desto trotz, Hammas geht bei Israel ja immer und Saba’aneh hat einen Bruder. Der ist bei der Hammas. Der hat ein Buch heraus gegeben und die Illustrationen dazu hatte Mohammad Saba’aneh beigesteuert. Familiäre Bande reichen in Israel offenbar für Knast.

header4Aber es gibt auch die härtere Version. Schon 1987 wurde der palästinensische Karikaturist Nadschi al-Ali (hier der entsprechende Wikipedia-Artikel) in London ermordet, mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Mossad, woraufhin die damalige Premierministerin Margaret Thatcher verärgert das Londoner Mossad-Büro schließen ließ.

Al-Ali ist Schöpfer des beliebten palästinensischen Flüchtlingsjungen Handala, den die palästinensische BDS-Bewegung zu ihrem Symbol genommen hat.

 

Update 15.01.2015

Israels Regierungspropaganda macht langsam einen hysterischen Eindruck. Gestern publizierte der britische Guardian einen Artikel über Israels Protest gegen einen Tweet des britischen Parlamentariers David Ward, der während des Pariser Trauermarschs tweetete: „#Netanyahu beim Pariser Marsch – wie??? Mir wird schlecht“ und „Je suis #Palestinian“. Eingeschaltet wurde sogar der Israelische Botschafter, der meinte, dieser Tweet würde Israel delegitimisieren und den Terror unterstützen (merke: wer Netanyahu angreift, ist auch Antisemit, denn Netanyahu ist Israel und Israel ist das Judentum).

Die Reaktionen der anderen Seite

Drawing Muslim JewsDie andere Seite – das sind die Nicht-Europäer, vor allem die Menschen in Nah-/Mittelost und Afrika.

Nein, die andere Seite sind nicht IS oder el-Qaeda. Es ist absolut lächerlich, das auch nur zu denken. Denn man kennt die bestens in Nah-/Mittelost und auch in Afrika. Will man hier wirklich annehmen, den Menschen in dieser Region sei es egal, wenn man ihre Mütter, Väter, Brüder und Schwestern, ihre Kinder auf dem Markt in die Luft sprengt? Ihre Mädchen entführt und zwangsverheiratet, ihren jungen, fleißigen, bestens ausgebildeten Frauen Berufsverbot erteilt? Ihre Söhne in’s Gefängnis wirft, auspeitscht, köpft? Das gar noch gut findet und unterstützt? Was ist es für ein Affront, Muslime, die in erster Linie Opfer dieser militanten Islamisten sind, unter den Verdacht zu stellen, sie würden ihren Mördern Handreichungen leisten!

Sending love
„Sending love“

Gerade sie verstehen sehr gut, was es heißt, von Attentaten unmittelbar betroffen zu sein, von Toten, von dem Angriff auf eine freiheitswillige Gesellschaft und ihren Staat. Es dauerte nur wenige Stunden, da ging diese Zeichnung als Reaktion um die Welt und der palästinensische Abgeordnete Mustafa Barghouti verbreitete noch am 7. Januar, dem Tag des Attentats, „Die Palästinenser sind geschockt, wütend und verdammen den schrecklichen Angriff auf französische Journalisten, die Gedanken sind bei ihren Familien.“

Doch die Stimmung hat sich geändert. Nicht, was Attentat und Attentäter und auch das Mitgefühl mit den Familien betrifft. Wohl aber, was die wieder allzu offenbar gewordene schreiende Ungerechtigkeit Europas betrifft, seine schon die Grenze zur Lüge überschreitende Bigotterie, seine Selbstgefälligkeit. Europa verteidigt die Menschenrechte? Auch die derjenigen, die im Mittelmeer ertrinken? Auch die der Kinder, die, während der Schneesturm am südlichen Rand des Mittelmeers tobte, in diesen Zelten leben müssen? Die die Kinder in Gaza dank Israels Verweigerung, die Grenzen zu öffnen, oft  noch nicht mal haben?

SZ Karikatur
Mohr erklärte, er habe „eine überspitzte Zeichnung Mark Zuckerbergs in Kombination mit der Krake aus dem Film ‚Fluch der Karibik‘ dargestellt“.

Am meisten empörte jedoch das bigotte Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. Dass es damit tatsächlich nicht weit her ist, weiß jeder, der sich irgend wann einmal wissentlich oder unwissentlich über Juden lustig gemacht oder gar Israel kritisiert hatte. Beispielhaft hierfür die angeblich antisemitischen Karikaturen der Süddeutschen Zeitung. Ein absurder Vorwurf, wie auch SPON berichtete. Die Angriffe, vor allem von Seiten des berüchtigten Simon-Wiesenthal-Zentrums, führten dazu, dass die SZ umgehend zu Kreuze kroch – wenn von Selbstzensur und Schere im Kopf die Rede ist, sollte man vorrangig an so was denken. Manchen sich links nennenden Israel-Fanatikern gilt es sogar bereits als antisemitisch, wenn man das internationale Finanzkapital angreift; denn angeblich habe man dabei nichts anderes im Kopf, als eine Hand voll jüdischer Akteure. Wird Zeit, hier einmal Aluhüte zu  verteilen. Man kann davon ausgehen, dass Vertreter des internationalen Finanzkapitals gegen eine derartig absurde Immunisierung gegen Kritik nichts einzuwenden haben; wobei man freilich nicht übersehen sollte, dass hierzu vorrangig auch die der Deutschen Bank gehören.

Breivik
„Erinnert sich wer daran, wie die Medien eine große Sache daraus machten, dass er ein Christ ist? Nein? Ich auch nicht.“

„Der demonstrative Schrei für freie Rede ist edel, aber heuchlerisch“ titelt die londoner Schauspielerin und Fotografin Alexandra Chaloux in ihrem lesenswerten Blogpost auf der britischen Huffington Post. Mag es missverstandene Solidarität mit den Opfern des Attentats sein, aber die Stimmen, die sich gegen diese Heuchelei wenden, sind doch recht leise. Dass eine gewisse Unterwürfigkeit wohl die Ursache sein dürfte, eine Selbstzensur, freilich in anderer Richtung, zeigt die ebenso leise Reaktion auf die Weigerung der meisten renommierten internationalen Medien der USA, die Karikaturen aus Charlie Hebdo abzudrucken, hier in einem Reuters-Artikel erklärt. Was soll man dazu auch sagen? Selbstzensur aus Angst ist es ja nicht, wenn argumentiert wird, das Zeigen dieser Karikaturen sei respektlos und die Entscheidung, sie nicht abzudrucken, letztlich eine Frage von Manieren.

Journalisten in Gaza getötet
„Wo waren die ‚Freiheit der Rede‘-Leute, als 17 Journalisten 2014 in Gaza von Israel abgeschlachtet wurden?“

Das Netz reagierte auf diese Bigotterie mit Gegenüberstellungen: „Konservative Christen nennen extremistische Christen rechtsradikale Bekloppte. Aber ein muslimischer Extremist ist ein muslimischer Terrorist. Entweder beide gleich oder gar nicht“. In der Tat hatte auch Breivik sich selbst als einen christlichen Soldaten bezeichnet und dieser (übersetzte) Tweet zeigt genau das Problem: jeder Moslem, der sich schlecht benimmt oder gar straffällig wird, wird automatisch mit allen Muslimen gleich gesetzt. Und auch das hat eine Parallele in der Judenverfolgung: was immer an einem jüdischen Individuum negativ auffiel, ob Selbstsucht, Schmuddeligkeit, krimineller Wucher oder gar ein Attentat, wurde als Eigenschaft allen Juden zugeschrieben.  „Wenn John einen Menschen tötet, wird John die Schuld gegeben. Aber wenn Ali einen Menschen tötet, wird dem Islam die Schuld Greenwaldgegeben?“ Ja, es ist das alte Muster. Es wäre dringend an der Zeit, dass das Abendland das mal als eine weniger erfreuliche offenkundige Spezialität seiner Kultur untersucht. Denn dieses fast schon wie eine fixe Idee erscheinende Vorurteil kann Murdochwahrhaft absurde Blüten treiben, wie auch Glenn Greenwald feststellte. Denn da stieß CNN’s Nachrichten-Moderator Don Lemon den Menschenrechts-Aktivisten und Anwalt Arsalan Iftikhar, der zuvor ausführlich dargelegt hatte, dass und warum das Attentat von Paris auch aus Sicht des Islam nicht zu rechtfertigender Mord sei, mit der Frage vor den Kopf, ob Iftikhar ISIS unterstütze. Was ebenso auf ein weit verbreitetes Phänomen weist: Muslime können sich von extremistischen Terroristen so oft distanzieren, wie sie wollen – es wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Als ob die Islamophoben dafür taub wären. Jüngstes Beispiel: der Zeitungsmogul Ruppert Murdoch.

Titel 2
„Boko Harams Sexsklavinnen sind wütend: Hände weg von unserer Sozialkasse!“ (Anspielung auf Schwangerschaften, um Transferleistungen zu erhalten)

Man möge sich nicht vertun. Die Kritik an der Bigotterie des Abendlandes, speziell Europas, beschränkt sich nicht auf Palästina, Irak, Syrien. Schon der Umstand, dass einer der Attentäter aus dem am Südrand der Sahara gelegenen Mali stammt, weist auch auf andere Regionen. Aus Schwarzafrika kam die Kritik an dort als klar rassistisch empfundenen Karikaturen des Charlie Hebdo, woran auch teilweise schwer um die Ecke denkende Rechtfertigungsversuche nichts ändern können. Damit wird natürlich nicht das Attentat relativiert. Wohl aber die Selbstidentifizierung mit Charlie Hebdo mit dem Satz „Je suis Charlie“ – verständlich für die Franzosen, doch unterstelle ich, dass ein Großteil derer, die sich unter diesen Satz stellen, von Charlie Hebdo’s Publikationen nicht die geringste Ahnung haben. Das übrigens mit einer Auflage von nur 30.000 nur noch ein Schatten seiner einstigen Größe war, denn auch der wegen angeblichen Antisemitismus gefeuerte Zeichner Sine hatte bei seiner Neugründung einiges an Lesern mit genommen. Man muss wohl nicht weiter erwähnen, dass Charlie Hebdo in diesem Falle Sines Berufung auf die Meinungsfreiheit nicht weiter  zur Kenntnis nahm.

Algerienkrieg
Französische Algerienkrieger präsentieren Köpfe getöteter Algerier

Algerier gruben alte Fotos aus dem Algerienkrieg (1954-1962) aus, und die sind durchaus nicht uninteressant, zeigen sie doch, dass die Greueltaten von IS keineswegs ein Rückfall in das Mittelalter sind, denn dieses hier liegt gerade mal gut 50 Jahre zurück und auch Abu Ghoreib und die Drohnenmorde ohne Rücksicht auf zivile Opfer zeigen, dass das Mittelalter, wenn wir denn davon sprechen wollen, auch im Abendland nicht so lange vergangen, wie man sich erträumt, vermutlich sogar hier genau so präsent ist, wie bei den islamistischen Extremisten.

Charlie Hebdo bezeichnete sich selbst als Anhänger des schlechten Geschmacks. Nun gut. Mit einer Satirezeitschrift, die schlechten Geschmack verbreitet, kann auch die große Mehrheit der Muslime leben; sie müssen es ja nicht lesen. Das ist nicht der Stein des Anstoßes. Es ist die Einseitigkeit, die empört. Dass Freiheit, Demokratie, Recht und Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit bis hin zum Recht auf Leben nur für eine Seite der Menschheit gelten, ganz in der Tradition des britischen puritanischen Diktators Oliver Cromwell, der die Demokratie entschieden verteidigte, allerdings nur die der Puritaner, denn nur die Puritaner galten den Puritanern als Heilige und nur Heilige konnten über die Welt entscheiden. Die katholischen Iren wussten, was das heißt, denn sie wurden von den heiligen Puritanern hingeschlachtet.

Deswegen mit dem Anspruch der Redefreiheit für die ganze Welt zum Abschluss zwei  gleichermaßen geschmacklose Karikaturen:

Koran ist Scheiße
„Der Koran / Charlie Hebdo ist Scheiße. Er hält die Kugeln nicht ab.“

Nachspiel zum #Toilettengate

Blumenthal
Max Blumenthal

Zur Affäre Blumenthal/Sheen/Gysi gibt es nun ein interessantes, wenn nicht gar amüsantes Nachspiel.
Die ehrwürdige New York Times, eigentlich als eher recht israelfreundlich bekannt, hat nämlich ein Verbrechen begangen: sie hat nicht dem über Blumenthal und Sheen von den Zionisten verhängten Bann gehorcht und einen kleinen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht.

Was die streng zionistische New Yorker „The Algemeiner“ am 08. Dezember zu einer Beschwerdetirade veranlasste: damit, dass sie einen Artikel von Max Blumenthal veröffentlicht habe, habe die New York Times eine rote Linie überschritten (mal wieder rote Linie. Als ob die Zionisten für andere Leute rote Linien festlegen könnten).
Es ist nicht der einzige Beschwerdeartikel von dieser Seite.

Tweet
„Gregor, komm raus aus dem Scheißhaus, du bist erwachsen!“

Zunächst nennt The Allgemeiner die Toilettenszene einen „versuchten gewaltsamen Anschlag auf Gysi“. Oha. Das sieht doch wieder mal danach aus, dass Einer behauptet, die Gedanken eines Menschen besser zu kennen, als dieser selbst. „Zu Dionys, dem Tyrannen schlich Damun, den Dolch im Gewande…“ – dem Antizionisten ist eben alles zuzutrauen.
Die üblichen Beschimpfungen dürfen als Garnitur dieser Diffamierung natürlich auch nicht fehlen: Max Blumenthal sei ein „antisemitischer Propagandist“ und die New York Times habe die Untat begangen, ihm durch Aufnahme seines Artikels die Möglichkeit zu geben, seine „besudelte Reputation“ zu retten.

Es ist symptomatisch, dass The Algemeiner auf Rabbi Abraham Cooper vom berüchtigten Simon Wiesenthal Center verweist, eben das, dem der ebenso berüchtigte Henryk M. Broder so gerne zuarbeitet und das als Ergebnis lächerlicherweise Jakob Augstein auf seine Liste der 10 gefährlichsten Antisemiten setzte. Gemeinsam übrigens mit Max Blumenthal, was die Sache doch ganz erheblich relativiert. Cooper begrüßt eine Diskussion über das neue Gesetzesvorhaben, Israel zu einem jüdischen Staat zu erklären mit auf Tora und Talmud basierenden Gesetzen. Aber da dürften nur manche mit diskutieren, keine Leute wie Blumenthal, der die Zionisten für Rassisten hält.

Das kennen wir. Es gibt ja auch in Deutschland Leute zur Genüge, die verkünden, selbstverständlich dürfe man Israel kritisieren und das sei sogar erwünscht. Nur darf das eben nicht jeder, sondern nur jemand, der den Zionismus nicht kritisiert.

Ebenso wohl bekannt ist die von Zionisten gern geübte Sippenhaft, diesmal die echte Sippe in Form seines Vaters, des GoliathClinton-Beraters Sidney Blumenthal. Der besaß doch tatsächlich die Frechheit, eine Party zur Vorstellung des Buches seines Sohnes zu schmeißen!
The Algemeiner macht allerdings noch eine neue Dimension dieser Sippenhaft auf: Max Blumenthal habe sich nämlich mit den beiden berüchtigten US-Neonazis Dave Duke und Frasier Glenn Cross zusammen geschlossen. Begründung: die beiden hätten ihn lobend erwähnt. Da kann man ja für die Zionisten nur hoffen, die beiden kommen nicht auf die Idee sich mal dahingehend zu äußern, dass Netanyahu die Haare schön habe. Dem müssten unweigerlich Rücktritt und Staatskrise folgen. Wer sich über den Tenor dieses ‚Lobes‘ unterrichten will, kann dies hier tun: er „respektiere Blumenthal mehr als weiße christliche Zionisten“ und „Jude Max Blumenthal hat was Gutes über Palin zu sagen„, nämlich, dass sie Verbindungen zur Theorie der überlegenen weißen Rasse (White Supremacy) habe. Eine Theorie, die nicht nur Blumenthal und das nicht zu Unrecht mit der nationalreligiösen zionistischen Theorie der angeblichen Überlegenheit des jüdischen Volkes (?) vergleicht.

Kleine Perfidie am Rande: erwähnt wird auch, dass Frasier derzeit unter Mordanklage steht. Man darf dann phantasieren, was Blumenthal mit seinem „versuchten gewaltsamen Anschlag“ vorgehabt haben mag. Ja, diese Zionistenpropaganda ist eine ziemlich dreckige Angelegenheit, was aber wohl nur der vorbehaltlos unterschreibt, der sie täglich erlebt, denn man kann sich nicht alles denken. Und je mehr Israels Politik international unter Beschuss kommt, um so dreckiger wird sie.

P.S.: wer sich von Max Blumenthals journalistischen Qualitäten überzeugen möchte, sollte sich die Mühe machen, diesen langen und kenntnisreichen Artikel auf der renommierten Alternet (nicht zu verwechseln mit dem rechtsradikalen Altermedia) zu lesen. Er enthält eine Menge kluger Analysen zu geschichtlich begründeten deutschen Spezialitäten.