Von der Ethik der Israelkritik

Vom deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird heute die Buber-Rosenzweig-Medaille an den 68-jährigen Erziehungswissenschaftler und Publizisten Micha Brumlik verliehen. Zwar verließ er lt. Domradio Israel nach zwei Jahren Aufenthalt wegen seines Imperialismus als Antizionist, bezeichnet sich jedoch heute als Postzionist, was zu relativieren ist; trat er doch aus der Partei die Grünen aus, weil die sich gegen Waffenlieferungen an Israel aussprach.

Ich erwähne ihn allerdings deswegen, weil er eine relativ alte und deswegen kaum noch gehörte, nichts desto trotz im Denken wirkmächtige zionistische Argumentation vorbringt.

Als „Störpunkt“ im christlich-jüdischen Dialog bezeichnet er in einem heutigen Interview auf WDR 5 nämlich die Frage, inwieweit „die Auseinandersetzung über die israelische Siedlungs- und Palästinapolitik Gegenstand auch christlich-jüdischer Gespräche sein kann oder nicht„:

Und etwas ähnliches (eine gewisse Störquelle) wird man auch im Bereich menschenrechtlich und völkerrechtlich engagierter protestantischer Christen beobachten können, die in einer oftmals, lassen Sie es mich so sagen, gesinnungsethischen Art und Weise die israelische Politik glauben, kritisieren zu müssen, was natürlich ihr gutes Recht ist; was nur auffällt ist, dass dieser Konflikt, der im Vergleich mit alledem, was uns zur Zeit beschäftigt, Gott sei Dank doch eher gering ist, unverhältnismäßig stark in den Vordergrund tritt.

Gesinnungsethik, da dürfte Brumlik auf Max Weber anspielen, der sie in den Bereich der politischen Ideologie einordnete, die nicht nach den Folgen einer angeblich moralisch gebotenen Handlung fragt, sondern nur danach, ob sie der reinen ideologischen Lehre folgt. Er stellt sie in den Gegensatz zur Verantwortungsethik, die die Qualität einer Handlung an ihrem Erfolg misst.

Nun steht tatsächlich beides nur im Falle politischer Ideologien im Gegensatz zueinander. Gesinnungsethiker war ohne Zweifel Kant, wenn er einzig den guten Willen als gut ansah. Allerdings war für ihn für die moralische Qualität einer Handlung schon deren Konsequenz ausschlaggebend – nur eben nicht die positive Konsequenz für den Handelnden.

Wenn Brumlik von Gesinnungsethik spricht, dann suggeriert er also, die Protestanten würden Israel nur aufgrund ihrer christlichen (antijüdischen?) Ideologie kritisieren, ungeachtet der Folgen, die ein Handeln nach ihrer Kritik hätte.
Nur: welche Folgen wären das denn? Es wäre die Anerkennung der Gleichberechtigung der Palästinenser, ja, Araber und Muslime überhaupt, damit die Anerkennung ihres Selbstbestimmungsrechts – und auch die Anerkennung der Tatsache, dass Menschen allüberall auf der Welt auf Unterdrückung, Missachtung, Demütigung, Zerstörung ihres Lebensraumes gleich reagieren: nämlich mit sich zu tödlichem Hass steigernder Wut, die man mit Sicherheit nicht dadurch abbaut, dass man die zu diesem Verhalten führenden Reize verstärkt.
Gesinnungsethisch – sofern man da überhaupt von Ethik sprechen mag – wäre dann bestenfalls die israelische Seite, die ihre religiös begründeten höherwertigen Ansprüche gegenüber den Palästinensern durchzusetzen trachtet – ohne Rücksicht auf die sich zwangsläufig ergebenden menschen- und völkerrechtswidrigen Folgen.

Demgegenüber wäre die Folge des von den protestantischen Israelkritikern verlangten Handelns ein unabhängiger Staat Palästina und das ist nun allerdings ein Ziel, das seit Jahrzehnten von der Weltgemeinschaft UNO vertreten wird.

Und dann führt Brumlik noch ein altes Hasbara-Argument an: die angeblich geringe Bedeutung des Palästina-Konflikts für die Welt – weswegen jede Israelkritik grundsätzlich im Verdacht des Antisemitismus stehen soll. Das ist natürlich völliger Unsinn, denn tatsächlich ist der Palästina-Konflikt der älteste und wohl auch gefährlichste Konflikt, den wir überhaupt auf der Welt haben. Von ihm nämlich sind nicht nur alle Araber, sondern auch alle Muslime betroffen, handelt es sich doch um ihren geheiligten Boden, Dar-ul-Islam, und vor allem um ihre heiligen Stätten el-Aqsa-Moschee und Felsendom, die im Begriff sind, von Israel annektiert zu werden. Islamophobie, Flüchtlingsproblem, Terrorismus-Problem, gar die Gefahr nuklearer Auseinandersetzungen wegen Iran oder einer Konfrontation zwischen West und Ost, in all diese Probleme spielt der Palästina-Konflikt hinein oder ist das, was sie überhaupt ausgelöst hat – die Frage ist, welcher Konflikt denn wohl größere Bedeutung in der Welt habe und dringender zu lösen wäre?

Nun fragt sich: was hat dies alles mit christlich-jüdischem Dialog zu tun?
Nichts. Es sei denn man anerkennt, dass die Auffassungen von Gläubigen einer Religionsgemeinschaft Verbindlichkeit auch für alle anderen haben könnten, die dieser Religion nicht angehören. Dass also politische Ziele einer Religionsgemeinschaft Bestandteil dieser Religion seien und folglich auch unter dem Schutz der Religion stünden. Das ist natürlich völlig indiskutabel. Man stelle sich vor, wir sollten Köpfen von Andersgläubigen oder Dissidenten akzeptieren oder müssten Kontakte zu bestimmten Kasten untersagen. Oder anerkennen, dass fromme evangelikale Christen sich an die Bibel halten, wonach die schwarzen Nachkommen des gottverfluchten Ham auf ewig die Sklaven der anderen Nachkommen Noahs zu sein hätten. Undenkbar.

Unser Völkerrecht ist säkular. Nicht in dem Sinne, dass es sich nicht um Religionen schert und sie ablehnt, sondern in dem Sinne, dass es einbezieht, dass es verschiedene mächtige Religionen gibt und dass es keinen Frieden in der Welt geben kann, wenn man irgend einer dieser Religionen einen höheren Stellenwert einräumt, als den anderen. Dies war einst der Fall – es führte zur höchst unrühmlichen Geschichte eines erobernden, mordenden, versklavenden Christentums zur höheren Ehre Gottes.

Es gibt einen bestimmten Kanon  von Grundwerten, die humane Ethik, auf die sich letztlich alle selbständig menschlich Denkenden einigen können, sich darauf geeinigt haben, wir nennen diesen Kanon die Menschenrechte. Zuweilen stehen sie als westliche Werte unter Kritik. Nun, das braucht uns nicht weiter zu stören. Mag man sie hier und da ein klein wenig anders formulieren wollen, der Kern bleibt gleich, weil es nun mal die gleichen humanen Werte sind, die den Menschen zum Menschen machen und die auch von allen Religionen für heilig erklärt worden sind. Auf diesem Kanon basiert unser Völkerrecht. Das sollte uns bewusst sein. Es sollte uns bewusst sein, was wir in Wirklichkeit tun, wenn wir Völkerrecht mal eben außen vor lassen: wir scheren uns dann nicht um die humanen Werte, um das Menschliche schlechthin.

Und dann fragen wir nochmals nach Gesinnungs- und Verantwortungsethik: ist es verantwortbar, das Völkerrecht zu missachten, das im Falle des Palästina-Konflikts eine Zweistaatenlösung mit bereits definierten Grenzen vorsieht, weil man aus eigenem Schuldgefühl heraus (das sich freilich nicht auf z.B. ehemalige schwarzafrikanische Sklaven erstreckt) religiös begründeten Ansprüchen im Wesentlichen europäischer Juden einen höheren Rang einräumt, als den sachlich begründeten Ansprüchen eines nicht-europäischen Volkes?

So gesehen …

Herrscher der Welt

Vor paar Jahrzehnten nahm der Botschafter meinen Mann als jungen, noch grünen Diplomaten zwecks Ausbildung mit zu einer deutschen Großbank. In einem Frankfurter Hochhaus natürlich. Hoch oben, etwa im 34. Stock, residierte der – ja, wie soll man ihn nennen? Der König? Der Herrscher? Der Cäsar?

Audienzen gab er in einem riesigen Saal, in dem als Thron sein Schreibtisch stand, mit Blick über die Stadt, urbi et orbi. Nur wenigen gab er eine Audienz. Noch lange nicht jedem armen Schlucker, wie etwa einem Staatchef aus Schwarzafrika oder Bangladesh. Aber mein Mann und sein Botschafter vertraten ein reiches Ölland, da ging das in Ordnung. Obgleich damals schon zu erkennen war, dass der Herrscher dieses Öllandes ein verrückter, kleptokratischer Tyrann war. Das jedoch hatte keinen Einfluss auf die Geschäftsbücher.

Mein Mann war Wirtschaftswissenschaftler und mitgenommen worden war er, um aus eigener Anschauung zu verstehen, wo tatsächlich die Macht saß, wie es sich anfühlt, ihr zu begegnen. Dass sie in den Großbanken sitzt. Denn die haben ein Wirtschaftsvolumen, das das Bruttosozialprodukt der meisten Staaten weit überschreitet. Durch sie wird die Welt eingeteilt in Schuldnerländer und Geberländer und bei den Schuldnerländern wird die Souveränität schlicht und einfach abgeschafft. Die Souveränität eines Staates besteht nur unter Vorbehalt. Ein Beispiel dafür haben wir gerade vor Augen: Griechenland.

Von daher ist die Politik Merkels durchaus im Interesse Deutschlands. Aufgrund seiner Wirtschaftskraft ist Deutschland Geberland, hat also was zu sagen in der Welt. Freilich darf man nicht nach dem Preis fragen. Denn gespart wurde am eigentlichen Souverän, dem  Volk. Vor allem an den Löhnen, die in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten relativ sanken, natürlich an sämtlichen Sozialleistungen und an den Investitionen, die die Bürger am meisten betreffen: den Kommunen. Aber damit hat Deutschland sich einen Platz an der Sonne erkämpft, der, schaut man genau hin, allerdings etwas wackelig ist. Denn der Platz ist abhängig vom Export. Und der wiederum von der Importbereitschaft anderer Staaten.

Das System ist brutal. Ein System, das sich nicht um Menschen schert, sondern einzig um das, was sich in wirtschaftlichen Kennzahlen niederschlägt. Wenn man zum Bewirtschaften nur einen Teil einer Bevölkerung braucht, dann muss der andere eben sehen, wo er bleibt, so, wie der Staat, der diesen Teil dann zu finanzieren hat. Er muss halt zusehen, ob er sich den Luxus leisten kann, seinen Bürgern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Ob unser Staat das noch kann? Na ja, ob das Niveau menschenwürdig ist, mag dahin gestellt bleiben, aber immerhin, so einigermaßen geht’s noch.

Im Gegensatz zu Griechenland. Im Gegensatz zum größten Teil Südeuropas. Im Gegensatz zu – Großbritannien.

Dies ist nicht die Welt, die wir uns vorstellen. Es ist auch nicht die Welt, wie sie das Grundgesetz sich vorstellt. Die Frage ist, wie man das ändern kann. Das ist nicht leicht. Und der einzige, der dies ändern kann, ist der jeweilige Souverän, das Volk. Das sich damit freilich gegen das eigene System stellen muss, die eigene Regierung und ihre eingespielten Auswahlmechanismen, die das Machtspiel der Banken mit spielt. Gegen ein pervertiertes System von heran gezüchteten Berufspolitikern, korrumpiert durch das Wissen um ihre Zugehörigkeit zur Systemelite. Ein System, das stets in gleicher Weise vorgeprägte und erzogene Leute an die Schaltstellen berufen lässt, unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Tatsächlich steuern wir wohl nach dem Abbau des Parlaments als dritte Gewalt nun auf ein Einparteiensystem zu, auch wenn aus Tradition unterschiedliche Namen angeblicher Parteien zumindest noch einige Zeit erhalten bleiben dürften.

Agieren statt reagieren, das ist das Bewusstsein, das eine Politik schaffen muss, die sich für Bürgerrechte im Sinne des Grundgesetzes einsetzen will. Meckern, Motzen, beim Kneipenabend den Stammtisch mit den Fäusten bearbeiten hilft da ebenso wenig wie Demonstrationen gegen ein Häuflein angeblicher oder tatsächlicher Nazis. Das ist weiter nichts als Beschäftigungspolitik. Agieren setzt aber voraus, dass man darin einen Sinn sieht. Man muss erklären können, wo genau die Interessen der Bank nicht die Interessen von Lina Braake sind. Wo man als Bürger wirksam ansetzen kann. Nicht mit dem Moralischen, sondern im eigenen Interesse, welches durchaus auch ein Menschliches ist. Noch lange nicht jeder Bürger ist der Auffassung, dass Geiz geil ist.

Genau das meint Artikel 21 Grundgesetz mit den Worten:

Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.

Und selbstverständlich auch, wohin die Reise geht. Nämlich zu Artikel 20 des Grundgesetzes:

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.

Auch Völker haben so ihre Erfahrungen gesammelt, denn sie bestehen aus einem Schwarm einzelner denkender Menschen. Insbesondere die Deutschen haben die Erfahrung, dass Diktaturen keine Alternative sind, gleich, welche Ideologie und welches System sie propagieren. Wenn ein kleines Extremistenhäuflein immer wieder Wolf, Wolf schreit und mit dem Finger auf die anderen Extremisten weist, ob Rechtsextremisten auf Linksextremisten oder Linksextremisten auf Rechtsextremisten, das bleibt sich völlig gleich. Eine Alternative sind sie beide nicht. Und außerdem wird unser demokratisches System von ganz anderer Seite bedroht.

Herrscher der Welt

Spuckilecker und Praxisdeppen

Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) hat sich aufgelöst und das hier mitgeteilt. Das ist nichts besonderes, solche zur extremen Linken gehörenden Gruppen lösen sich immer wieder mal auf. An sich kümmert man sich ja nicht um solche extremistischen Minderheiten – aber in diesem Falle erkennt man schnell merkwürdig Vertrautes.

Die ALB ging aus der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB) hervor. Die gründete sich Anfang der 90er Jahre. Sie war eher pragmatisch orientiert und ihre historische Leistung besteht in der jährlichen Aufführung der Kreuzberger Krawalle zum 1. Mai.

Die AAB spaltete sich 2003. Warum, erklärt sie selber ganz gut in dieser Stellungnahme:

Für die praktische Politik spielt die Frage nach gesellschaftlicher Intervention eine entscheidende Rolle. Während den „InterventionistInnen“ schnell das Mitmachen, die Reproduktion der abzuschaffenden Verhältnisse, das potentiell falsche Verständnis zum Vorwurf gemacht wird, endet die Praxis der „IdeologiekritikerInnen“ oft in Abgrenzung zu anderen Linken und ihrer Politik.

Die „Praxisdeppen“ kündigten also die Kooperation auf, weil sie die Nase voll hatten, dass sog. Ideologiekritiker, selbst Ideologen, sich statt mit praktischer Politik eher damit beschäftigten, Grupppen mit anderen Meinungen  zu exkludieren.

Die Interventionistische Linke (IL) gibt es übrigens immer noch. Sie wird in der Auflösungserklärung der ALB als Nachfolgeorganisation empfohlen.

Antifa schwarzSpaltungsgrund waren die Antideutschen, die eher zum Autonomen Lager tendierten, wie sich schon an der Farbsymbolik der Antifa-Flaggen erkennen lässt. Im Titelbild sehen wir, die der ALB ist rot auf schwarz. Die Antideutschen gehörten dem Lager derer an, die meinen, man bräuchte erst mal eine Theorie, bevor man zu praktischen Aktionen schreiten könne.  Was notorisch zu Spaltungen führt, denn zu einer allseits akzeptierten Theorie kommt es nie.

Die in der Stellungnahme des AAB von 2003 festgestellten Probleme mit den Antideutschen lassen sich fast 1:1 auf die Piratenpartei übertragen. Dort steht:

Der Streit über die „richtige“ Position ist in der Linken ein Bestandteil der Politik, aber ohne die Wahrnehmbarkeit einer praktischen Politik interessiert sich auch niemand für die Positionen, die vertreten werden. Die AAB ist dafür ein gutes Beispiel: Nur aufgrund der praktischen Erfolge unserer Politik wurden auch die Positionen diskutiert.
Dem Anspruch, die Theorie zu verbessern und mit Praxis zusammenzuführen, wurde von den Leuten, die dies einforderten, nicht Genüge getan. Im Gegenteil hat die Art und Weise wie Diskussionen geführt wurden mehr und mehr zu einem Klima geführt, in dem Projekte gegen einen relevanten Teil in Kampfabstimmungen durchgesetzt werden mussten, bestenfalls gab es eine Art „Stillhalteabkommen“. Von einer kontinuierlichen Diskussion um die Weiterentwicklung der Politik konnte keine Rede sein.

Jo, is so. Kommt bekannt vor, ne?
Also spaltete sich die ALB ab und rief erst mal zu einer Demonstration gegen George Bush’s Irak-Krieg  auf, ein Krieg, den die Antideutschen – die „Spuckilecker“, gemeint ist wohl insbesondere die Spucki der USA – entschieden unterstützten. Damit wollte die ALB „Möglichkeiten der politischen Einflussnahme weg von der denunziatorischen Selbstbeschäftigung in einem Teil der Linken“ wieder eröffnen. Um überhaupt wieder politisch handlungsfähig zu sein.

Die „Praxisdeppen“ der Antifaschistischen Linken machten weiter mit Action: sie organisierten u.a. weiter die Kreuzberger Demonstrationen zum 1. Mai unter dem Motto ‚Berlin soll brennen‘, aber auch die Demonstrationen gegen die Nazi-Aufmärsche in Dresden, die letztlich dazu führten, dass der einst größte Nazi-Aufmarsch Europas aufgeben musste. Gewalt hält die Antifa angesichts der angeblich strukturellen staatlichen Gewalt für legitim und nötig, formierte auch den Schwarzen Block und wurde zur „tonangebenden Antifa der Stadt“, wie die taz über sie zum Zehnjährigen schrieb. Allerdings war es nur ein Teil der ALB, die dermaßen auf Gewalt setzten. Die Mehrheit bekannte sich eher zur Interventionistischen Linken, die mehr auf Kooperation mit anderen linken Gruppierungen, auch bürgerlichen, wie Gewerkschaften, setzte, was der militanten Minderheit wohl nicht unterhaltsam genug erschien und nun zur Auflösung der ALB führte.

IL
Banner der IL zum G8-Gipfel in Rostock 2007

Man sollte hieraus nicht den Schluss ziehen, die ALB bzw. das überregionale Bündnis Interventionistische Linke (IL), zu dem auch der ALB gehörte, seien friedlicher Natur. Wir bewegen uns hier im linksextremen Spektrum, in dem nicht mehr über das Ob, sondern nur über das Ausmaß an Gewalt diskutiert wird. Über die AL war dann auch die ALB an der Organisation und Durchführung der doch recht militanten Demonstration gegen den G8-Gipfel 2007 beteiligt, mit einer freilich noch übler militanten Staatsmacht, die immerhin die Bundeswehr einsetzte; sowie auch am wesentlich friedlicher aufgezogenen Schottern des Castor.

Kommen wir nun zum anderen Flügel des ABB, den antideutschen „Spuckileckern“, zunächst die Gruppe „Kritik und Praxis Berlin„, kurz KP.  Viel brachte der offenbar nicht zustande, außer der Organisation einer 1. Mai – Demo in ihrem Gründungsjahr tat sie sich lt. Wikipedia mit der Organisation einer Fete hervor:

Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung organisierte sie am 7. Mai 2005 gemeinsam mit der Wochenzeitung Jungle World ein Open Air-Festival unter dem Motto „Deutschland du Opfer“.

Es handelte sich hier offenbar um den Jungle World Flügel der Antideutschen, der lange schon mit dem Grigat-Flügel der Antideutschen spinnefeind ist. Offenbar fand jedoch die theoretische Arbeit zwecks Vorbereitung der Revolution recht wenig Resonanz, so dass sich die KP 2006 wieder auflöste und als neue Organisation Theorie, Organisation, Praxis (TOP) gründete. Die veröffentlichte 2007, natürlich in der Jungle World, das Statement „Dabeisein ist nicht alles„, das doch einer näheren Betrachtung lohnt.

Anlass ist offenbar der erwähnte Aufruf der ALB/IL zur Demonstration gegen den G8-Gipfel, der der Regierung nicht unerhebliche Kopfschmerzen bereitete. Davon hielt TOP nichts und zitiert sich quasi selbst, nämlich KP:

Anstelle das Verschwinden von Antisemitismus und Antiamerikanismus als a priori auszuweisen, bevor kommunistische Praxis überhaupt erst möglich sei, müsste sich gerade aus deren Existenz jede Notwendigkeit ableiten, die Kapitalismuskritik praktisch werden zu lassen.

Anders gesagt, vor der Revolution müsse das Bündnis mit Israel und den USA stehen; letzteres verbiete natürlich eine Demonstration gegen den G8-Gipfel, an der die TOP aber trotzdem teilnehmen will, um „unsere Kritik an dem falschen Ganzen denjenigen nahe zu bringen, die für uns erreichbar sind„; also in missionierender Absicht. Eine für die Bundesregierung zweifellos sehr praktische Ansicht.

Es ist vorwiegend dieser Flügel der Antifa, der speziell bei den Berliner Piraten eingefallen ist und dort das gleiche Werk betrieb, das er damals schon innerhalb der Linksextremisten versuchte:

Wer nicht Islamisten, Neonazis, landlose Bauern, Hartz-IV-Protestler und Schwarzfahrer zu einer subversiven Masse verwursten will – und sie dadurch gleich macht, weil sie irgendwie alle etwas gegen den Neoliberalismus haben –, dessen Bilanz muss nüchtern ausfallen.

Was nichts anderes ist als die prinzipielle Ablehnung der Kooperation von Menschen mit unterschiedlichen Beweggründen, wie sie schon dem AAB sauer aufstieß, wobei die zuerst angeführten Begriffe „Islamist“ und „Neonazi“ erfahrungsgemäß den ‚Vorteil‘  haben, dass man jeden so bezeichnen kann, dessen Ansichten einem nicht passen. Es ist dann eben persönliche Meinung ohne Beweispflicht.

Und spricht dann im weiteren Text von „Schnittstellen zum Weltbild eines mo­dernen Neonazis„,  Antiamerikanismus und antisemitischen Stereotypen, die man im anderen Flügel angeblich fände, von einer „falschen, verkürzten Kapitalismuskritik, die ja durch­aus Schnittstellen zum Weltbild eines mo­dernen Neonazis aufweist„, also die ganze Bandbreite hinlänglich bekannter Diffamierungen und Verleumdungen, für die die Antideutschen allüberall längst berüchtigt sind.

DWarnschild Zersetzunger Terminus Technicus für diese Tätigkeit ist: Zersetzung.

(Wer dies vertiefen möchte: hier Link zur Erich Mielkes MfS-Richtlinie betreffend Zersetzung, der ganz gut die wohl universale Methode beschreibt.)

 

Auf die interessanten Kommentare – bitte runterscrollen! – wird ausdrücklich verwiesen.

 

 

Die Rache der SED

Die Jagd auf vermeintliche Faschisten und Nazis, die freilich sehr rückwärts gewandt ist und moderne Formen des Faschismus, wie Dugins Eurasianismus, ignoriert, gehört zu den zentralen Merkmalen insbesondere der Antideutschen. Andere mögen Linksextremisten sagen, doch da weigere ich mich. Denn wer sich links nennen will, kann sich nicht auf rechte ideologische Positionen beziehen. Die Hinwendung zum dem deutschen Idealismus verwandten Lobpreis der Ideologie, die ideelle politische oder womöglich gar Staatsziele anstrebt, ist von ihrem Wesen her rechts reaktionär, wie ich hier bereits ausführte.

Die BRD hatte sich von Anfang an als das zwar unvollständige, aber dennoch eigentliche Deutschland definiert. Folgerichtig trat die DDR nach dem Mauerfall diesem eigentlichen Deutschland bei. Der Versuch weniger, bei der Gelegenheit einen neuen Staat mit einer neuen Verfassung zu gründen, war angesichts der Mehrheitsverhältnisse (die gesamte DDR hatte gerade mal so viele Einwohner wie NRW alleine) von vorn herein aussichtslos, denn die Bürger der BRD hatten einen Verfassungspatriotismus entwickelt, der sie auf jeden Fall an ihrem Grundgesetz festhalten ließ. Dieses Bewusstsein war in der DDR nicht entwickelt; der in der DDR-Verfassung zementierte unfreie Führerstaat, auch wenn nicht eine Person, sondern eine Partei(führung) auserkoren war, dazu die schmerzlich empfundene wirtschaftliche Erfolglosigkeit gegenüber der BRD waren hierzu nicht geeignet. Hingegen war es im Gegensatz zur BRD normal, dass Verfassungen zur Disposition stehen, denn  in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens hatte die DDR alleine schon drei Verfassungen; heran gezogen wird hier die jüngste von 1978.

In Art. 1 dieser Verfassung definierte sich die DDR folgendermaßen:

„Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“

Dies bedarf einer Rechtfertigung, denn weder ist es freiheitlich, einen Staat als politische Organisation nur eines Teils seiner Bürger anzusehen – wo bleiben beispielsweise die bürgerlichen Gelehrten und die Kaufleute? – noch ist es demokratisch, alle Bürger der Führung einer Klasse und ihrer Partei zu unterstellen. Die Rechtfertigung findet sich bereits in der Präambel, nämlich: der Antifaschismus:

„In Fortsetzung der revolutionären Tradition der deutschen Arbeiterklasse und gestützt auf die Befreiung vom Faschismus hat das Volk der Deutschen Demokratischen Republik in Übereinstimmung mit den Prozessen der geschichtlichen Entwicklung unserer Epoche sein Recht auf sozial-ökonomische, staatliche und nationale Selbstbestimmung verwirklicht und gestaltet die entwickelte sozialistische Gesellschaft.“

Und Art. 65 Abs. 1 behauptet:

Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des Volkes und den internationalen Verpflichtungen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet.

Das stimmte natürlich nicht. Tatsächlich blühte und gedieh der Rechtsradikalismus prächtig in der DDR, insbesondere unter den Jugendlichen, wie eigentlich auch jeder, der ab und an mal privat die DDR besuchte, hätte wissen müssen. Doch auch die DDR Staatsführung wusste durchaus Bescheid. Anfang 2001 verwies Der Spiegel auf eine Studie des Leipziger Zentralinstituts für Jugendforschung, die bis  dahin unter Verschluss gehalten worden war. Das Institut schätzte auf Grund empirischer Studien, dass 10-15 Prozent der DDR-Bevölkerung ein „festgefügtes rechtsradikales Denkmuster“ hätten, insgesamt bis zu 50 Prozent der Jugendlichen besäßen „rechtsradikale Gefühlsstrukturen“. Das war natürlich peinlich und offiziell beeilte man sich zu versichern, das läge daran, dass westdeutsche Neonazis perfiderweise den antifaschistischen National befreite ZoneSchutzwall mit ihrer Nazipropaganda unterlaufen und die saubere DDR-Jugend infizieren würden. Doch auch 2010 noch lagen die Bastionen der NPD im Osten, wie auf dieser interaktiven Karte zu sehen, Berlin übrigens eingeschlossen, und pogromartige Ausschreitungen unter Beteiligung einer applaudierenden Bevölkerung, wie 1992 in Rostock-Lichtenhagen, Aufmärsche in Formation mit Landsknechtstrommeln und Fahnen oder gar ein Aufmarsch von 6.000 Nazis 2009 in Dresden oder „national befreite Zonen“ waren im Westen völlig unbekannt gewesen; dort entwickelten sich mangels Resonanz eher vereinzelte Terrorgruppen, aber keine schlagkräftige Organisationsstruktur.

Wenn die Illusion, Faschismus sei hauptsächlich innerhalb der westdeutschen Bevölkerung  verbreitet, bis heute so vehement aufrecht erhalten wird, so hat dies den gleichen Grund wie früher in der DDR. Es geht nämlich gar nicht um Faschismus. Vielmehr ist für weite Teile der Antifa Antifaschismus längst als Vehikel zur Systemveränderung instrumentalisiert worden. Dies versteht man freilich erst dann, wenn man die  Bedeutung der klassischen Faschismus-Definition der Sozialisten begriffen hat, wie sie von der Sozialistischen Internationalen bis 1933 ausgestaltet wurde:

Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.

Faschismus ist also nur der offene, deutlich sichtbare Ausfluss des Finanzkapitals, der in eben diesem Kapitalismus ansonsten latent vorhanden ist. Antifaschistischer SchutzwallDaraus folgt, dass, entgegen den empirischen Studien, der Faschismus nicht im Osten, sondern im Westen Deutschlands seine Hauptbastionen haben soll, was auch so lange bleiben soll, bis der Westen zu Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus zwangsmissioniert ist. Was einst die Existenz der DDR und damit auch der Diktatur bis hin zum „Antifaschistischen Schutzwall“ rechtfertigte, dass man nämlich international in der Pflicht stehe, den im Kapitalismus latent vorhandenen Faschismus insbesondere auf deutschem Boden zu bekämpfen, wird nun zur Rechtfertigung genutzt, unter Missachtung demokratischer Grundsätze und sogar unter Rechtfertigung von Gewalt  zumindest gegen Sachen eine Systemveränderung in Deutschland zu erzwingen. Das ist natürlich völliger Unsinn, solche Leute haben nicht die geringste Chance, unter unserer demokratischen Verfassung je eine Mehrheit dafür zu erlangen, jedoch hat das Leute, die sich selbst mit einer angeblich höheren Moral immunisieren, noch nie gestört. Sie leben halt in ihren Träumen.

Immerhin erkennt man auf einmal die hinter den Antideutschen stehende Logik: entscheidend ist nicht der Antifaschismus, sondern die Bekämpfung des „Systems“ bis hin zu seiner Abschaffung. Problematisch ist natürlich, was an seine Stelle treten soll. Darin unterscheiden sich die Richtungen. Die Freunde der klassischen K-Gruppen-Ideologien streben ganz revolutionär ein neues System an, das nicht so viel anders erwartet werden kann, als die alte DDR. Nicht deswegen, weil die so gerühmt wird, sondern weil es nicht anders geht. Ohne Diktatur kommt man gegen eine große Mehrheit der Bevölkerung, die so etwas ablehnt, nun mal nicht an. Die Rechtfertigung dafür ist natürlich die alte: es entspricht einer angeblich höheren Moral.

Die weniger sozialistisch orientierten Freunde der USA können den Kapitalismus natürlich nicht abschaffen; alternativ streben sie das Abschaffen Deutschlands an und geraten damit in brandgefährliches rechtsradikales Fahrwasser, denn gerechtfertigt werden kann das nur durch kultur- oder gar biologischen Rassismus. Was freilich ebenso zwingend antidemokratisch ist.

Antideutscher Nazi
Beispiel für antideutschen Fremdenhass

Und ganz klar im rechtsradikalen Fahrwasser schippern diejenigen, die ihren Rassismus und ihren Fremdenhass mit geradezu fanatischer Freundschaft zu Israel kaschieren. Hier tritt die Frage nach dem System völlig zurück, übrig bleibt Faschismus pur. Was eine relativ neue Qualität von Rassismus und Fremdenhass ist, wie wir sie allerdings in ganz Westeuropa finden, am bekanntesten bei den Anhängern Le Pens und Geert Wilders, aber auch bei der berüchtigten Webseite politically incorrect; man muss sich nur hingebungsvoll zu Israel bekennen, dann darf man allen anderen gegenüber die Sau raus lassen: man ist ja kein Antisemit, das reicht. Von daher ist es in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis zumindest ein relevanter Teil der Antideutschen auch offiziell in dieses rechtsradikale Lager wechselt.

Links und Rechts: wie unterscheiden?

Jeder will links sein.
Links ist modern, ist fortschrittlich, ist cool, ist gut.
Folglich nennt sich auch jeder links. Selbst ausgewachsene Neonazis von der autonomen Truppe, mit denen ich mich hier schon befasst habe, nennen sich linke Nationalsozialisten. Die Verwirrung ist groß und es ist wohl dringend geboten, Klarheit in den Unterschied zwischen Links und Rechts zu bringen.
Im Folgenden stelle ich einige Indikatoren vor, durch die es in den meisten Fällen möglich sein sollte, Links und Rechts voneinander zu unterscheiden.

 

Indikator Ideologie

Bis gegen  Ende des letzten Jahrhundert war es kein Problem, zwischen Links und Rechts zu unterscheiden: Nazis waren rechts, Marxisten links. Ich möchte hieran anknüpfen, da, wo sich alle vernünftigen Leute einig sind: Marx ist links und daran ändert sich auch nichts, wenn moderne Nazis hier und da mal bei ihm klauen gehen. Von Eklektizismus und Missbrauch bleibt grundsätzlich kein großer Denker verschont.

Große Denker haben einen Grundgedanken, auf dem ihr ganzes Werk aufbaut und an dem man das Original zielsicher von allem Missbrauch unterscheiden kann.  Bei Marx gipfelt er in dem Satz: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ (Kritik der politischen Ökonomie zitiert nach und mit Verweis auf diese sehr brauchbare Sammlung zum Thema Bewusstsein bei Marx).

Noch klarer erläutert wird dies in folgendem Zitat (Deutsche Ideologie, ebenda): „Ganz im Gegensatz zur deutschen Philosophie, welche vom Himmel auf die Erde herabsteigt, wird in der Wissenschaft von der Erde zum Himmel gestiegen. D. h., es wird nicht ausgegangen von dem, was die Menschen sagen, sich einbilden, sich vorstellen, … ; es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozess auch die Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt. … Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewusstsein.“

Wenn Marx sagt, die deutsche Philosophie steige vom Himmel auf die Erde, so ist damit Platons Richtung gemeint, dem das christliche Abendland und insbesondere der deutsche Idealismus folgte. Denn das eigentliche Sein, die eigentliche Wirklichkeit, das waren für Platon die Ideen, Ideale, Werte, denen die ganze materielle Welt nachstrebte und nachzustreben hatte. Eben Idealismus. Das muss man ein für alle Mal begriffen haben: ob ich ihren Ursprung wie zu alten christlichen Zeiten dem lieben Gott  zuschreibe, meinem eigenen Genie oder dem eines Denkers oder Führers oder der Vorsehung der Natur (wir merken schon, worauf das hinaus läuft), immer werden dem Handeln Ideen voraus gestellt, absolute Werte, denen dieses Handeln zu folgen hat. Und das ganze theoretische System dieser Ideen (es gibt natürlich eine Vielzahl solcher Systeme) nennt man Ideologie.

Marx war Anti-Ideologe, auch wenn sämliche Altkommunisten bis hin zu modernen K-Gruppen das nie verkraften konnten und von Anfang an ihre bürgerlichen Ideale in den Marxismus hinein trugen und ihn so verfälschten.  Träger des ideologischen Überbaus, die Interpreten des gesellschaftlichen Seins, die aus dieser Interpretation gleichzeitig Forderungen ziehen, wie das Sein sein soll. Da diese Ideologen fast ausnahmslos aus der bürgerlichen Gesellschaft stammten und stammen, ihr Bewusstsein also von diesem Sein geprägt ist, entspricht natürlich auch das von ihnen vorgestellte Sollen ihren bürgerlichen Werten.

Der dialektische Materialismus, so heißt Marx‘ philosophische Methode, ist die Grundlage des gesamten Marxismus. Verstanden wurde sie kaum. Das einzige, was der gewöhnliche Vulgärmaterialist darunter versteht ist, dass es nunmehr eine neue Religion gebe, zu der jedermann  zu missionieren sei, nämlich den Atheismus. Darüber brauchen wir uns nicht weiter zu unterhalten. Dass jedoch dieser Weg so wenig verstanden wurde, zeigt, wie tief verwurzelt das idealistische Denken in der europäischen und insbesondere deutschen Kultur ist. Müßig, hier aussortieren zu wollen, welcher Glaube woher kömmt: Christentum ist Platon und Platon ist Christentum. An dieser Stelle empfiehlt sich sehr Nietzsches Kritik. Er spricht nicht nur von einer zukünftigen Umwertung aller Werte, die er fordert, sondern auch von einer vergangenen, nämlich der durch das Christentum vorgenommenen. Dieses Christentum aber ist die Mutter allen ideologischen Denkens im Abendland, denn seit es mit Konstantin zur die Nation konstituierenden Staatsreligion wurde,  ist sein Alleinvertretungsanspruch in der europäischen Kultur ebenso tief eingewachsen, wie sein Missionsdrang und seine Neigung, Ketzer zu verfolgen. Ob nationalsozialistische oder stalin’sche Gesinnungsjustiz, beide blicken zurück auf diese alt-ehrwürdige Wurzel.Wie ihr christliches Vorbild schreiben Ideologien einen Wertekanon vor, den sie als allein verbindlich behaupten; wer ihn kritisiert oder gar ihm nicht folgt, ist böse, befindet sich auf Satans Weg der bürgerlichen Arbeiterverräter oder entarteten Volksgenossen, wie weiland in mittelalterlichen Zeiten der Ketzer.  Ideologien sind also nicht die Spur fortschrittlich und/oder links, sondern streng genommen reaktionär. Das sah auch Marx so, denn hellsichtig warnte er vor seinen missratenen Epigonen: bürgerliche Intellektuelle würden sich gern an die Spitze revolutionärer Bewegungen stellen; hätten sie es so aber an die Macht geschafft, würden sie sich als die schlimmsten Reaktionäre erweisen.
Im Gegensatz zum Bourgeois habe der Arbeiter keine Ideologie und genau das sei sein Vorteil.

Auch wenn sie alles andere als ideologiefrei zu nennen sind, so gebührt doch den ehemaligen Ostblockstaaten der Verdienst, das Ideologieunwesen stets im Zaum gehalten zu haben. Dialektischer Materialismus, genannt Diamat, wurde immerhin gelehrt und allzu üble ideologische Auswüchse gekappt. Die dafür in Deutschlands  Westen, insbesondere unter den „Unorthodoxen“, die allerschönsten Sumpfblüten trieben. Was dann in den Osten überschwappte und dort den richtigen Humus erhielt, auf dem nicht nur die braunen, sondern auch frömmelnd-moralisiserend rote Ideologien prächtig gediehen – hier sollte man strafverschärfend auch noch das dort einst verbreitete und prägende preussisch-protestantischen Eiferertum einrechnen.

Halten wir fest:
Auch, wenn die Linke nie ideologiefrei war, so lässt sich doch am vorgelegten Wertekanon erkennen, ob man Linke oder Rechte vor sich hat. Wer mit einer für alle verbindlichen Moral ankommt und von ihr aus zwischen Gut und Böse unterscheidet und auch noch zur Hatz auf das angeblich Böse aufruft, ist nicht links.
Tatsächlich ist er ein religiöser Sektierer. Gleich ihm beschränkt er sich in aller Regel auch auf das Formalgute bzw. Formalböse, vor allem den Gebrauch bestimmter verbotener Wörter und Ausdrücke, ohne die im Kontext vermittelten Inhalte kritisch  zu hinterfragen.
Müßig zu sagen, dass Rechtsextremisten IMMER Ideologen sind.

 

Indikator national und international

Bei diesem Indikator ist die Verwirrung nahezu perfekt. Denn: international ist traditionell links. International ist aber auch die Globalisierung und die ist, zumindest, wenn wir im Bereich Wirtschaft Finanzmärkte, Sicherung von Rohstoffen und Transportwegen mit militärischen Mitteln ungeachtet der Frage, ob die einheimische Bevölkerung damit auch einverstanden ist und auch im Bereich Machtausübung internationaler Konzerne, wahrhaftig nicht als links zu bezeichnen.
Hingegen hat die Linke stets antiimperialistische und antikolonialistische Befreiungsbewegungen unterstützt; die aber sind stets national.
Grund also für Begriffsklärungen.

International ist in diesem Zusammenhang nicht geografisch zu verstehen. Ansonsten wäre nämlich das ehemalige britische Weltreich mit seinen Eroberungen und Kolonialisierungen, der Missachtung der autochtonen Bevölkerung und diversen Kolonialkriegen bis hin zum Befreiungskrieg der werdenden USA ein linkes Regime gewesen und das ist nun wirklich absurd. Denn worum es tatsächlich geht, ist die Herrschaft eines Volkes über das andere, ist beanspruchte Supremacy.

Das bürgerliche Individuum des Westens krallt sich an einem Thron fest, der aus christlich-abendländischen Ideen gebaut ist: der Seelenlehre. Die Seele als Wesen eines jeden individuellen Menschen sei nämlich von Gott erschaffen und das einzige, was sie an Entwicklungsmöglichkeiten habe, sei im Wesentlichen, sich zwischen Gut und Böse, Glaube und Nichtglaube zu entscheiden, ansonsten sei sie fertig und die Person so, wie sie ist, von vorn herein angelegt.
Doch das ist nicht der Fall.
Man mache sich das am Beispiel der Sprache klar, mit der wir nicht geboren sind. Denn die Sprache gibt uns Begriffe vor und Prioritäten, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten sollen und führt uns durch ihre Grammatik ganz automatisch und unmerklich auf den Weg, wie wir denken. Was aber gehört mehr zum Menschen, als die Art und Weise, wie er denkt? Doch genau das ist ihm nicht angeboren. Das hat er gelernt, von der sozialen Umgebung, in die er hinein geboren und aufgewachsen ist. Allein aus dem Grunde schon ist der Grundsatz, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, gar nicht vernünftig zu bezweifeln.

Was von der sozialen Umgebung in dieser Sprache beschrieben wird, ist nichts anderes, als das praktische Leben dieser individuellen Menschen in ihrer jeweiligen materiellen und sozialen Umgebung. Davon sind sie geprägt, daraus bildet sich ihr Weltbild und in das werden alle zukünftigen Erkenntnisse eingeordnet und von ihm aus interpretiert. Nur, wer sich diese Prägungen bewusst macht, hat überhaupt die Chance, irgend etwas daran zu ändern. Bewusst machen kann man sich das nur im Gegensatz zu den Prägungen und Weltbildern anderer, die man freilich erst mal kennen lernen muss und zwar ohne voraus zu setzen, dass es andere Weltbilder als das eigene gar nicht gibt und alle Menschen genau so denken, wie man selbst – es sei denn, sie sind Bösewichter. Links ist also sehr früh und sehr tief mit international verknüpft, freilich nicht mit jenem provinziellen Pseudo-Internationalismus, der nichts anderes will, als die eigene europäische Glaubenslehre über die ganze Welt zu verbreiten, ähnlich jenen US-Ideologen aus der Frühzeit des Globalisierungs-Hypes, die schon mal das Ende der Geschichte mit der Verbreitung US-amerikanischen Denkens und Kultur über die ganze Welt ausriefen. So was ist nicht links, so was ist rechts. Was es damit als Abwehr schuf, ist der militante Islamismus ebenso wie Dugins faschistischen Eurasianismus. Das ist normal. Wer in nationalistischer Weise die ganze Welt mit seinem Wesen  beglücken will, provoziert mit zwingender Logik nationalistische Gegenbewegungen, denn anderen ist ihre Kultur genau so viel wert, wie dem Missionar die seine.

Menschen anderer Breitengrade und anderer Kulturen, anderer Geschichte haben ein anderes Weltbild als wir. Sie haben andere Erfahrungen und setzen andere Prioritäten. Das ist als Tatsache anzuerkennen. Und anerkennen heißt: als etwas anerkennen, das von Natur aus, vom Sein her, anders ist, zwingend anders ist. Es lebt überall die gleiche Art Mensch mit den gleichen spezifisch menschlichen Eigenschaften und Eigenarten. Doch lebt diese gleiche Art Mensch in je anderer Umgebung, die prägt. Die wesentliche Schlussfolgerung daraus ist: es gibt kein besser und schlechter. Die Häuser mit den spitzen Dächern gehören zu uns und zu unserer Kultur, sie prägen unser Gefühl von Wärme, Heimeligkeit und Geborgenheit. Am Mittelmeer haben die Häuser flache Dächer und schattige Innenhöfe, und statt mit Vorgärten und hellen Fenstern den Besucher hinein in die warme Geborgenheit zu locken, schließen sie sich dort, die erfrischende Kühle bewahrend, von der Welt ab. Das ist keine Frage des Wertens und Wollens; es ist jeweils einfach besser, dort so zu leben.

Mit diesem Hintergrund sollte der Indikator national-international  klar sein, wenn wir den allseits als rechts oder gar rechtsextrem bekannten Chauvinismus dagegen stellen. Da nämlich wird ideologisch gewertet. Ungeachtet der unterschiedlichen Bedingungen und Traditionen trachtet eine Kultur, eine Denkweise danach, sich über andere zu erheben.  Wieder finden wir hier den idealistischen Weg vom Himmel auf die Erde – und als der Himmel wird immer die je eigene Denkweise gesehen. Noch extremer wird die Sache dann, wenn die andere Sichtweise einer angeblich anderen Biologie zugeordnet wird, wenn sie also in Rassismus sinkt. Wobei meist nicht bedacht wird, dass ein solcher Rassismus logisch zwingend Konsequenzen für den hat, der ihm anhängt. Denn der Mensch lässt sich nicht verstehen, wenn man einen Teil, der wesentlich zum Menschsein hinzu gehört, ausgliedert, wie es die Rassisten tun. Was immer ich der Art Mensch zuschreibe oder abschreibe,  betrifft auch mich, denn ich gehöre zu dieser Art.

Halten wir fest:
Links sein heißt international sein. Entscheidend ist hier, die Bedeutung von „international“ zu erfassen und sie gegen versteckten Nationalismus abzugrenzen. Linker Internationalismus heißt immer, die Verschiedenheit zu achten und anzuerkennen, die Nationen, Staaten und ihre Grenzen zu respektieren, ihren Willen und ihr Recht, über ihre Zukunft, ihr Schicksal selber zu bestimmen.
Die Verschiedenheit zu missachten, Grenzen abschaffen zu wollen mit dem Anspruch, seine eigene Sichtweise auf der Erde ungehindert zu verbreiten, womöglich auch noch unter Enteignung von Bodenschätzen und anderen Werten einer Nation, weil man selbst damit angeblich viel besseres anfangen kann, ist nicht links, sondern rechts. Es ist der Versuch, den Kolonialismus mit anderen Mitteln wieder zu errichten. Dies dann auch noch mit Supremacy, dem Glauben an die eigene Überlegenheit zu verbinden, gleich, ob man sie kulturell, religiös oder gar genetisch begründen mag, ist rechtsradikal.

 

Indikator progessiv ./. reaktionär

Auch hier gilt wieder: während klar ist, dass Links progressiv und Rechts reaktionär ist, so kommt es dann zum Schwure, wenn wir überlegen, was denn diese Begriffe bedeuten. Denn auch progressiv nennt sich jeder, Neonazis eingeschlossen. Der reine Gebrauch des einen oder anderen Wortes ist kein Entscheidungskriterium, man muss schon nach dem Kontext schauen.

Wieder zeigt sich Marx als weit vernünftiger, als seine missratenen Epigonen. Denn zum Fortschritt kam es nach Marx von ganz alleine. Der wird angetrieben und entwickelt sich durch die antagonistischen Klassengegensätze. Die sind da und haben ihre eigene Dynamik.
Progressiv ist derjenige, der mit Hilfe der Methoden des dialektischen und historischen Materialismus den gegenwärtigen Zustand analysiert und den in ihm steckenden Keim einer neuen Entwicklung entdeckt und vorwärts treibt.

Man kann aber auch das genaue Gegenteil tun: sich wiederum an den Idealismus hängen – wir sehen, Idealismus und Ideologie begegnen uns immer wieder – und einen idealisierten vergangenen Zustand, sozusagen frisch gestrichen, neu zu errichten trachten. Das nennt man reaktionär. Freilich sind die Seinsbedingungen, die den alten Zustand trugen, nicht mehr da und können ebenso wenig wieder errichtet werden, wie die Zeit zurück gedreht werden kann. Der alte Zustand wurde ja bereits überwunden und alles Bemühen, etwas wieder zu errichten, für das die Bedingungen nicht mehr gegeben sind, endet zwangsläufig in Lächerlichkeit oder Gewalt.
Hier ist übrigens reaktionär von konservativ abzugrenzen: während der Konservative das Bestehende zu bewahren trachtet und sich gegen jede Veränderung wehrt, will der Reaktionär längst Verändertes wieder zurück schaffen.

Lächerlichkeit und Gewalt liegen meist sehr nahe beieinander. Nordkorea ist hierfür ein Beispiel. Das ist längst keine linke Diktatur mehr, sondern eine absolutistische Monarchie, verbunden sogar mit dem Gottkönigtum. Eine solch reaktionäre Diktatur ist überhaupt nur aufrecht zu erhalten, wenn man das Land rigoros  von allen anderen abisoliert und mit harter Faust jeden, der Fragen stellt, aus dem Verkehr zieht.

Auf andere Art reaktionär ist der rechte bis rechtsradikale Zionismus. War noch in der bereits  höchst problematischen Balfour-Erklärung von einer „Heimstatt“ für die Juden die Rede, gerechtfertigt als potentieller Zufluchtsort durch die zunehmend um sich greifende moderne Judenfeindlichkeit und gleichzeitig damit, dass man im Jerusalem der Muslime und Christen wohl auch ein bisschen Platz für die älteste der drei abrahamitischen Religionen schaffen müsse, so wurde die daraus folgende ursprünglich gar nicht vorgesehene Staatsgründung mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Holocaust immer problematischer. Denn zum Einen waren noch lange nicht alle Israelis Juden, zum Anderen noch lange nicht alle Juden Israelis; die meisten dürften an einer israelischen Staatsbürgerschaft gar kein Interesse haben. Dessen ungeachtet verkünden die rechten Zionisten, die Juden seien ein Volk und Israel ihr Staat. Und das ist nun allerdings reaktionär. Denn zwar haben alle abrahamitischen Religionen ihre Anhänger als ein Volk oder eine Nation gesehen, nur ist das 1.000 Jahre her. Um so viel also kommen die Zionisten damit zu spät.

In Sachen Reaktion ist ihre schärfste Konkurrenz die Islamisten, ob sie nun Salafisten sind, den Kalifatsstaat propagieren oder die reine arabische Lehre aus ggf. sogar vorislamischer Zeit. Die nämlich kommen damit nicht 1.000, sondern 1.400 Jahre zu spät.

Wie reaktionäre Bewegungen sich entwickeln, bleibt jeweils abzuwarten. Auf jeden Fall erscheinen die ihnen innewohnenden Widersprüche zwischen der Fiktion der Wiederkehr eines goldenen Zeitalters und der Wirklichkeit unüberwindlich.

Die gefährlichste Kraft entwickelt die Reaktion aber im Bereich der Wirtschaft. Wie das?

Nun, der gerade in der Zeit von Hartz IV auf den Arbeitnehmern lastende freiheitsentziehende Druck (in der Weltwirtschaftskrise des frühen letzten Jahrhunderts waren es Arbeitslosigkeit und Inflation) macht gleich zwei reaktionäre Vorstellungen verführerisch: die Erinnerung an die Rundumversorgung aus der Kindheit, ohne dafür selbst Verantwortung übernehmen zu müssen, und die in weiten Teilen Deutschlands, vor allem natürlich Ostelbien,  erhaltene vergoldete Erinnerung an den Feudalismus, der auch den Vorteil der Rundumversorgung hatte, wenn auch nur sehr mager und um den Preis von Freiheit und Menschenwürde; dafür aber ebenso unter Verlust der ‚doofen‘ Eigenverantwortung. Nationalsozialismus, eine reaktionäre Wirtschaftsform, gibt darauf die Antwort: die großen Konzerne und ihre – damals noch – Eigner sind da die guten Feudalherren, die in eigener Machtvollkommenheit entscheiden, aber immer zum Wohle des Volkes. So die Idealvorstellung, oder auch: der Traum. Auch dies ist ein Sozialismus, der freilich mit dem Marx’schen überhaupt nichts zu tun hat. Und den es nicht nur in Deutschland oder Europa  gibt bzw. gegeben hat: in Südostasien z.B., auch in China, war oder gar ist dieser reaktionäre, feudal inspirierte Sozialismus zu finden, ebenso wie in vielen Diktaturen und Oligarchien Afrikas. Vom ehemaligen Ostblock mit seinen teilweise mafiösen Wirtschaftsstrukturen gar nicht erst zu reden. Ein solcher reaktionärer Sozialismus ist natürlich immer rechtsradikal, gleich, wie er sich verschleiern und rechtfertigen mag.

Überhaupt darf man sich im Bemühen, Rechts und Links zu unterscheiden, nicht an die mehr oder minder phantasievollen Legenden und Ausflüchte der Rechten halten. Links heißt wissenschaftlich arbeiten zu wollen und Wissenschaft befasst sich nun mal mit dem Sein und seinen Strukturen, mit den Tatsachen und nicht mit idealistischen Ausflüchten. Deswegen ist es auch sinnlos, sich daran zu halten, wenn irgend wer sich selbst zum Linken und/oder Progressiven erklärt.  Die Frage ist vielmehr: wie analysierst Du die Welt, das gesellschaftliche Sein und seinen gegenwärtigen Zustand – und welche Entwicklungen erkennst Du daran, die es zu fördern gilt, weil sie Verbesserungen bringen? Genau das aber muss man auch nachweisen können. Dichtung überlassen Linke lieber der schöngeistigen Literatur.

Halten wir fest:
Reaktionär und progressiv lassen sich problemlos unterscheiden, wenn man sich mit den Strukturen befasst, auf die sie antworten.Progressive Lösungen sind wissenschaftlich orientiert und passen sich an die der Gesellschaft bereits innewohnenden Entwicklungen an.
Reaktionäre Lösungen trachten danach, eine als unliebsame Veränderung gesehene Entwicklung durch Wiedererrichtung eines alten und überwundenen, jedoch idealisierten Systems zu stoppen.
Im Willen, eine Entwicklung zu stoppen, stimmen Reaktionäre mit Konservativen überein; doch zeigt sich ihr Konservativismus darin, dass sie auch eine Rückentwicklung als indiskutable Neuerung ablehnen.

 

Antideutsches Fußballfest

WM 2014Zuweilen fressen sie ja Kreide , die Antideutschen, um nicht so abseitig zu erscheinen, wie sie sind.  Was den braven Bürgerskindern noch nicht einmal schwer fallen sollte, ist doch der extremistische Anstrich für sie weiter nichts als der Ausbruch aus dem Alltag, der schon mal langweilig wird. Doch – man kann ja nicht immer lieb sein und so finden sich Gelegenheiten, bei denen Spießers Neigung zum rantenden Hooligan durchbricht. Fußball ist da so’n Ding. Fußball walzt eben alles andere platt, schon im Vorfeld.

Die Fußball-WM wirft ihre Schatten voraus.Gartenzwerg Eines der Feste, bei denen der Spießer antideutscher Version sich mal so richtig über andere empören kann, denn genau das tut der deutsche Spießer am liebsten. Da Elke Wittich aka Elquee es gar nicht erwarten kann, hat sie damit schon mal in der Jungle World angefangen. Und dann auch gleich richtig, schon in der Überschrift: Das Schlandpack darf nicht zur Masse werden. Was schon mal auf eine weitere Eigenschaft des deutschen Spießers verweist: er ist kein Massenmensch. Nie nich. Masse sind immer die anderen. Etwas anderes wäre für unsere Egozentriker schier unerträglich. Von daher verweist schon die Überschrift auf ganz gewöhnliche Massenware. Die hat übrigens Tradition. In Mode kam sie im Biedermeier, als der brave Bürgersmann sich mit der Gartenlaube in selbige zurück zog und sich dort über die dumme Masse empörte.
Es ist, nebenbei bemerkt, klar, dass das mit Linkssein nicht das Mindeste zu tun hat. Wer links ist, ist Volk, ist Masse.

Da ich eher links bin, gehöre ich gerne zu ihrem „schwarz-rot-goldenen Pack“. Das Volk bin ich. Sicher nicht alleine, aber ich bin dabei. Mit mehreren schwarz-rot-goldenen Fahnen, Wimpeln, Blumenkette, Käppi und was so alles dazu gehört. Wesentlich auch zum Verleihen. Denn zum Fußballgucken auf die Ringe geht man nicht ohne. Sonst kann man sich nicht unterscheiden und landet womöglich in der falschen Kneipe: da, wo die Blau-Weißen, Grünen, Roten oder diverse Tricolorierte Fußball gucken. Ich gehöre also zu denen, die vor Nationalstolz platzen, sich schon vor dem Spiel besaufen, gefährlich sind, weil sie andere Leute verprügeln, speziell die mit anderer Hautfarbe, ebenso wie die ob des Fußballs ihre juristische Karriere gefährdende Tochter samt ihren Freunden und Kollegen, Deutschland-Pöbel, der nächtens in Fischteiche fällt oder beim Pipimachen in die Baugrube. Äh, wie meinen? Ach so, unsere Gartenlaubenleserin liest das Märchen auf der Kinderseite vor, über Degenhardts Rumpelstielzchen, das am Bahndamm wohnt, wo der Zug verkehrt, der von Schilda nach Schlaraffia fährt. Ja, wenn man die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen mag, weil sie sich zu wenig für die  Existenz einer in ihren rosaroten Träumen huldvoll vom Balkon lächelnden Linksextremistenprinzessin interessiert …

Nächsten Monat beginnt sie, die Fußball-WM in Brasilien. Ja, es gibt eine Menge ekliger sozialer Probleme im Vorfeld. Aber wir Kölner mögen die Brasilianer, haben vieles mit ihnen gemeinsam und wünschen ihnen alles Gute für ihre WM. Für unser Veedel beginnt sie damit, dass antideutschauf der Dachterrasse des Hauses an der Ecke die Deutschlandfahne gehisst wird. Ordentlich an einer veritablen Fahnenstange. Ich vermute, der Eigentümer ist Polizist, die nämlich dürfen die entsorgten offiziellen Flaggen übernehmen, so richtig mit Adler, wie der Polizist von schräg gegenüber immer eine aus dem Fenster hängen hat. Es wird nicht die einzige sein, auch nicht die einzige in diesen Farben, denn wenn sie nicht umgezogen sind, wird auch die schwedische wieder dort hängen und die aus Mexiko. Und einen Straßenzug weiter an der Hauptstraße dann das Rot mit Halbmond der Türken. Ich werde es auch nicht versäumen, am Volksgarten lang zu fahren; gucken, ob die Italiener wieder ihre mindestens 15 m lange Fahne über mehrere Stockwerke hängen haben.

Voll besetzt werden an den Spieltagen wieder die Cafés und Kneipen an den Ringen sein mit in ihren Landesfarben kostümierten Fans und nach zwei Stunden gibt’s dann den Autocorso der Sieger – wer das Spiel nicht gesehen hat, bekommt so sein Ende mit. Oh ja, es macht Spaß. Es macht Spaß, sich gegenseitig Glück zu wünschen und anzupflaumen, mal Gegner sein, am nächsten Spieltag dann Verbündeter.

Offenbar gibt es in diesem Jahr für die moralinsauren antideutschen berliner Spießer noch eine Extraportion zum Empören: am 21. Juni findet dort der CSD statt. Und Deutschland gegen Ghana. Dürfte klar sein, wer hier den Hauptzulauf erhält.

Selbst dran schuld.  In Köln ist der CSD am 6. Juli. Spielfreier Tag. Natürlich. Was denn sonst. Schwule wollen schließlich auch Fußball gucken.
In diesem Sinne: viel Spaß beim Public Viewing!

Fußball D

 

 

Der Fraser-Prozess

Ein kleiner Prozess vor einem britischen Arbeitsgericht schlug vergleichsweise hohe Wellen.

Der Mathematik-Dozent Fraser, ein seit Jahren engagierter Kämpfer für Israel, hatte die größte britische Akademikergewerkschaft UCU verklagt: wegen angeblichem Rassismus. Der natürlich auch in Großbritannien nicht geduldet wird. Begründung: in der israel-kritischen UCU habe sich institutioneller Antisemitismus etabliert und dadurch würden alle britischen Juden diskriminiert, denn, so das dahinter stehende Dogma, zu einem Juden gehöre es, Israel zu lieben und das gehöre zu seiner jüdischen Identität.  Ein nicht ungefährliches Dogma, spricht es doch den Juden, die Israel nicht lieben – und so wenige sind das gar nicht – ab, Juden zu sein. Oder erklärt sie, was ja bei prominenten jüdischen Israelkritikern nicht so selten vor kommt, für psychisch krank.

In diesem Falle waren es immerhin 50 jüdische Mitglieder der UCU, die per Unterschriftenliste die Angriffe Frasers gegen ihre Gewerkschaft zurück wiesen.

Das Gericht entschied: „Der Glaube an das zionistische Projekt oder Israel anzuhängen oder ein ähnliches Gefühl kann nicht auf ein geschütztes Merkmal hinaus laufen. Es ist nicht per se Teil des Judentums.“ Und an die Adresse Frasers gerichtet,
er müsse seinen fairen Anteil an kleineren Verletzungen akzeptieren, denn ein politischer Aktivist akzeptiere die Gefahr, gelegentlich beleidigt oder verletzt zu werden. Zudem bescheinigte das Gericht Fraser eine besorgniserregende Missachtung von Pluralismus, Toleranz und Meinungsfreiheit. Eine größere Klatsche, meint auch Ha’aretz, hätte man ihm wohl kaum verpassen können. Was Grund gewesen sein dürfte, dass Fraser und seine Anhänger es vorzogen, es bei diesem Urteil  zu belassen und keine Revision einzulegen.

(Siehe auch: http://www.haaretz.com/news/national/british-jewry-in-turmoil-after-tribunal-blasts-pro-israel-activist-for-bringing-harassment-case.premium-1.514173)

Die Klatsche ist redlich verdient, hat doch Fraser nichts anderes versucht, als die totalitäre Ideologie, der er anhängt, per Gerichtsentscheid für ganz Großbritannien verbindlich zu machen. Was natürlich jeder Verfassung, in der die Meinungsfreiheit verankert ist, Hohn spricht.

Gemeint ist die Groß-Israel-Ideologie, deren Spielarten von der Einverleibung ganz Palästinas bis hin zur Herrschaft Israels bis zum Euphrat reichen; doch, Leute, die das beanspruchen, gibt es, und alles begründet mit passend ausgesuchten Teilen aus der Thora; ein alt hergebrachtes Verfahren, haben doch vor knapp 2.000 Jahren frühe Christen das gleiche getan, um Jesus als den verheißenen Messias erscheinen zu lassen. Was freilich die jüdischen Schriftgelehrten nicht überzeugen konnte.

Die Groß-Israel-Ideologie ist selbstverständlich nicht gleichzusetzen mit dem Judentum. Aber, und das sollte man nicht übersehen, sie ist auch nicht gleichzusetzen mit dem Zionismus. Denn, wie in einschlägigen Quellen, z.B. auch Wikipedia, nachzulesen, hatte sie zu Beginn des „zionistischen Projekts“ gerade mal 20 % Anhänger. Zur politisch beherrschenden Ideologie in Israel wurde sie tatsächlich erst mit der Ermordung Rabins durch einen ihrer Anhänger und es spricht nichts dafür, dass selbst die Mehrheit der israelischen Staatsbürger sich zu ihr bekennt; die Wahrscheinlichkeit spricht eher dagegen, denn Mehrheitsmeinung waren totalitäre Ideologien noch nie in einem Staat, noch nicht einmal der Nationalsozialismus in Deutschland. Denn die Mehrheit der Bürger eines Staates lässt nun mal den Kaiser einen guten Mann sein und kümmert sich nur um ihre eigenen Privatangelegenheiten, sofern des Kaisers Herrschaft nicht zu drückend wird. Zustimmung zu des Kaiser Weltanschauung lässt sich daraus jedoch nicht schließen.

Genau das, nämlich, dass das ganze Volk dieser Ideologie zustimme, beanspruchen aber totalitäre Ideologen. Wer ihr nicht zustimmt, wird exkludiert, gilt als Volksfeind, Verräter, Entarteter, Kranker, wird schlichtweg ausgebürgert. Unabhängig davon, ob diese Ideologie nun staatliche Macht hat oder nicht. Ob bei heutigen Nazis, früherer RAF, tatsächlich ausgebürgerten DDR-Bürgern oder bei Scientology, das Phänomen ist stets das gleiche. Das gleiche ist es auch, wenn Fraser die Führung des britischen Judentums dazu aufruft, eine Antisemitismus-Definition zu etablieren, die den Glauben an den Zionismus und die Hingebung an Israel in das Judentum integriert; die Kehrseite ist nämlich, dass, wer diesen Glauben nicht teilt, dann nicht mehr als richtiger Jude anzuerkennen und aus dem Judentum quasi auszubürgern ist. Was dann auf einen nicht geringen Teil insbesondere der US-amerikanischen Juden zutreffen dürfte. Dass damit auch alle nicht-jüdischen Israeli de facto aus Israel ausgebürgert werden, sofern sich dieser als jüdischer Staat versteht, was bei den Groß-Israel-Ideologen der Fall ist, ist die logische Konsequenz.

Totalitäre Ideologien sind irrational. Sie basieren nicht auf vernünftigen Argumenten oder gar wissenschaftlichen Grundlagen, sondern auf Glaube und Gefühl. Schlicht und einfach gesagt: wer einer solchen Ideologie anhängt, will seinen egoistischen Willen ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen – gegen alle vernünftigen Argumente. Letztlich sogar gegen Argumente, die eigentlich in seinem eigenen, wohlverstandenen Interesse liegen. Ein selbstzerstörerisches Element haftet solchen Ideologien an.  Selbst irrational, sind sie auch nicht in der Lage, sich dem rationalen Diskurs zu stellen. Dem begegnen sie vielmehr mit dem immer gleichen irrationalen Argument: Hass. Ein Postulat: wer mir nicht zustimmt, tut das nicht, weil er dafür vernünftige Gründe hat, sondern weil er mich hasst. Alle, die mir nicht zustimmen, hassen mich, und deswegen kann und muss ich sie bekämpfen, das ist Notwehr. Klingt verrückt, wird aber geglaubt. Und hat eher mehr denn weniger mörderische Konsequenzen.

Welcher Natur dieser Hass ist, wird der am leichtesten erkennen, der schon mal mit insbesondere evangelikalen Missionierungsbemühungen traktiert wurde. Die nämlich trachten notorisch danach, ihre Opfer vom üblen Hass durch Bekehrung zu erlösen. Dem allerdings meist ein Hindernis entgegen steht: die Opfer hegen gar keinen Hass, von daher sind sie, was das betrifft, auch gar nicht erlösungsbedürftig. Woraus sich messerscharf schließen lässt: diejenigen, die ein notorisches Hass-Problem haben, sind nicht die Opfer der Missionierungswut, sondern die Missionierenden selber. Der eigene Hass wird auf den anderen projiziert.

Hass ist ein Schlüsselwort, geradezu ein Indikator für totalitäre Ideologien. Wo immer es uns begegnet, sollten wir aufmerken: Achtung, hier hat sich jemand von der Vernunft verabschiedet, hier haben wir eine nur auf blindem, fanatischem Glauben basierende Ideologie vor uns. Dabei ist es völlig egal, ob im Folgenden über Friede, Freude, Eierkuchen und die Liebe unter den Menschen schwadroniert wird: die Basis ist Hass, und das ist nicht der Hass, der auf andere projiziert wird, sondern der ureigene Hass derjenigen, die ihre Ideologie darstellen oder gar für sie zu missionieren trachten.

Letztlich ist es allerdings weiter nichts anderes, als das gute alte ad hominem Argument derjenigen, die keine vernünftigen Argumente mehr haben.
(26.06.2013)

Antideutsche – Karneval der Rechtsradikalen

Stephan Grigat, aus der ‚glücklichen‘ Verbindung Berlin-Wien  UNIQUE-50-Antifa-Antideutsche-Nazi-Transpi-gadschahervorgegangener Häuptling der Antideutschen, hat 2007 im „Café Critique“ einen aufschlussreichen Artikel mit dem Titel „Was heißt: antideutsch?“ veröffentlicht, an dem sich recht genau nachweisen lässt, wes Geistes Kind diese Leute sind.

Wie bei den rechtsradikalen Zionisten, ihrer legitimen Verwandtschaft, wird Antisemitismus, gemeint ist Judenfeindlichkeit, von Anfang an gleichgesetzt mit Antizionismus. Welch ein Unfug das ist, zeigt allein schon ein Zeitvergleich. Während nämlich die altehrwürdige Religion Judentum gut 3.000 Jahre alt ist, ist die politische Ideologie Zionismus eine Erfindung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, also gerade mal gut 100 Jahre alt. Es ist also schon aus diesem Grunde ziemlich lächerlich, beide miteinander gleich zu setzen.

Interessant Grigats Auffassung von Kapitalismus, bei der sich wohl einem jeden seriösen Volkswirt die Haare sträuben dürften: „Es handelt sich dabei nicht um einen erblichen Nationalcharakter, sondern um eine polit-ökonomische Konstellation. Es geht nicht um eine bestimmte Mentalität, sondern um eine spezifische Form kapitalistischer Vergesellschaftung.“ Die denn auch die Shoah hervor gebracht habe. Wir erkennen hierin klar und deutlich die alte kommunistische Theorie des Faschismus, die ich hier bereits angesprochen habe.Daraus folgt natürlich zwingend, dass, wer immer als Antideutscher von Antifaschismus redet, damit den Sturz unseres gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systems meint.

Diese „spezifische Form kapitalistischer Vergesellschaftung“ hält Grigat für universal (was bedeuten würde, ein Menschheitsphänomen, das aber meint er wohl nicht) und lokalisiert sie ausgerechnet gleichfalls im – Islam. Dem Kulturwissenschaftler wird nun etwas wirr im Kopf, sucht er doch nach entsprechenden Verbindungen zwischen Deutschland und Österreich und der islamischen Welt und findet keine. Auch keine ökonomischen, Denn die traditionelle Wirtschaftsform in diesem Raum, die immer noch wirkt, wird Rentenkapitalismus genannt, das ist etwas ganz anderes. Wie er von dort aus dazu kommt  „Vertreter der islamistischen Barbarei als deutsche Ideologen“ zu bezeichnen, muss sein Geheimnis bleiben. An diesem Beispiel zeigt sich also auch die berüchtigte Wirrnis antideutscher Schriften.

Immerhin zeigt sich eine Haupteigenschaft der Antideutschen, nämlich Islamophobie. Nicht die einzige Eigenschaft, die sie mit den westeuropäischen Rechtsradikalen teilen. Dass sie gegen dieses Urteil gerne Sturm laufen würden, darf uns nicht stören. Man halte sich einen frommen Evangelikalen aus den USA vor Augen, der nach dem Sonntagsgottesdienst ausprobiert, ob ihm die weiße Kapuze des Ku-Klux-Klan noch passt. Wird der etwa weniger rechtsradikal, weil er streng zu Israel hält in dem Glauben, würde der Weltkrieg um Jerusalem ausbrechen, käme es zum erfreulichen Armaggedon? Und waren etwa die braven Kolonialisten keine Rassisten, weil sie erklärten, sie hätten nichts gegen Negers, im Gegenteil, sie hätten sie so lieb, dass sie sie missionieren und ihnen ihre angeblich primitive Kultur austreiben wollten? Also: sagen kann man viel, wenn der Tag lang ist – Weltanschauungen manifestieren sich in anderem als paar sozialkonformen Sätzchen.

Nach altkolonialistischem Muster redet auch Grigat: „Rassistisch ist es, davon auszugehen, dass für die Menschen in diesen Gegenden klerikalfaschistische oder panarabische Diktaturen die angemessene Lebensweise darstellen und der Islam nun mal ihre Kultur sei“ Nun, der Islam ist seit 1.400 Jahren die Kultur dieser Region und wo die moderne abendländische Kultur geblieben wäre, ohne die Befruchtung durch die liberale islamische, ist nicht ausgemacht. Denn bis zu Thomas von Aquin, den das Studium des Aristoteles-Kommentators Ibn Rushd wesentlich beeinflusste, galt einzig Augustinus und wie dessen Denken die Gesellschaften prägte, zeigte Umberto Eco in „Der Name der Rose“. Grigat verkörpert hier also den klassischen reaktionären Europäer der Kolonialzeit, der Negers die Zivilisation bringen will – und jeden, der die nicht will, für böse, von Grund auf verdorben und somit lebensunwert hält.
Rassismus pur.

Es verwundert nicht, dass ihm schließlich ein Endziel des politischen Strebens ähnlich den Nazis vor Augen liegt, nur umgedreht. Denn während Hitler & Co. die Lösung aller Probleme der Welt in der Vernichtung des Judentums sahen, meint Grigat:  „Die antideutsche Kritik solidarisiert sich mit Israel aus der Erkenntnis, dass die Welt, so wie sie heute eingerichtet ist, den Antisemitismus immer aufs Neue hervorbringt.“ Heißt also, das Problem der Welt sei der Antisemitismus und ihn zu bekämpfen, auch um den Preis der Aufgabe einer freien Gesellschaft, solle das Ziel der Politik sein. Für diese Auffassung wird sich natürlich nicht nur der nah-/mittelöstliche Raum bedanken, sondern auch z.B. Indien und China. Was ein weiteres Element klassischen Rechtsradikalismus zeigt: provinziellen Nationalismus. Hier ganz besonders die deutsche Spielart, in der typisch deutscher Idealismus über politischen Pragmatismus gestellt wird, weswegen Deutsche auch traditionell als miese Außenpolitiker gelten.
Zu erwähnen bleibt, dass vor dem idealistischen Ziel, Antisemitismus bekämpfen, alle lebenspraktischen, auch wirtschaftlichen Interessen der Bürger verschwinden.

Fazit: die drei Elemente pseudosozialistische Systemveränderung (Revolution), gönnerhaft-missionarischer Rassismus und perverse idealistische Zielgebung, die sich mit etwas Spürsinn bei allen Antideutschen finden lassen (ihre Hinwendung zu den armen Flüchtlingen z.B. ist nämlich eindeutig von dieser Bermherzigkeit gekennzeichnet) weisen sie klar als Rechtsradikale aus. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie auch von den Methoden der Rechtsradikalen fleißig Gebrauch machen.

Update:
Zum Thema Antideutsche drei trotz eher exotischer Herkunft recht gut recherchierte und belegte Artikel der Roten Fahne von 2012 – über allerlei Spekulationen wird man hinweg lesen müssen und können:

Die Antideutschen als Teil neoliberaler Erfüllungsgehilfen  I-III

 

What are Semites?

No, we must not go back to Adam and Eve.

But to Noah.

After the Flood the story was by the way largely taken over from a Babylonian story three sons of Noah survived, Shem, Ham, and Japheth. They were assumed to be the ancestors of all mankind; Bible-believing Christians still defend this belief. So do not think that it is ancient, long-forgotten stuff.

The Tora has a genealogy, according to which everything, that the Hebrews at that time knew of peoples, was led from Shem, Ham, and Japheth: Shem themselves and recognized relationship, and Ham all who were dark-skinned and also the people from Canaan, Japhet all who lived in the West. Roughly divided. This division remained in science to the early modern period. With the discovery of other cultures, China, Japan, Indian, however, this ethnography‘, like many other biblical doctrine, became untrustworthy.

Let’s start with Ham, whose alleged descendants had to suffer the most . Ham should have gone into Noah’s tent when he slept : naked. Whether this is a euphemistic translation error , has little significance for at least 2,500 years believed history. Crucial : Ham was cursed for it, and – made ​​black, so dark-skinned. As with all of his descendants. Whereas dark is relative , because the ancient Hebrews saw as Hamites also the people from Canaan who belong to the ancestors of the Palestinians , which conveniently led to the recommendation that such a cursed people could be beaten to dead easily . Whereas the Ethiopians are much darker, but were friends , so called Semites . Plane relative. We better don’t ask to what extent this ‚ religious ‚ faith could apply to Jewish fundamentalists still .

The Christians of course took this over . The result was at best the cute black boy servant , because part of the curse was, that Ham’s descendants had to serve the descendants of the other brothers forever. The religious justification of slavery in the United States, held high and in particular in honor of the pious Ku Klux Klan. And this belief is still in the U.S., because first there is a significant number of evangelical fundamentalists and secondly, it surely appears to many as practical.

The next one is Japhet .The Europeans assigned themselves to as the progenitor . In the heyday of colonialism , a Russian researcher resumed all the nations up to the Far East under the supposedly superior Japhethites who should be able to do everything better . The Soviets adepted it and sided with all sorts brillant stuff , until 1950 Stalin ended the mischief with a word of power . Because it was pure ideological nonsense. But not entirely without consequences : the Eurasianism of the fascists Dugin will also be influenced by such rubbish – though not in linguistic terms.

The only thing that has held up in science, are the Semites . As a language family. See Semitic Science , especially a linguistics. Of course it was soon realized that the biblical classification was untenable : the old people from Canaan were clearly Semites . Semites were the ancient peoples such as the Babylonians and Assyrians , a decent semitist must be able to read cuneiform . Today, there are except smaller Syrian enclaves (not to be confused with Syria ! There one speaks Arabic ! ) as spoken Semitic languages ​​Arabic, Maltese and the revived Hebrew.

Now, what about race in this issue? Well, scientifically purely nothing. If you have even only a little idea of ​​the Ancient Near East and its development until today, you know to speak of race is utter nonsense. Especially since the ancient semitic language family probably came from East Africa and then spread from the Arabian Peninsula into a migration of peoples across the Middle East. Yes , according to recent research , the Hebrews originally came from the Arabian Peninsula . And if you know a bit of both languages ​​, Arabic and Hebrew, you also know how closely they are related to each other . In addition , all the people sitting around the Mediterranean contains everything that ever drawn or lost there . Since we’re talking of genes , then probably there is a tiny bit of Babylonian in  every Jew  – however in any Arab as well .

Now, according to old European Christianity the Jews  had the ‚wrong ‚ religion. Starting from the French Revolution this demanded scientific relining to remain credible to the believers in science of 19 Century , who though remained printed by Christian prejudices , mainly due to the onset of secularization. They kept old Sem of course and wanted to speak henceforth of Semites . This, however, did not even hold until the middle of the 19th Century , because Semitists and orientalists already existed, and the majority considered it for a complete nonsense to claim for religious reasons negative characteristics on Semites, which then also should have Assyrians , Babylonians and Arabians , after all grand old civilizations . Parasite without own culture – that did not work . So henceforth only the Jews should be Semites , which of course did not make it better . But Ancient Near Eastern Studies and Semitic Studies are exotic subjects , and though they never recognized the whole nonsense about Semites but for a name for a common language family, this doesn’t penetrate the ahistorical , pseudo- scientifically oriented ‚ normal citizens ‚ . Nevertheless , some of these pseudo- scientists made enormous efforts to ascribe anything Racial to the Jews , some genetic malice . Up to the opposite of a race : for some ‚ anti-Semites ‚ suddenly the Jews should be malicious because they just were not racially pure  , but a mixture – especially because of a high proportion of the supposedly still more evil Armenians. What , however, could not prevail , the Armenians were Christians , so did not work. Here I must ask for forgiveness : so terrible the consequences were, from a scientific point of view you can not just help it but make fun of the Semites – nonsense.

 In the end, even nazi propaganda minister had an ‚insight‘ and announced: The German policy is only directed against the Jews, but not against the Semites per se. It shall be used the term anti-jewish instead. „So also officially  the old Christian hatred of people who refuse evangelization was re-installed.Though the term „anti-Semitism“ may be still in use, with a number of Orient scientists I‚m against it. The term is totally nonsensical and wrong and gelatinizes only the realities. It directs people away from dealing with the actual historical and cultural facts, as required. It directs them not to handle problems of our European culture that cry out for criticism and coping leads.

The term „anti-Semitism“ became an integral part of fundamentalist Zionist ideology. I do not care. What is wrong, has to be abolished.