Aus dem Gruselkabinett des Internets

 

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Facebook-Party in der niederländischen Kleinstadt Haren. Dort hatte im September 2012 eine unachtsame Sechzehnjährige über Facebook zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen und Tausende kamen – das Ergebnis waren der Einsatz von fünf Hunderschaften der Polizei, 20 Festnahmen, mehrere Verletzte und eine verwüstete Kleinstadt. Es war nicht das erste und nicht das letzte solcher Ereignisse – weltweit. Natürlich auch in Deutschland.

Derartiges sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn von der Anreise hunderter oder gar tausender junger Nordafrikaner nach Köln und in andere deutsche Städte zu Silvester 2016 die Rede ist – und vom entsprechenden Polizeieinsatz. Die Menschen unterscheiden sich nunmal allüberall nicht sonderlich voneinander und was 2012 in Haren passierte, hätte ebenso gut 2016 in Köln passieren können.

Es bedarf keiner großartigen politischen Mobilisierung. Zu einer Facebook-Party in Mexiko erschienen 10.000, da sind wir in Köln mit unseren 1.000 bis 2.000 Nafris noch gut weggekommen.

Nun, es ist nichts passiert, Dank unserer Polizei, also könnte auch wieder Ruhe eintreten. Wäre da nicht die Sucht der Adabeis und Internetpfauen, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um sich selbst öffentlich darzustellen und zu produzieren. Im Bemühen, irgendwie am gelungenen Polizeieinsatz herum zu kritteln, nahmen sie den Ausdruck „Nafri“ aufs Korn. Der im Unterschied zu „Moffen“, „Pimocken“ und „Piefkinesen“ zwar selbst dann nicht so das richtige Empörungspotential mit sich brächte, wenn damit nicht nur unerzogene männliche Nordafrikaner zwischen 18 und 35 mit aggressivem Auftreten und Hang zur Kleinkriminalität gemeint wären, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.

Die übliche moralinsaure weibliche Unschuld, also die modernen Nachfahren der Betschwestern und Diakonissen, machte in Gestalt der Grünen Simone Peter den Anfang, aber das kennen wir zur Genüge. Psychologisch interessanter ist ein anderer Fall: der notorische Pöbler Christopher Lauer. Der ergriff die Gelegenheit, mal wieder zur allseitigen Unterhaltung beizutragen und nannte den Begriff Nafri „für in hohem Maße entmenschlichend“ und führte aus:  „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen.“

Nun ja, unüblich ist das eigentlich nicht. Das erste, was mir zu ganzen Bevölkerungsgruppen, die pauschal nach dem Aussehen beurteilt werden, einfällt, sind Fußballfans. Die fängt die Polizei ja auch gerne mal noch vor der Stadt ab, lotst sie geschlossen ins Stadion und von dort aus ebenso geschlossen wieder zum Bahnhof – und Tschöh. Und keiner fragt, woran man die denn auch dann erkennt, wenn sie keine Kluft tragen. Also genau genommen nichts besonderes. Nur dass solche Fußballfans meist keine Ausländer sind, über die man den moralinsauren grünen Hering raushängen lassen kann. „In hohem Maße entmenschlichend“ – lächerlich.

Nun brachten derlei Aussagen nicht nur die üblichen Verdächtigen von der Rechten auf die Palme, die hierin auch eine wunderbare Gelegenheit fanden, mal wieder die Sau rauszulassen (manch einer von ihnen dürfte auch schon mal zu einer ganzen Bevölkerungsgruppe gehört haben, die von der Polizei nur nach ihrem Aussehen beurteilt wurde, der Kölner kennt auch das z.B. von Hogesa-Demonstrationen); nein, auch Normalbürger machten ihrem Ärger Luft, insbesondere solche, die Töchter im Beuteschema haben können, wie ein braver Sparkassenmitarbeiter und vielleicht sogar langjähriger SPD-Wähler in einer hessischen Kleinstadt. Der schimpfte:

Ich und mein Bekanntenkreis sind uns nun endgültig sicher bei der diesjährigen BW die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich AfD. SPD war einmal und versinkt Hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit, es ist langsam unerträglich.

Denn Lauer ist inzwischen SPD-Mitglied und wer die alte SPD noch kennt, für den liegt es nahe, dass aus dieser Mail an Lauer der Zorn eines ehemaligen An-hängers spricht.

„Der schlimmste Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Lauer nahm die Mail zum Anlass, den Urheber bei seinem Arbeitgeber anzuschwärzen – denn dummerweise hatte er mit seinem Sparkassenaccount gepostet; Achtlosigkeit, falscher Klick, kommt schon mal vor, wenn wir an die Facebook-Verwüstungs-Parties denken. Wobei Lauer angesichts bisheriger Vorkommnisse wohl kaum jemand abnehmen wird, dass es ihm um den Schutz der lokalen Sparkasse ging; es ging um das öffentliche Anprangern eines – potentiellen – AfD-Wählers:

Natürlich stelle ich AfD-wählende Sparkassenmitarbeiter bloß, wenn die so dumm sind während der Arbeit von ihrem Dienstaccount beleidigende Mails zu verschicken. Ich will gar nicht wissen auf was für Daten der Mann Zugriff hat und ob er die ggf. an seine rechten Kumpels weiter gibt.

Was an o.a. Mail beleidigend sein soll, bleibt natürlich Lauers Geheimnis; problematischer erscheint, dass er dem Sparkassenmitarbeiter kaum kaschiert unterstellt, er könnte (Kunden)Daten weiter geben, also eine ganz und gar nicht harmlose kleine Straftat.

Worum es tatsächlich geht, tweetete ein anderer:

Der Schuss ging jedoch nach hinten los. Zu Lauers großem Bedauern solidarisierte sich nämlich die SPD keineswegs mit ihm; dermaßen suizidal ist sie offenbar noch nicht veranlagt. Der Oberseeheimer Kahrs z.B. meinte zu Lauers Ergüssen und den Folgen schlichtweg, „wer Unsinn redet, muss das Echo abkönnen“ – Lauer, um haltlose Übertreibungen nie verlegen, machte daraus, Kahrs wünsche ihm „den rechten Mob auf den Hals“ und begann eine wahre Jammerorgie, in der er sich auf einmal zum armen Opfer von Denunziation und Shitstorm hochjubelte und mit einem Hashtag #schnapsforlauer um Fans buhlte.

Am aufschlussreichsten ist aber die Verwendung eines anderen Begriffs: Herrenmensch. Er gebraucht ihn offenkundig in anderem Kontext als in dem, den man routinemäßig erwarten könnte. Als Herrenmenschen bezeichnet Lauer seine Kritiker und offenbart damit eine anscheinend tiefe, aber verdiente Verletzung: er nämlich ist kein Herr, kein Gentleman, sondern einfach nur ein vulgärer Pöbler, den man nirgendwohin mitnehmen kann, will man sich nicht unmöglich machen. Jemand, der nicht in die sogenannte bessere Gesellschaft passt, ein Lumpenprolet, ein Möchtegern-Emporkömmling aus der Hefe des Internets. Man muss wissen, dass der bekannte Blogger Don Alphonso, der ganz gerne mal und wohl in durchaus provozierender Absicht den wohlhabenden baiuwarischen Patriziersprößling darstellt, schrieb, dass Lauers Verhalten dem Sparkassenmitarbeiter gegenüber im Einklang mit seinen sonstigen Äußerungen rechtlich durchaus bedenklich sein könnte, um diesen Tweet richtig zu verstehen:

Was ihm in einer Gesellschaft, in der man die Stiefel vor der Tür stehen lässt, statt die Dreckklumpen ins Wohnzimmer zu tragen, freilich nichts nützt.

Israel hat ein Problem: BDS

Demo 8Am 25. August rief BDS Berlin wieder einmal zum Boykott israelischer Produkte auf, mit ca. 50 Teilnehmern vor der Galeria Kaufhof. Denn speziell ging es gegen Soda Stream, das es sich auch noch in der illegal besiedelten Westbank gemütlich gemacht hatte.

Auch der Versuch einer kleinen Gegendemonstration fand sich ein, darunter der ehemalige oder Noch-Pirat (wer behält da noch die Übersicht?) Jan Zimmermann und Jannis Hutt; letzterer ist Trainee bei der Abgeordneten der Piratenpartei Julia Reda im Europäischen Parlament in Brüssel.

Demo_7Offenbar gab es Schwierigkeiten mit der Polizei, die die Ansicht nicht teilte, wer für Israel demonstriere, stehe damit automatisch über dem Gesetz. Also mussten sie gezwungenermaßen ihr Vorhaben abbrechen und sich in gebührende Entfernung zurück ziehen. Von da aus marschierten sie dann einzeln zum Kaufhof, um dort demonstrativ Soda-Stream Produkte zu erstehen und zu behaupten, nicht sie selbst, sondern Bürger würden das tun.

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So jämmerlich diese Gegenaktion unter Leitung einer bis dato unbekannten Gruppierung namens „Aktionsforum Israel“ = AFIL sich auch darstellte, Benjamin Weinthal griff danach, um diesem Haufen einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen, Titel: „Israelis helfen, in Deutschland eine Anti-BDS-Gruppe aufzuziehen. Es lohnt sich, da etwas näher hinzuschauen.

BDS israelische Juden 270816Tatsächlich handelt es sich bei dieser Gruppe – um eine Facebookgruppe. Sie umfasst ca. 1.500 Mitglieder, darunter die üblichen Verdächtigen, wie Volker Beck, Martina Engelmann und Ex-Pirat Oliver Höfinghoff, was allerdings nicht sehr viel heißen muss. Denn zu solchen Gruppen kann man einfach Leute zufügen, in der Regel sagen die dann aus Höflichkeit Ja und kümmern sich nicht weiter um die Gruppe.

Zu den Aktivisten gehören aber offenbar die im Impressum genannte Gabi Spronz, die dort eine israelische Adresse angibt, lt. Weinthal jedoch in Deutschland arbeitet. Aber auch der antideutsche Ex-Pirat Jan Zimmermann.

Die Gründung dieser Gruppe erfolgte offenbar vermittels Installation einer Webseite. Die ist ein wenig sparsam. DieFlyer Home-Seite kommt eher als etwas schlichter Witz, die „Medienbewertung“ erschöpft sich in der Zusammenfassung der hier beschriebenen Proteste um den Bericht der Tagesschau über Wasserprobleme in Palästina und unter „Organisationen“ ist das ergötzliche Flugblatt abgedruckt, das – ohne ViSdP-Hinweis und in recht urtümlicher Gestaltung  – bei der versuchten Gegendemonstration verteilt wurde.

Für die aberwitzige Falschheit der Darstellung im Flugblatt gibt es einen recht zuverlässigen Indikator: Facebook. Denn Mark Zuckerberg, Gründer und Inhaber von Facebook, ist Jude. Allerdings zuvörderst ein typischer US-amerikanischer Bürger, der sich auf die Werte der USA bezieht, während Israel ihm einigermaßen gleichgültig zu sein scheint. Jedenfalls führen Israelis gerade einen Prozess gegen sein Unternehmen, weil er ihrer Meinung nach auf Facebook zu wenige Palästinenserbeiträge und -accounts löscht. Same procedure as usual, wie bei jedem anderen, ob Palästinenser oder nicht, der sich Israels Wünschen nicht beugen mag. Aus welchem Grunde also sollte BDS zum Boykott von Facebook aufrufen? BDS ist ja gerade KEIN Boykott gegen Juden und jüdische Produkte, sondern gegen den rechtsbrecherischen Staat Israel – weswegen etliche Juden auch fröhlich dabei mitmachen. Mit diesem zionistischen Staat hat Zuckerberg nicht allzu viel im Sinn – was insbesondere den arabischen Usern durchaus bewusst ist.

Das verweist auf den Grund, warum diese nicht sonderlich ernst zu nehmende Facebookgruppe zur Ehre eines Weinthal-Artikels in der Jerusalem Post kam: eine Alternative ist offenbar nicht gegeben.

Laut Jüdischer Allgemeine, die sich auf israelische Statistiken beruft, gab es in Deutschland 2014 ca. 200.000 Juden, allerdings hatte nur rund die Hälfte Bezug zu jüdischen Gemeinden. An die 20.000 könnten alleine in Berlin leben. Diese Zahlen muss man sich vor Augen halten, um Weinthals Artikel, wonach Israelis (nämlich eine) Deutschen helfen, eine Anti-BDS-Bewegung zu gründen, richtig zu interpretieren: trotz aller Bemühungen der Israel-Lobby ist das Interesse der Juden in Deutschland, sich für Israel einzusetzen, offenbar nur mäßig ausgeprägt, so dass Israel vorwiegend auf die Antideutschen zurück greifen muss.

Ähnlich, wie in den USA die unverzichtbaren Unterstützer des Zionismus die Armageddon-gläubigen Evangelikalen sind, die hoffen, dass mit dem großen Krieg um Jerusalem Jesus wiederkehrt und das tausendjährige Reich errichtet, wie es der Rachetraum des Johannes im Neuen Testament offenbart.

So dürfte sich auch in Deutschland eine Tendenz heraus kristallisieren, die insbesondere in den USA längst besteht: man rechnet damit, dass die Hälfte der US-Juden gar keinen Bezug zu Israel hat, vielmehr das, was dort geschieht, als Verrat an ihren amerikanischen Werten betrachtet.

Damit kehrt eine alte Bewegung wieder, die bis zum 3. Reich die weitaus stärkste im Judentum war und den Zionismus zu einer seltsamen Randexistenz verbannt hatte: die Assimilationsbewegung. Juden kämpften für ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger in ihrem eigenen Land – und das waren z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, aber nicht Palästina (Israel gab es damals noch gar nicht).

Einen großen Vertreter dieser einst starken Bewegung gab es noch nach dem 3. Reich: Bruno Kreisky. Der nannte schon in den siebziger Jahren den Likud faschistisch, Begin einen Terroristen und erklärte, er selbst sei der einzige europäische Politiker, den Golda Meir nicht erpressen könne.
Dafür erwarb dieser große alte Sozialdemokrat sich bei den Zionisten als einer der ersten den Ehrentitel „jüdischer Antisemit“.

 

Krake ist antisemitisch!

Das jedenfalls verkündet die berüchtigte Lobby-Organisation Simon-Wiesenthal-Center. Und wenn das Simon-Wiesenthal-Center das verkündet, dann ist das für die Antideutschen natürlich Gottes Wort, also verkünden sie das auch. Es ist also klar, dass ein wahrhaft linientreuer Antideutscher an der TTIP-Demo nicht teilnehmen kann. Denn:

harryliebs 2Die Frau, die das postete, bezeichnet sich im Avatar unter dem antideutsch-üblichen „Deutschland, du mieses Stück Scheisse“ als israelsolidarisches feministisches Prinzesschen (weniger romantische Charaktere nennen so was Tussi).
Der ehemalige Pirat Harry Liebs aka #Räucherharry liket das.

nabertronic 2

Nun ist aber der Krake das Symbol von Digitalcourage. Der Datenkrake. Ein durchaus treffendes Symbol, wenn man bedenkt wie die Datensammel- und Analysewut insbesondere der USA sich wie ein Krake über Politik und Gesellschaft legt.
Nichts desto trotz, USA-treue Antideutsche, die gegen eine sorgfältige Überwachung der deutschen Gesellschaft gewiss nichts haben, im Gegenteil, setzen andere Prioritäten, wie hier der Beisitzer im Bundesvorstand der Grünen Jugend, Alexander Nabert:

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, mir erscheint die Antipropaganda zur TTIP-Demo denn doch etwas zu durchsichtig.

Nabert fand dann auch gleich einen weiteren Kraken:
nabertronic

Krake ist eben antisemitisch.

220px-Oktopus-Orakel_PaulHier Foto eines  dieser notorischen Antisemiten, Paul aus Oberhausen, der zu Lebzeiten als Fußballorakel fungierte, der Grund, warum die Antideutschen in ihrem tapferen Kampf gegen Antisemitismus bei der WM 2010 die Deutschlandfahnen von Autos und Balkonen holten.
So hängt das zusammen 😉

Der auch Piraten sattsam bekannte Telegehirn darf natürlich in der Reihe nicht fehlen, womit wir denn auch wieder das sattsam bekannte antideutsche Argument hätten, wer gegen Finanzkapital ist, ist Antisemit, denn in Wirklichkeit meine er damit die Juden. So hört sich das eben an, wenn der neoliberale Kapitalismus sich propagandistisch auf die Ebene der Straßendemos begibt.

Telegehirn

Wenn dazu nun eine antideutsche Antifagruppe einen Witz macht, kann einen das schon auf Gedanken bringen.

antifa

Schwer moniert wurde ebenfalls ein Plakat mit einem Zitat von Theodor Körner – vom ehemaligen Piraten Frank Roeder, der nun als „Antipirat“ firmiert:

FraRoeBerFrau Jungle World Wittich, nicht faul, beeilte sich zu ergoogeln, dass einst auch die Nazis sich auf dieses Gedicht bezogen haben sollen:

elquee 2Dass Körner, in der Familie aufgewachsen mit den ganz Großen seiner Zeit, Goethe und Schiller, nichts dafür konnte, dürfte ihr egal sein.

Immerhin gab es auch Verteidiger des nationalistischen Krieges gegen Napoleon.

ennomane 2Nationalismus ist eben nur manchmal nicht so gut.

ennomaneJungle-World-Wittich ist nicht die einzige Journalistin, die tapfer gegen die Großdemonstration anzustinken trachtete. Für SPON machte sich auch Alexander Neubacher an die Arbeit, aus dem großen Haufen die schwarzen Schafe zu sortieren. Was nicht allzu schwer sein dürfte: sollten die Teilnehmerangaben der Veranstalter stimmen, dann dürften, wenn wir nur mit unrealistisch wenigen 1 % krummer Hunde in jedem Haufen rechnen, 2.500 dabei gewesen sein. Sowas findet man.
Neubacher hatte übrigens von vorn herein etwas gegen die TTIP-Demo. So, wie er von vorn herein etwas gegen die linke griechische Regierung Tsipras hatte – und auch da machte er von der Methode Gebrauch, ihr rechte Kontakte zu unterstellen. Das scheint im Moment in Mode zu sein: wer gegen irgend eine linke Bewegung ankämpfen will, unterstellt ihr verdächtige Kontakte nach radikal rechts.
Natürlich darf in unserer Reihe das wohl bekannte Ekelchen nicht fehlen

ekeliasund gaaanz, gaanz vorsichtig traut sich Räucherharry, ein kleines bisschen von Durchgreifen aber Klotziges zu träumen.

harryliebsWer glaubt eigentlich noch, diese Leute hätten von ihren Grundüberzeugungen her jemals etwas mit Piraten zu tun gehabt?

250.000 Teilnehmer gaben die Veranstalter an, 100.000 die Polizei. Das ist das erste Mal seit elend langer Zeit, dass das Netz wieder eine relevante Anzahl zu einer Demonstration zusammen gebracht hat. Wobei die gefledderten Piraten den geringsten Anteil daran geleistet haben dürften. Doch vielleicht wird anhand der Diffamierungsmethodik erkennbar, dass auch die Gegenseite nicht faul ist und gegen Demokratisierungs-, Teilhabe- und Transparenzbewegungen vorgeht, da, wo sie ist: im Netz. Sie hat dabei vieles zerstört. So führte die Zersplitterung, wonach kein Grüppchen mit irgend einem anderen demonstrieren durfte, zu Demonstrationen mit höchstens 50 Teilnehmern, tapfer, aber lächerlich – und vollkommen machtlos. Der Nahe Osten hat mit solchen Manipulations- und Unterwanderungsbemühungen mehr Erfahrung. Der schert sich nicht um Sprüche und macht sich nicht abhängig von Reputation und Anerkennung, die man auf Seiten der angeblich Reichen und Mächtigen gewinnen könnte und sein Netz wird verdammt ernst genommen.
Man könnte ja mal was davon lernen …

Ein Korallenherz für die Friedenstournee

Wegen dieser Veranstaltung hatten die Antideutschen ja schon etwas Ärger gemacht, vor allem, weil zwei Piraten dabei reden wollten.

1

Nun, wie sich das in den sozialen Medien, vor allem auf Twitter spiegelte, war doch recht amüsant.

Als Auftakt dieser Bericht der Friedensdemo-Watch, die solch bedeutende Organisationen sorgfältigst beobachtet.
(Unkundige mögen sich nicht verwirren lassen. Rechts und Nazi ist für die alles außer ihnen selbst.)
Beachtenswert der Schluss des Berichts:

Verschiedene Gruppen und Medien berichteten zuvor kritisch über die Veranstaltung darunter der BAK Shalom AG – nrw(http://shalomnrw.blogsport.eu/2015/08/06/querfront-auf-friedenstournee-zur-veranstaltung-am-08-08-2015-in-dortmund/), die Antifaschistische Union Dortmund(https://www.facebook.com/friedensdemowatch/posts/886615601392697) und die ruhrbarone(http://www.ruhrbarone.de/verschwoerungstheoretiker-am-samstag-in-dortmund/111673).

Also die üblichen Verdächtigen, an vorderster Front der inzwischen besonders bei der Linksjugend schwer unter Beschuss geratene zionistische Bak Shalom, der ja teilweise bereits ‚rausgeschmissen wurde.

Bei dieser Demonstration ging es also um Frieden. Den freilich die Veranstalter nicht achten wollten:

0908 frieden 2Im Gegensatz zu den äußerst friedenswilligen Gegendemonstranten:

0908 frieden 1Zwischen diesen beiden äußerst friedfertigen Gruppen scheint die Polizei wohl eine gewisse Ausgewogenheit hergestellt zu haben; der Meinung waren die Veranstalter freilich nicht:

Dafür ging die Polizei zuvor mit Gewalt und einen 40 Minuten andauernden Kessel gegen die Störung des Auftrittes des Die Bandbreite-Sängers vor. Elf Gegendemonsranten wurden eingekesselt, als sie die Bandbreite gestört haben. Sie bekamen eine Anzeige wegen des Störens einer Versammlung und einen Platzverweis.

Da sieht man dann mal wieder:

Erfüllungsgehilfen d AntisemitenImmerhin mussten auch sie zugeben, dass am Ende alle Störer weg waren:

Mittlerweile sind wohl keine Nazis mehr dort. Sie haben auch Platzverweise von der Polizei bekommen, nachdem sie Gegendemonstranten angegriffen haben.

ABER:

Die Platzverweise für Gegendemonstranten wurden aber wesentlich früher erteilt.

Na sowas aber auch!

Eine besondere Unverschämtheit war, dass unter den Veranstaltern Leute waren, die die Gegendemonstranten filmten:

0908 Eskalation gewolltGenau. Das kommt schon einer Aufforderung zur Notwehr gleich. Und der unfriedliche Sänger der Bandbreite erst!

0908 filmen wojna provokationUnd wenn man dann selber filmt, haben die auch noch was dagegen! Das geht doch gar nicht, oder? Was sagt denn die Polizei dazu? Nix? Alles Nazis!

0908 filmenDie haben Ausdrücke gesagt! Kindergruppe!

Doch der Gipfel waren Beleidigungen von Sänger Wojna gegen das Korallenherz. Und das gleich drei Mal!

Den Nazis wurden durch die Polizei ohne Einwirken der Organisatoren erst Platzverweise erteilt, nachdem sie Robert Ruttkowski alias „Korallenherz“ angegriffen haben. Dieser ist vor Ort aktiv gegen die Wichtel. Nachdem die Nazis Ruttkowski angegriffen haben, hat Wojna, Sänger der Bandbreite, ihn dreimal mit vollen Namen am Micro genannt.

Robert Ruttkowski! Was für eine Beleidigung! Der Mann heißt Korallenherz!

0908 mit namen provoziertZur Beruhigung: Anzeige ist ‚raus.

Auch wegen gefährlicher Bedrohung:

Wojna, der heute ein T-Shirt mit Konterfei des christlichen Fundamentalisten und Reichsideologen Xavier Naidoo und der Aufschrift „Mein Held“ trug, meinte, man könnte sich auseinander setzen, aber dann im Boxring.

Boxring? Nach Regeln? Und mit Schiedsrichter?
Kennen wir nicht, wollen wir nicht, brauchen wir nicht.
Gibt es nicht.
Die Wahrheit sieht ganz anders aus, nämlich so:

bedroht

M O R D I O !

Act 3: a tiny rally

Gegendemo
An impression of the tiny menifestation

After all the incitement in Berlin newspapers for a whole week and an announced broad support of whole Berlin against the 13th Conference of Palestinians in Europe, the support of all parties in Berlin parliament, the whole engagement of Berlin citizens mounted in – about 100 participants. Ok, let’s be generous, there might have been a top of about 120 (whereas I don’t know how many of them were Pegidians)  – but not longer than for 15 minutes!

Speaker at the opening of manifestation claimed Berlin to be a city open to the world. Well, obviously his world did not include Palestinians, Arabs and Muslims – estimated more than 1,5 billions. His world might also not include the broad majority of nations in UN – seems his world consists of the city of Berlin and Israel, ok, far over the sea may be also USA, but that’s all.

The 2nd speaker, a zionist who claimed to be authorized from Simon-Wiesenthal-Center to give a greeting, declared how extremely dangerous the participants of this conference should be. So dangerous that a holocaust surviver did not dare to demonstrate! What a courage the counter-demonstrators had!

Ok, some from the press might look a bit dangerous, strolling around with cameras and big long sticks – but you should imagine that Palestinians came here with whole families, Mom and Dad and Granny and Granpa and small and big children – all threatning the jewish life in Germany. There is a row of tents with food, dresses and art exhibitions. So viewing this peaceful athmosphere his speach was comedy pure. Several times I had to turn my back to the anti-demostration because I was shaken from laughing about this mini-counter-demonstration. As we say in Germany: the mountain was in labour and gave birth to a mouse.

He especially spoke against the right of return. This should be single in the world as well as inherited refugee status of Palestinians. Well, but what about the Zionists? They even claim a right of return since about 50 to 100, when the Romans destroyed temple and state. The argument is a squib load.

The next speaker was Mussawi from Green Party of Iran.  Unfortunately after that amusing speech before he was extremely boring and it seems that everybody was grateful to some Palestinian youths marching some 50m away with Palestinian flags shouting „Free, free Palestine“. Which was answered from a group less than half with some Israel pennants with „Free Gaza from Hamas“. Some entertainment.

At 11:00 Volker Beck, announced as good friend and supporter of Israel, gave his speech. He claimed the two state solution and also right of return, but not to Israel. Which was answered with boos from Palestinian side. The right of return should not be inherited, but he called for assimilation of Palestinian refugees in the Arab guest countries and accused these states of not being willing to do that. He claimed that he himself is descent of a family of Czech expellee and that he himself did not inherit that status; after war Czecoslovakia expelled the Germans living there. What also he never asked: whether Palestinians want that. Everybody of them claims to know what is good for the Palestinians. Oliver Höfinghoff, the last speaker, former pirate party member in Berlin Parliament, knows that a Monte Carlo in Gaza would be good for the Palestinians. Of course he did not ask whether the Palestinians want a casino with a state around in Gaza,

gegen Deutschland
A typical anti-german banner: „Against Islamism, anti-semitism and homophobia. Down with Germany, for the communism“ (typically written with „c“ and not with „k“ as in correct German

Hakan Tas from Die Linke Berlin gave his own special version of Palestine conflict: the problem is not the border to Israel. The problem is Hamas. Well …
And he accused provokations. Unfortunately there was nobody there to provoke. The participants of the conference had other interests and only police, press and two, three organisators were watching it quietly.

The last speaker, Oliver Höfinghoff, tried to tune up the spirit a bit by agitating  paroles against Hamas – but the counter-demonstration, now about only 80 left, were not in the mood to answer.

So all in all that counter demonstration was a very harmless tiny manifestation that did not interest the Palestinians at congress and obviously also not the citizens of Berlin.

Palästinenserkonferenz 2. Akt: das Logo

Nachdem der Israellobby klar geworden sein dürfte, dass Deutschland nicht Israel ist, wo eine Konferenz der Palästinenser in Europa einfach verboten werden kann, mobilisiert sie nunmehr für eine Gegendemonstration. U.a. über Facebook. Wo die Konferenz wahrheitswidrig gleich zur Pro-Hamas-Tagung erklärt wird.

LogoStein des Anstoßes ist das Logo der Konferenz. Denn irgend etwas muss man ja finden. Schon in einem Kommentar zum Blogpost „Israellobby will Palästinenserkonferenz verhindern“ wurde ja nachgefragt, warum keine Israelfahne dabei sei. Warum sollte sie? Was hätte sie bei einer Konferenz der Palästinenser in Europa, die in Deutschland stattfindet, zu suchen?

Nichts desto trotz twitterte der wohl bekannte Grünen-MdB Volker Beck zu dem Logo:
Beck wo liegt Israel auf Logo

Nun, dem geneigten Leser wird auffallen, dass auch die EU dort nichts zu suchen hätte, wenn es sich bei dem Logo denn um eine politische Landkarte handeln würde. Tut es aber nicht. Diese Karte zeigt Palästina, das Palästina, von dem die UNO in Resolution 181, die mit dem Teilungsplan, ausging, das Palästina, das die Grundlage des Teilungsplans war. Und teilen tut man ein Ganzes.

In diesem Palästina lebten überwiegend Palästinenser. Auch in dem Teil, der jetzt Israel ist. Und auch zu den Palästinensern in Europa gehören etliche, die Nachkommen derer sind, die während der Nakba 1948 kurz vor oder kurz nach der Unabhängigkeitserklärung Israels aufgrund israelischer Greueltaten von dort flohen bzw. vertrieben wurden. Manche halten noch immer die Schlüssel zu ihren Häusern in Ehren, die sie besaßen und ihren Willen und Anspruch auf Rückkehr, einen Anspruch, den die UNO auch stets aufrecht erhalten hat. Es ist nun einmal so: Israel gibt es erst seit 1948, Palästina aber schon viel, viel länger, das wurde schon vom mittelalterlichen deutschen Dichter Walther von der Vogelweide besungen. Nichts dran zu machen. Und Zusammenhänge, die Zionisten konstruieren, um an den Haaren einen Grund herbei zu ziehen, warum man gegen etwas protestieren soll, was einem auch ohne jeden Grund nicht passt, können den nüchternen Verstand nicht interessieren.

2. Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany
2. Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany

Im Übrigen darf man wohl annehmen, dass die scheinheilige Empörung gegen den Kongress der Palästinenser in Europa zuvörderst von Sympathisanten derer ausgehen dürfte, die nicht nur gleich die Existenz von Palästinensern überhaupt ablehnen, sondern selbst ganz Palästina für sich allein beanspruchen – was sag ich, Palästina? Jordanien, den Sinai und Ostägypten und etliches mehr zählen sie gleich dazu. Entsprechend sind die Aussagen der Anti-Palästina-Fraktion einzuschätzen.

Reichlich blindwütig hetzt nun die Berliner Zeitung gegen die Konferenz: „Hamas erwartet tausende Anhänger in Berlin“ und erklärt die Hamas gleich zum Organisator der Konferenz. Ein wenig riecht das nach Verschwörungstheorie. Denn Tatsache ist nun mal, dass Hamas diese Konferenz nicht organisiert. Also wird frech behauptet, jaaa, das sei ja nur Tarnung, weil „zu offene Sympathiebekundungen für die Hamas ihrem Anliegen schaden könnten„, aber eigentlich … dafür führten sie an, dass ja auch der stellvertretende Parteivorsitzende der türkischen AKP dort spreche und in der Türkei, da unterhalte die Hamas ja ein Büro – geht man fehl in der Annahme, dass die Berliner Zeitung es wohl gerne hätte, wenn Deutschland mit diesem Argument gleich die diplomatischen Beziehungen zur Türkei abbräche?

Nichts desto trotz, die üblichen Verdächtigen von der Israel-Lobby und der Antideutschen Front mobilisieren natürlich für eine Kundgebung gegen den Palästinenserkongress. Nun, das ist nichts besonderes. Demonstrieren tun die jedes Wochenende, mindestens, mal gegen diesen, mal für jenen, andere gehen in den Sonntagsgottesdienst, die Antideutschen und jungen Israel-Lobbyisten (nicht selten sind sie beides in Personalunion) gehen eben demonstrieren. Es gehört zu ihrer Folklore.

Verlogene Nazijäger

Jetzt, nach dem Marsch rechtsradikaler Randalierer und Hooligans vom Hauptbahnhof zum Ebertplatz und zurück in Köln .- nein, das war kein Marsch durch Köln – schreien sie herum, die Antideutschen und Israel-Lobbyisten, dass man sie nicht genug Nazis habe jagen lassen. Es schreien die Böcke, dass man sie nicht genug habe Gärtnern lassen. Es schreien die, die sorgfältig den Boden mit beackert haben, auf dem diese Saat nun aufging. Es schreien die, die ein Riesentheater abzogen ob des angeblichen Antisemitismus der Migranten und Pro-Palästinenser, die sich in weiß Gott verständlichem Zorn auf Demonstrationen gegen das israelische Massaker in Gaza wandten. Eine einzige zweifelhafte Aussage auf einer Demonstration genügte ihnen, um kaum verhüllt ein Verbot aller solcher Demonstrationen zu verlangen.

Break glass &% shout antisemitism (2)„In Ihre sachliche Zuständigkeit, Herr Senator, fallen die Genehmigung der Demonstration, deren Umstände und Inhalt vorhersehbar waren, und die Untätigkeit der Polizei. Sie sind damit für einen solchen Exzess politisch verantwortlich. Aber nicht ein Wort des Bedauerns, der Entschuldigung, der Bitte um Vergebung gegenüber dem Botschafter Israels in Berlin, gegenüber den Juden in Deutschland und in aller Welt … Sie haben durch Nichtstun und Schweigen dem Ansehen Deutschlands einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zugefügt. Die Strafanzeige des American Jewish Committee zeigt, dass der Vorfall längst internationale Dimensionen angenommen hat. „ ,

schrieb Dr. Jürgen Sudhoff, Staatssekretär des Auswärtigen Amtes a.D. in einem offenen Brief im Berliner Tagesspiegel (es gibt so Leute in Deutschland die meinen, wenn irgend eine noch so obskure zionistische Organisation jammert, müsse man sich gleich in den Staub werfen).

Nein, dies war keineswegs eine Demonstration nur gegen Salafisten. Es war eine Demonstration gegen Muslime, ja, teilweise gegen Ausländer generell. Das bezeugt nicht nur, dass der Anmelder ein Funktionär der notorisch islamophoben rechtsradikalen Pro’ler war, sondern auch Jagdszenen auf Ausländer in den abfahrenden Zügen, von denen der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete.

Foley Netanyahu (2)
Nach internationalen Protesten gelöschter Tweet von Netanyahus offiziellem Account, der die Enthauptung Foleys für israelische Propaganda missbraucht

Es gibt genügend Beispiele für antiislamische Hetze durch Israel-Lobby, Antideutsche und evangelikale US-Fundamentalisten, dass man in die Vollen greifen und jeden Tag was Neues vorstellen kann, welches das längst Bekannte repräsentiert. Hier pars pro toto ein Beispiel von Netanyahu selbst, in dem vorbildlich das getan wird, was auch die Hooligans von Köln taten. Die gewalttätige Terrororganisation IS wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Muslime,  eingeschlossen ihrer obersten theologischen Autoritäten, der Professoren von el-Azhar, nicht nur verurteilt, sondern auch bekämpft. Was sehr wörtlich zu nehmen ist, nicht nur in Syrien. Nichts desto trotz setzt die israelische Propaganda sie mal eben gleich mit Hamas; die sind weiß Gott keine Chorknaben, aber Muslimbruderschaft und die ist stockkonservativ, aber eben nicht IS. Wie man sie kennt, wohl ein Versuch der israelischen Propaganda, ob sich damit nicht das Bombenmassaker von Gaza rechtfertigen ließe: wenn die USA IS mit Bomben platt mache, dann dürfte das Israel mit der Zivilbevölkerung in Gaza ja wohl auch.

Israelnazis (2)
Israelische Nazis auf einer Demonstration gegen israellische Linke im Sommer2014

Aber dabei bleibt’s ja noch nicht mal. Wer Gazas Bevölkerung gegen Israel verteidigt, muss sich auch noch  gefallen lassen, selbst als Hamas-Anhänger bezeichnet zu werden.  Auch ich – und zwar ausgerechnet vom eigentlich als seriös geltenden FAZ-Blogger Don Alphonso. Wenn es um Israel geht, setzt anscheinend bei einigen der Verstand aus. Dass ohnehin so gut wie jeder, der in diesem Konflikt auf der Seite Palästinas steht, schon mal Antisemit tituliert wurde, darf als bekannt voraus gesetzt werden. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt.

Kind im Fadenkreuz (2)
Solche T-Shirts wurden in Israel immer wieder gesehen, auch mit Schwangerer im Fadenkreuz, Aufschrift: „Ein Schuss, zwei Treffer“.

Antisemitismus ist böse, Islamophobie ist gut, so die einfache Logik für schlichte rechtsradikale Gemüter, eine Saat, die schon bei Breivik aufgegangen ist. Man muss sich nur mit aller Entschiedenheit zu Israel bekennen, dann darf man seinem rechtsextremen Fremdenhass freien Lauf lassen und Ausländer prügeln, denn darum geht’s letztendlich. IS = Hamas = Pro-Palästina = Islam, also druff. Auch, wenn es die eigenen Leute sind. Von der alten Parole „Unsere Polizisten schützen die Faschisten“ bis zu „Unsere Polizisten schützen die Islamisten“ ist der Weg nicht weit, also ist es auch ein gutes Werk, sich zum Wohle des deutschen Volkes mit seiner Polizei zu prügeln.

Kach Fußballclub (2)
Hooligans in einem israelischen Fußballstadion mit dem Symbol der rechtsextremen Kahanisten, das auch die Jewish Defense League in Deutschland unbeanstandet verwendet

Ist es Blauäugigkeit oder Perfidie, die die antideutsche Linksextreme bewegt, demonstrativ gegen den antiislamischen Rechtsextremismus zu protestieren, den ihr heiliges Israel  entfacht hat, woran sie selbst sich fleißig beteiligten? Und sich dann womöglich noch wegen des angeblichen notorischen deutschen Hanges zum Nationalsozialimus echauffieren, aber die rechtsextremen Brüder der Hooligans in Israel ignorieren? Gar auch noch Verständnis für sie zeigen, wie das ehemalige Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Julia Schramm, die als Folge der Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg wegen des „unerhörten Antisemitismus“ die in den USA und Israel als militante Terrororganisation eingestufte JDL für legitim hielt?

Nein, dafür habe ich kein Verständnis.
Und ich würde es auch vorziehen, bei Demonstrationen gegen islamophobe Rechtsradikale keine Israel-Fahnen mehr zu sehen. Zu weit sollte man Heuchelei nicht treiben.
Sie sollten erst mal vor ihrer eigenen Tür kehren.

Spuckilecker und Praxisdeppen

Die Antifaschistische Linke Berlin (ALB) hat sich aufgelöst und das hier mitgeteilt. Das ist nichts besonderes, solche zur extremen Linken gehörenden Gruppen lösen sich immer wieder mal auf. An sich kümmert man sich ja nicht um solche extremistischen Minderheiten – aber in diesem Falle erkennt man schnell merkwürdig Vertrautes.

Die ALB ging aus der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB) hervor. Die gründete sich Anfang der 90er Jahre. Sie war eher pragmatisch orientiert und ihre historische Leistung besteht in der jährlichen Aufführung der Kreuzberger Krawalle zum 1. Mai.

Die AAB spaltete sich 2003. Warum, erklärt sie selber ganz gut in dieser Stellungnahme:

Für die praktische Politik spielt die Frage nach gesellschaftlicher Intervention eine entscheidende Rolle. Während den „InterventionistInnen“ schnell das Mitmachen, die Reproduktion der abzuschaffenden Verhältnisse, das potentiell falsche Verständnis zum Vorwurf gemacht wird, endet die Praxis der „IdeologiekritikerInnen“ oft in Abgrenzung zu anderen Linken und ihrer Politik.

Die „Praxisdeppen“ kündigten also die Kooperation auf, weil sie die Nase voll hatten, dass sog. Ideologiekritiker, selbst Ideologen, sich statt mit praktischer Politik eher damit beschäftigten, Grupppen mit anderen Meinungen  zu exkludieren.

Die Interventionistische Linke (IL) gibt es übrigens immer noch. Sie wird in der Auflösungserklärung der ALB als Nachfolgeorganisation empfohlen.

Antifa schwarzSpaltungsgrund waren die Antideutschen, die eher zum Autonomen Lager tendierten, wie sich schon an der Farbsymbolik der Antifa-Flaggen erkennen lässt. Im Titelbild sehen wir, die der ALB ist rot auf schwarz. Die Antideutschen gehörten dem Lager derer an, die meinen, man bräuchte erst mal eine Theorie, bevor man zu praktischen Aktionen schreiten könne.  Was notorisch zu Spaltungen führt, denn zu einer allseits akzeptierten Theorie kommt es nie.

Die in der Stellungnahme des AAB von 2003 festgestellten Probleme mit den Antideutschen lassen sich fast 1:1 auf die Piratenpartei übertragen. Dort steht:

Der Streit über die „richtige“ Position ist in der Linken ein Bestandteil der Politik, aber ohne die Wahrnehmbarkeit einer praktischen Politik interessiert sich auch niemand für die Positionen, die vertreten werden. Die AAB ist dafür ein gutes Beispiel: Nur aufgrund der praktischen Erfolge unserer Politik wurden auch die Positionen diskutiert.
Dem Anspruch, die Theorie zu verbessern und mit Praxis zusammenzuführen, wurde von den Leuten, die dies einforderten, nicht Genüge getan. Im Gegenteil hat die Art und Weise wie Diskussionen geführt wurden mehr und mehr zu einem Klima geführt, in dem Projekte gegen einen relevanten Teil in Kampfabstimmungen durchgesetzt werden mussten, bestenfalls gab es eine Art „Stillhalteabkommen“. Von einer kontinuierlichen Diskussion um die Weiterentwicklung der Politik konnte keine Rede sein.

Jo, is so. Kommt bekannt vor, ne?
Also spaltete sich die ALB ab und rief erst mal zu einer Demonstration gegen George Bush’s Irak-Krieg  auf, ein Krieg, den die Antideutschen – die „Spuckilecker“, gemeint ist wohl insbesondere die Spucki der USA – entschieden unterstützten. Damit wollte die ALB „Möglichkeiten der politischen Einflussnahme weg von der denunziatorischen Selbstbeschäftigung in einem Teil der Linken“ wieder eröffnen. Um überhaupt wieder politisch handlungsfähig zu sein.

Die „Praxisdeppen“ der Antifaschistischen Linken machten weiter mit Action: sie organisierten u.a. weiter die Kreuzberger Demonstrationen zum 1. Mai unter dem Motto ‚Berlin soll brennen‘, aber auch die Demonstrationen gegen die Nazi-Aufmärsche in Dresden, die letztlich dazu führten, dass der einst größte Nazi-Aufmarsch Europas aufgeben musste. Gewalt hält die Antifa angesichts der angeblich strukturellen staatlichen Gewalt für legitim und nötig, formierte auch den Schwarzen Block und wurde zur „tonangebenden Antifa der Stadt“, wie die taz über sie zum Zehnjährigen schrieb. Allerdings war es nur ein Teil der ALB, die dermaßen auf Gewalt setzten. Die Mehrheit bekannte sich eher zur Interventionistischen Linken, die mehr auf Kooperation mit anderen linken Gruppierungen, auch bürgerlichen, wie Gewerkschaften, setzte, was der militanten Minderheit wohl nicht unterhaltsam genug erschien und nun zur Auflösung der ALB führte.

IL
Banner der IL zum G8-Gipfel in Rostock 2007

Man sollte hieraus nicht den Schluss ziehen, die ALB bzw. das überregionale Bündnis Interventionistische Linke (IL), zu dem auch der ALB gehörte, seien friedlicher Natur. Wir bewegen uns hier im linksextremen Spektrum, in dem nicht mehr über das Ob, sondern nur über das Ausmaß an Gewalt diskutiert wird. Über die AL war dann auch die ALB an der Organisation und Durchführung der doch recht militanten Demonstration gegen den G8-Gipfel 2007 beteiligt, mit einer freilich noch übler militanten Staatsmacht, die immerhin die Bundeswehr einsetzte; sowie auch am wesentlich friedlicher aufgezogenen Schottern des Castor.

Kommen wir nun zum anderen Flügel des ABB, den antideutschen „Spuckileckern“, zunächst die Gruppe „Kritik und Praxis Berlin„, kurz KP.  Viel brachte der offenbar nicht zustande, außer der Organisation einer 1. Mai – Demo in ihrem Gründungsjahr tat sie sich lt. Wikipedia mit der Organisation einer Fete hervor:

Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung organisierte sie am 7. Mai 2005 gemeinsam mit der Wochenzeitung Jungle World ein Open Air-Festival unter dem Motto „Deutschland du Opfer“.

Es handelte sich hier offenbar um den Jungle World Flügel der Antideutschen, der lange schon mit dem Grigat-Flügel der Antideutschen spinnefeind ist. Offenbar fand jedoch die theoretische Arbeit zwecks Vorbereitung der Revolution recht wenig Resonanz, so dass sich die KP 2006 wieder auflöste und als neue Organisation Theorie, Organisation, Praxis (TOP) gründete. Die veröffentlichte 2007, natürlich in der Jungle World, das Statement „Dabeisein ist nicht alles„, das doch einer näheren Betrachtung lohnt.

Anlass ist offenbar der erwähnte Aufruf der ALB/IL zur Demonstration gegen den G8-Gipfel, der der Regierung nicht unerhebliche Kopfschmerzen bereitete. Davon hielt TOP nichts und zitiert sich quasi selbst, nämlich KP:

Anstelle das Verschwinden von Antisemitismus und Antiamerikanismus als a priori auszuweisen, bevor kommunistische Praxis überhaupt erst möglich sei, müsste sich gerade aus deren Existenz jede Notwendigkeit ableiten, die Kapitalismuskritik praktisch werden zu lassen.

Anders gesagt, vor der Revolution müsse das Bündnis mit Israel und den USA stehen; letzteres verbiete natürlich eine Demonstration gegen den G8-Gipfel, an der die TOP aber trotzdem teilnehmen will, um „unsere Kritik an dem falschen Ganzen denjenigen nahe zu bringen, die für uns erreichbar sind„; also in missionierender Absicht. Eine für die Bundesregierung zweifellos sehr praktische Ansicht.

Es ist vorwiegend dieser Flügel der Antifa, der speziell bei den Berliner Piraten eingefallen ist und dort das gleiche Werk betrieb, das er damals schon innerhalb der Linksextremisten versuchte:

Wer nicht Islamisten, Neonazis, landlose Bauern, Hartz-IV-Protestler und Schwarzfahrer zu einer subversiven Masse verwursten will – und sie dadurch gleich macht, weil sie irgendwie alle etwas gegen den Neoliberalismus haben –, dessen Bilanz muss nüchtern ausfallen.

Was nichts anderes ist als die prinzipielle Ablehnung der Kooperation von Menschen mit unterschiedlichen Beweggründen, wie sie schon dem AAB sauer aufstieß, wobei die zuerst angeführten Begriffe „Islamist“ und „Neonazi“ erfahrungsgemäß den ‚Vorteil‘  haben, dass man jeden so bezeichnen kann, dessen Ansichten einem nicht passen. Es ist dann eben persönliche Meinung ohne Beweispflicht.

Und spricht dann im weiteren Text von „Schnittstellen zum Weltbild eines mo­dernen Neonazis„,  Antiamerikanismus und antisemitischen Stereotypen, die man im anderen Flügel angeblich fände, von einer „falschen, verkürzten Kapitalismuskritik, die ja durch­aus Schnittstellen zum Weltbild eines mo­dernen Neonazis aufweist„, also die ganze Bandbreite hinlänglich bekannter Diffamierungen und Verleumdungen, für die die Antideutschen allüberall längst berüchtigt sind.

DWarnschild Zersetzunger Terminus Technicus für diese Tätigkeit ist: Zersetzung.

(Wer dies vertiefen möchte: hier Link zur Erich Mielkes MfS-Richtlinie betreffend Zersetzung, der ganz gut die wohl universale Methode beschreibt.)

 

Auf die interessanten Kommentare – bitte runterscrollen! – wird ausdrücklich verwiesen.

 

 

Die Rache der SED

Die Jagd auf vermeintliche Faschisten und Nazis, die freilich sehr rückwärts gewandt ist und moderne Formen des Faschismus, wie Dugins Eurasianismus, ignoriert, gehört zu den zentralen Merkmalen insbesondere der Antideutschen. Andere mögen Linksextremisten sagen, doch da weigere ich mich. Denn wer sich links nennen will, kann sich nicht auf rechte ideologische Positionen beziehen. Die Hinwendung zum dem deutschen Idealismus verwandten Lobpreis der Ideologie, die ideelle politische oder womöglich gar Staatsziele anstrebt, ist von ihrem Wesen her rechts reaktionär, wie ich hier bereits ausführte.

Die BRD hatte sich von Anfang an als das zwar unvollständige, aber dennoch eigentliche Deutschland definiert. Folgerichtig trat die DDR nach dem Mauerfall diesem eigentlichen Deutschland bei. Der Versuch weniger, bei der Gelegenheit einen neuen Staat mit einer neuen Verfassung zu gründen, war angesichts der Mehrheitsverhältnisse (die gesamte DDR hatte gerade mal so viele Einwohner wie NRW alleine) von vorn herein aussichtslos, denn die Bürger der BRD hatten einen Verfassungspatriotismus entwickelt, der sie auf jeden Fall an ihrem Grundgesetz festhalten ließ. Dieses Bewusstsein war in der DDR nicht entwickelt; der in der DDR-Verfassung zementierte unfreie Führerstaat, auch wenn nicht eine Person, sondern eine Partei(führung) auserkoren war, dazu die schmerzlich empfundene wirtschaftliche Erfolglosigkeit gegenüber der BRD waren hierzu nicht geeignet. Hingegen war es im Gegensatz zur BRD normal, dass Verfassungen zur Disposition stehen, denn  in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens hatte die DDR alleine schon drei Verfassungen; heran gezogen wird hier die jüngste von 1978.

In Art. 1 dieser Verfassung definierte sich die DDR folgendermaßen:

„Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei.“

Dies bedarf einer Rechtfertigung, denn weder ist es freiheitlich, einen Staat als politische Organisation nur eines Teils seiner Bürger anzusehen – wo bleiben beispielsweise die bürgerlichen Gelehrten und die Kaufleute? – noch ist es demokratisch, alle Bürger der Führung einer Klasse und ihrer Partei zu unterstellen. Die Rechtfertigung findet sich bereits in der Präambel, nämlich: der Antifaschismus:

„In Fortsetzung der revolutionären Tradition der deutschen Arbeiterklasse und gestützt auf die Befreiung vom Faschismus hat das Volk der Deutschen Demokratischen Republik in Übereinstimmung mit den Prozessen der geschichtlichen Entwicklung unserer Epoche sein Recht auf sozial-ökonomische, staatliche und nationale Selbstbestimmung verwirklicht und gestaltet die entwickelte sozialistische Gesellschaft.“

Und Art. 65 Abs. 1 behauptet:

Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des Volkes und den internationalen Verpflichtungen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet.

Das stimmte natürlich nicht. Tatsächlich blühte und gedieh der Rechtsradikalismus prächtig in der DDR, insbesondere unter den Jugendlichen, wie eigentlich auch jeder, der ab und an mal privat die DDR besuchte, hätte wissen müssen. Doch auch die DDR Staatsführung wusste durchaus Bescheid. Anfang 2001 verwies Der Spiegel auf eine Studie des Leipziger Zentralinstituts für Jugendforschung, die bis  dahin unter Verschluss gehalten worden war. Das Institut schätzte auf Grund empirischer Studien, dass 10-15 Prozent der DDR-Bevölkerung ein „festgefügtes rechtsradikales Denkmuster“ hätten, insgesamt bis zu 50 Prozent der Jugendlichen besäßen „rechtsradikale Gefühlsstrukturen“. Das war natürlich peinlich und offiziell beeilte man sich zu versichern, das läge daran, dass westdeutsche Neonazis perfiderweise den antifaschistischen National befreite ZoneSchutzwall mit ihrer Nazipropaganda unterlaufen und die saubere DDR-Jugend infizieren würden. Doch auch 2010 noch lagen die Bastionen der NPD im Osten, wie auf dieser interaktiven Karte zu sehen, Berlin übrigens eingeschlossen, und pogromartige Ausschreitungen unter Beteiligung einer applaudierenden Bevölkerung, wie 1992 in Rostock-Lichtenhagen, Aufmärsche in Formation mit Landsknechtstrommeln und Fahnen oder gar ein Aufmarsch von 6.000 Nazis 2009 in Dresden oder „national befreite Zonen“ waren im Westen völlig unbekannt gewesen; dort entwickelten sich mangels Resonanz eher vereinzelte Terrorgruppen, aber keine schlagkräftige Organisationsstruktur.

Wenn die Illusion, Faschismus sei hauptsächlich innerhalb der westdeutschen Bevölkerung  verbreitet, bis heute so vehement aufrecht erhalten wird, so hat dies den gleichen Grund wie früher in der DDR. Es geht nämlich gar nicht um Faschismus. Vielmehr ist für weite Teile der Antifa Antifaschismus längst als Vehikel zur Systemveränderung instrumentalisiert worden. Dies versteht man freilich erst dann, wenn man die  Bedeutung der klassischen Faschismus-Definition der Sozialisten begriffen hat, wie sie von der Sozialistischen Internationalen bis 1933 ausgestaltet wurde:

Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.

Faschismus ist also nur der offene, deutlich sichtbare Ausfluss des Finanzkapitals, der in eben diesem Kapitalismus ansonsten latent vorhanden ist. Antifaschistischer SchutzwallDaraus folgt, dass, entgegen den empirischen Studien, der Faschismus nicht im Osten, sondern im Westen Deutschlands seine Hauptbastionen haben soll, was auch so lange bleiben soll, bis der Westen zu Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus zwangsmissioniert ist. Was einst die Existenz der DDR und damit auch der Diktatur bis hin zum „Antifaschistischen Schutzwall“ rechtfertigte, dass man nämlich international in der Pflicht stehe, den im Kapitalismus latent vorhandenen Faschismus insbesondere auf deutschem Boden zu bekämpfen, wird nun zur Rechtfertigung genutzt, unter Missachtung demokratischer Grundsätze und sogar unter Rechtfertigung von Gewalt  zumindest gegen Sachen eine Systemveränderung in Deutschland zu erzwingen. Das ist natürlich völliger Unsinn, solche Leute haben nicht die geringste Chance, unter unserer demokratischen Verfassung je eine Mehrheit dafür zu erlangen, jedoch hat das Leute, die sich selbst mit einer angeblich höheren Moral immunisieren, noch nie gestört. Sie leben halt in ihren Träumen.

Immerhin erkennt man auf einmal die hinter den Antideutschen stehende Logik: entscheidend ist nicht der Antifaschismus, sondern die Bekämpfung des „Systems“ bis hin zu seiner Abschaffung. Problematisch ist natürlich, was an seine Stelle treten soll. Darin unterscheiden sich die Richtungen. Die Freunde der klassischen K-Gruppen-Ideologien streben ganz revolutionär ein neues System an, das nicht so viel anders erwartet werden kann, als die alte DDR. Nicht deswegen, weil die so gerühmt wird, sondern weil es nicht anders geht. Ohne Diktatur kommt man gegen eine große Mehrheit der Bevölkerung, die so etwas ablehnt, nun mal nicht an. Die Rechtfertigung dafür ist natürlich die alte: es entspricht einer angeblich höheren Moral.

Die weniger sozialistisch orientierten Freunde der USA können den Kapitalismus natürlich nicht abschaffen; alternativ streben sie das Abschaffen Deutschlands an und geraten damit in brandgefährliches rechtsradikales Fahrwasser, denn gerechtfertigt werden kann das nur durch kultur- oder gar biologischen Rassismus. Was freilich ebenso zwingend antidemokratisch ist.

Antideutscher Nazi
Beispiel für antideutschen Fremdenhass

Und ganz klar im rechtsradikalen Fahrwasser schippern diejenigen, die ihren Rassismus und ihren Fremdenhass mit geradezu fanatischer Freundschaft zu Israel kaschieren. Hier tritt die Frage nach dem System völlig zurück, übrig bleibt Faschismus pur. Was eine relativ neue Qualität von Rassismus und Fremdenhass ist, wie wir sie allerdings in ganz Westeuropa finden, am bekanntesten bei den Anhängern Le Pens und Geert Wilders, aber auch bei der berüchtigten Webseite politically incorrect; man muss sich nur hingebungsvoll zu Israel bekennen, dann darf man allen anderen gegenüber die Sau raus lassen: man ist ja kein Antisemit, das reicht. Von daher ist es in meinen Augen nur eine Frage der Zeit, bis zumindest ein relevanter Teil der Antideutschen auch offiziell in dieses rechtsradikale Lager wechselt.

Antideutsches Fußballfest

WM 2014Zuweilen fressen sie ja Kreide , die Antideutschen, um nicht so abseitig zu erscheinen, wie sie sind.  Was den braven Bürgerskindern noch nicht einmal schwer fallen sollte, ist doch der extremistische Anstrich für sie weiter nichts als der Ausbruch aus dem Alltag, der schon mal langweilig wird. Doch – man kann ja nicht immer lieb sein und so finden sich Gelegenheiten, bei denen Spießers Neigung zum rantenden Hooligan durchbricht. Fußball ist da so’n Ding. Fußball walzt eben alles andere platt, schon im Vorfeld.

Die Fußball-WM wirft ihre Schatten voraus.Gartenzwerg Eines der Feste, bei denen der Spießer antideutscher Version sich mal so richtig über andere empören kann, denn genau das tut der deutsche Spießer am liebsten. Da Elke Wittich aka Elquee es gar nicht erwarten kann, hat sie damit schon mal in der Jungle World angefangen. Und dann auch gleich richtig, schon in der Überschrift: Das Schlandpack darf nicht zur Masse werden. Was schon mal auf eine weitere Eigenschaft des deutschen Spießers verweist: er ist kein Massenmensch. Nie nich. Masse sind immer die anderen. Etwas anderes wäre für unsere Egozentriker schier unerträglich. Von daher verweist schon die Überschrift auf ganz gewöhnliche Massenware. Die hat übrigens Tradition. In Mode kam sie im Biedermeier, als der brave Bürgersmann sich mit der Gartenlaube in selbige zurück zog und sich dort über die dumme Masse empörte.
Es ist, nebenbei bemerkt, klar, dass das mit Linkssein nicht das Mindeste zu tun hat. Wer links ist, ist Volk, ist Masse.

Da ich eher links bin, gehöre ich gerne zu ihrem „schwarz-rot-goldenen Pack“. Das Volk bin ich. Sicher nicht alleine, aber ich bin dabei. Mit mehreren schwarz-rot-goldenen Fahnen, Wimpeln, Blumenkette, Käppi und was so alles dazu gehört. Wesentlich auch zum Verleihen. Denn zum Fußballgucken auf die Ringe geht man nicht ohne. Sonst kann man sich nicht unterscheiden und landet womöglich in der falschen Kneipe: da, wo die Blau-Weißen, Grünen, Roten oder diverse Tricolorierte Fußball gucken. Ich gehöre also zu denen, die vor Nationalstolz platzen, sich schon vor dem Spiel besaufen, gefährlich sind, weil sie andere Leute verprügeln, speziell die mit anderer Hautfarbe, ebenso wie die ob des Fußballs ihre juristische Karriere gefährdende Tochter samt ihren Freunden und Kollegen, Deutschland-Pöbel, der nächtens in Fischteiche fällt oder beim Pipimachen in die Baugrube. Äh, wie meinen? Ach so, unsere Gartenlaubenleserin liest das Märchen auf der Kinderseite vor, über Degenhardts Rumpelstielzchen, das am Bahndamm wohnt, wo der Zug verkehrt, der von Schilda nach Schlaraffia fährt. Ja, wenn man die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen mag, weil sie sich zu wenig für die  Existenz einer in ihren rosaroten Träumen huldvoll vom Balkon lächelnden Linksextremistenprinzessin interessiert …

Nächsten Monat beginnt sie, die Fußball-WM in Brasilien. Ja, es gibt eine Menge ekliger sozialer Probleme im Vorfeld. Aber wir Kölner mögen die Brasilianer, haben vieles mit ihnen gemeinsam und wünschen ihnen alles Gute für ihre WM. Für unser Veedel beginnt sie damit, dass antideutschauf der Dachterrasse des Hauses an der Ecke die Deutschlandfahne gehisst wird. Ordentlich an einer veritablen Fahnenstange. Ich vermute, der Eigentümer ist Polizist, die nämlich dürfen die entsorgten offiziellen Flaggen übernehmen, so richtig mit Adler, wie der Polizist von schräg gegenüber immer eine aus dem Fenster hängen hat. Es wird nicht die einzige sein, auch nicht die einzige in diesen Farben, denn wenn sie nicht umgezogen sind, wird auch die schwedische wieder dort hängen und die aus Mexiko. Und einen Straßenzug weiter an der Hauptstraße dann das Rot mit Halbmond der Türken. Ich werde es auch nicht versäumen, am Volksgarten lang zu fahren; gucken, ob die Italiener wieder ihre mindestens 15 m lange Fahne über mehrere Stockwerke hängen haben.

Voll besetzt werden an den Spieltagen wieder die Cafés und Kneipen an den Ringen sein mit in ihren Landesfarben kostümierten Fans und nach zwei Stunden gibt’s dann den Autocorso der Sieger – wer das Spiel nicht gesehen hat, bekommt so sein Ende mit. Oh ja, es macht Spaß. Es macht Spaß, sich gegenseitig Glück zu wünschen und anzupflaumen, mal Gegner sein, am nächsten Spieltag dann Verbündeter.

Offenbar gibt es in diesem Jahr für die moralinsauren antideutschen berliner Spießer noch eine Extraportion zum Empören: am 21. Juni findet dort der CSD statt. Und Deutschland gegen Ghana. Dürfte klar sein, wer hier den Hauptzulauf erhält.

Selbst dran schuld.  In Köln ist der CSD am 6. Juli. Spielfreier Tag. Natürlich. Was denn sonst. Schwule wollen schließlich auch Fußball gucken.
In diesem Sinne: viel Spaß beim Public Viewing!

Fußball D