Aus dem Gruselkabinett des Internets

 

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Facebook-Party in der niederländischen Kleinstadt Haren. Dort hatte im September 2012 eine unachtsame Sechzehnjährige über Facebook zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen und Tausende kamen – das Ergebnis waren der Einsatz von fünf Hunderschaften der Polizei, 20 Festnahmen, mehrere Verletzte und eine verwüstete Kleinstadt. Es war nicht das erste und nicht das letzte solcher Ereignisse – weltweit. Natürlich auch in Deutschland.

Derartiges sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn von der Anreise hunderter oder gar tausender junger Nordafrikaner nach Köln und in andere deutsche Städte zu Silvester 2016 die Rede ist – und vom entsprechenden Polizeieinsatz. Die Menschen unterscheiden sich nunmal allüberall nicht sonderlich voneinander und was 2012 in Haren passierte, hätte ebenso gut 2016 in Köln passieren können.

Es bedarf keiner großartigen politischen Mobilisierung. Zu einer Facebook-Party in Mexiko erschienen 10.000, da sind wir in Köln mit unseren 1.000 bis 2.000 Nafris noch gut weggekommen.

Nun, es ist nichts passiert, Dank unserer Polizei, also könnte auch wieder Ruhe eintreten. Wäre da nicht die Sucht der Adabeis und Internetpfauen, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, um sich selbst öffentlich darzustellen und zu produzieren. Im Bemühen, irgendwie am gelungenen Polizeieinsatz herum zu kritteln, nahmen sie den Ausdruck „Nafri“ aufs Korn. Der im Unterschied zu „Moffen“, „Pimocken“ und „Piefkinesen“ zwar selbst dann nicht so das richtige Empörungspotential mit sich brächte, wenn damit nicht nur unerzogene männliche Nordafrikaner zwischen 18 und 35 mit aggressivem Auftreten und Hang zur Kleinkriminalität gemeint wären, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.

Die übliche moralinsaure weibliche Unschuld, also die modernen Nachfahren der Betschwestern und Diakonissen, machte in Gestalt der Grünen Simone Peter den Anfang, aber das kennen wir zur Genüge. Psychologisch interessanter ist ein anderer Fall: der notorische Pöbler Christopher Lauer. Der ergriff die Gelegenheit, mal wieder zur allseitigen Unterhaltung beizutragen und nannte den Begriff Nafri „für in hohem Maße entmenschlichend“ und führte aus:  „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen.“

Nun ja, unüblich ist das eigentlich nicht. Das erste, was mir zu ganzen Bevölkerungsgruppen, die pauschal nach dem Aussehen beurteilt werden, einfällt, sind Fußballfans. Die fängt die Polizei ja auch gerne mal noch vor der Stadt ab, lotst sie geschlossen ins Stadion und von dort aus ebenso geschlossen wieder zum Bahnhof – und Tschöh. Und keiner fragt, woran man die denn auch dann erkennt, wenn sie keine Kluft tragen. Also genau genommen nichts besonderes. Nur dass solche Fußballfans meist keine Ausländer sind, über die man den moralinsauren grünen Hering raushängen lassen kann. „In hohem Maße entmenschlichend“ – lächerlich.

Nun brachten derlei Aussagen nicht nur die üblichen Verdächtigen von der Rechten auf die Palme, die hierin auch eine wunderbare Gelegenheit fanden, mal wieder die Sau rauszulassen (manch einer von ihnen dürfte auch schon mal zu einer ganzen Bevölkerungsgruppe gehört haben, die von der Polizei nur nach ihrem Aussehen beurteilt wurde, der Kölner kennt auch das z.B. von Hogesa-Demonstrationen); nein, auch Normalbürger machten ihrem Ärger Luft, insbesondere solche, die Töchter im Beuteschema haben können, wie ein braver Sparkassenmitarbeiter und vielleicht sogar langjähriger SPD-Wähler in einer hessischen Kleinstadt. Der schimpfte:

Ich und mein Bekanntenkreis sind uns nun endgültig sicher bei der diesjährigen BW die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich AfD. SPD war einmal und versinkt Hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit, es ist langsam unerträglich.

Denn Lauer ist inzwischen SPD-Mitglied und wer die alte SPD noch kennt, für den liegt es nahe, dass aus dieser Mail an Lauer der Zorn eines ehemaligen An-hängers spricht.

„Der schlimmste Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.“ Lauer nahm die Mail zum Anlass, den Urheber bei seinem Arbeitgeber anzuschwärzen – denn dummerweise hatte er mit seinem Sparkassenaccount gepostet; Achtlosigkeit, falscher Klick, kommt schon mal vor, wenn wir an die Facebook-Verwüstungs-Parties denken. Wobei Lauer angesichts bisheriger Vorkommnisse wohl kaum jemand abnehmen wird, dass es ihm um den Schutz der lokalen Sparkasse ging; es ging um das öffentliche Anprangern eines – potentiellen – AfD-Wählers:

Natürlich stelle ich AfD-wählende Sparkassenmitarbeiter bloß, wenn die so dumm sind während der Arbeit von ihrem Dienstaccount beleidigende Mails zu verschicken. Ich will gar nicht wissen auf was für Daten der Mann Zugriff hat und ob er die ggf. an seine rechten Kumpels weiter gibt.

Was an o.a. Mail beleidigend sein soll, bleibt natürlich Lauers Geheimnis; problematischer erscheint, dass er dem Sparkassenmitarbeiter kaum kaschiert unterstellt, er könnte (Kunden)Daten weiter geben, also eine ganz und gar nicht harmlose kleine Straftat.

Worum es tatsächlich geht, tweetete ein anderer:

Der Schuss ging jedoch nach hinten los. Zu Lauers großem Bedauern solidarisierte sich nämlich die SPD keineswegs mit ihm; dermaßen suizidal ist sie offenbar noch nicht veranlagt. Der Oberseeheimer Kahrs z.B. meinte zu Lauers Ergüssen und den Folgen schlichtweg, „wer Unsinn redet, muss das Echo abkönnen“ – Lauer, um haltlose Übertreibungen nie verlegen, machte daraus, Kahrs wünsche ihm „den rechten Mob auf den Hals“ und begann eine wahre Jammerorgie, in der er sich auf einmal zum armen Opfer von Denunziation und Shitstorm hochjubelte und mit einem Hashtag #schnapsforlauer um Fans buhlte.

Am aufschlussreichsten ist aber die Verwendung eines anderen Begriffs: Herrenmensch. Er gebraucht ihn offenkundig in anderem Kontext als in dem, den man routinemäßig erwarten könnte. Als Herrenmenschen bezeichnet Lauer seine Kritiker und offenbart damit eine anscheinend tiefe, aber verdiente Verletzung: er nämlich ist kein Herr, kein Gentleman, sondern einfach nur ein vulgärer Pöbler, den man nirgendwohin mitnehmen kann, will man sich nicht unmöglich machen. Jemand, der nicht in die sogenannte bessere Gesellschaft passt, ein Lumpenprolet, ein Möchtegern-Emporkömmling aus der Hefe des Internets. Man muss wissen, dass der bekannte Blogger Don Alphonso, der ganz gerne mal und wohl in durchaus provozierender Absicht den wohlhabenden baiuwarischen Patriziersprößling darstellt, schrieb, dass Lauers Verhalten dem Sparkassenmitarbeiter gegenüber im Einklang mit seinen sonstigen Äußerungen rechtlich durchaus bedenklich sein könnte, um diesen Tweet richtig zu verstehen:

Was ihm in einer Gesellschaft, in der man die Stiefel vor der Tür stehen lässt, statt die Dreckklumpen ins Wohnzimmer zu tragen, freilich nichts nützt.

Schnelles Update zum Krieg gegen ISIS in Sirte, Libyen!

Ich habe diesen Facebook-Post eines alten Weggenossen der Libyschen Revolution übersetzt, um mal eine authentischen Meinung aus Libyen vorzustellen.
Sie dürfte zumindest für Misrata typisch, so ähnlich aber in allen Regionen Libyens zu finden sein. Mit Abstrichen: denn wenn General Heftar in Benghasi sich Ägypten und Russland annähert, gegen die der Autor hier ist, so bedeutet das ja keineswegs, dass sie deren Vasallen werden wollen. Aber so ganz alleine geht’s nun mal nicht, wenn man die auch von Burhaneddin beklagte UN-Marionettenregierung im Land hat, die zwar in Libyen nichts zu sagen hat, aber alle Hilfen blockiert.
Ich anempfehle dies vor allem den Islamophoben, die aus propagandistischen Gründen keinen Unterschied zwischen frommen Muslimen und Islamisten machen. Doch, der Unterschied besteht und er ist gewaltig, wie man hier sieht, so gewaltig wie der Unterschied zwischen Leben und Tod.

 

An meine Freunde außerhalb Libyens:

Gestern, am 5. Dezember 2016, wurde der ISIS-Abschaum völlig besiegt; ihre letzten Reste kapitulierten gegenüber unseren Kriegern in Sirte. Die Stadt Sirte ist jetzt befreit vom der ISIS-Befall, der für ca zwei Jahre die Kontrolle über sie hatte!

Dass der Krieg gegen ISIS, die bereits in einem Bereich von 400 m² umzingelt waren, so lange dauerte, lag an der Tatsache, dass Wahnsinnigen von ISIS Frauen, Kinder und andere Geiseln für eine sehr lange Zeit bei sich hielten. Unsere Kämpfer  hatten buchstäblich die Innenstadt von Sirt Haus für Haus und Zimmer für Zimmer  zu befreien (das ist hier keine Übertreibung). ISIS, als die Ratten, die sie sind, hatten zur Zeit, als sie die Stadt kontrollierten, unter den Gebäuden und Straßen  Tunnel gegraben, die es ihnen ermöglichten, sich lange Zeit frei zu bewegen, bevor sie ausgerottet wurden. Gestern fiel ihre letzte Bastion an unsere Kämpfer und damit die ganzen Stadt unter unserer Kontrolle!

Unsere Kämpfer, in erster Linie Freiwillige aus allen Bereichen des Lebens, Ingenieure, Ärzte, Regierungsangestellte, Anwälte, Landwirte, Studenten usw., haben es geschafft, die GRÖSSTE und STÄRKSTE ISIS-Präsenz in der Welt außerhalb des Irak / Syriens auszumerzen. Sie kommen vorwiegend aus der libyschen Stadt Misrata (etwa 300.000 Einwohner) und anderen  Regionen Libyens und kämpften gegen ISIS nahezu ohne jede Unterstützung der örtlichen UN-Marionettenregierung. Sie konnten sich nur auf sich selbst verlassen, mussten ihren eigenen Krieg gegen Extremismus und Terrorismus auch aus ihren eigenen Taschen und mit Unterstützung der lokalen Gemeinschaft und von Geschäftsleuten finanzieren. Wir haben so weit rund 700 Tote und über 3000 Verletzte in diesem Kampf zu beklagen.

Dieser entscheidende Sieg und die Tilgung der ISIS aus ihrer Hochburg in Sirte zeigen und beweisen deutlich die vollkommene Ablehnung der libyschen Gesellschaft von Extremismus und Fanatismus, die der Gesellschaft und dem Land und der Welt nur Angst und Zerstörung bringen.

Ich habe persönlich Freunde, Schüler und Verwandte verloren, die entweder im Krieg gefallen sind oder schwer verletzt wurden. Mit diesem Tag ist ein Traum für alle von uns hier in Misrata und Libyen wahr geworden. Wir haben keine Illusionen, dass der Krieg gegen den Terrorismus und die ehrgeizigen Pläne der Linken, die auf dem Mist  des Qaddafi-Abschaums wachsen, unterstützt von einigen auswärtigen Mächten (nämlich Frankreich, Vereinigte Arabische Emirate und Ägypten) noch nicht vorbei sind und der Kampf sicher weitergehen wird.

Wir haben einen wesentlichen Sieg in Libyen für Libyen und die Welt vollbracht. Möge Gott unsere gefallenen Helden als Märtyrer akzeptieren und ihnen die höchste Stufe des Paradieses geben und Geduld für ihre Familien, um ihren Verlust zu ertragen. Möge Gott unseren Verletzten Heilung schenken, damit sie bald in ihre Häuser und zu ihren Familien zurückzukehren können.

Burhaneddin Zahri Adham Muntasser

Kanadas Grüne übernehmen BDS in ihr Grundsatzprogramm

Middle East Eye via IMEMC

Green Party Leader Elizabeth May talks to media at GLOBE 16, in Vancouver on March 2, 2016. / AFP PHOTO / Don MacKinnon
Parteiführerin der Grünen Elizabeth May  auf der Pressekonferenz zu GLOBE 16 in Vancouver am 02.03.2016.
AFP PHOTO / Don MacKinnon

Die Grünen sind die erste große kanadische politische Partei, die Boykott, Desinvestition und Sanktionen in ihr offizielles Grundsatzprogramm aufnimmt.

TORONTO, Kanada, 08.08.2016 – Kanadas Grüne haben nach einer hart umkämpften Resolution Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS) gegen Israel in ihr offizielles Grundsatzprogramm aufgenommen; eine entsprechende Resolution setzte sich nach hartem Kampf auf dem Jahresparteitag der Grünen am letzten Wochenende durch.

Trotz des Drucks seitens pro-israelischer Lobby-Gruppen erklärten die Unterstützer der BDS- Resolution in der Partei, sie hofften, dass damit das Stigma zerbrochen werden könne, das in Kanada auf BDS als Mittel für den palästinensischen Kampf um Menschenrechte liegt.

„Ich glaube, wir bieten Anlass zu ernsthaften Fragen in den Köpfen der Öffentlichkeit und wir brechen das Tabu“, sagte Dimitri Lascaris, Sprecher der Grünen für Recht und Gerechtigkeit und Unterstützer der Resolution.

Seit Gründung im Jahr 2005 haben mehr als 170 palästinensische Organisationen nach Unterstützung gerufen, Boykott, Desinvestition und Sanktionen zu nutzen, um gegen Israel Druck auszuüben mit dem Ziel, dass es sich dem internationalen Recht entsprechend verhält, diskriminierende Praktiken gegen seine palästinensischen Bürger beendet und die Besatzung stoppt

Die Resolution stellt fest, dass die Grünen BDS unterstützen werden, wenn es gegen Bereiche der israelischen Wirtschaft und Gesellschaft gerichtet ist, die von der Besatzung profitieren, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, da Israel den Bau von Siedlungen in den besetzten Gebieten stoppt und mit den Palästinensern für eine Lösung des Konflikts in Verhandlungen tritt.

Sie besagt auch, dass die Grünen sich Bemühungen entgegenstellen werden, BDS zu verbieten oder seine Unterstützung zu bestrafen.

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Im Kanada-Park 2010 (MEE/Jillian Kestler-D’Amours)

Lascaris sagte, die erfolgreich verabschiedete Resolution bilde „einen außergewöhnlichen Moment im Kampf um die Menschenrechte der Palästinenser“ in Kanada, vor allem angesichts der jüngsten Versuche, die BDS-Bewegung zu dämonisieren.

Kanadas Parlament verabschiedete zu Beginn dieses Jahres eine nicht bindende Resolution zur Verurteilung von BDS.

Dieser von der Liberalen Partei von Premierminister Justin Trudeau unterstützte Antrag beschrieb BDS als „anti-Israel“ und „eine Form der Diskriminierung“ und rief die Regierung dazu auf, alle Einzelpersonen oder Gruppen zu verurteilen, die BDS in Kanada fördern.

„Ich denke, die Menschen fangen an, aufstehen und aufzumerken“, sagte Lascaris Middle East Eye.

„Sie werden die Frage zu stellen: Warum hat diese Partei angesichts all dieser Angriffe und trotz der ablehnenden Haltung ihrer eigenen Führer diese Resolution angenommen?’… Das wird ein zusätzlicher Anstoß für die Bürger im Westen sein, danach zu fragen, was tatsächlich geschieht.“

Parteiführerin in Opposition

Grünen-Chefin Elizabeth May, die im Parlament den einzigen Sitz der Partei hält, sagte, sie sei „ziemlich am Boden zerstört“, dass die BDS Resolution verabschiedet wurde.

May hatte sich gegen die BDS Resolution gestellt, und sich ebenso gegen einen weiteren Antrag, der während des Parteitags der Grünen debattiert wurde, ausgesprochen, durch den der kanadischen Niederlassung des Jüdischen Nationalfonds (JNF) die Gemeinnützigkeit aberkannt werden sollte.

Aber während May persönlich Gegnerin der Initiativen war, sagte sie, sie verstehe die Beweggründe anderer Parteimitglieder, die sie vorwärts trugen. „Ich gestatte mir zu sagen, dass ich mit der Politik unserer Partei zu 99 Prozent überein stimme. Ich muss nicht mit 100 Prozent überein stimmen „, sagte sie.

Pro-Israel-Lobby-Gruppen in Kanada stellten sich energisch gegen die Grünen, vor dem Parteitag allein schon deswegen, dass die Anträge überhaupt in Erwägung gezogen wurden.

Shimon Koffler Fogel, CEO des Zentrums für Israel und jüdische Angelegenheiten, verurteilte die BDS Resolution, nachdem sie angenommen wurde und sagte, die Bewegung „versucht zu zensieren und Israel auf eine schwarze Liste zu setzen“ und sei „grundsätzlich diskriminierend und völlig im Widerspruch mit den kanadischen Werten“.

„Wir sind entsetzt, dass die Grünen BDS gegen die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten unterstützen, gegen ein Land, das weltweit führend in der Umwelttechnologie ist und Lösungen bietet“, ergänzte CEO Josh Cooper von JNF Kanada in einer gemeinsamen Erklärung.

In einem Brief jedoch, den letzte Woche die kanadische rechtsextreme National Post veröffentlichte, kritisierte May Cooper, die Grünen nur deswegen als anti-israelisch darzustellen, weil sie diese Ideen überhaupt debattieren.

Unser Parteitag am kommenden Wochenende wird das erste Mal seit Jahrzehnten sein, dass irgend eine kanadische politische Partei eine Diskussion über die israelische Außenpolitik gestattet hat. Das ist kein Zeichen dafür, dass wir gegen Israel sind. Vielmehr ist es ein Beweis dafür, dass wir an den respektvollen demokratischen Diskurs und an die freie Meinungsäußerung glauben„, schrieb May.

Was im kanadischen politischen Diskurs schmerzlich fehlt, ist die Anerkennung der Not des palästinensischen Volkes. Warum ist es ein Tabu für die Kanadier, Außenpolitik im Nahen Osten zu diskutieren, sofern sie nicht bestimmte Aspekte der israelischen Politik auslassen? Wir können die Entscheidungen eines jeden anderen Landes respektvoll und diplomatisch kritisieren, warum nicht die Israels? „

Resolution zum Jewish National Fund geändert

Die zweite Resolution, vorgeschlagen vom Grünen-Mitglied Corey Levine, suchte der kanadischen Niederlassung des JNF die Gemeinnützigkeit abzuerkennen „wegen des Verstoßes gegen die öffentlichen Anti-Diskriminierungs-Grundsätze und wegen ihres Versagens, internationale Menschenrechtsnormen zu erfüllen“.

Gegründet im Jahr 1901, vor der Staatsgründung Israels, bestand der Auftrag des JNF darin, im britischen Mandat Palästina Land für exklusive jüdische Nutzung zu sichern. Die Gruppe hat einen Hauptsitz in Israel, bekannt als Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) und Niederlassungen in verschiedenen Ländern im Ausland, darunter Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.

„Der JNF war das zionistische Haupt-Werkzeug für die Kolonisierung Palästinas,“ schrieb der israelische Historiker Ilan Pappe in „Die ethnische Säuberung Palästinas“. „Er diente als die Agentur, die die zionistische Bewegung benutzte, um palästinensisches Land aufzukaufen, auf dem sie dann ausschließlich jüdische Einwanderer ansiedelte.“

Auf dem Parteitag wurde die Resolution erst verabschiedet, nachdem der ausdrückliche Bezug auf den JNF entfernt wurde. Die aktualisierte Version ruft die Canada Revenue Agency (CRA) auf, jeder gemeinnützigen Organisation, die kanadisches oder internationales Recht verletzt, den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen.

„Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht,“ sagte Levine Middle East Eye über die Änderung, „aber ich anerkenne, dass es letztlich ein Sieg auf der ganzen Linie war, weil dieses Thema in einem öffentlichen Forum überhaupt angesprochen, diskutiert und debattiert wurde.“

Levine sagte auch, dass Parteiführerin May öffentlich versprochen hat, mit der CRA einen Briefwechsel über den Status speziell des JNF zu führen, und sie beabsichtigt „von ihr Rechenschaft einzufordern“.

„Ich halte es letztlich einen absoluten Sieg“, sagte Levine.

Der JNF-KKL erfreut sich derzeit quasi-staatlichen Status in Israel. Es steuert rund 13 Prozent des Landes unter dem Dach der Israel Land Administration, die es weiterhin nur Juden überlässt. Ab 2014 hatte er Grundbesitz im Wert von etwa $ 2.000.000.000.

Durch die Verpachtung von Land nur an Juden sorgt die Politik des JNF-KKL dafür, dass palästinensischen Bürgern Israels, die etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, der Zugang zu 13 Prozent des Landes verweigert werden.

„Diese diskriminierende Politik trägt zur Institutionalisierung der Rassentrennung in Städten und Dörfern im ganzen Land bei“, schrieb Adalah, das Rechtszentrum für palästinensische Bürger Israels 2006 in einer Vorlage an die Vereinten Nationen.

Der JNF ist auch an Aufforstungsprojekten beteiligt, die laut Palästinenser darauf abzielen, israelische Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen .

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Tafeln am Eingang zum Kanada-Park mit den Namen der Spender (MEE/Jillian Kestler-D’Amours)

In den 1970er Jahren zum Beispiel wurde über Spenden des JNF Kanada ein Park über drei palästinensische Dörfer im Latrun Gebiet in der Nähe von Jerusalem (Imwas, Yalu und Beit Nuba) angepflanzt; die Bewohner dieser Dörfer waren von der israelischen Armee im Jahr 1967 gewaltsam vertrieben worden. Steintafeln nahe dem Eingang des Parks – bekannt als Ayalon Kanada Park – tragen die Namen der JNF-Kanada Spender aus Städten und Gemeinden in ganz Kanada.

Zur Zeit ist der JNF-KKL an der Zerstörung des Beduinendorf al-Araqib beteiligt. Es befindet sich in Israel in der südlichen Negev-Wüste. Al-Araqib wurde seit Juli 2010 über 100 Mal abgerissen, um Platz für einen JNF-KKL Wald zu machen.

„Der JNF benutzt Umweltschutz und die Tatsache, dass er Land aufforstet dazu, Menschenrechtsverletzungen und Enteignungen zu vertuschen. Und da das Fundament der Grünen die Umwelt ist, dachte ich, dass es für die Grünen angemessen ist, sich dessen anzunehmen“, sagte Levine.

Mit gutem Beispiel

Unterdessen sagte Lascaris, wenn sie BDS in ihre offizielle politische Linie übernehmen, könnten die Grünen andere kanadische politische Parteien animieren, ähnliche Entschlüsse anzunehmen, vor allem die linksgerichteten New Democrats (NDP).

Unter dem Einfluss von Parteiführer Thomas Mulcair hatte die NDP eine eher pro-israelische Haltung eingenommen, als sie traditionell unterstützt.

„Ich denke, dass die Führung der NDP nicht die Ansicht der Basis reflektiert und dass die Basis nun mit einigen sehr schwierigen Fragen an die Parteiführung herantreten wird“, sagte Lascaris.

„Das wird hoffentlich zur Annahme einer ähnlichen Resolution führen; von daher bauen wir auf den Schneeballeffekt.“

Jillian Kestler-D’Amours ist freie Journalistin in Toronto / Kanada. Sie berichtet über Menschenrechte, Kanadas Außenpolitik und Nah-/Mittelostpolitik

Israel hat ein Problem: BDS

Demo 8Am 25. August rief BDS Berlin wieder einmal zum Boykott israelischer Produkte auf, mit ca. 50 Teilnehmern vor der Galeria Kaufhof. Denn speziell ging es gegen Soda Stream, das es sich auch noch in der illegal besiedelten Westbank gemütlich gemacht hatte.

Auch der Versuch einer kleinen Gegendemonstration fand sich ein, darunter der ehemalige oder Noch-Pirat (wer behält da noch die Übersicht?) Jan Zimmermann und Jannis Hutt; letzterer ist Trainee bei der Abgeordneten der Piratenpartei Julia Reda im Europäischen Parlament in Brüssel.

Demo_7Offenbar gab es Schwierigkeiten mit der Polizei, die die Ansicht nicht teilte, wer für Israel demonstriere, stehe damit automatisch über dem Gesetz. Also mussten sie gezwungenermaßen ihr Vorhaben abbrechen und sich in gebührende Entfernung zurück ziehen. Von da aus marschierten sie dann einzeln zum Kaufhof, um dort demonstrativ Soda-Stream Produkte zu erstehen und zu behaupten, nicht sie selbst, sondern Bürger würden das tun.

In der Not frisst der Teufel Fliegen. So jämmerlich diese Gegenaktion unter Leitung einer bis dato unbekannten Gruppierung namens „Aktionsforum Israel“ = AFIL sich auch darstellte, Benjamin Weinthal griff danach, um diesem Haufen einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen, Titel: „Israelis helfen, in Deutschland eine Anti-BDS-Gruppe aufzuziehen. Es lohnt sich, da etwas näher hinzuschauen.

BDS israelische Juden 270816Tatsächlich handelt es sich bei dieser Gruppe – um eine Facebookgruppe. Sie umfasst ca. 1.500 Mitglieder, darunter die üblichen Verdächtigen, wie Volker Beck, Martina Engelmann und Ex-Pirat Oliver Höfinghoff, was allerdings nicht sehr viel heißen muss. Denn zu solchen Gruppen kann man einfach Leute zufügen, in der Regel sagen die dann aus Höflichkeit Ja und kümmern sich nicht weiter um die Gruppe.

Zu den Aktivisten gehören aber offenbar die im Impressum genannte Gabi Spronz, die dort eine israelische Adresse angibt, lt. Weinthal jedoch in Deutschland arbeitet. Aber auch der antideutsche Ex-Pirat Jan Zimmermann.

Die Gründung dieser Gruppe erfolgte offenbar vermittels Installation einer Webseite. Die ist ein wenig sparsam. DieFlyer Home-Seite kommt eher als etwas schlichter Witz, die „Medienbewertung“ erschöpft sich in der Zusammenfassung der hier beschriebenen Proteste um den Bericht der Tagesschau über Wasserprobleme in Palästina und unter „Organisationen“ ist das ergötzliche Flugblatt abgedruckt, das – ohne ViSdP-Hinweis und in recht urtümlicher Gestaltung  – bei der versuchten Gegendemonstration verteilt wurde.

Für die aberwitzige Falschheit der Darstellung im Flugblatt gibt es einen recht zuverlässigen Indikator: Facebook. Denn Mark Zuckerberg, Gründer und Inhaber von Facebook, ist Jude. Allerdings zuvörderst ein typischer US-amerikanischer Bürger, der sich auf die Werte der USA bezieht, während Israel ihm einigermaßen gleichgültig zu sein scheint. Jedenfalls führen Israelis gerade einen Prozess gegen sein Unternehmen, weil er ihrer Meinung nach auf Facebook zu wenige Palästinenserbeiträge und -accounts löscht. Same procedure as usual, wie bei jedem anderen, ob Palästinenser oder nicht, der sich Israels Wünschen nicht beugen mag. Aus welchem Grunde also sollte BDS zum Boykott von Facebook aufrufen? BDS ist ja gerade KEIN Boykott gegen Juden und jüdische Produkte, sondern gegen den rechtsbrecherischen Staat Israel – weswegen etliche Juden auch fröhlich dabei mitmachen. Mit diesem zionistischen Staat hat Zuckerberg nicht allzu viel im Sinn – was insbesondere den arabischen Usern durchaus bewusst ist.

Das verweist auf den Grund, warum diese nicht sonderlich ernst zu nehmende Facebookgruppe zur Ehre eines Weinthal-Artikels in der Jerusalem Post kam: eine Alternative ist offenbar nicht gegeben.

Laut Jüdischer Allgemeine, die sich auf israelische Statistiken beruft, gab es in Deutschland 2014 ca. 200.000 Juden, allerdings hatte nur rund die Hälfte Bezug zu jüdischen Gemeinden. An die 20.000 könnten alleine in Berlin leben. Diese Zahlen muss man sich vor Augen halten, um Weinthals Artikel, wonach Israelis (nämlich eine) Deutschen helfen, eine Anti-BDS-Bewegung zu gründen, richtig zu interpretieren: trotz aller Bemühungen der Israel-Lobby ist das Interesse der Juden in Deutschland, sich für Israel einzusetzen, offenbar nur mäßig ausgeprägt, so dass Israel vorwiegend auf die Antideutschen zurück greifen muss.

Ähnlich, wie in den USA die unverzichtbaren Unterstützer des Zionismus die Armageddon-gläubigen Evangelikalen sind, die hoffen, dass mit dem großen Krieg um Jerusalem Jesus wiederkehrt und das tausendjährige Reich errichtet, wie es der Rachetraum des Johannes im Neuen Testament offenbart.

So dürfte sich auch in Deutschland eine Tendenz heraus kristallisieren, die insbesondere in den USA längst besteht: man rechnet damit, dass die Hälfte der US-Juden gar keinen Bezug zu Israel hat, vielmehr das, was dort geschieht, als Verrat an ihren amerikanischen Werten betrachtet.

Damit kehrt eine alte Bewegung wieder, die bis zum 3. Reich die weitaus stärkste im Judentum war und den Zionismus zu einer seltsamen Randexistenz verbannt hatte: die Assimilationsbewegung. Juden kämpften für ihre Rechte als gleichberechtigte Bürger in ihrem eigenen Land – und das waren z.B. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, aber nicht Palästina (Israel gab es damals noch gar nicht).

Einen großen Vertreter dieser einst starken Bewegung gab es noch nach dem 3. Reich: Bruno Kreisky. Der nannte schon in den siebziger Jahren den Likud faschistisch, Begin einen Terroristen und erklärte, er selbst sei der einzige europäische Politiker, den Golda Meir nicht erpressen könne.
Dafür erwarb dieser große alte Sozialdemokrat sich bei den Zionisten als einer der ersten den Ehrentitel „jüdischer Antisemit“.

 

Olympische Peinlichkeiten

Israels Teilnahme bei der Olympiade in Rio, das nennt man wohl einen Schuss in den Ofen.

Nicht nur, dass die Medaillenausbeute recht mager war; Israel landete mit zwei Bronzemedaillen auf Rang 77. Im Gegensatz zum verhassten Iran, der mit drei goldenen, einer silbernen und vier bronzenen auf Rang 25 landete.

Noch vor der Eröffnung gab es die erste Ohrfeige – von der Mannschaft des Libanon. Die saß nämlich im Bus zum Maracana-Stadion, als die israelische Mannschaft zusteigen wollte.

Nö. Kommt überhaupt nicht in Frage.

Aber die israelische Mannschaft bestand offenbar darauf, trotz der ausdrücklichen Abwehr der Libanesen genau in diesen Bus zu steigen, koste es, was es wolle, so dass der libanesische Teamchef sich in die Tür stellte, um eine  Schlägerei zu verhindern. Ergebnis: die Organisatoren schickten die israelische Mannschaft mit einem anderen Bus los.
„Grausam“, nannte dies die Jüdische Allgemeine.

Nun ja. Araber im Allgemeinen und Palästinenser im Besonderen betrachten natürlich eher z.B, das Verbrennen einer ganzen Familie durch Israelis als grausam. Aber die Maßstäbe sind da offenbar sehr verschieden.

Dann die Judoka Joud Fahmy aus Saudi-Arabien. Als sie erfuhr, dass die israelische Judoka ihren Erstrundenkampf gewonnen hatte und sie gegen diese antreten müsse, falls sie gewinne, verzichtete sie lieber auf die Teilnahme und gab an, verletzt zu sein. Was ihr freilich niemand abnahm.

Im Gegensatz zum Ägypter Islam El Shehaby. Der trat zwar an, aber den obligatorischen Handschlag nach dem Kampf verweigerte er kopfschüttelnd: was zu viel ist, ist zu viel. Das brachte ihm zwar Ärger mit dem Israel-Vasallen Sisi ein, doch das war’s ihm offenbar wert.

ägyptische VolleyballspielerinEinen besonderen Strauß hatte die ägyptische Beach-Volleyball-Spielerin Doaa Elghobashy auszufechten. Elghobashy spielt im Hijab. Also quasi im Burkini. Die Deutsche – das ägyptische Team musste gleich in der ersten Runde gegen den späteren Olympiasieger antreten – spielte hingegen im traditionellen Bikini. Was für das Match völlig egal war und auch für das Engagement, wie dieses Foto zeigt, das um die Welt ging.

Weiß der Teufel, was einen israelischen Zaungast ritt, als sie sich heimlich mit Israel-Flagge hinter Elghobashy stellte, während diese gerade für ein Foto posierte. Elghobashy fand das überhaupt ägyptische Volleyballspielerin mit Israelin nicht lustig, als sie es erfuhr.

Ich schwöre bei Gott, ich hatte keine Ahnung von der Flagge. Mein Lebtag wird es niemals Frieden zwischen mir und diesen Leuten geben. Diese Leute sind in einem solchen Maß dreckig, dass sie mich die Flagge nicht sehen ließen,

schrieb sie auf Facebook. Das war also nichts mit der versuchten Verbrüderung wider Willen. Das ägyptische Volk ist eben nicht Sisi, da hilft alles nichts.

Doch es kommt noch besser. Keine Goldmedaille errungen zu haben wurmte manchen Israeli offenbar so sehr, dass er gedachte, sie sich ebenso anzueignen wie Palästina. Zum Beispiel Avi Mayer, ehemaliger Sprecher der IDF und nun Mayer über GoldmedailleSprecher der Jewish Agency und (Möchtegern-) Spezialist für die Nutzung sozialer Medien zum Behufe der Propaganda für Israel.

Ahmad Abughaush hatte nämlich eine Goldmedaille im Taekwondo gewonnen, die erste Goldmedaille überhaupt für Jordanien. Tatsächlich jedoch ist Abughaush Palästinenser. Da sein Dorf aber inzwischen Teil einer „israelisch-arabischen“ Stadt ist, nämlich Abu Ghosh, gedachte Mayer, die Medaille schlicht und einfach für Israel anzueignen.
Da geriet er freilich an den Falschen. Denn Abughaushs Vater berichtete Journalisten postwendend von seiner Vertreibung aus seinem Dorf und dessen Zerstörung in der Folge des Sechs-Tage-Krieges 1967 und fragte:

Wenn die Israelis die Häuser zerstört, die Menschen getötet und die Bäume gerodet haben, wie können sie sich dann den Erfolg von Abughaush aneignen?

Tja. Frechheit siegt eben nicht immer.

Im Zweifel endet sie in Peinlichkeit.

Man nennt es: einem das Wasser abgraben

Wir haben in Palästina auf unseren Dächern Wasserbehälter, da können wir Wasser speichern. Oft fangen die Israelis an, uns in Bir Zeit ab Mai das Wasser für eine Woche abzustellen, je wärmer es wird, um so weniger wird das Wasser und die Behälter werden oft nicht voll. Wir haben das Duschwasser in einer Kinderbadewanne aufgefangen und für die Toilette benutzt. Da der Wasserdruck nicht stark ist, kann man die Waschmaschine nicht nutzen. Mein Mann ist noch in Palästina und wir telefonieren täglich. Seit einer Woche gibt es in Bir Zeit wieder große Probleme mit dem Wasser. Er schaut täglich nach, ob das Wasser kommt. Die Behälter werden nicht mehr richtig voll, so reicht das Wasser nicht eine ganze Woche. Wir haben dann immer Wasser aus den Tankwagen gekauft, was 5 mal soviel kostet. Hier in Deutschland mache ich die Wasserleitung auf und erschrecke jedes Mal, wie das Wasser angeschossen kommt.

Soweit die gelebte Wirklichkeit in Palästina in einem Facebook-Kommentar; als Gegensatz zum propagandistischen Herumtheoretisieren derer, für die fließend Wasser aus der Leitung eine Selbstverständlichkeit ist.

Die Wirklichkeit der Palästinenser wird geformt durch dreiste Rechtsbrüche Israels. Die bestehen. International festgestellt und völlig unbestreitbar. Israel ist jedoch weit entfernt, diese Rechtsbrüche anzuerkennen, geschweige denn, sie abzustellen. Offenbar ist es der Ansicht, jedes Recht eines Palästinensers sei eine israelische Gnade für Wohlverhalten = Unterwerfung unter seine Oberhoheit, das jederzeit nach Belieben von ihm gewährt und auch wieder weggenommen werden könne. Wer das anprangert, wird eben Antisemit genannt, hätt sich dä Fall.

Wer sich mit der Wasserversorgung in Palästina befassen will, kommt am Hydrologen Clemens Messerschmid nicht vorbei. Er wohnt in Ramallah, arbeitet seit 1997 bei zahlreichen Projekten renommierter internationaler Organisationen mit und ist bestens vertraut mit der geologischen Lage in der gesamten Region. Er ist ein Linker, ein Anti-Imperialist, was freilich seinen fachlichen Qualifikationen keinen Abbruch tut; Zionisten, die grundsätzlich alles, auch die Wissenschaft, unter das Primat der Gesinnungskontrolle stellen, sehen das natürlich anders, stehen damit aber alleine da.

Einen guten Überblick über die Lage bietet der Bericht über das Seminar „Wasser in Israel und Palästina: zwischen Konflikt und Kooperation„,  zu dem die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Forum Deutschland-Israel-Palästina, deren Partner die Friedrich-Ebert-Stiftung ist, eingeladen hatte. Auch Messerschmid als fachkundigen Referenten.

Danach ist Israel/Palästina keineswegs ein trockenes Land. Das sei ein Mythos.  Wenn man bedenke, dass in Israel ca. doppelt so viel Wasser pro Tag/Kopf verbraucht werde, wie in Deutschland, könne man auch nicht von Wasserknappheit reden. Allerdings gäbe es eine Überentnahme aus dem Jordan mit dem Ergebnis, dass das von ihm gespeiste Tote Meer langsam trocken fiele.

Problematisch sei allerdings die Verteilung des Wassers.Schulz irrte nicht bei Proportionen

Israel hat mit dem 6-Tage-Krieg „die vollständige Kontrolle über sämtliche Wasserressourcen sowie über Wasserverteilung und Verwaltung“ übernommen. Damit sicherte es sich unbeschränkten Ressourcenzugang, während Palästina mit dem vorlieb nehmen muss, was übrig bleibt. Ab Mai wird das dann immer weniger – vermutlich, weil dann die Pools in den illegalen israelischen Siedlungen gefüllt werden. So jedenfalls kann man es auf Google Earth sehen, auch Fasayel, wenn man die Karte etwas nach Süden verschiebt. An sich ist es also recht lächerlich, den Wassermangel in den West Bank abstreiten zu wollen.

 

Das palästinensische Dorf Fayacel
Das palästinensische Dorf Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fayasel

Nach israelischer Sicht sei Wasser in erster Linie eine Sicherheitsfrage, weswegen es sogar Zisternen zerstört, weil, darin könnten ja auch Waffen gelagert werden. Die Palästinenser bekämen genug Wasser; gingen sie vernünftig damit um, würde es auch reichen.

Wie das en Detail aussieht, erläutert Sahm auf Honestly Concerned: seiner Ansicht nach brauchen Palästinenser offenbar weder Waschmaschinen noch Pools, die stehen nur Israelis zu. Der kolonialisierte Bimbo soll also ein armer Schlucker sein und bleiben. Eine uns durchaus bekannte Einstellung: sie liegt auch den Beschwerden etlicher Deutscher darüber zugrunde, dass Flüchtlinge Smart-Phones besitzen.

Nötig ist der Bau etlicher neuer Brunnen im Westjordanland zur Wasserförderung, denn durch Reparatur der undichten alten Leitungen allein ist das Problem nicht zu lösen.

Mit dieser Frage befasst sich Jessica Perkiss für den Middle East Monitor. Nicht nur, dass sämtliche Wasservorkommen bereits von Israel annektiert und unter die Herrschaft des israelischen Konzerns Mekorot gestellt wurden. Auch die bestehende alte Wasserversorgung wird offenbar nach und nach demoliert, z.B, indem durch den Siedlungsbau die Leitungen schon mal schlicht und einfach gekappt werden. Dass Palästinenser wenig Lust haben, für das Wasser, das ihnen gestohlen wurde, auch noch zu bezahlen, dürfte einleuchten.

Amnesty InternationalBaugenehmigungen für Palästinenser sind von Israel generell schwer zu erhalten; das gilt selbstverständlich auch für den Bau neuer Brunnen und die Reparatur von Leitungen. Wird trotzdem gebaut, zerstört Israel es wieder mit seinen Bulldozern, auch, wenn die EU es gebaut haben sollte. Denn auch das lebensnotwendige Wasser betrachtet Israel als Erpressungsmittel, das es nur für ‚Wohlverhalten‘ gibt, also für die Akzeptanz des Diebstahls.

Diese Erpressung hat der rechtsradikale israelische Verteidigungsminister Liberman nun in die Form eines systematischen Plans gegossen, in dem er von einer ‚Politik‘ von Stock und Karotten spricht, Palästinenser also mit Eseln vergleicht, die zum nützlichen Haustier zu dressieren sind. Gegen Wohlverhalten gibt’s zur Belohnung dann auch mal ein Krankenhaus oder einen Fußballplatz.

Was übrigens die Waschmaschinen betrifft, über die Sahm sich so nachhaltig aufregt:

Die Waschmaschine wird mit der Hand von vorne,wo das Waschpulver rein kommt,gefüllt,da der Wasserdruck nicht ausreicht.Man wird erfinderisch, um sich das Leben etwas angenehm zu machen.

 

Vertiefende Informationen:
Wassernöte – Bericht von Amnesty International. pdf zum Download

Präsentation zum Thema: „Von heute und in Zukunft © Clemens Messerschmid. was wäre nötig? was tun die Geber?“

 

 

 

 

 

 

Türkeiputsch: mögliche Hintergründe?

Von allen bisherigen Theorien erscheint mir diese als die plausibelste; ich empfehle, diesen relativ kurzen Bericht zu lesen. Womit keineswegs gesagt werden soll, dass er mehr ist als eine spekulative Theorie.

Die ursprüngliche Quelle Middle East Eye ist durchaus nicht unseriös. Darin behauptet David Hearst, es gäbe eine vor allem finanzielle Allianz zwischen der Gülen-Bewegung und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Dass die Gülen-Bewegung alleine und ohne Hilfe von außen in der Lage wäre, einen solchen Putschversuch zu veranstalten, erscheint recht unglaubwürdig. Von daher ist die Suche nach Unterstützern angebracht.
Die Gülen-Bewegung ist keineswegs so fortschrittlich, wie sie gerne tut. Tatsächlich dürfte sie durchaus nach dem Geschmack des Golf-Kooperationsrates sein, vielleicht mit Ausnahme des recht einzigartigen Saudi Arabien.

Die Türkei und Ägypten sind die wichtigsten islamischen Staaten in der Region. Ägypten ist mit Sisi auf antidemokratischen Kurs gebracht, Türkei steht noch aus. Von daher sollte man Erdogan vielleicht nicht übertrieben angreifen: man könnte in Sachen Demokratie ohne ihn vom Regen in die Traufe kommen.

Die vor allem auf ihre Finanzkraft gestützten Hegemoniebestrebungen des Golfs sind längst bekannt. In Libyen war es Katar, das mit allen möglichen Mitteln und durchsichtigen Hilfsangeboten danach trachtete, es unter Kontrolle zu bekommen – wobei Katars Vorschlag nicht etwa eine Demokratie war, sondern ein Emirat. Denn Demokratie wird am Golf selbstverständlich als Gefahr angesehen. Auch dort sitzen die üblichen Kapitalistenmonarchen, die die Staaten, die sie als ihr Eigentum betrachten, gewiss nicht in Volkes Hände übergehen lassen wollen. Denn auch wenn die Bevölkerungen relativ klein sind, melden sich überall Stimmen, die mit den patriarchalischen Herrschaftssystemen nicht einverstanden sind. Plausibel, denn sie sind menschenunwürdig.

Saudi Arabien wird vom Westen hochgerüstet, andere Golfstaaten auch, das macht aber nicht so viel Aufsehen. Sie sind auch die Zwischenhändler für vom Westen gelieferte Waffen, von denen auch der IS schon profitiert hat; auf jeden Fall aber die dem Golf genehmen ‚Rebellengruppen‘, die die Demokraten in Syrien damit ausbooteten.

In Jemen führt Saudi Arabien einen schon sadistisch zu nennenden Krieg.

Wer mögliches ziviles humanes Empfinden der Herrscher am Golf entgegen halten will, sei an die Sklavenarbeit für die Fußballweltmeisterschaft erinnert. Ich denke nicht, dass wir bei diesen brutalen Kapitalistenseelen auf menschliches Empfinden, auf Rücksicht auf den Willen oder auch nur die grundlegenden Menschenrechte  den von ihnen Beherrschten gegenüber setzten können.

Selbstverständlich sind die Staaten des Golf-Kooperationsraten sämtlich gute Verbündete der USA. Die hier in Rede stehenden Vereinigten Arabischen Emirate haben die USA nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Irak auch mit Truppen unterstützt.

Bewiesen ist nichts. Aber wenn wir plausible Theorien aus der Masse der Allgemeinplätze aussieben wollen, sollte diese hier imho bei den plausiblen sein.

Was erlauben sich ZDF?

Am 05. Juli 2016 um 23:00 Uhr sendete ZDF + den Beitrag Erzogen zum Hass – Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten.
„und zu töten“, hieß es ursprünglich, das jedoch wurde nach Protest abgeändert.

Nun, neu ist es nicht, dass beider Schulbücher kritisiert werden, obgleich beide nur sehr selten über die Grenze zu blankem Hass hinaus schießen. So berichtet der Guardian 2013 darüber. Freilich ist es der schiere Wunsch nach Auslöschung, der Israel ignoriert und das gesamte ehemalige UN-Mandatsgebiet nur Palästina benennt. Umgekehrt ist es natürlich völlig in Ordnung, wenn in israelischen Schulbüchern die grüne Grenzlinie weggelassen wird und Palästina nicht erwähnt wird – ODER?
„Bösartige Verleumdung“, soll es laut Econonomist aus Netanyahus Umfeld zu dieser immerhin von der US-Regierung finanzierten Studie getönt haben und der Economist kommentierte:

Was soll Israel mit einem Bericht machen, der behauptet, dass Israel und Palästina sich in ihren jeweiligen Schulen gegenseitig die Legitimität absprechen? Sprich dem Bericht die Legitimität ab, ist die Antwort von israelischer Seite.

Diesmal durften die Unteroffiziere der deutschen Israel-Lobby ins Feld ziehen, als Anführer Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de, der möglicherweise die Gabe hat, junge Männer aus gewissen Kreisen für sein intellektuell ansprechendes Medium zu begeistern. Volker Beck sprang ihm natürlich umgehend zur Seite und drohte schließlich mit dem ZDF Fernsehrat und dem Presserat wegen der Unverschämtheit, Israel und Palästina gleichzusetzen. Er dürfte schließlich auch der Ansicht sein, Israel stünde per se über allen anderen Ländern, Deutschland eingeschlossen. Sich selbst scheint er jedenfalls schon zum getreuen Vasallen gemacht zu haben.

Die Sache war Reichelt einen langen Artikel auf Bild.de wert:

EKLAT UM „HEUTE-BEITRAG –  ZDF wirft Israel Kinderverhetzung vor

Das mit dem Eklat dürfte ein wenig übertrieben sein, denn ich wette, das hat im Lande so gut wie keiner gemerkt, außer unserer bekannten Israel-Lobby natürlich, die sich gegenseitig darauf aufmerksam macht, um dann, wie Beck, den anderen als angeblich unabhängig agierenden Zeugen heran ziehen zu können, aber das kennen wir ja von Bild.

Erstaunlich jedoch, wieviele Freunde diese traditionell nicht so gut beleumdete Medium Bild inzwischen gewonnen hat. Reichelts Artikel haben sie alle begeistert verbreitet, u.a. nicht nur – das ist normal – der American Jewish Congress Berlin AJC, sondern auch Martin Niewendick, Redakteur des angeblich linken Mediums der Israel-Lobby, Ruhrbarone.

Da es offenbar an Informationen mangelt, möchte ich den Schreihälsen mal ein wenig anliefern. Es geht ja nicht nur um Schulbücher, auch wenn am Schluss der zu Anfang verlinkten Reportage eine Dame, die nun mal zu diesem Thema forschte, interviewt wird. Wenn es um Erziehung zum Hass in Israel geht, sollte man seine ‚Schule der Nation‘ nicht vernachlässigen, die sich schon sehr früh um die lieben Kleinen kümmert.

Hier haben wir ein sehenswertes Video von einem Besuch etlicher Kinder in einer Gedenkstätte der bewaffneten Streitkräfte, wo sie schon mal in den Gebrauch diversen Tötungswerkzeugs eingewiesen werden. Echte. Nicht so nachgemachtes Spielzeug, wie es die Hamas in Gaza den Schulkindern in die Hand gibt.
Die Kinder reden Klartext: „Ich stelle mir einen toten Araber vor und das macht mich glücklich.“ Einer anderen verhilft gleich die Vorstellung einer ganzen Batterie toter Araber zum Glück. Für einen Jungen ist die Besatzung quasi schon erledigt; er möchte im Libanon kämpfen. Er hofft, dass es mal wieder dazu kommt.

Hübsche Kinderbilder veröffentlichte electronic intifada im letzten Jahr in einem Bericht:Kinder 1

Kinder 2

 

 

 

 

 

Zu solchen und ähnlichen Bildern sagte der Ha’aretz-Kolumnist Gideon Levy:

Wo sonst bringt man kleine Kinder dazu, mit einem Rucksack auf dem Rücken herum zu kriechen? Wenn Hamas seine Kinder so behandelt, buhen israelische Eltern voller Abscheu: „Schaut euch diese Tiere an!“

Kind 4Unvergessen sind auch die Fotos aus dem Libanonkrieg 2006 – unvergessen offenbar auch in Israel, wenn der Junge aus dem Video da unbedingt mal wieder hin möchte – die zeigen, wie nette Schulmädchen Botschaften auf die Raketen schreiben, die dann auf den Libanon gefeuert werden sollten.

Also, wenn Reichelt sich beschwert, dass Hamas die Kinder in Gaza mit imaginären Raketen feuern lässt – die israelischen Raketen waren echt.

Und wenn Beck meinte, der ZDF-Bericht, wonach auch in Israel die Kinder zum Hass erzogen würden, entbehre jeglicher Grundlage, voilá, hier sind se.

Kind 3

 

Update 14.07.2016

Es ist schier unglaublich, was das ZDF sich alles erlaubt.
Da hat es doch tatsächlich in einem dreieinhalb Minuten langen Beitrag Witze über die  Amadeu-Antonio-Stiftung gemacht!

schweinophober DrecksackWie man weiß, ist die Amadeu-Antonio-Stiftung mit ihrer von Ex-Stasi-Chefin Kahane so liebevoll geförderten Pseudo-Antisemiten-Jagd  integraler Bestandteil der Israel-Lobby in Deutschland. Die aber steht wie alles Israelische und Zionistische über dem Gesetz, sie ist heilig. Meinen so einige.

Zum Beispiel die betuliche Zeit. Eilfertig widmete sie den hoch brisanten dreieinhalb Minuten einen ordentlichen Artikel, Thema: ZDF macht Kampf gegen Hasskommentare lächerlich.

So ganz stimmt das nicht. Eigentlich gilt Winters Spott der Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die darüber aufklärt, wie man Hasskommentare erkennt. Was ja schon etwas merkwürdig ist, denn eigentlich sollte man wissen, dass Hasskommentare etwas anderes sind als unliebsame Polemik oder schlicht die andere Meinung und den Verdacht nahe legt, dass hier gar keine Hass-Kommentare gemeint sind.

Immerhin, die Amadeu-Antonio-Stiftung sah sich veranlasst, den Erdogan zu machen. Nun, wenn es denn ihr Wunsch ist, ihre Dummheiten möglichst weit zu verbreiten, dann helfe ich auch mal mit. Hier der Link zu der Broschüre mit den weisen Ratschlägen für die potentielle Meldehure, der die gesetzlichen Definitionen nicht ausreichen, um ihre Gelüste zu befriedigen.

Kotfresse usw Höfinghoff 030716
Sowas steht übrigens mit ziemlicher Sicherheit nicht auf Amadeu-Antonios Meldeliste

Von der Ethik der Israelkritik

Vom deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird heute die Buber-Rosenzweig-Medaille an den 68-jährigen Erziehungswissenschaftler und Publizisten Micha Brumlik verliehen. Zwar verließ er lt. Domradio Israel nach zwei Jahren Aufenthalt wegen seines Imperialismus als Antizionist, bezeichnet sich jedoch heute als Postzionist, was zu relativieren ist; trat er doch aus der Partei die Grünen aus, weil die sich gegen Waffenlieferungen an Israel aussprach.

Ich erwähne ihn allerdings deswegen, weil er eine relativ alte und deswegen kaum noch gehörte, nichts desto trotz im Denken wirkmächtige zionistische Argumentation vorbringt.

Als „Störpunkt“ im christlich-jüdischen Dialog bezeichnet er in einem heutigen Interview auf WDR 5 nämlich die Frage, inwieweit „die Auseinandersetzung über die israelische Siedlungs- und Palästinapolitik Gegenstand auch christlich-jüdischer Gespräche sein kann oder nicht„:

Und etwas ähnliches (eine gewisse Störquelle) wird man auch im Bereich menschenrechtlich und völkerrechtlich engagierter protestantischer Christen beobachten können, die in einer oftmals, lassen Sie es mich so sagen, gesinnungsethischen Art und Weise die israelische Politik glauben, kritisieren zu müssen, was natürlich ihr gutes Recht ist; was nur auffällt ist, dass dieser Konflikt, der im Vergleich mit alledem, was uns zur Zeit beschäftigt, Gott sei Dank doch eher gering ist, unverhältnismäßig stark in den Vordergrund tritt.

Gesinnungsethik, da dürfte Brumlik auf Max Weber anspielen, der sie in den Bereich der politischen Ideologie einordnete, die nicht nach den Folgen einer angeblich moralisch gebotenen Handlung fragt, sondern nur danach, ob sie der reinen ideologischen Lehre folgt. Er stellt sie in den Gegensatz zur Verantwortungsethik, die die Qualität einer Handlung an ihrem Erfolg misst.

Nun steht tatsächlich beides nur im Falle politischer Ideologien im Gegensatz zueinander. Gesinnungsethiker war ohne Zweifel Kant, wenn er einzig den guten Willen als gut ansah. Allerdings war für ihn für die moralische Qualität einer Handlung schon deren Konsequenz ausschlaggebend – nur eben nicht die positive Konsequenz für den Handelnden.

Wenn Brumlik von Gesinnungsethik spricht, dann suggeriert er also, die Protestanten würden Israel nur aufgrund ihrer christlichen (antijüdischen?) Ideologie kritisieren, ungeachtet der Folgen, die ein Handeln nach ihrer Kritik hätte.
Nur: welche Folgen wären das denn? Es wäre die Anerkennung der Gleichberechtigung der Palästinenser, ja, Araber und Muslime überhaupt, damit die Anerkennung ihres Selbstbestimmungsrechts – und auch die Anerkennung der Tatsache, dass Menschen allüberall auf der Welt auf Unterdrückung, Missachtung, Demütigung, Zerstörung ihres Lebensraumes gleich reagieren: nämlich mit sich zu tödlichem Hass steigernder Wut, die man mit Sicherheit nicht dadurch abbaut, dass man die zu diesem Verhalten führenden Reize verstärkt.
Gesinnungsethisch – sofern man da überhaupt von Ethik sprechen mag – wäre dann bestenfalls die israelische Seite, die ihre religiös begründeten höherwertigen Ansprüche gegenüber den Palästinensern durchzusetzen trachtet – ohne Rücksicht auf die sich zwangsläufig ergebenden menschen- und völkerrechtswidrigen Folgen.

Demgegenüber wäre die Folge des von den protestantischen Israelkritikern verlangten Handelns ein unabhängiger Staat Palästina und das ist nun allerdings ein Ziel, das seit Jahrzehnten von der Weltgemeinschaft UNO vertreten wird.

Und dann führt Brumlik noch ein altes Hasbara-Argument an: die angeblich geringe Bedeutung des Palästina-Konflikts für die Welt – weswegen jede Israelkritik grundsätzlich im Verdacht des Antisemitismus stehen soll. Das ist natürlich völliger Unsinn, denn tatsächlich ist der Palästina-Konflikt der älteste und wohl auch gefährlichste Konflikt, den wir überhaupt auf der Welt haben. Von ihm nämlich sind nicht nur alle Araber, sondern auch alle Muslime betroffen, handelt es sich doch um ihren geheiligten Boden, Dar-ul-Islam, und vor allem um ihre heiligen Stätten el-Aqsa-Moschee und Felsendom, die im Begriff sind, von Israel annektiert zu werden. Islamophobie, Flüchtlingsproblem, Terrorismus-Problem, gar die Gefahr nuklearer Auseinandersetzungen wegen Iran oder einer Konfrontation zwischen West und Ost, in all diese Probleme spielt der Palästina-Konflikt hinein oder ist das, was sie überhaupt ausgelöst hat – die Frage ist, welcher Konflikt denn wohl größere Bedeutung in der Welt habe und dringender zu lösen wäre?

Nun fragt sich: was hat dies alles mit christlich-jüdischem Dialog zu tun?
Nichts. Es sei denn man anerkennt, dass die Auffassungen von Gläubigen einer Religionsgemeinschaft Verbindlichkeit auch für alle anderen haben könnten, die dieser Religion nicht angehören. Dass also politische Ziele einer Religionsgemeinschaft Bestandteil dieser Religion seien und folglich auch unter dem Schutz der Religion stünden. Das ist natürlich völlig indiskutabel. Man stelle sich vor, wir sollten Köpfen von Andersgläubigen oder Dissidenten akzeptieren oder müssten Kontakte zu bestimmten Kasten untersagen. Oder anerkennen, dass fromme evangelikale Christen sich an die Bibel halten, wonach die schwarzen Nachkommen des gottverfluchten Ham auf ewig die Sklaven der anderen Nachkommen Noahs zu sein hätten. Undenkbar.

Unser Völkerrecht ist säkular. Nicht in dem Sinne, dass es sich nicht um Religionen schert und sie ablehnt, sondern in dem Sinne, dass es einbezieht, dass es verschiedene mächtige Religionen gibt und dass es keinen Frieden in der Welt geben kann, wenn man irgend einer dieser Religionen einen höheren Stellenwert einräumt, als den anderen. Dies war einst der Fall – es führte zur höchst unrühmlichen Geschichte eines erobernden, mordenden, versklavenden Christentums zur höheren Ehre Gottes.

Es gibt einen bestimmten Kanon  von Grundwerten, die humane Ethik, auf die sich letztlich alle selbständig menschlich Denkenden einigen können, sich darauf geeinigt haben, wir nennen diesen Kanon die Menschenrechte. Zuweilen stehen sie als westliche Werte unter Kritik. Nun, das braucht uns nicht weiter zu stören. Mag man sie hier und da ein klein wenig anders formulieren wollen, der Kern bleibt gleich, weil es nun mal die gleichen humanen Werte sind, die den Menschen zum Menschen machen und die auch von allen Religionen für heilig erklärt worden sind. Auf diesem Kanon basiert unser Völkerrecht. Das sollte uns bewusst sein. Es sollte uns bewusst sein, was wir in Wirklichkeit tun, wenn wir Völkerrecht mal eben außen vor lassen: wir scheren uns dann nicht um die humanen Werte, um das Menschliche schlechthin.

Und dann fragen wir nochmals nach Gesinnungs- und Verantwortungsethik: ist es verantwortbar, das Völkerrecht zu missachten, das im Falle des Palästina-Konflikts eine Zweistaatenlösung mit bereits definierten Grenzen vorsieht, weil man aus eigenem Schuldgefühl heraus (das sich freilich nicht auf z.B. ehemalige schwarzafrikanische Sklaven erstreckt) religiös begründeten Ansprüchen im Wesentlichen europäischer Juden einen höheren Rang einräumt, als den sachlich begründeten Ansprüchen eines nicht-europäischen Volkes?

So gesehen …