Türkeiputsch: mögliche Hintergründe?

Von allen bisherigen Theorien erscheint mir diese als die plausibelste; ich empfehle, diesen relativ kurzen Bericht zu lesen. Womit keineswegs gesagt werden soll, dass er mehr ist als eine spekulative Theorie.

Die ursprüngliche Quelle Middle East Eye ist durchaus nicht unseriös. Darin behauptet David Hearst, es gäbe eine vor allem finanzielle Allianz zwischen der Gülen-Bewegung und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Dass die Gülen-Bewegung alleine und ohne Hilfe von außen in der Lage wäre, einen solchen Putschversuch zu veranstalten, erscheint recht unglaubwürdig. Von daher ist die Suche nach Unterstützern angebracht.
Die Gülen-Bewegung ist keineswegs so fortschrittlich, wie sie gerne tut. Tatsächlich dürfte sie durchaus nach dem Geschmack des Golf-Kooperationsrates sein, vielleicht mit Ausnahme des recht einzigartigen Saudi Arabien.

Die Türkei und Ägypten sind die wichtigsten islamischen Staaten in der Region. Ägypten ist mit Sisi auf antidemokratischen Kurs gebracht, Türkei steht noch aus. Von daher sollte man Erdogan vielleicht nicht übertrieben angreifen: man könnte in Sachen Demokratie ohne ihn vom Regen in die Traufe kommen.

Die vor allem auf ihre Finanzkraft gestützten Hegemoniebestrebungen des Golfs sind längst bekannt. In Libyen war es Katar, das mit allen möglichen Mitteln und durchsichtigen Hilfsangeboten danach trachtete, es unter Kontrolle zu bekommen – wobei Katars Vorschlag nicht etwa eine Demokratie war, sondern ein Emirat. Denn Demokratie wird am Golf selbstverständlich als Gefahr angesehen. Auch dort sitzen die üblichen Kapitalistenmonarchen, die die Staaten, die sie als ihr Eigentum betrachten, gewiss nicht in Volkes Hände übergehen lassen wollen. Denn auch wenn die Bevölkerungen relativ klein sind, melden sich überall Stimmen, die mit den patriarchalischen Herrschaftssystemen nicht einverstanden sind. Plausibel, denn sie sind menschenunwürdig.

Saudi Arabien wird vom Westen hochgerüstet, andere Golfstaaten auch, das macht aber nicht so viel Aufsehen. Sie sind auch die Zwischenhändler für vom Westen gelieferte Waffen, von denen auch der IS schon profitiert hat; auf jeden Fall aber die dem Golf genehmen ‚Rebellengruppen‘, die die Demokraten in Syrien damit ausbooteten.

In Jemen führt Saudi Arabien einen schon sadistisch zu nennenden Krieg.

Wer mögliches ziviles humanes Empfinden der Herrscher am Golf entgegen halten will, sei an die Sklavenarbeit für die Fußballweltmeisterschaft erinnert. Ich denke nicht, dass wir bei diesen brutalen Kapitalistenseelen auf menschliches Empfinden, auf Rücksicht auf den Willen oder auch nur die grundlegenden Menschenrechte  den von ihnen Beherrschten gegenüber setzten können.

Selbstverständlich sind die Staaten des Golf-Kooperationsraten sämtlich gute Verbündete der USA. Die hier in Rede stehenden Vereinigten Arabischen Emirate haben die USA nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Irak auch mit Truppen unterstützt.

Bewiesen ist nichts. Aber wenn wir plausible Theorien aus der Masse der Allgemeinplätze aussieben wollen, sollte diese hier imho bei den plausiblen sein.

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